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Die Einführung von Ottilie in Goethes „Wahlverwandtschaften“ als zentrale Schlüsselfigur der Todesproblematik

Konstruktion von Literatur. Leben unter dem Aspekt des Todes

Title: Die Einführung von Ottilie in Goethes „Wahlverwandtschaften“ als zentrale Schlüsselfigur der Todesproblematik

Term Paper , 2009 , 11 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Marcus Patzer (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Liebe ist ein zentraler Bestandteil des Lebens, wenn nicht sogar der zentralste. Schon immer sind Menschen auf der Suche nach dem Sinn des Lebens: Warum leben wir? Was ist unsere Bestimmung, was unser Ziel? Und ist es nicht eine befriedigende Antwort, wenn wir sagen: Liebt man wirklich aufrichtig und wird man auch so geliebt, dann hat man den Sinn des Lebens zu einem nicht unwichtigen Teil erkannt. Aus diesem Grund ist die Liebe auch immer wieder ein Thema in der Literatur; egal, in welche Epoche man schaut, egal, in welchen Kulturkreis man blickt: Liebe wird immer verarbeitet, da sie allgegenwärtig ist. Doch die Liebe tritt nicht immer nur allein auf. Häufig hat sie einen Mitspieler – einen mindestens genauso zentralen Begriff: den Tod. Denn genau wie die Liebe gehört auch der Tod als ein fester Bestandteil zum Leben. Und so finden sich auch in der Literatur immer wieder Bilder, die Beispiele für die Verbindung dieser beiden Begriffe darstellen: Romeo und Julia, die erst im Tode endgültig zueinander finden; auch Tristan und Isolde trifft ein ähnliches Schicksal. Werther begeht Selbstmord, weil es ihm unmöglich erscheint, seine Liebe zu Lotte erfüllt zu sehen und auch in seinen „Wahlverwandtschaften“ liefert Goethe eines der wohl eindrücklichsten und intensivsten Todessymbole der Weimarer Klassik, wenn nicht gar überhaupt - Ottilie. Das besondere an ihr ist, dass sich ihr Sterben über das gesamte Werk erstreckt, sehr zäh und quälend dargestellt wird und schließlich im Tod sein Ergebnis findet. Doch kann man sogar so weit gehen und sagen, dass dieser schon zu Beginn des Romans in der betont indirekten Einführung von Ottilie über die Briefe der Vorsteherin und ihres Gehilfen angelegt ist?

In dieser Arbeit soll eben diese Frage in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt werden: Eine Analyse der beiden Briefe, der Vorsteherin und des Gehilfen, soll klären, in wie weit eine bewusste Konstruktion der notwendigen Elemente, die zum Tod Ottilies führen, bereits in der Figurenexposition vorliegt? Kann man diese also als Vorausdeutung betrachten? Zu diesem Zweck soll in einem ersten Schritt analysiert werden, wie Ottilie überhaupt in die Handlung eingeführt wird und in einem nächsten Schritt sollen drei ob ihrer besonderen Ausdruckskraft ausgewählte Aspekte genauer beleuchtet werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Themenbegründung

2. Ottilie als Schlüsselfigur der Todesproblematik

2.1 Die Einführung der Ottilie

2.2 Drei Merkmale

2.2.1 Die Außensicht - Das Bild der Ottilie

2.2.2 Reaktion statt Aktion - Passivität statt Aktivität

2.2.3 Ottilies Gebärde

3. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion von Ottilie in Goethes "Wahlverwandtschaften" mit dem Ziel zu klären, inwiefern ihre zentrale Rolle in der Todesproblematik bereits in der Figurenexposition durch die Briefe der Vorsteherin und ihres Gehilfen bewusst angelegt ist.

  • Die Analyse der Figurenexposition als Vorausdeutung auf den Tod Ottilies
  • Die Darstellung Ottilies als passives, von anderen konstruiertes "Bild"
  • Das Spannungsfeld zwischen Passivität, Reaktion und Abwehrverhalten
  • Die Bedeutung von Gebärden als Ausdrucksmittel der Unfähigkeit zur Kommunikation
  • Die Rolle der Wahrnehmung durch das soziale Umfeld

Auszug aus dem Buch

2.2 Drei Merkmale

Wie bereits erwähnt, ist dies eines der wichtigsten und zentralsten Charakteristika der Ottilienbeschreibung. Sie wird von anderen beschrieben und charakterisiert, obwohl sie nicht präsent ist. Susanne Konrad spricht von einer weiblichen Imago-Gestalt, als welche sie konstituiert wird. Diese Beschreibung ist sehr treffen, da die Bedeutung des Begriffs Imago an nicht mehr lebende Personen gekoppelt ist, was in Ottilies Fall einmal mehr zutrifft, wie sich in den Abschnitten „Reaktion statt Aktion - Passivität statt Aktivität“ und „Ottilies Gebärde“ einmal mehr zeigen wird. Nur in den wenigsten Momenten wird sie wirklich aktiv als Subjekt mit einer eigenen, wenn auch nicht vollständig entwickelten Persönlichkeit, über die sie aber definitiv verfügt. Ihr Problem, dass sie nicht im Stande ist, sich anderen zu erklären, trägt sicherlich einen Teil eben dazu bei, aber auch dazu, dass ihre Mitmenschen über sie urteilen, und man so fast ausschließlich über ein von außen erzeugtes Bild von ihr verfügt. Was es heißt, dass andere sich ein Bild von Ottilie machen, ohne dass sie dabei anwesend ist, oder dass sie es überhaupt möchte, zeigt sich in einem Gespräch zwischen dem Gehilfen und der Vorsteherin:

„Ottilie schien gelassen für jeden andern, nur nicht für mich. [...] Ich sah dies Zeichen und meine Teilnehmung konnte sich nicht zurückhalten. Ich führte unsre Vorsteherin beiseite, sprach ernsthaft mit ihr über die Sache.“

Hier wird sehr deutlich, dass der Gehilfe erkannt hat, dass in Ottilie irgendetwas in Aufruhr ist, aber mit ihr darüber gesprochen hat er nicht, da er sie als eigenständiges Individuum wohl nicht akzeptiert, möglicherweise sogar negiert, was zu einem nicht zu unterschätzenden Teil wohl auch daran liegt, dass sie sich eben nicht erklären kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Themenbegründung: Dieses Kapitel verortet die Verknüpfung von Liebe und Tod in der Literatur und formuliert die Forschungsfrage, ob Ottilies schicksalhafter Weg bereits in ihrer Einführung im Roman angelegt ist.

2. Ottilie als Schlüsselfigur der Todesproblematik: Das Hauptkapitel untersucht die spezifische Konstruktion Ottilies durch fremde Berichte und charakterisiert ihr Wesen anhand der Merkmale Außensicht, Passivität sowie spezifischer Gebärden.

3. Schluss: Die Zusammenfassung bestätigt, dass Ottilie als ein von Anfang an zum Sterben verurteilter Charakter konstruiert ist, dessen passive Rolle ihr kaum Möglichkeiten zur Selbstbestimmung lässt.

Schlüsselwörter

Goethe, Wahlverwandtschaften, Ottilie, Todesproblematik, Literaturanalyse, Figurenexposition, Passivität, Imago, Gebärde, Weimarer Klassik, Abwehrhaltung, Romanstruktur, Deutung, Sterben, Konstruktion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Konstruktion der Figur Ottilie in Goethes Roman "Wahlverwandtschaften" unter besonderer Berücksichtigung ihrer Rolle als Schlüsselfigur für die Todesproblematik des Werkes.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Verknüpfung von Liebe und Tod, die Bedeutung der Figurenexposition für den späteren Handlungsverlauf sowie die psychologische und soziale Konstitution einer Romanfigur durch ihre Umwelt.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu analysieren, ob Ottilies späteres Schicksal bereits zu Beginn des Romans, speziell in den Briefen der Vorsteherin und ihres Gehilfen, durch eine bewusste Konstruktion als Vorausdeutung angelegt wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine textanalytische Methode, bei der zentrale Stellen der Figurenexposition sowie das charakteristische Verhalten Ottilies im Romanverlauf unter Einbeziehung literaturwissenschaftlicher Sekundärliteratur untersucht werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert drei spezifische Merkmale: die einseitige Außensicht auf Ottilie, ihre passive Reaktion statt aktiven Handelns und die Bedeutung ihrer speziellen Gebärde als letztes Mittel der Abwehr.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Ottilie, Wahlverwandtschaften, Todesproblematik, Passivität, Figurenexposition, Imago und literarische Vorausdeutung.

Welche Rolle spielen die Briefe im ersten Kapitel der Analyse?

Die Briefe der Vorsteherin und ihres Gehilfen dienen als primäre Informationsquelle zur Einführung Ottilies, durch die sie nicht als handelndes Subjekt, sondern als Objekt der Fremdwahrnehmung konstruiert wird.

Warum wird Ottilies Gebärde als "letzte Abwehrhaltung" bezeichnet?

Die Gebärde, in der sie ihre Hände gegen die Brust führt, wird als äußerste Form ihrer Reaktion gedeutet, da sie unfähig ist, ihre Bedürfnisse oder Ablehnung verbal zu kommunizieren, und somit in eine sakral wirkende Abwehrhaltung verfällt.

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Details

Title
Die Einführung von Ottilie in Goethes „Wahlverwandtschaften“ als zentrale Schlüsselfigur der Todesproblematik
Subtitle
Konstruktion von Literatur. Leben unter dem Aspekt des Todes
College
University of Erfurt
Grade
1,0
Author
Marcus Patzer (Author)
Publication Year
2009
Pages
11
Catalog Number
V376343
ISBN (eBook)
9783668535046
ISBN (Book)
9783668535053
Language
German
Tags
Liebe Leben Tod Sinn Bestimmung Ziel Literatur Wahlverwandtschaften Goethe Romeo und Julia Tristan und Isolde Ottilie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marcus Patzer (Author), 2009, Die Einführung von Ottilie in Goethes „Wahlverwandtschaften“ als zentrale Schlüsselfigur der Todesproblematik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376343
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