Perdikkas und seine Rolle im Zeitalter der Diadochen


Hausarbeit, 2010

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt
1.
Einleitung
... 3
2.
Perdikkas und seine Rolle im Zeitalter der Diadochen
...
4
2.1
Die Situation nach Alexanders Tod...
4
2.2
Der Kronrat von Babylon...
6
2.2.1 Reiterei vs. Fußvolk...
6
2.2.2 Die Satrapienverteilung...
8
2.3
Der Kappadokienfeldzug...
10
2.4
Nikaia vs. Kleopatra...
12
2.5
Der erste Diadochenkrieg und Perdikkas` Tod... 14
3.
Schluss
... 16
4.
Quellen- und Literaturverzeichnis
... 17

3
1. Einleitung
Mit dem Tod Alexanders des Großen im Jahr 323 vor Christus stellte sich eine entscheidende
Frage, nämlich die, wie mit dem Weltreich, das er hinterlassen hatte, umgegangen werden
sollte. Diese Ungewissheit hatte ihren Ursprung in der Annahme, dass Alexander weder einen
direkten Nachfolger für seine Regentschaft ernannt hatte, noch Wissen darüber existierte, ob
man eher eine Reichseinheit oder doch mehrere kleine Reiche anstreben sollte. Was aus dieser
Problemsituation folgte, war eine Epoche, die geprägt war von Kriegen unter den so
genannten
Diadochen
1
, den Nachfolgern Alexanders.
Zu einem der ersten Regenten unter den Diadochen nach Alexanders Tod, die noch zu den
Unitariern
2
gezählt werden konnten, gehörte Perdikkas, der allerdings ziemlich rasch mit
seiner Politik scheiterte, und innerhalb der Auseinandersetzungen sein Leben verlor. Als
Somatophylax
3
diente er bereits unter Alexanders Vater Philipp II., und etablierte seine
Stellung als Teil der
Philoi
4
unter Alexander selbst, indem er als General und Leibwache
fungierte.
5
Wie Seibert schreibt
6
, gibt es zu Perdikkas nur sehr wenige Untersuchungen, die dessen
gesamter Politik gerecht werden. Auch wird er überwiegend negativ bewertet, so z.B. von
Droysen
7
, was wohl an den jeweils zu Grunde liegenden Quellen liegt.
8
Wie Seibert weiter
schreibt, ist auch die Zeit des Wirkens des Perdikkas, also direkt nach Alexanders Tod,
unterschiedlich stark in der Forschung problematisiert worden, was wohl seinen Ursprung in
der zum Teil großen Uneinheitlichkeit und Auslegbarkeit der Quellen hat.
9
Im Folgenden soll es auf Grund dieser Problematik darum gehen, Perdikkas und seine
Rolle in den Auseinandersetzungen nach Alexanders Tod anhand der Quellenlage auf der
einen, und den Darstellungen in der Sekundärliteratur auf der anderen Seite, näher zu
beleuchten. Es soll ausgehend von dieser Analyse zum Schluss der Arbeit eine Aussage
darüber getroffen werden können, was möglicherweise dazu geführt hat, dass Perdikkas mit
seiner Politik scheiterte.
1
Von griech. diádochoi: ,,Nachfolger", lit. Sammelbegriff für die Generäle Alexanders, die sich nach seinem Tod
323 v. Chr. Im Mit- und Gegeneinander zu Erben seines Reiches machten. Vgl. dazu Rosen 1997, S. 500.
2
Vertreter der Diadochen, die eine Reichseinheit anstrebten.
3
Von griech. soma: ,,Leib" und phyláttein: ,,bewachen", bei den Griechen Leibwächter hochgestellter Personen.
Vgl. dazu Mehl 2001, S. 711.
4
Von griech. phíloi: ,,Freunde". Vgl. dazu Mehl 1998, S. 666.
5
Vgl. dazu Mossé 2004, S. 256/257.
6
Vgl. dazu Seibert 1983, S. 217.
7
Vgl. dazu Droysen 1836, S. 52-85.
8
Besonders hervorzuheben sind hier Diodoros und Iustinus.
9
Vgl. dazu Seibert 1983, S. 84.

4
Die Quellen, die hierbei als Grundlage fungieren, sind einerseits Diodoros ,,Griechische
Weltgeschichte", Plutarchs Text über Eumenes aus seinen ,,Vitae parallelae",
Iustinus` ,,Historiarum Philippicarum Pompei Trogi libri quadraginta quattuor" und die
Fragmente 4 und 5 aus Arrians ,,Ta meta Alexandron".
Im ersten Teil der Arbeit soll ein kurzer Abriss die problematische Situation nach
Alexanders Tod skizzieren und Perdikkas einführen. In den nächsten Schritten wird
chronologisch dessen Weg zur Macht und schließlich zu seinem Tod dargestellt.
10
Wichtige
Etappen, die hierbei als Eckpfeiler gesetzt werden, sind zum einen die Streitigkeiten zwischen
der Reiterei und dem Fußvolk, außerdem die Satrapienverteilung, die auf dem Kronrat von
Babylon beschlossen wurde, der Kappadokienfeldzug, die Frage der Ehe mit Nikaia und
Kleopatra und schließlich die Ereignisse bis zu Perdikkas Tod in Ägypten.
11
2. Perdikkas und seine Rolle im Zeitalter der Diadochen
2.1 Die Situation nach Alexanders Tod
Alexander hinterließ nach seinem Tod ein Weltreich und keinen legitimen Nachfolger. Auch
war sämtliche Macht über das gesamte Reich ausschließlich in ihm als Person konzentriert.
Wer sollte dieses schwere Erbe also antreten? Mit seiner Frau Roxane hatte er zu seinen
Lebzeiten keinen Thronerben gezeugt, allerdings war sie von ihm schwanger und sollte später
einen Sohn zur Welt bringen. Dieser war jedoch zum Zeitpunkt seines Todes noch nicht
geboren. Des Weiteren hatte Alexander einen Sohn, nämlich Herakles. Diesen hatte er mit
Barsine gezeugt, die jedoch wohl nie seine Frau, also die Königin, gewesen ist. Damit konnte
auch dieser Junge nicht das Erbe antreten. Ansonsten existierte nur noch ein Halbbruder
Alexanders, nämlich Arrhidaios. Allerdings würde dieser es schwer haben, jenes Erbe
anzutreten, denn er war auf der einen Seite nur Alexanders Halbbruder, und auf der anderen
Seite galt er als geistesgestört. Es lag also nun in den Händen der
Freunde des verstorbenen
Königs, der
philoi, diesen Konflikt zu lösen.
12
In Diodoros Weltgeschichte steht zu dieser Situation geschrieben, dass Alexander kurz vor
seinem Tod auf prophetische Art und Weise zu seinen Freunden gesprochen haben soll:
,,Denn als er in Babylon sein Leben endete und beim letzten Atemzug von seinen
Freunden gefragt wurde, wem er seine Herrschaft hinterlasse, erklärte er: ,Dem Besten!
10
Zu dieser Chronologie gelangt man wenn man wie Seibert die Darstellungen des Diodoros zu Grunde legt.
11
Vgl. dazu Seibert 1983, S. 76.
12
Vgl. dazu Walbank 1983, S. 46 f.

5
Sehe ich doch schon voraus, daß ein großer Streit unter meinen Freunden meine
Leichenspiele sein werden`."
13
Die Wahrhaftigkeit und Tatsächlichkeit dieses Ausspruchs ist natürlich nicht zu klären, und
demnach eher kritisch zu betrachten. Allerdings sollte sich genau diese beschriebene
Prophezeiung als tatsächliches Resultat auf Alexanders Tod erweisen.
Des Weiteren soll Perdikkas vom sterbenden Alexander dessen Siegelring überreicht
bekommen haben, wie Iustinus schreibt:
,,Am sechsten Tage, als ihm schon die Stimme versagte, nahm er seinen Ring vom Finger
und überreichte ihn dem Perdikkas. Dadurch wurde die schwelende Uneinigkeit der
Freunde beschwichtigt. Denn wenn Perdikkas auch nicht ausdrücklich als Erbe benannt
worden war, so erschien er doch der Absicht nach als Erwählter."
14
Dieses Ereignis, also die Übergabe des Siegelringes, findet in der gesamten dieser Arbeit zu
Grunde liegenden Sekundärliteratur Erwähnung.
15
Sowohl Droysen als auch Gehrke führen
Perdikkas mit dem Verweis auf jene Übergabe ein, wobei Droysen dazu noch eine Ergänzung
vornimmt. Er schreibt, dass Perdikkas durch jenes Ereignis eine gewisse Befugnis erlangte,
die Initiative ergreifen zu können um die Verhandlungen über das weitere Vorgehen zu
beginnen.
16
Doch diese Verhandlungen sollten problematischer werden, als es den Anschein
machte, sowohl in der antiken Realität, als auch in der wissenschaftlichen
Auseinandersetzung mit diesem Thema.
2.2 Der Kronrat von Babylon
2.2.1 Reiterei vs. Fußvolk
Perdikkas, der Inhaber des Siegelrings, eröffnete nun die Diskussion über die Nachfolgefrage.
Es fand sich dazu die gesamte Reiterei unter der Führung des Hochadels, zu dem Perdikkas
und fast alle Somatophylakes und hohen Offiziere zählten, ein, um zu beschließen, dass wenn
Roxane einen Sohn zur Welt brächte, dieser zum Herrscher über das Alexanderreich werden
würde.
17
Diese Entscheidung zeigt laut Droysen, dass es dem Wortführer Perdikkas wohl
13
Diod. 18, 1, 4.
14
Iust. 12, 15.
15
Vgl. dazu Gehrke 1994, S. 31 und Droysen 1836, S. 5.
16
Vgl. dazu Droysen 1836, S. 5.
17
Vgl. dazu Gehrke 1994, S. 33.

6
schon damals ganz klar um die monarchistische Reichseinheit gegangen ist, was seiner
Meinung nach durch sein späteres Verhalten nur noch verstärkt wurde.
18
Iustinus schreibt
dazu folgendes, ganz deutlich Perdikkas als Wortführer benennend:
,,Perdikkas beantragt, man solle die Niederkunft Rhoxanes abwarten, welche, da sie schon
im achten Monat von Alexander schwanger war, kurz vor ihrer Entbindung stand: wenn
sie einen Knaben gebären werde, solle man den zum Nachfolger seines Vaters machen."
19
Diese Entscheidung brachte nun aber das Fußvolk auf den Plan, denn unter Alexander wurden
solch wichtige Entscheidungen immer vom ,,versammelten Kriegsvolk" beschlossen, wie
Droysen schreibt.
20
Meleagros trat hierbei als Wortführer der Phalanx auf und verkündete,
dass es ganz offensichtlich doch einen legitimen Nachfolger Alexanders gäbe, nämlich dessen
Halbbruder Arrhidaios. Dieser sollte sofort die Nachfolge auf den Thron antreten; man wollte
nicht auf die mögliche Geburt eines Sohnes warten. Es kam in der Folgezeit dessen zu
heftigen Auseinandersetzungen zwischen der Reiterei und dem Fußvolk und nur dank des
Vorschlages des Eumenes, man solle die beiden potentiellen Anwärter als gleichberechtigt
gelten lassen, konnte eine vorläufige Einigung erzielt werden. Damit wurden sowohl
Arrhidaios als Philippos III., als auch der später geborene Alexander der IV., der Sohn von
Roxane und Alexander, gleichberechtigte Könige.
21
Droysen beschreibt weiterhin, dass es im Zuge dieses Vorschlages des Eumenes zu der
Vergabe von hohen Ämtern kam. Die Verteilung der Satrapien allerdings wurde vorerst so
beibehalten, wie sie war. Antipatros wurde zum Strategen in Europa ernannt, Krateros wurde
Prostates des Königtums, Perdikkas Chiliarch und Meleagros Hyparch.
22
Sowohl bei Iustinus,
als auch bei Diodoros wird unzweifelhaft beschrieben, dass Perdikkas zu diesem Zeitpunkt
allgemein als Anführer angesehen wurde. Bei Iustinus kann man lesen:
,,Als dies Perdikkas mit der ihm eigenen einzigartigen Beredsamkeit vortrug, machte er
auf das Fußvolk einen so tiefen Eindruck, daß sein Rat gebilligt und er von allen zum
Anführer gewählt wurde." Diodoros schreibt zu dieser Situation folgendes: ,,[...] und
bestellten den Perdikkas als Verweser des Königreiches. Ihm hatte ja auch der sterbende
König den Ring übergeben. [...] und sowohl dem König wie auch dem Perdikkas
Gehorsam leisten."
23
18
Vgl. dazu Droysen 1836, S. 6.
19
Iust. 13, 2.
20
Vgl. dazu Droysen 1836, S. 6/7.
21
Vgl. dazu Walbank 1983, S. 49.
22
Vgl. dazu Droysen 1836, S. 8.
23
Diod. 18, 2, 4.
Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Perdikkas und seine Rolle im Zeitalter der Diadochen
Hochschule
Universität Erfurt  (Alte Geschichte)
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V376348
ISBN (eBook)
9783668535589
ISBN (Buch)
9783668535596
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
perdikkas, rolle, zeitalter, diadochen
Arbeit zitieren
Marcus Patzer (Autor), 2010, Perdikkas und seine Rolle im Zeitalter der Diadochen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376348

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