Die Autor-Verleger-Beziehung im Publikumsverlag

Aufgezeigt am Briefwechsel zwischen Anton Kippenberg und Rainer Maria Rilke


Hausarbeit, 2014
14 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

2
1 Die Autor-Verleger-Beziehung im Publikumsverlag
Der Publikumsverlag wird einerseits durch die Verlegerpersönlichkeit, die den Verlag anführt und
leitet, andererseits durch die Autoren, die zur Bildung eines einheitlichen Verlagsprogrammes bei-
tragen, geprägt. Das Zusammenspiel von Autor und Verleger ist ableitend die Vorrausetzung für ei-
nen funktionierenden Verlag. Die Autor-Verleger-Beziehung basiert auf einer Geschäftsbeziehung
und erfordert gleichermaßen eine persönliche Bindung um den Autor in den Verlag zu integrieren
und seine geistige Leistung außerhalb des Marktgeschehens beurteilen zu können.
Inwieweit die Beziehung zwischen Autor und Verleger im literarischen Verlag über die Geschäfts-
beziehung hinausgeht, soll daher im Folgenden untersucht werden. Mit Hilfe der Auswertung von
Quellen sollen Fragen zur Erläuterung und Entwicklung einer Geschäftsbeziehung sowie zu Rahmen-
bedingungen der Autor-Verleger-Beziehung erklärt werden. Um Aspekte, die über die geschäftliche
Grundlage hinausgehen, darzustellen wird die Entwicklung der Beziehung zwischen Rainer Maria
Rilke und seinem Verleger Anton Kippenberg anhand ihres Briefwechsels
1
untersucht.
Der Briefwechsel als Kommunikationsmittel liefert Hinweise zu der Entwicklung der Beziehung zwi-
schen Rilke und seinem Verleger, kann jedoch nicht als einzige Grundlage dienen um die Verbindung
zu untersuchen, da nicht genug Hintergrundinformationen, beispielsweise über den Kontext in dem
die Briefe entstanden sind, geliefert werden. Hilfreich in dieser Hinsicht war daher ,,Zu den Briefen"
von Ingeborg Schnack
2
als Einleitung für den Briefwechsel sowie ,,Unternehmer zwischen Markt und
Moderne. Verleger und die zeitgenössische deutschsprachige Literatur an der Schwelle zum 20. Jahr-
hundert" von Birgit Kuhbandner.
3
Mit Hilfe von ,,Der Autor und sein Verleger. Vorlesungen in Mainz
und Austin" von Siegfried Unseld
4
sowie ,,Der Verlagsvertrag" von Ludwig Delp und Peter Lutz
5
konn-
ten die rechtlichen und geschäftlichen Grundlagen die im Verlagswesen bestehen dargestellt und im
Kontext der Autor-Verleger-Beziehung erläutert werden. Um die Geschäftsbeziehung allgemeiner
darzustellen und zu vergleichen inwieweit diese auf die Verbindung zwischen Autor und Verleger
übertragbar ist, waren ,,Geschäftsbeziehungsmanagement. Konzepte, Methoden, Instrumente." von
Wulff Plinke und das Lebenszyklusmodell von Dywer, Schurr und Oh, welches in ,,Developing Buyer-
1
Scharffenberg, Renate/ Schnack, Ingeborg (Hrsg.): Rainer Maria Rilke Briefwechsel mit Anton
Kippenberg 1906­1926. Frankfurt am Main u.a.: Insel-Verlag 1995.
2
Schnack, Ingeborg: Zu den Briefen. In: Rainer Maria Rilke Briefwechsel mit Anton Kippenberg 1906­1926.
Frankfurt am Main u.a.: Insel-Verlag 1995, S. 7­50.
3
Kuhbandner, Birgit: Unternehmer zwischen Markt und Moderne. Verleger und die zeitgenössische deutsch-
sprachige Literatur an der Schwelle zum 20. Jahrhundert (Mainzer Studien zur Buchwissenschaft 17). Wiesba-
den: Harrassowitz 2008.
4
Unseld, Siegfried: Der Autor und sein Verleger. Vorlesungen in Mainz und Austin. 2. Aufl. Frankfurt am
Main: Suhrkamp Verlag 1978.
5
Delp, Ludwig: Der Verlagsvertrag. 5. Aufl. München: Verlag Franz Rehm 1990.

3
Seller
Relationships"
dargestellt
wird,
eine
hilfreiche
Quelle.
6
Der aktuelle Forschungsstand liefert Beschreibungen und Hinweise auf Besonderheiten in der Be-
ziehung zwischen einem Autor und seinem Verleger. Darüber hinaus sind Biographien von Autoren
sowie von Verlegerpersönlichkeiten, Verlagschroniken und gesammelte Briefwechsel Mittel um die
Beziehung darzustellen. Wenig untersucht sind jedoch das Modell der Verbindung an sich und die
Frage inwiefern Autor-Verleger-Beziehungen sich auf den Verlag und somit auf die gesamte Buch-
branche auswirken. Dabei ist die Untersuchung stets von aktuellem Interesse denn solange Autoren
ihre Werke Verlagen anvertrauen, wird es Autoren-Verleger-Beziehungen geben, die von Person zu
Person variieren und sich weiterentwickeln. Die Erforschung der Verbindung ist daher von hoher
Bedeutung für die Buchwissenschaft. Auch im Seminarkontext ist die Untersuchung von Autor-Ver-
leger-
Beziehungen sinnvoll, da das Verlagsprogramm und somit auch der Verlag selbst von der Beziehung
beeinflusst werden kann, wie die folgende Arbeit aufzeigt.
2 Geschäftsbeziehungen
2.1 Erläuterung und Eingrenzung
Eine Beziehung auf geschäftlicher Ebene wird ausgezeichnet durch ,,[...] eine Folge von Markttrans-
aktionen zwischen einem Anbieter und einem Nachfrager, die nicht zufällig ist."
7
Im Mittelpunkt ei-
ner Geschäftsbeziehung steht demnach eine geplante Anzahl an Einzelaktionen deren Ausführung
Anbieter und Nachfrager verbinden. Markttransaktionen werden nach MacNeil in diskrete Transak-
tionen und relationale Transaktionen wie folgt unterschieden: Diskrete Transaktionen sind zeit-
punktorientiert, kurzfristig (Einzeltransaktionen) und meist ohne sozialen Kontakt, sodass keine Ver-
bindung zwischen Anbieter und Nachfrager entsteht. Im Gegensatz dazu zeichnen sich relationalen
Transaktionen durch ihre hohe Komplexität aus da sie zeitraumbezogen, langfristig und mit sozialem
Kontakt sind.
8
Hierbei gibt es unterschiedliche Auffassungen inwieweit einfache Transaktionen zu
den Geschäftsbeziehungen gezählt werden. Nach Plinke, der sich an McNeils Aufteilung der Trans-
6
Plinke, Wulff: Geschäftsbeziehungsmanagement. Konzepte, Methoden, Instrumente. 2. Aufl.
Wiesbaden: Gabler Verlag 2011.
7
Ebd., S.22.
8
Vgl. Ebd., S. 24. und Saab, Samy: Commitment in Geschäftsbeziehungen. Konzeptualisierung und Operatio-
nalisierung für das Business-to-Business-Marketing (Business-to-Business-Marketing) Wiesbaden: Deutscher
Universitäts Verlag 2007, S. 8.

4
aktionen orientiert, entstehen geschäftliche Verbindungen nur wenn einer Transaktion ein abge-
schlossenes Geschäft vorrausgegangen ist und ein weiteres Abkommen folgt, wobei die ,,innere Ver-
bindung"
der
Transaktionen
die
Beziehung
ausmacht.
9
Geschäftsbeziehungen müssen des Weiteren in ihrer Ausprägung unterschieden werden. Dem-
nach gibt es verschiedene Konstellationen die Auswirkungen auf die Verbindung haben. Asymmetri-
sche Bindungen weisen auf, dass eine Partei eine niedrige Bindung an den Partner hat, während
dieser im hohen Maße gebunden ist. Wenn beide Seiten, Anbieter und Nachfrager, sich im hohen
Maße an den jeweiligen Partner binden, entsteht eine bilaterale Beziehung. Bei niedriger bis keiner
Bindung
von
beiden
Seiten
kommt
es
zu
keiner
Geschäftsbeziehung.
10
In der Buchbranche ist das erste zentrale Bindeglied in der Geschäftsbeziehung zwischen Autor und
Verleger der Verlagsvertrag, da er rechtliche Grundlagen zur Verbreitung und Vervielfältigung, zum
Verwertungsrecht sowie zum Autorenhonorar festlegt.
11
Unabhängig von der Branche, dennoch be-
sonders in der Autor-Verleger-Beziehung von Bedeutung, ist Vertrauen in der Beziehung um Trans-
aktionen durchzuführen. Insbesondere wenn Vorleistungen zu erbringen sind, deren Auszahlung im
Nachhinein stattfindet.
12
Im Verlagswesen ist dies genau zu beobachten: Der Autor, in diesem Fall
der Anbieter, vertraut dem Verlag sein Werk an um nach abgeschlossenen Marketing und Verkauf
sein
Honorar
zu
beziehen.
Die Intensität einer Geschäftsbeziehung wird durch zusammenwirkende Faktoren wie die Anzahl
der Transaktionen und gegenseitiges Vertrauen beeinflusst und kann daher nicht als allgemeine De-
finition erläutert und auf die gesamten Geschäftsbeziehungen übertragen werden.
2.2 Das Phasenmodell nach Dwyer, Schurr und Oh
Das Phasenmodell von Dwyer, Schurr und Oh unterteilt die zeitliche Entwicklung einer Geschäftsbe-
ziehung in fünf Phasen in denen dargestellt wird, wie die Handelspartner miteinander umgehen und
wie
der
Zeitablauf
die
Intensität
der
Beziehung
beeinflusst.
13
Die erste Phase der Geschäftsbeziehung ,,Awareness" dient den möglichen Partnern dazu, auf sich
aufmerksam zu machen und sich zu ,,positionieren" um die Vorteile einer Zusammenarbeit darzu-
stellen und gemeinsame Transaktionen zu planen. Da noch keine Aktionen mit dem potentiellen
9
Vgl. Plinke: Geschäftsbeziehungsmanagement, S.24.
10
Vgl. Kühne, Bettina: Asymmetrische Bindungen in Geschäftsbeziehungen. Einflussfaktoren im Business-to-
Business-Bereich (Gabler Edition Wissenschaft). Wiesbaden: Gabler Verlag 2008, S.13.
11
Verlagsvertrag. In: Lexikon Verlagskunde. Börsenverein des Deutschen Buchhandels. http://www.boersen-
verein.de/de/portal/glossar/293317?glossar=V&wort=293376. [11.08.14].
12
Vgl. Kühne: Asymmetrische Bindungen in Geschäftsbeziehungen, S. 107.
13
Vgl. Dwyer/ Schurr/ Oh: Developing Buyer-Seller Relationships. In: http://www.jstor.org/stable/1251126
vom 26.12.2010 13:03, S. 15. [12.08.14].

5
Partner
durchgeführt
wurden,
ist
die
Unsicherheit
in
der
Anfangsphase
besonders
hoch
und
kann
durch
Referenzen,
die
zu
positiven
Vertragsabschlüssen
beitragen,
vermindert
werden.
14
Im weiteren Verlauf wägen die potentiellen Vertragspartner Vor- und Nachteile der Verbindung
ab. In dieser Erkundungsphase finden erste Verhandlungen statt die die weitere Entwicklung der
Beziehung beeinflussen. Da die Phase keine gefestigte Bindung darstellt, besteht die Möglichkeit von
den Verhandlungen zurückzutreten.
15
Die Phase wird zu dem durch fünf weitere Kategorien bee-
influsst: ,,attraction, communication and bargaining, development and exercise of power, norm de-
velopment, and expectation development".
16
Finden die Partner in jeder Hinsicht eine Übereinkunft,
folgt die Expansionsphase in der weitere Transaktionen durchgeführt werden und somit die Bindung
bzw. Abhängigkeit der Vertragspartner zunehmen. Folglich konzentrieren sich die Geschäfte zuneh-
mend auf den Partner und alternative Vertragspartner werden nicht weiter wahrgenommen.
17
Den Höhepunkt der Bindung an den Geschäftspartner wird in der vierten Phase erreicht. Die Zu-
friedenheit der Geschäftspartner mit den durchgeführten Transaktionen steht im Vordergrund und
zeichnet die ,,Commitment"-Phase aus. Die Zufriedenheit wird unterstützt durch den hohen Einsatz
der Partner hinsichtlich der Zusammenarbeit, die Beständigkeit und die gefestigte Bindung.
18
Die letzte Phase des Lebenszyklus einer Geschäftsbeziehung stellt die Auflösung der Geschäftsbe-
ziehung dar. Lassen die zuvor genannten Faktoren wie Einsatz und Erfolge durch die Transaktionen
nach,
löst
sich
die
Geschäftsbindung,
meist
einseitig,
auf.
19
Das Modell beschreibt den idealen Verlauf einer Geschäftsbeziehung und kann unter Umständen
variieren. Des Weiteren legt der Lebenszyklus der Bindung keine Dauer fest, d.h. über welchen Zeit-
raum sich Phasen erstrecken hängt von den (potentiellen) Partnern ab.
20
Inwieweit das Modell über-
tragbar ist, lässt sich daher anhand von spezifischen Untersuchungen an den jeweiligen Geschäfts-
beziehungen überprüfen.
14
Vgl. Ebd. S. 15­16. und Plinke: Geschäftsbeziehungsmanagement, S. 106. und Kühne: Asymmetrische Bin-
dungen in Geschäftsbeziehungen, S.17.
15
Vgl. Plinke: Geschäftsbeziehungsmanagement, S. 107.
16
Dwyer/ Schurr/ Oh: Developing Buyer-Seller Relationships, S. 16. [12.08.14].
17
Vgl. Ebd. S. 18. und Kühne: Asymmetrische Bindungen in Geschäftsbeziehungen,
S. 18.
18
Vgl. Dywer/ Schurr/ Oh: Developing Buyer-Seller Relationships, S. 20. [12.08.14].
19
Vgl. Ebd., S. 19f. [12.08.14].
20
Vgl. Plinke: Geschäftsbeziehungsmanagement, S. 107. und Kühne: Asymmetrische Bindungen in Geschäfts-
beziehungen, S. 19.
Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Autor-Verleger-Beziehung im Publikumsverlag
Untertitel
Aufgezeigt am Briefwechsel zwischen Anton Kippenberg und Rainer Maria Rilke
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V376385
ISBN (eBook)
9783668534568
ISBN (Buch)
9783668534575
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Autor, Verleger, Beziehung, Publikumsverlag, literarischer Verlag, Briefwechsel, Anton Kippenberg, Rainer Maria Rilke
Arbeit zitieren
Isabelle Noé (Autor), 2014, Die Autor-Verleger-Beziehung im Publikumsverlag, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376385

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