Literatur- und Buchvermittlung. Märchenwelten der Brüder Grimm in Steinau an der Straße


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016
11 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

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1 Literatur- und Buchvermittlung in Deutschland
,,[...] und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute."
Seit jeher begleiten Märchen Kinder weltweit bis in das Erwachsenenalter hinein und vermitteln
Moralvorstellungen und Werte. Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm sind nicht
nur geschichtlich sondern auch im literarischen Kontext von Bedeutung. Als Teil der kulturellen
Vermittlung wird daher in der vorliegenden Arbeit untersucht inwieweit Märchenausstellungen
zur Literatur- und Buchvermittlung beitragen. Als Untersuchungsgegenstand dienen die Berei-
che der Märchen im Brüder Grimm- Haus und im Schloss Steinau. Die Ausstellungen werden
hinsichtlich ihrer Gestaltungskonzepte analysiert und verglichen um anschließend ihren Wert
für die Vermittlung von Literatur festzuhalten.
Für die Buchwissenschaft ist die Untersuchung von Literaturbetrieben hinsichtlich ihrer Ver-
mittlungsarbeit von großer Bedeutung da Wechselwirkungen zwischen dem Buchmarkt und
dem Bereich der Literaturvermittlung bestehen. Zudem stellt die Digitalisierung neue Heraus-
forderungen an die Vermittlung von Literatur in den verschiedenen Institutionen. Besonders
im musealen Bereich können Inhalte und Entwicklungen mit modernen Mitteln aufgearbeitet
werden. Die Möglichkeiten Literatur auszustellen wird durch die Verknüpfung von gelernten
Inhalten aus dem Seminar mit der Analyse der Ausstellungen verdeutlicht.
Das Feld der musealen Literaturvermittlung ist bislang wenig erforscht. Um den Begriff Li-
teratur- und Buchvermittlung zu erläutern war ,,Literaturvermittlung" von Stefan Neuhaus
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hilf-
reich. Die Analyse der Ausstellungen hinsichtlich ihrer Gestaltung wurde auf Grundlage des
Werkes ,,Museologie ­ knapp gefasst" von Friedrich Waidacher
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durchgeführt. In diversen Auf-
sätzen werden Literatur- oder Autoren bezogene Ausstellungen und Museen hinsichtlich ihrer
Konzepte untersucht. Dennoch müssen weiterhin Instanzen der Literaturvermittlung erforscht
werden um Entwicklungen in der Rezeptionsgeschichte, historisch und aktuell, darzustellen und
zu erklären.
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Neuhaus, Stefan: Literaturvermittlung. Wien: Verlag Huter & Roth 2009.
2
Waidacher, Friedrich: Museologie ­ knapp gefasst. Wien: Böhlau Verlag 2005.

2
1.1 Begriffserklärung Literatur- und Buchvermittlung
Als Teil der Kunst- und Kulturvermittlung umfasst Literaturvermittlung das Heranbringen von
literarischen Werken an den Rezipienten. Da Literaturvermittlung über unterschiedliche Insti-
tutionen in verschiedener Art und Weise erfolgen kann, gibt es keine klare Definition die das
gesamte Feld der Literaturvermittlung beschreibt. Verlage, Buchhandlungen, Literaturevents-
und preise, Bibliotheken, Dichterhäuser, Literaturmuseen und -archive als Institutionen der Li-
teratur- und Buchvermittlung verfolgen unterschiedliche Ziele und haben folglich verschiedene
Strategien um den Leser mit den Inhalten in Kontakt zu bringen. Literaturvermittlung stellt
dementsprechend ,,in ihrer konstitutiven Verschmelzung von produktiven und repräsentativen
Verfahren, den wichtigsten Anwendungsbereich der ,praktischen` Literatur- und Kulturwissen-
schaft dar."
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Aufgabe der Literaturvermittlung ist die Bereitstellung, Einordnung und Bewer-
tung von Literatur sowie die Kommunikation über Literatur zwischen professionellen Lesern,
wie Verlags- und Buchhandelsmitarbeiter, und den Rezipienten zu fördern. Dennoch unter-
scheidet sich auch hier die Kommunikation und die Anschlusshandlung je nach Institution.
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Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff der Buchvermittlung. Im Gegensatz zur Literaturver-
mittlung, die sich hauptsächlich mit dem Vermitteln von Inhalten auseinandersetzt, widmet sich
die Buchvermittlung vor allem dem Objekt, das heißt seiner Materialität, Gestaltung, Funktion
und seinem ökonomischen Wert. Dennoch lassen sich die Begriffe nicht klar voneinander tren-
nen da sowohl Literatur- als auch Buchvermittlung das Ziel verfolgen, das Interesse des Rezipi-
enten mit unterschiedlichen Methoden zu wecken und die Lese- und Schreibfähigkeit sowie die
Kommunikation zu fördern.
Im musealen Bereich bieten sich je nach Ausrichtung bezüglich der Ziele, Objekte, Träger-
schaft und Zielgruppe komplexe Möglichkeiten, Literatur auszustellen und zu vermitteln.
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Das
Buch kann als Gebrauchsgegenstand und Kulturgut verschiedene Rollen einnehmen und somit
auf vielfältige Weise zu der Vermittlung von Kultur beitragen. Je nach Ausrichtung der Ausstel-
lungen kann ein Buch als Beiwerk dienen um, beispielsweise in Dichterhäusern und personen-
bezogenen Ausstellungen, ein komplexes Thema zu unterstützen und in einem größeren Kon-
text zu wirken. Auf der anderen Seite kann Literatur hinsichtlich literarischer, gesellschaftlicher,
politischer und ökonomischer Entwicklungen und dem ausgeübten Einfluss ausgestellt werden
und dadurch komplexe Zusammenhänge zwischen genannten Faktoren darstellen. Durch Kon-
textualisierung kann Literatur als etwas Ungegenständliches in sinnlich Wahrnehmbares und
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Neuhaus, Stefan/ Ruf, Oliver: Was ist Literaturvermittlung? In: Perspektiven der Buchvermittlung (Angewandte Litera-
turwissenschaft Bd. 13). Hrsg. von Stefan Neuhaus und Oliver Ruf. Innsbruck: StudienVerlag 2011. S. 9 ­ 26, hier S. 10.
4
Neuhaus: Literaturvermittlung, S. 13 ­ 16.
5
Zwischen Materialität und Ereignis. Literaturvermittlung in Ausstellungen, Museen und Archiven (Edition Museum Bd.
10). Hrsg. von Britta Hochkirchen und Elke Kollar. Bielefeld: Transcript Verlag 2010, S. 27.

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Verstehbares übertragen werden.
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In Verbindung mit anderen Objekten und Inhalten lässt sich
dementsprechend Literatur in eine Erfahrens- und Erlebnisausstellung übertragen. Die Frage
nach Funktion und Nutzen der Vermittlung beeinflusst die Darstellungsweise in jeder Literatur
vermittelnden Institution.
1.2 Allgemeine Kriterien zur Ausstellungsgestaltung
Die Ausstellungskonzeption wird von diversen Faktoren beeinflusst. Die Planung und Gestal-
tung ist unteranderem von dem zu vermittelndem Inhalt, den ausgestellten Objekten und der
Zielgruppe abhängig. Verschiedene Ausstellungsarten benötigen folglich unterschiedliche Kon-
zepte. Dennoch gibt es allgemeine Kriterien die zu einer erfolgreichen Ausstellung beitragen.
Von großer Bedeutung bei der Vermittlung von Inhalten ist die Kontextualisierung der Ob-
jekte.
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Dem Besucher muss ein Rahmen geboten werden in dem er Informationen und Ausstel-
lungstücke verordnen kann. Durch die Kontextualisierung wird die Aufnahme von Informati-
onen erleichtert und das Bilden von Sinnzusammenhängen ermöglicht. Überdies werden wei-
tere Aufgaben der Ausstellungsgestaltung, die Kommunikation und das Auseinandersetzen mit
Inhalten,
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stärker gefördert. Die Form der Präsentation soll zur Verständlichkeit beitragen. In
welcher Weise dies am besten gelingt, hängt von der Art der Information oder des Objektes ab.
Um den Zugang zu bestimmten Themen zu erleichtern bieten sich beispielsweise Inszenierun-
gen wie nachgestellte Szenen oder begehbare Räume an.
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Neben den ergänzenden, oftmals in-
teraktiven Mitteln die das Erfassen von Informationen erleichtern, tragen Hilfsmittel wie Mon-
tagesysteme, Vitrinen, Tafeln, usw. zu einem einheitlichen Bild bei und können durch ihre An-
ordnung das Auge des Betrachters durch die Ausstellung leiten.
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Die Präsentation der Objekte sollte unter Berücksichtigung einiger Grundsätze der Wahr-
nehmung vorgenommen werden. Die Inhalte sollten differenziert dargestellt werden und den-
noch eine Einheit mit verwandten Themen bilden, da gruppierte Objekte zu einem besseren
Verständnis beitragen. Darüber hinaus können Informationen durch das Wiederholungsprinzip
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Vgl. Danielczyk, Julia: Literatur im Schaufenster. Über die (Un)Möglichkeit, Literatur auszustellen. In: (Ver)führungen.
Räume der Literaturvermittlung. Hrsg. von Meri Disoski, Ursula Klingenböck und Stefan Krammer. Innsbruck: StudienVer-
lag 2012, S. 31 ­ 42, hier S.35.
7
Vgl. Waidacher: Museologie ­ knapp gefasst, S. 160. Und Die Musealisierung der Gegenwart. Von Grenzen und Chan-
cen des Sammelns in kulturgeschichtlichen Museen. Hrsg. von Sophie Elpers und Anna Palm. Bielefeld: Transcript Verlag
2014, S. 16.
8
Vgl. Waidacher: Museologie ­ knapp gefasst, S. 161.
9
Vgl. Ebd., S. 162.
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Vgl. Ebd., S. 174.

4
zur Verständlichkeit und dem Behalten beitragen. Allerdings sollte bei dieser Form der Darstel-
lung auf verschiedene Ausstellungsmittel zurückgegriffen werden, um Gleichförmigkeit zu ver-
meiden.
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Die Gestaltungsmittel fördern nicht nur die Aufnahme von Informationen sondern
dient auch dem physischen Wohlbefinden der Besucher.
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Zu den grundlegenden Elementen
der Gestaltung gehören Raum, Form, Farbe, Licht, Struktur, Maßstab, Intensität, Anordnung,
Bewegung und Temperatur.
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Je nach Nutzung können die Gestaltungsmittel die Wirkung der
Objekte beeinflussen und eine Atmosphäre schaffen die für die ausgestellten Inhalte angemes-
sen ist. Die Ausstellungsweise muss an den Zweck und die Zielgruppe der Ausstellung angepasst
sein um das Verständnis zu fördern und den Besucher anzusprechen und mit einzubeziehen.
1.3 Kindgerechte Kulturvermittlung
Um die Ausstellungskonzepte anzupassen muss vorher eine Zielgruppe unter Berücksichtigung
von Alter, Bildungsniveau, Nationalität, Herkunft und Interessen
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festgelegt werden. Bei Aus-
stellungen die Familien mit Kindern- und Jugendliche ansprechen soll, müssen verschiedene
Faktoren sowohl bei der Ausstellungsgestaltung als auch bei der Aufbereitung der Informatio-
nen berücksichtig werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Entdecken und Erleben mit
allen Sinnen. Unterstützt werden kann dies durch begleitende Angebote wie Workshops und
interaktive Führungen.
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Das Lernen und Aufnehmen von Informationen wird durch spieleri-
sches Angebot gefördert und steigert dadurch motorische Fähigkeiten, die Vorstellungskraft
und Kreativität.
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Auch die Gestaltung von Hilfsmitteln benötigt eine besondere Anpassung, wenn Kinder einen
großen Teil der Zielgruppe ausmachen. Dabei ist beispielsweise auf die Höhe der Vitrinen,
Schaukästen, Tafeln und Montagesysteme zu achten, damit die Objekte für jeden Besucher zu-
gänglich gemacht werden. Dazu kommt, dass Texte inhaltlich einfach aufbereitet und in ange-
messener Größe und Schriftart lesbar gemacht werden. Die Herausforderung an Museen und
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Vgl. Waidacher: Museologie ­ knapp gefasst, S. 163.
12
Vgl. Ebd., S. 161.
13
Vgl. Waidacher: Museologie ­ knapp gefasst, S. 164 und Waidacher, Friedrich: Handbuch der Allgemeinen Museologie.
Wien: Böhlau 1999, S., 253.
14
Waidacher: Handbuch der Allgemeinen Museologie, S. 221.
15
Vgl. König, Gabriele: Kinder und Jugendmuseen. Genese und Entwicklung einer Museumsgattung. Impulse für besu-
cherorientierte Museuemskonzepte (Berliner Schriften zur Museumskunde Bd.16). Opladen: Leske und Budrich 2002, S.
93.
16
Vgl. Chung, Yun Shun Susie: Kindermuseen: Theory and Application in Children's Museums. In: Studienbuch Museums-
wissenschaften. Impulse zu einer internationalen Betrachtung. Hrsg. von Hildegard K. Vieregg. Baltmannsweiler: Schnei-
der Verlag Hohengehrens 2007. S. 69 ­ 77. Hier S. 69 und 74.
Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Literatur- und Buchvermittlung. Märchenwelten der Brüder Grimm in Steinau an der Straße
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
11
Katalognummer
V376388
ISBN (eBook)
9783668534827
ISBN (Buch)
9783668534834
Dateigröße
735 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
literatur-, buchvermittlung, märchenwelten, brüder, grimm, steinau, straße
Arbeit zitieren
Isabelle Noé (Autor), 2016, Literatur- und Buchvermittlung. Märchenwelten der Brüder Grimm in Steinau an der Straße, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376388

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