Die Relevanz der Briefwechsel von Autoren mit ihren Verlegern

Anhand der Briefwechsel von Hofmannsthal und Rilke mit dem Insel-Verleger Anton Kippenberg


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
16 Seiten, Note: 2,1

Leseprobe

1
1. Einleitung
Wenn von Briefwechseln von Autoren die Rede ist, wird meistens an Briefe an andere
Autoren gedacht. Aber Autoren haben mit den unterschiedlichsten Personen brieflich
kommuniziert, besonders erwähnenswert scheinen hierbei die Briefe an deren Verleger
zu sein, sind es doch die Verleger, die dafür zuständig sind, dass das Werk des Autors
öffentlich gemacht wird und diesen dafür entsprechend entlohnen. Die Vermutung liegt
also nah, dass der Briefwechsel eines Autors mit seinem Verleger eine ganze Fülle an
Informationen bereithält, die einen interessanten Blick auf den Autor und sein Werk
gewähren. Und genau darum soll es gehen, es soll geprüft werden, ob Briefwechsel mit
Verlegern fruchtbar sind für die wissenschaftliche Untersuchung eines Werks oder ob
man sie getrost weglassen kann bei der Betrachtung eines Autors und seiner Schriften.
Außerdem soll auch kurz gezeigt werden wie wichtig ein guter Verleger für einen Autor
ist.
Hierbei wird als Beispiel für einen Verleger Anton Kippenberg, der Leiter des Insel-
Verlags, herangezogen und als Autoren zwei der wichtigsten Schriftsteller des Insel-
Verlags, Hofmannsthal und Rilke. Der Insel-Verlag ist bekannt für seine wichtige
Stellung in den ersten Jahrzehnten des 20. Jhs. und Hofmannsthal und Rilke sind zwei
Namen, die oftmals zusammen mit dem Insel-Verlag genannt werden. Der Schluss liegt
also nah genau diese beiden berühmten Autoren zu nehmen für die Untersuchung.
Zuerst soll ein Blick auf die Beziehung Hofmannsthals und Rilkes zu Kippenberg
geworfen werden, denn die Art der Beziehung bestimmt den Ton des Briefes und
worüber geschrieben wird. Wie unterschiedlich sich dabei Hofmannsthal und Rilke
sind, wird sich am Ende zeigen.
Nun folgen zwei zufällig ausgewählte Briefwechsel, ein Brief von Hofmannsthal an
Kippenberg mit dessen Antwort und ein Brief von Rilke an Kippenberg mit dessen
Antwort. Die Briefe wurden absichtlich zufällig ausgewählt, damit sich zeigen lässt,
dass nicht nur bestimmte Briefe wichtig sind, sondern jeder Brief. Die Antworten
Kippenbergs können dabei natürlich nicht unterschlagen werden, denn die Betrachtung
nur einer Seite bei einem Briefwechsel ist zu einseitig und wenig hilfreich. Aus den
Briefen soll dann alles herausgeholt werden, was sie an Informationen hergeben.

2
Abschließend sollen die Erkenntnisse durch die Briefanalyse zusammengefasst werden,
damit dann genauer gesagt werden kann, wie brauchbar Briefwechsel mit einem
Verleger eigentlich sind.
2.
Hofmannsthals und Rilkes Beziehung zu Kippenberg
Die Beziehung der beiden Autoren zu Kippenberg könnte nicht unterschiedlicher sein,
weshalb beide auch als Beispiele ausgewählt wurden, weil sich an ihnen auch sehr
schön sehen lässt, wie Beziehungen zu einem Verleger aussehen können. Der
nachfolgende Teil soll auch zum besseren Verständnis der später folgenden Briefe
beitragen.
2.1 Hofmannsthal und Kippenberg
Die Beziehung zwischen Hofmannsthal und Kippenberg ist als recht wechselhaft zu
bezeichnen. So hatte Kippenberg zwar
,,zu den Dichtungen Hofmannsthals keine
sonderlich ausgeprägte Beziehung
"
1
, trotzdem pflegte er den Kontakt zu ihm so gut wie
möglich. Jedoch wirken die Briefe an Hofmannsthal
,,häufig etwas steif, gehemmt, im
Vergleich zu seinem sonst eher lockeren Briefstil
"
2
, was darauf hindeutet, dass es sich
eher um eine rein geschäftliche Beziehung handelte, im Gegensatz zu der Beziehung,
die Kippenberg zu Rilke hatte.
Ein Grund für die Steifheit dürfte einerseits
,,in Hofmannsthals geschäftlichem Ton"
3
liegen, andererseits ist sie auch leicht erklärbar
,,angesichts der persönlichen
Zurückhaltung, die Hofmannsthal seinem Verleger gegenüber stets wahrte, und der
Gereiztheit, die gelegentlich in seinen Briefen an Kippenberg wahrzunehmen ist
"
4
.
Hofmannsthal ist im Bezug zu Kippenberg also durch und durch ein Geschäftsmann,
was zu einer entsprechenden Gehemmtheit und Zurückhaltung auf beiden Seiten in
dieser Beziehung geführt hat. Trotzdem war
,,Kippenbergs Respekt vor Hofmannsthal"
5
außerordentlich groß. Jedoch eine richtige Freundschaft ist nie entstanden.
1
Sarkowski, Heinz: Der Insel Verlag 1899-1999: Die Geschichte des Verlags; Frankfurt am Main,
Leipzig: Insel Verlag, 1999, S. 92
2
Sarkowski, S. 94
3
Sarkowski, S. 94
4
Sarkowski, S. 95
5
Sarkowski, S. 95

3
Auch ist Hofmannsthal ein schwieriger Autor, so ging er
,,auf Kippenbergs
Ergänzungsvorschläge
"
6
nicht ein, wenn er welche machte. Auch
,,Kippenbergs Bitte,
für das erste Heft des Inselschiffs einen einleitenden Aufsatz über
,,Nationalismus und
Kosmopolitismus
" zu schreiben, lehnte Hofmannstal strikt ab"
7
. Hofmannsthal wollte
nur das tun, was für ihn wichtig war, es war zwar eine gewisse Kooperationsbereitschaft
vorhanden, jedoch wirklich bauen konnte Kippenberg auf ihn nicht, wenn es sich um
Dinge handelte auf die Hofmannsthal schlichtweg keine Lust hatte. Das zeigt auch wie
schwierig der Umgang mit Autoren ist, weshalb ein guter Verleger immer das passende
Feingefühl im Umgang mit ihnen braucht um sie nicht zu verärgern.
Hofmannsthal jedoch hatte kein Problem damit Kippenberg zu verärgern, denn
,,mit
besonderer Anteilnahme wandte er sich Aufgaben für die
,,Bremer Presse" zu"
8
.
Kippenbergs Reaktion darauf dürfte verständlich sein.
,,Es war ihm sehr unlieb, daß
Hofmannsthal sich der Bremer Presse so eng verband und dorthin Anregungen gab, die
er gern für den Insel-Verlag fruchtbar gemacht hätte.
"
9
Dies ist sozusagen der Anfang
vom Ende, durch Hofmannsthals Arbeit für die
,,Bremer Presse" entzweiten sich
Kippenberg und Hofmannsthal immer mehr. Das zeigt sich etwa daran, dass des 50.
Geburtstags Hofmannsthals
,,nicht im Almanach und nur kurz im Inselschiff gedacht"
10
wurde, dieser wichtige Geburtstag eines noch wichtigeren Autors wird also fast unter
den Teppich gekehrt im Insel-Verlag. Der Kontakt verkleinerte sich immer mehr bis er
,,in den letzten zwölf Monaten nur noch marginal"
11
war, vor dem Tod Hofmannsthals
sprachen Hofmannsthal und Kippenberg also kaum noch ein Wort miteinander. Ganz
anders jedoch sieht die Sache zwischen Rilke und Kippenberg aus.
2.2 Rilke und Kippenberg
,,Der Briefwechsel des Jahres 1906 ist ebenfalls sehr distanziert, es kommt keine
Verbindung zwischen Verleger und Autor zustande, ja, es droht ein Konflikt.
"
12
Auch
die Beziehung von Rilke und Kippenberg war anfänglich eher schwierig, dies änderte
sich jedoch nach einem sehr versöhnlichen Brief Rilkes, wodurch die Beziehung sich
von Jahr zu Jahr verbesserte. Das zeigt sich vor allem
,,an der stets vertrauter werdenden
6
Sarkowski, S. 93
7
Sarkowski, S. 225
8
Sarkowski, S. 225
9
Sarkowski, S. 227
10
Sarkowski, S. 229
11
Sarkowski, S. 231
12
Unseld, Siegfried: Der Autor und sein Verleger; Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1985, S. 195

4
Briefanrede
"
13
, die anfangs sehr unpersönlich ist aber sich bis zur Anrede
,,Lieber
Freund
"
14
steigert.
,,Abgesehen von gelegentlich gesteigerten Formulierungen blieb es
dabei bis zu Rilkes Tod.
"
15
Ein Beispiel für die enge Freundschaft zwischen Kippenberg und Rilke sind
Kippenbergs Versuche Rilke, der
,,die ganzen Jahre über in finanziellen Nöten
steckte
"
16
, finanziell zu stützen, so weit es ihm eben möglich war. Da Kippenberg als
Verleger selbst vorsichtig mit dem Geld umgehen musste, kann es als besonderer
Freundschaftsdienst angesehen werden, dass er Rilke finanziell derart unterstützt hat.
Dafür hat Kippenberg nicht nur gute Umsätze mit den Werken Rilkes als Gegenleistung
erhalten, sondern auch einen absolut treuen Autor. Aufgrund der Bekanntheit ist es klar,
dass auch andere Verlage Arbeiten von Rilke haben wollten.
,,Hugo von Hofmannsthal
wünschte, Rilke möchte seine Prosaarbeiten in der
,,Neuen Rundschau" besprechen."
17
Dies ist nicht nur ein Beispiel dafür, dass sich Rilke und Hofmannsthal gut kannten. Die
erwähnte Zeitung wurde von Fischer verlegt, welcher auch gerne das ein oder andere
Werk Rilkes veröffentlicht hätte, doch bevor Rilke in irgendeiner Art zustimmte, fragte
er erst Kippenberg, um diesen nicht irgendwie zu verärgern. Hier zeigt sich ein
deutlicher Unterschied im Vergleich mit Hofmannsthal. Auch sollte der Insel-Verlag
,,die endgültige Entscheidung über das ,,Ob" und über die Auswahl"
18
der zu
veröffentlichenden Briefe Rilkes treffen, was die enge Verbundenheit Rilkes zum Insel-
Verlag verdeutlicht, denn Rilke hinterlässt nach seinem Tod eine wirklich große Menge
Briefe.
Doch so toll wie die Freundschaft aussieht,
,,es gab freilich auch deutliche
Meinungsverschiedenheiten, die aber nicht ausgesprochen wurden
"
19
. So ist Rilkes
Briefverkehr mit Kippenberg teils auch
,,zurückhaltender, kontrollierter, gehemmter"
20
als mit anderen Personen, beispielsweise ist der Briefwechsel mit Katharina
Kippenberg, der Frau Kippenbergs,
,,bei weitem gelöster, freier, warmherziger"
21
. Rilke
13
Sarkowski, S. 95
14
Schnack, Ingeborg (Hrsg.): Briefwechsel mit Anton Kippenberg
­ Zweiter Band; Frankfurt am Main,
Leipzig: Insel Verlag, 1995, S. 34
15
Sarkowski, S. 95
16
Unseld, S. 200
17
Unseld, S. 202
18
Storck, Joachim W.: ,,Das Briefwerk" In: Engel, Manfred (Hrsg.): Rilke - Handbuch. Leben ­ Werk -
Wirkung
; Stuttgart, Weimar: J.B. Metzler, 2004: S. 498-506, S. 499
19
Sarkowski, S. 221
20
Storck,, S. 504
21
Storck, S. 504

5
ist
,,immer darauf bedacht, sich keine verräterische Blöße zu geben oder eigene
Meinungen allzu deutlich zu offenbaren, wo sie mit denen Kippenbergs nicht
übereinstimmen
"
22
.
Dies zeigt, dass die Beziehung nicht gänzlich perfekt war, aber all das ändert nichts an
der Enge der Freundschaft und der stets helfenden Hand Kippenbergs, kleinere
Streitigkeiten führten nicht zum Bruch. Kippenberg war für Rilke also
,,Partner,
Ratgeber, geduldig den Schaffensprozeß des Dichters Begleitender, in allem ein
Freund
"
23
. Nur so lässt es sich auch erklären, weshalb sich das gesamte Werk Rilkes im
Insel-Verlag vereint hat und wie eine so tiefe Freundschaft entstehen konnte.
3. Briefwechsel von Hofmannsthal und Rilke mit Kippenberg
3.1.1 Der Brief Hofmannsthals vom 20.12.1912
Das
,,mein lieber"
24
der Einleitungsformel drückt einen sehr freundlichen Ton aus,
während die Anrede
,,Dr. Kippenberg"
25
eine gewisse respektvolle Distanz anzeigt.
Hofmannsthal kommt danach sofort zum Thema, er ist nicht darüber erfreut, dass er
noch nichts über die Sammlung
,,Deutsche Erzähler" gehört hat. Zu diesem Werk lässt
sich sagen, dass diese Sammlung von Geschichten deutscher Erzähler aufgrund eines
Vorschlags von Hofmannsthal zustande kam und ganz in seiner Hand lag, Kippenberg
konnte, nachdem er die Zustimmung dafür gab, kaum noch mitreden. Der Verkauf lief
jedoch ziemlich schlecht, wobei beide die Schuld teilweise auf den Leser abwälzten, die
diese Sammlung nicht so angenommen hatten, wie sie es eigentlich hätten tun sollen.
Wie wichtig Hofmannsthal dieses Projekt ist, zeigt die Formulierung
,,denn es würde
mich tiefer treffen als Sie denken, wenn diese Unternehmung fehlschlüge
"
26
. Die tiefe
Enttäuschung wird ihn später treffen aufgrund der geringen Käuferzahl. Das wird weiter
unten auch schon angekündigt durch die Worte
,,aber schon das Ausbleiben des
augenblicklichen Erfolgs wäre mir bitter
"
27
. Hofmannsthal versucht deshalb Kippenberg
noch einmal von der Sammlung zu überzeugen. So spricht er von
,,dem Verlag, mit dem
22
Storck, S. 504
23
Unseld, S. 218-219
24
Briefwechsel mit dem Insel-Verlag 1901-1929, S. 475
25
Briefwechsel mit dem Insel-Verlag 1901-1929, S. 475
26
Briefwechsel mit dem Insel-Verlag 1901-1929, S. 475
27
Briefwechsel mit dem Insel-Verlag 1901-1929, S. 475
Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Relevanz der Briefwechsel von Autoren mit ihren Verlegern
Untertitel
Anhand der Briefwechsel von Hofmannsthal und Rilke mit dem Insel-Verleger Anton Kippenberg
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Kulturkritische Positionen 1890−1945: Hugo von Hofmannsthal, Rudolf Borchardt, Rudolf Alexander Schröder
Note
2,1
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V376391
ISBN (eBook)
9783668535022
ISBN (Buch)
9783668535039
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hofmannsthal, Rilke, Anton Kippenberg, Briefwechsel
Arbeit zitieren
Hannes Höbald (Autor), 2012, Die Relevanz der Briefwechsel von Autoren mit ihren Verlegern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376391

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