"Die Fahrt nach Stalingrad" von Franz Fühmann ist kein Text, der heutzutage noch groß gelesen wird. Trotzdem soll er in dieser Arbeit genauer untersucht zu werden. Zuerst werden die Teile des Textes genauer untersucht, in denen der Erzähler über seine Vergangenheit spricht und diese reflektiert. Dabei sollen Textteile auch in Zusammenhang gebracht werden mit der allgemeinen historischen Situation und der Biographie Fühmanns. Anschließend soll der Dualismus innerhalb des Textes untersucht werden, gefolgt von der Frage, ob der Text eine Autobiographie darstellt. Hernach soll geguckt werden, ob sich schon Elemente des späteren Fühmann in diesem Werk wiederfinden lassen. Abschließend soll dann die Frage geklärt werden, ob "Die Fahrt nach Stalingrad" nur ein Schundwerk oder doch ein Kunstwerk ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erinnerungen an den 2.Weltkrieg
3. Erinnerungen an die Kriegsgefangenschaft
4. Der Dualismus in der Dichtung Die Fahrt nach Stalingrad
5. Ist die Dichtung eine Autobiographie?
6. Elemente des Werks Fühmanns
7. Schluss
8. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Franz Fühmanns Dichtung "Die Fahrt nach Stalingrad" kritisch auf ihren künstlerischen Wert und ihre autobiographischen Anteile. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, inwiefern das Werk als literarisches Kunstwerk oder lediglich als propagandistische Auftragsarbeit zu bewerten ist und wie Fühmann seine persönliche Wandlung vom Nationalsozialisten zum Sozialisten thematisiert.
- Analyse der autobiographischen Bezüge und der Identität von Autor, Erzähler und Figur.
- Untersuchung des dualistischen Weltbildes im Kontext der nationalsozialistischen und kommunistischen Ideologie.
- Reflexion über die Darstellung von Kriegserfahrungen und der Bewältigung von Vergangenheit.
- Bewertung des Werks als autofiktionaler Text unter Berücksichtigung literarischer Gestaltung.
Auszug aus dem Buch
4. Der Dualismus in der Dichtung Die Fahrt nach Stalingrad
Bei der Lektüre des Textes fällt ziemlich schnell auf, dass Fühmann sich eines recht dualistischen Weltbildes bedient, es gibt nur Schwarz und Weiß, keinerlei Schattierungen dazwischen. Zwar wird über die Mörder gesagt, „auch sie können liebevoll sein mit dieser Liebe“70, jedoch wird darauf nicht weiter eingegangen, wodurch es beim strikten Dualismus bleibt.
Deutlich wird diese extreme Unterteilung bei den zwei extra erwähnten Akteuren der beiden Seiten. Auf der einen Seite ist der Doktor, „ein wenig vertrocknet, sehr gelb, die schütteren Haare sorgsam über die kahlen Stellen am Schädel gekämmt, kleine Nase, zusammengekniffen die dünnen Lippen“71. Zusammenfassend sagt der Erzähler über ihn: „Er war wohl häßlich.“72 Aufgrund der Beschreibung wirkt er wie die Figur eines Propagandabildes, die typische Verkörperung eines abscheulichen Feindes. Durch seine Worte macht der Doktor dazu dann auch noch deutlich, welchen Wert ein Menschenleben für ihn hat und wie tief er im nationalsozialistischen Weltbild verstrickt ist, was ihn endgültig als Bösewicht auszeichnet. Auf der anderen Seite dann die Partisanin, ein junges Mädchen, welches lächelnd stirbt. Über sie wird gesagt: „Sie mußte um etwas wissen, was uns fremd und fern war, das sie über uns erhob“73. Auch wird sie als rein und zukunftsschauend beschrieben. Sie wird von einer Ordnung geleitet, die die Soldaten erschauern lässt „ob ihrer Kraft“74. So steht für den Nationalsozialismus ein verdorbener, hässlicher, alter Mann und für den Sozialismus ein reines, junges Mäd-
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Dichtung "Die Fahrt nach Stalingrad" ein, erläutert ihren historischen Kontext und formuliert die Absicht, das Werk auf seinen autobiographischen Gehalt und seinen Dualismus hin zu untersuchen.
2. Erinnerungen an den 2.Weltkrieg: Das Kapitel analysiert, wie der Erzähler seine Rolle als Soldat im Nationalsozialismus reflektiert, die allgemeine Begeisterung der Jugend für das System beschreibt und auf erste Unstimmigkeiten stößt.
3. Erinnerungen an die Kriegsgefangenschaft: Hier wird die Wandlung des Erzählers in der Gefangenschaft thematisiert, die als ein Prozess des Lernens und der Hinwendung zum Sozialismus dargestellt wird.
4. Der Dualismus in der Dichtung Die Fahrt nach Stalingrad: Das Kapitel untersucht die strikte Trennung in Gut und Böse im Werk und ordnet diese als Ergebnis von Fühmanns ideologischer Neuausrichtung nach dem Krieg ein.
5. Ist die Dichtung eine Autobiographie?: Es wird analysiert, dass es sich um einen autofiktionalen Text handelt, der autobiographische Erinnerungen mit fiktionalen Elementen verknüpft.
6. Elemente des Werks Fühmanns: Dieser Teil zeigt auf, dass trotz späterer Kritik des Autors am Werk bereits zentrale Motive wie "Wandlung" und "Erfahrungsbewältigung" enthalten sind, die sein gesamtes Schaffen prägen.
7. Schluss: Der Schluss fasst zusammen, dass das Werk trotz seiner propagandistischen Züge als wichtiges Dokument der persönlichen Auseinandersetzung Fühmanns mit seiner Vergangenheit und als Kunstwerk zu werten ist.
8. Literaturverzeichnis: Auflistung der im Text verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Franz Fühmann, Die Fahrt nach Stalingrad, Autobiographie, Autofiktion, Wandlung, Nationalsozialismus, Sozialismus, Kriegsgefangenschaft, DDR-Literatur, Literaturanalyse, Erinnerungskultur, Dualismus, Vergangenheitsbewältigung, Kriegslyrik, Propaganda.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch Franz Fühmanns Werk "Die Fahrt nach Stalingrad" und untersucht, ob das Gedicht ein literarisches Kunstwerk oder eine propagandistische Arbeit darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit, die persönliche Wandlung des Autors vom Nationalsozialisten zum Sozialisten und die literarische Verarbeitung autobiographischer Erlebnisse.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den künstlerischen Wert des Werks zu bestimmen und zu klären, warum Fühmann sich später kritisch von diesem Text distanzierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text in einen biographischen und historischen Kontext stellt sowie theoretische Konzepte der Autofiktion anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Kriegserfahrungen, der Gefangenschaft, der dualistischen Darstellung von Gut und Böse sowie die Untersuchung der autobiographischen Identität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind neben dem Titel und dem Autor vor allem Begriffe wie Autobiographie, Wandlung, Vergangenheitsbewältigung und Autofiktion.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Kunstwerk und Schundwerk?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass das Werk zwar propagandistische Elemente enthält, aber als wichtiges, wenn auch umstrittenes Dokument der persönlichen Aufarbeitung Fühmanns zu verstehen ist und somit als Kunstwerk gilt.
Warum spielt der Begriff der "Wandlung" eine so große Rolle?
Die Wandlung vom Nationalsozialisten zum Kommunisten ist das zentrale, identitätsstiftende Element in Fühmanns Leben und Werk, welches er in diesem Text verarbeitet.
Wie beeinflusste die Antifa-Schule Fühmanns Dichtung?
Die Schule vermittelte ihm eine neue marxistisch-leninistische Weltanschauung, die zu dem dualistischen Weltbild in der "Fahrt nach Stalingrad" führte.
Was versteht man unter dem in der Arbeit erwähnten "autofiktionalen Text"?
Ein autofiktionaler Text liegt vor, wenn der Autor autobiographische Tatsachen mit fiktionalen Elementen mischt und der Leser zwischen referentiellem Anspruch und fiktionaler Erzählung schwankt.
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- Hannes Höbald (Author), 2012, Franz Fühmanns Dichtung "Die Fahrt nach Stalingrad". Kunstwerk oder Schundwerk?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376397