Kombitechnik Weben, Knüpfen, Drucken: 'Fantasiequalle in Unterwasserwelt - Unterrichtsentwurf


Unterrichtsentwurf, 2004
56 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Entscheidung für dieses Thema

2. Sachanalyse
2.1 Begriffsdefinitionen und –inhalte
2.1.1 Kombitechnik
2.1.2 Weben
2.1.2.1 Die Bedeutung des Begriffs
2.1.2.2 Webrahmen und Webstuhl
2.1.2.3 Der Webvorgang
2.1.2.4 Webmaterialien
2.1.2.4.1 Der Webrahmen
2.1.2.4.2 Werkstoffe
2.1.2.4.3 Webhilfsgeräte
2.1.2.5 Webtechniken
2.1.2.6 Die Geschichte der Webtechnik
2.1.3 Knüpfen
2.1.3.1 Der Knoten
2.1.3.2 Die Geschichte der Knüpftechnik
2.1.3.3 Knüpfmaterialien
2.1.3.4 Knüpftechniken
2.1.3.4.1 Das Einhängen der Knüpffäden
2.1.3.4.2 Knotenarten
2.1.4 Drucken
2.1.4.1 Der Stoffdruck
2.1.4.2 Die Geschichte des Stoffdrucks
2.1.4.3 Druckverfahren
2.1.4.4 Druckmaterialien
2.2 Die Qualle als Lehrgegenstand

3. Didaktische Analyse
3.1 Das Thema und sein Bezug zum Lehrplan
3.2 Didaktische Grundfragen
3.2.1 Die Gegenwartsbedeutung
3.2.2 Die Zukunftsbedeutung
3.2.3 Die Zugänglichkeit
3.2.4 Didaktische Prinzipien
3.2.4.1 Prinzipien der Stoffauswahl
3.2.4.2 Prinzipien der Unterrichtsgestaltung
3.2.5 Der Bildungsgehalt
3.2.5.1 Erzielte Grundeinsichten, Fähigkeiten und Fertigkeiten
3.2.5.2 Das Richtziel

4. Methodenkonzeption und –organisation
4.1 Methodisch-didaktische Überlegungen und Entscheidungen
4.2 Die Feinziele

5. Schlussbemerkung

6. Literaturangaben

1. Die Entscheidung für dieses Thema

Ich habe mich für die Kombination von Weben, Knüpfen und Drucken entschieden, weil die Kinder einerseits durch Weben eine Technik praktizieren lernen, mit der eine textile Fläche auf einfache Art und Weise herstellen kann. Vergleichsweise zu den Techniken Häkeln und Stricken verlangt Weben weniger technische Fertigkeiten und kann meines Erachtens auch jene Kinder zur Arbeit mit Textilien motivieren, die sich bei Maschenbildungsverfahren aufgrund motorischer Mängel schwer tun. Ohne großen Aufwand können Webarbeiten interessante und vielseitige Arbeiten darstellen und von den Kindern auch in der Freizeit ohne Hilfestellung meinerseits angefertigt werden. Eigene Erfahrungen zeigten, dass Kinder beim Häkeln oder Stricken größere Probleme haben. Darauf schließe ich, dass es in der Freizeit schwierig sein wird, ohne Hilfe zu arbeiten. Selbstverständlich bezieht sich dieses

(Vor-)Urteil nicht auf alle Kinder. Mein Anliegen ist es jedoch, auch den Schwächeren Möglichkeiten zu offenbaren, mit Textilien zu arbeiten.

Ausschlaggebend für die Entscheidung zum Weben war darüber hinaus das eigene Interesse an diesem Arbeitsbereich. In Ihrer dreistündigen Veranstaltung wurden wir mit der Technik vertraut gemacht. Ich hatte Spaß bei der Ausführung der Aufgabe und wurde daher zu unterrichtlichen Überlegungen motiviert und inspiriert.

Durch die Kombination von Weben UND Knüpfen soll eine weitere Technik wieder aufgefrischt werden, die bereits – wie der Arbeitsbereich Weben – in der dritten Klasse eingeführt wurde. Die Kinder erhalten die Aufgabe zu knüpfen. Hierbei werden sogenannte Urtechniken wiederholt, die sich über lange Zeiträume hinweg erhalten haben. Sie haben in unserem Seminar des Öfteren angesprochen, dass Kinder heutzutage oft nicht fähig sind, ihre Schuhe zu binden. Auch von den Eltern wird diese Fähigkeit nicht immer selbstverständlich gefördert. Gerade weil die Wichtigkeit dieser Fähigkeiten für die Entwicklung des Kindes oft unterschätzt wird und dieser Bereich oft ausschließlich durch moderne industrielle Verfahren fortlebt, ist es die Aufgabe der Schule und nicht zuletzt des Lehrers, die Fähigkeiten und Fertigkeiten auszubilden.

Für die Präsentation der Arbeiten eignet sich der Glasplattendruck, den Sie mit uns im Seminar gemacht haben und auf den ich an dieser Stelle zurückgreife. Selbstverständlich gäbe es auch unzählige fächerübergreifende Möglichkeiten im Fach Kunst. Allerdings denke ich, dass es ganz gut ist, wenn ich bei den Textilien und somit den textilen Verfahrungstechniken bleibe. Auf diese Art und Weise wird den Kindern noch einmal bewusst gemacht, wie Textilien gefärbt, beziehungsweise bedruckt werden können.

Ich habe mich für die Kombitechnik entschieden, weil ich sie für eine gute Methode halte, um bereits Gelerntes wieder bewusst zu machen. Leider gehe ich nicht davon aus, dass alle Kinder in der vierten Klasse die gelernten Arbeitsbereiche beherrschen. Daher ist es sinnvoll, wenn nicht unbedingt notwendig, des Öfteren an bereits Bekanntem anzuknüpfen und das Wissen, beziehungsweise die Fähigkeiten, wiederaufzugreifen und zu festigen.

Das erzielte Ergebnis ist eine Qualle. Ich denke, dass sich Kinder leicht von der Unterwasserwelt faszinieren lassen und dass dieses Interesse inspiriert und motiviert. Die meisten Themen finden bei Kindern Zustimmung, wenn die sogenannte „Verpackung“ des Unterrichts und somit das Wie der Vermittlung und Unterrichtsgestaltung auf die Interessen und Bedürfnisse der Kinder abgestimmt wird.

Die Idee zu dem geplanten Unterricht ergab sich spontan. Ich habe weder darüber gelesen, noch darüber gehört. Es gibt Momente, in denen sich praktisch ohne eigenes Zutun ein interessanter Gedanke ergibt, der zu weiteren Reflexionen anregt. So ergaben sich Stück für Stück Unterrichtsinhalte und –methoden. Bereits während der eigenen Herstellung des Bearbeitungsgegenstandes ergaben sich sinnvolle Überlegungen – der Unterricht musste daher immer wieder verändert werden.

Die Unterrichtsidee lässt sich gemäß dem Bildungsplan der 4. Klasse zuordnen. Der Arbeitsbereich 3 „Kombinierte textile Techniken“ sieht das Kombinieren mehrerer Techniken für die Jahrgangsstufe 4 vor. Ich werde auf den Bezug meiner Unterrichtseinheit zum Bildungsplan im Laufe der Arbeit eingehen (Kapitel 3.1).

2. Sachanalyse

2.1 Begriffsdefinitionen und –inhalte

2.1.1 Kombitechnik

Unter dem Begriff der „Kombitechnik“ versteht man „Kombinierte textile Techniken“ und somit die Kombination von mindestens zwei Verfahrens-, beziehungsweise Arbeitstechniken. Dabei können bekannte Verfahren miteinander kombiniert, beziehungsweise durch neue Verfahren ergänzt werden.

Ich kombiniere in der folgenden Unterrichtseinheit die drei Arbeitsbereiche Weben, Knüpfen und Drucken, auf die ich im Verlauf des Unterrichtsentwurfs eingehen werde.

2.1.2 Weben

2.1.2.1 Die Bedeutung des Begriffes

Weben basiert auf einem sich ständig wiederholenden Grundprinzip: Längsfäden und Querfäden werden miteinander verbunden, indem jeder Querfaden so zwischen die Längsfäden verflochten wird, dass er abwechselnd oberhalb oder unterhalb der Längsfäden verläuft. Folglich entsteht ein Gewebe durch das Verkreuzen von Fäden. So findet und gibt der Querfaden zugleich Halt.

Fäden werden miteinander verschlungen: Mithilfe der Webtechnik können aus Fäden Flächen hergestellt werden. Auf die beschriebene Art und Weise können Stoffe, Teppiche, Wandbehänge und eine weitere Vielzahl textiler Flächen entstehen.

2.1.2.2 Webrahmen und Webstuhl

Die Arbeit an einem Webstuhl verlangt größere Anforderungen in Bezug auf Geräteaufwand, Kosten und Größe der Webausrüstung.

Dennoch verrät diese Art des Webens noch nichts in Bezug auf Wert und Eigenart des Ergebnisses. Es kann auf diese Art ebenso ein breiter und feiner Stoff entstehen wie bei der Arbeit mit einem Webrahmen.

„Weben gehört zu den wenigen Tätigkeiten, bei denen die umfangreichere, aufwendigere Apparatur durchaus noch nicht das besserer Ergebnis sichert.“

Ich werde in erster Linie auf das Handweben (Leinenbindung) eingehen, da der von mir angefertigte Gegenstand ebenfalls hangewebt wurde, beziehungsweise weil die Aufgabe von den Schülern eine handgewebte Fläche verlangt.

2.1.2.3 Der Webvorgang

Alle Webgeräte arbeiten nach dem gleichen Grundprinzip. Zuerst müssen die Längsfäden des zukünftigen Gewebes in einen Rahmen gespannt werden. Diese Fäden werden als Kettfäden bezeichnet. Diese Kette verläuft stets senkrecht von unserem Körper nach vorn. Zwischen diesen Kettfäden müssen nun Querfäden eingefügt werden, die miteinander verknüpft oder verbunden werden. Diese quer verlaufenden Fäden werden als Schuß, beziehungsweise als Schußfäden bezeichnet. Sie Fäden erhielten ihren Namen, weil im Webstuhl jeder Querfaden mit einem „Schützen“ oder „Weberschiffchen“ zwischen die Längsfäden der Kette hindurch „geschossen“ werden. Dadurch wird eine bestimmte Anordnung der Fäden dieser Kette vorausgesetzt: Jeder zweite Faden muss demnach gegenüber dem ersten leicht angewinkelt sein. Somit bildet sich beim Anheben eines Teils der Längsfäden ein leicht geöffneter spitzer Winkel. Dadurch wird ein freier Raum zwischen den Fäden der Kette geschaffen, durch das das Weberschiffchen quer hindurch geschossen werden kann. Dieser freie Raum durch die Öffnung von Kette (Längsfäden) und Schuss (Querfäden) wird von Webern als Fach bezeichnet. Allerdings besitzt der einfache Webrahmen im Gegensatz zum Webstuhl keine Möglichkeit, ein solches Fach zu bilden. Hier liegen die Längsfäden fest in einer Ebene. Die einfachste Webart ist die Leinenbindung. Die Querfäden des Schusses müssen (ohne Schuss) gleichmäßig einmal vor und einmal hinter den Kettfäden entlang führen. Hierzu können einerseits die Finger, andererseits als Hilfsmittel eine Nadel als Träger des Querfadens benutzt werden. Mit der Nadel werden dann abwechselnd von rechts nach links und von links nach rechts ein Schussfaden an den anderen gekettet. Indem die Fäden von Kette und Schuss immer wieder zusammentreffen, entsteht eine Vereinigung von Quer- und Längsfäden, die von Fachleuten als „Bindung“ bezeichnet wird. Diese Bindungen führen schließlich zur gewebten Fläche, zum Gewebe.

Bei der gleichmäßigen Führung der Schussfäden orthogonal zu den Kettfäden sollte darauf geachtet werden, dass die Webkanten, welche durch das Wenden des fortlaufenden Fadens entstehen, gerade verlaufen, um eine gleichmäßige Kante zu erreichen. Das bedeutet, dass sich die Ränder durch zu festes Anziehen der Schussfäden nicht einziehen dürfen. Es wird daher empfohlen, im Bogen zu weben und den Schussfaden beim Wenden ungefähr einen halben cm am Rand überstehen zu lassen. Der Schussfaden sollte dicht an die vorhergehende Webreihe angeschoben, beziehungsweise „angeschlagen“ werden. Bei einem Faden- oder Farbwechsel ist das Ansetzen an der Webkante zu vermeiden. Der neue Schussfaden sollte 4 – 6 Kettfäden parallel zum vorhergehenden Schussfaden gewebt werden. Fadenanfang sowie Fadenende müssen auf die Rückseite des Gewebes gebracht und ca. auf einen halben cm zurückgeschnitten werden.

Wurde eine Rundumbespannung gewählt, müssen die Kettfäden auf der Rückseite aufgeschnitten werden. Anschließend kann die Webarbeit vom Rahmen abgenommen werden. Zuletzt müssen die Ränder, beziehungsweise die herabhängenden Kettfäden befestigt werden. Hierfür bieten sich verschiedene Möglichkeiten: Die einfachste Lösung bietet das Sichern der Kettfäden mit Knoten. Darüber hinaus können jeweils 2 – 4 Kettfäden per Überhandknoten zusammengenommen und dicht ans Gewebe angeschoben werden. Die dritte Möglichkeit wäre, aus mindestens drei Kettfäden jeweils ein Zöpfchen zu flechten. Bei der einseitigen Bespannung des Webrahmens können die Ränder befestigt werden, indem man den Anfang und das Ende des Kettfadens vernäht und in das Gewebe einschiebt. Darüber hinaus kann man die Fläche je nach Wunsch nicht bis ans Ende weben und mit den Hängenden Kettfäden wie bei der Rundumbespannung verfahren.

2.1.2.4 Webmaterialien
2.1.2.4.1 Der Webrahmen

Als Webgondel bezeichnet man ein einfaches Webgerät, das man aus Karton selbst herstellen kann. Indem man die Kettfäden zwischen den an den Schmalseiten befindlichen Zähnchen hindurchführt, wölbt sich der Karton beim Spannen und schafft so genügend Spielraum zum Weben.

Zur Herstellung einer Webgondel wird ein Stück kräftiger Karton (beispielsweise die Rückseite eines Zeichenblocks, Bierdeckel...) benötigt, welcher 5 cm breiter und um die Hälfte länger sein muss, als das Gewebe, das entstehen soll. Darüber hinaus benötigt man eine stabile Schere oder ein kräftiges Messer. Nachdem man auf beide Seiten des Kartons Striche zeichnet, die jeweils ½ cm Abstand haben und einen cm lang sind, führt man zwischen jeweils zwei senkrechten Schnitten einen diagonalen Schnitt (von der Spitze des einen Einschnitts zum Ende des danebenliegenden) durch. Auf diese Weise entstehen kleine Zähne. Eine Alternative bietet das Aufkleben von karierten Papierstreifen jeweils an den gegenüberliegenden Seiten und das Einschneiden von Schlitzen im Abstand von einem cm (zwei Kästchen). Anschließend kann der Karton vorsichtig gondelförmig aufwärts und knotet rechts und links einen Haltefaden darum, um die Form zu wahren. Daraufhin wird die Kette (der Kettfaden) gleichmäßig gespannt. Hierbei ergeben sich zwei Möglichkeiten der Kettfadenbespannung: einerseits die Rundumbespannung und andererseits die Einseitige Bespannung. Die Rundumbespannung beinhaltet das Umwickeln des eingekerbten Kartons mit dem Kettfaden, wobei am Schluss der Bespannung Fadenanfang und –ende auf der Rückseite zusammengeknotet werden. Beim Verlauf der Kettfäden auf der Vorderseite des Kartons wäre zu beachten, dass diese im rechten Winkel und parallel zur Außenkante verlaufen. Den Karton einseitig zu bespannen bedeutet, dass der Kettfaden im Hin- und Herreihen bespannt wird. Auch hier werden Anfangs- und Endfaden rückseitig verknotet.

Wählt man als Endprodukt ein rundes Gewebe aus, so kann mit einem Rundwebrahmen gearbeitet werden. Hierzu bieten sich Ringe ohne Kerbung wie beispielsweise Metall oder glattes Holz an, welche vor der Bespannung umwickelt oder umknotet werden. An dieser Stelle bietet sich einerseits die Möglichkeit der Rundumbespannung, andererseits die Möglichkeit der Längsbespannung.

Sollte für das Endergebnis ein Rahmen, beziehungsweise ein Untergrund erwünscht sein, bietet sich das Arbeiten mit einer Teppichfliese als Webrahmen an, da das Gewebe nach Beendigung des Webvorgangs nicht abgenommen wird. Es sollte jedoch bei der Auswahl von Teppichfliesen darauf geachtet werden, dass sich diese mit einer spitzen Nadel durchstechen lassen. Zunächst ist zu empfehlen, dass das Webvorhaben auf der Rückseite skizziert wird. Anschließend können die Markierungspunkte für die Kettfadenbespannung mit einem Kugelschreiber oder Filzstift im Abstand von einem cm eingezeichnet werden. Daraufhin erfolgt die Kettfadenbespannung mit einer geeigneten, spitzen Nadel. Die Kettfäden müssen dabei auf der Rückseite der Teppichfliese sehr haltbar miteinander verknotet werden. Als Weiteres eignet sich ein Holzwebrahmen. Dabei handelt es sich um einen Holzrahmen mit Kerben oder Nägeln, welche in gleichmäßigem Abstand angeordnet werden. Wählt man einen Holzrahmen ohne Kerbung, beziehungsweise unterlässt das Einschlagen von Nägeln, besteht ebenfalls die Möglichkeit, dass die Kettfäden im Abstand von einem knappen cm um den Holzrahmen gewickelt werden. Hierfür können wahlweise auch stabile Äste in ein Quadrat oder zu einer anderen Form zusammengeknotet werden. Allerdings muss bei dieser Art der Bespannung das fertige Gewebe auf dem Rahmen bleiben.

2.1.2.4.2 Werkstoffe

Als Werkstoffe für das Weben eignen sich Maisblatt, Stroh, Bast und ähnliche Materialien. Außerdem bieten sich insbesondere Garne und somit Fäden an, die durch das Zusammendrehen, beziehungsweise durch das Spinnen textiler Fasern (Spinnstoffe) erzeugt werden. Hiezu eignen sich Pflanzenfasern (Sisal, Baumwolle, Jute, Hanf, Flachs), tierische Fasern (Schafwolle, Kamel- und Ziegenhaar, unter anderem Angorawolle, Naturseide), künstliche Fasern (Kunstseide und Zellwolle) sowie vollsynthetische Fäden wie Nylon und Perlon. Für das Handweben empfiehlt sich in erster Linie das Verwenden natürlichen Materials.

Das Spinnen der Fasern geschah zunächst auf Rocken und Spinnrad mit den Händen, später dann mit Maschinen. Tierische, pflanzliche oder synthetische Fasern werden miteinander verdreht, so dass ein endloser Faden entsteht. Das Garn entsteht durch ein Faden allein, beziehungsweise durch mehrere zusammengedrehte Fäden.

Der für die Kette hergestellte Faden muss dauerhaft; das bedeutet glatt, elastisch, reißfest und gut gedreht sein. Zu empfehlen sind Baumwollgarne (dünnere Häkel- oder Strickgarne), Schnur oder Bindfaden oder spezielle Kettgarne aus dem Fachhandel. Auf die Farbigkeit muss nicht geachtet werden, da die Kettfäden zum größten Teil von den Schussfäden verdeckt werden.

Je nach Aufgabe oder erzieltem Gewebe können beinahe alle textilen Materialien verwendet werden, vor allem Wollgarne. Die Struktur des Garns bestimmt das Aussehen des künftigen Webstücks. Es können Effektmaterialien wie Pelze, Gräser, Ramee, Holzspäne, Stoffstreifen und viele mehr verwendet werden – der Kreativität des Webers sind beinahe keine Grenzen gesetzt.

2.1.2.4.3 Webhilfsgeräte

Je nach erzielter Größe des Gewebes, beziehungsweise je nach Fläche des Kartons, eignen sich für das Weben eine dicke Stramin- oder Stopfnadel mit stumpfer Spitze (ungefähr 7 cm lang) oder eine lange Webnadel (15 cm lang). Als weiteres Hilfsmittel kann ein sogenanntes „Schiffchen“ verwendet werden. Dabei handelt es sich meist um Webstäbe aus Holz, die an beiden Enden eingekerbt sind. Das Schiffchen dient dem Aufwickeln eines langen Fadens und eignet sich besonders für flächiges Weben in der gleichen Farbe. Darüber hinaus sollte ein grobzinkiger Kamm verwendet werden, der dem Zusammenschieben der parallel verlaufenden Schussfäden dient.

2.1.2.5 Webtechniken

a) Leinenbindung

Wie bereits beschrieben handelt es sich bei der Leinenbindung um die einfachste Art von Gewebebindung. Da sie die meisten Fadenkreuzungen aufweist, ist sie die haltbarste und festeste Bindung. Indem Kette und Schuss regelmäßig wechseln, wird das Gewebe auf der Ober- und Unterseite gleich.

b) Panamabindung und Ripsbindung

Abarten dieser Leinenbindung stellen die „Panamabindung“ sowie verschiedene „Ripsbindungen“ dar. Es handelt sich um die Panamabindung, wenn jeweils zwei Kettfäden durch zwei Schussfäden miteinander verbunden werden. Diese Bindung ergibt ein lockeres und fließendes Stoffgewebe. Bei der sogenannten Ripsbindung werden verschieden starke Kett- und Schussfäden sowie verschiedene Garne verwendet. Es wird zwischen Schussripsgewebe und Kettripsgewebe unterschieden, je nachdem ob das Muster durch die Schussfäden (Farbe, Doppellage, starkes Anschlagen) gebildet wird oder nicht. Ein Faden bedeckt den anderen vollständig. Erkennungsmerkmal dieser Gewebe ist die geriffelte Oberfläche.

c) Körperbindung

Eine weitere Alternative zur einfachen Leinenbindung bildet die „Körperbindung“. Diese Art der Bindung entsteht, wenn ein Schussfaden in bestimmter Ordnung jeweils mehrere Kettfäden überspringt oder unterfährt. Man erkennt sie an den schräglaufenden Bindungspunkten.

d) Atlasbindung

Die Atlasbindung weist mit dem Körper die gemeinsamen schräglaufenden Bindungspunkte auf. Allerdings handelt es sich hierbei um eine glattere Oberfläche, weil sie von Schuss zu Schuss um mehrere Kettfäden versetzt liegt, so dass sich die Bindungspunkte an keiner Stelle berühren. Darüber hinaus werden sie vom folgenden Schuss- oder Kettfaden so verdeckt, dass sie auf der Vorderseite nicht mehr zu sehen sind.

e) Gobelinweberei

Bei der Gobelinweberei handelt es sich um einen verschiedenfarbigen Schussrips, wobei der Farbwechsel sowohl in der Kettrichtung als auch in der Webbreite an jedem beliebigen Punkt stattfinden kann.

f) Bindungstechnik

Bei dieser Technik arbeitet man mit möglichst kurzen Webnadeln (oder sogenannten Puscheln) aufgrund der vielgestaltigen Muster auf schmaler Fläche. Dabei beginnt der Einschlag von der einen Webkante aus mit der an dieser Stelle benötigten Farbe und wird so lange durch die Kette geführt, bis das Muster die betreffende Farbe nicht mehr verlangt. Die Fäden an den Farbgrenzen können mittels zweier Verfahren verschlungen werden: Einerseits kann der Grenzkettfaden durch den Schuss umschlungen und andererseits können die Schussfäden zwischen zwei Kettfäden ineinander eingehakt werden.

Es gibt weitere Techniken (Kelimtechnik, Smyrnatechnik, Wickeltechnik...), auf die ich an dieser Stelle jedoch nicht näher eingehen werde, da ich mich ausschließlich mit der Leinenbindung beschäftigen werde.

2.1.2.6 Die Geschichte der Webtechnik

Der erste Webprozess wurde von den Menschen der Vorzeit durch das kreuzweise Verflechten von dünnen Zweigen, Grashalmen und Binsen ausgeführt. Für die groben Gewebe wurden später auch andere Fasern und Tierhaare benutzt. Im Laufe der Jahre kam es zu der Erfindung von Spindel und Webstuhl. Durch die Spindel wurde ermöglicht, aus Pflanzenfasern und Tierhaaren einen zusammenhängenden Faden zu gewinnen. Der Webstuhl hingegen verhalf dazu, die Kettfäden des Gewebes in handlicher Weise zu befestigen. Es wurde an vielen verschiedenen Webstühlen gearbeitet, die ständig weiterentwickelt wurden. Die alten Griechen sowie manche Indianerstämme Nordamerikas beispielsweise benutzten einen Hochwebestuhl mit senkrechter Kette, auf dem man von oben nach unten webt. Ungefähr 2500 Jahre vor Christus benutzten ägyptische Weber einen Horizontalwebestuhl, wie ihn später die Inkas gebrauchten. Noch heute wird dieser Webstuhl in Mexiko, Guatemala und in Peru verwendet. Bis zur Frührenaissance war Europa auf die Einfuhr kostbarer Stoffe aus dem Nahen und Fernen Osten angewiesen. Zuerst lernten später die Italiener die Fertigkeiten der Weberei, dann die Franzosen, Spanier und Engländer. Im Laufe des 18. Jahrhunderts nahm der Bedarf an Textilien in England stetig zu, was zu einer Reihe neuer Erfindungen und Entdeckungen sowie zu immer rationelleren Herstellungsverfahren führte (industrielle Revolution).

Die Weiterentwicklung der Webgeräte und des Webmaterials hört bis heute nicht auf.

Früher wurde die Webtechnik an Webstühlen ausgeübt, welche im 19. Jahrhundert mechanisiert wurden und somit zu einer Vervollkommnung und Beschleunigung führten. Auch heute gilt es jedoch als „individueller“ und „reizvoller“, mit den traditionellen Webverfahren am Webstuhl oder am Webrahmen zu arbeiten.

„Die damit verbundene Note „handgewebt“ ist gegenüber der Vielzahl maschinengewebter Stoffe und Artikel längst zu einem begehrten Gütezeichen geworden, das nicht allein den beglückt, der es mit seinen eigenen Händen entstehen ließ, sondern zugleich auch seinen besonderen Preis wert ist.“

Während früher das Spinnen der Garne mit der Hand üblich war, wird dies heute von der Industrie übernommen. Der besondere Reiz von handgesponnenem Garn liegt in seiner unregelmäßigen Struktur beim handgewebten Stoff. Handweben ermöglicht eine Reihe von besonderen Effekten wie das Zusammenspinnen verschiedenartiger Fasern oder Drehungseffekte.

Kreative Webarbeiten verlangen nicht nach neuen Maschinen, sondern können auf einfache Art und Weise entstehen.

Der Webrahmen kann ohne großen Aufwand selbst hergestellt werden.

2.1.3 Knüpfen

2.1.3.1 Der Knoten

Unter einem Knoten versteht man die fachmännische, jederzeit wieder lösbare Verschlingung von Bindfäden, Schnüren, Seilen etc. Ein guter Gebrauchsknoten muss sich einerseits leicht knüpfen, andererseits wieder leicht lösen lassen und Beanspruchungen standhalten. Daher ist nicht jeder Knoten für jeden Zweck geeignet.

2.1.3.2 Geschichte der Knüpftechnik

Knüpfen (auch unter dem Namen Macramee bekannt soll ursprünglich aus dem Arabischen stammen und kann mit dem Wort „Tüchelchen“ übersetzt werden.

Knüpfen zählt zu den ältesten Handarbeitstechniken und ist unmittelbar mit dem Weben verwandt. Beispielsweise müssen gerissene Fäden wieder verknüpft und das Gewebe gesichert werden. Diese Sicherung kann durch das Verknoten der Kettfäden zu einer Franse durchgeführt werden.

Wie Funde aus der Jungsteinzeit, aus Ägypten und vielen weiteren Kulturen belegen, dass diese Technik schon sehr früh angewandt wurde.

„Oft wurden Knoten auch mystische Bedeutungen beigemessen wie z. B. bei der Knotenschrift der Inkas. Seile und Knoten spielen schließlich in der Seefahrt eine große Rolle – wir sprechen nicht umsonst noch heute von „Knoten“.“

[...]

Ende der Leseprobe aus 56 Seiten

Details

Titel
Kombitechnik Weben, Knüpfen, Drucken: 'Fantasiequalle in Unterwasserwelt - Unterrichtsentwurf
Autor
Jahr
2004
Seiten
56
Katalognummer
V37643
ISBN (eBook)
9783638369268
Dateigröße
734 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kombitechnik, Weben, Knüpfen, Drucken, Fantasiequalle, Unterwasserwelt, Unterrichtsentwurf
Arbeit zitieren
Katja Schmidt (Autor), 2004, Kombitechnik Weben, Knüpfen, Drucken: 'Fantasiequalle in Unterwasserwelt - Unterrichtsentwurf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37643

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