Anthropologie und Lebenskunst. Wesenhaftigkeit des Menschen und Grundfragen der Lebenskunst nach Wilhelm Schmid


Ausarbeitung, 2015
8 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

1.) Anthropologie und Lebenskunst ­ Die Gestalt des Menschen
Einführend erläutert Schmid in seiner ,,Philosophie der Lebenskunst", die Anthropologie im
expliziten Sinne sei im 16. Jahrhundert entstanden, da zu dieser Zeit erste Versuche
unternommen wurden sich von ,,theonomen Bestimmungen"
1
frei zu machen. Die Geschichte
der Anthropologie als philosophische Disziplin beschreibt er als ,,Geschichte der Befreiung
des Menschen von Vorgaben, was er zu sein habe"
2
. Der Mensch besitzt die Gabe sich seiner
Selbstbestimmung zu öffnen, allerdings sieht Schmid hierbei die Notwendigkeit ,,strukturelle
Bedingungen"
3
, in welchen der Mensch lebt zu erörtern. Hierzu zählen unter anderem
kulturelle, soziale, gesellschaftliche und historische Faktoren, die den Menschen bedingen,
aber auch von ihm selbst geformt und verändert werden können. Somit ist jedes Individuum
nicht ein einfaches Resultat seiner Strukturen sondern auch imstande deren Erschaffer zu sein.
Im Folgenden verweist Schmid hier auf unterschiedliche Arten von Anthropologien und
deren Unterschiede. Die Sozialanthropologie, die anhand empirischer Untersuchungen
,,Regelwerke des Zusammenlebens"
4
erforscht.
5
Die Kulturanthropologie, die beschreibt, wie
der Mensch kulturell geformt wird. Die Historische Anthropologie erklärt wie sich
verschiedene Vorstellungs- und Wahrnehmungsweisen mit der Zeit verändert haben. Zuletzt
läutet die Philosophische Anthropologie die Frage nach den ,,Bedingungen und Möglichkeiten
des Menschseins"
6
ein, woraus sich gezielt die Frage nach der ,,Lebenskunst" stellt. Schmid
setzt nun die sogenannte ,,Anthropologie, die Lehre vom Menschen" in Verbindung mit den
Begriffen ,,Menschenkenntnis"
7
und der ,,Idee vom Menschen"
8
. Menschenkenntnis legt
hierbei nicht fest, was der Mensch zu sein hat, sondern gibt nur Anhaltspunkte für die
Lebensführung. Die ,,Idee" vom Menschen enthält lediglich die Aussicht auf etwas, was der
Mensch aus sich machen kann. Aus diesen drei Begriffen der
Philosophischen
Anthropologie, der Menschenkenntnis und der Idee vom Menschen basieren nun
anthropologische Annahmen, die für die Philosophie der Lebenskunst grundlegend sind, da
nun Bedingungen und Möglichkeiten greifbar werden, mit denen die Lebenskunst zu rechnen
hat.
1
Schmid S.80
2
Ebenda S.80
3
Schmid S.81
4
Ebenda S. 81
5
Schmid S.81
6
Schmid S.82
7
Ebenda S.82
8
Ebenda S.83
2

1.1 Die Wesenhaftigkeit des Menschen
Schmid schreibt dem Menschen an sich mehrere ,,Wesen" zu. So beginnt er mit dem
Menschen als ,,Wesen der Widersprüche"
9
. Jedes Individuum besitzt die Fähigkeiten zu
lieben, gleichsam aber auch zu hassen. Demnach muss jeder Mensch ein Leben voller Liebe,
Hass, Neid, Leid, Schmerz und dem Gedanken an den Tod durchleben. In der sog. ,,Kunst des
Umgangs"
10
versucht nun die Lebensführung mit den eben genannten Widersprüchen zu
leben, um nicht von ihnen zerrissen zu werden. So versucht jeder Mensch sein Leben in
Auseinandersetzung mit Anderen kunstvoll zu gestalten, indem man mit ihnen z.B in
Beziehung tritt. Als zusätzlichen Faktor sieht Schmid das Bewusstsein, dass der Mensch in
Zusammenhängen lebt, die ihn einerseits tragen, aber andererseits auch von ihm zerstört
werden können. Diese Einsicht macht den Menschen zum ,,Wesen der Wahl"
11
. Es ist der
Ausdruck der Eigenart und Selbstmächtigkeit eines Menschen, dass er frei nach Belieben
wählen kann. Die Herausforderung sieht Schmid nur darin, dass die Freiheit der Wahl auch
unter unerwünschten Umständen sinnvoll eingesetzt werde.
12
Diese Fähigkeit der Wahl ist
allerdings immer an das ,,Personsein"
13
eines Menschen geknüpft, woraus die
anthropologische Annahme des Menschen als ,,Selbstbewusstes Wesen"
14
auftritt. Der
Mensch besitzt die Fähigkeit eine gewisse Distanz zwischen sich und die Dinge um ihn herum
herzustellen, um sich so ein eigenes Urteil bilden zu können. Allerdings bedarf es daher einer
,,Vorstellung von sich selbst"
15
um an wechselnden Orten und wechselnder Zeit ein
Selbstwertgefühl zu entwickeln. Diese reflektierende Einnahme zu sämtlichen Einflüssen um
den Menschen herum macht ihn zu einem ,,Wesen der Sorge"
16
. Mit Sorge meint Schmid hier
ein ,,kluges und vorausschauendes"
17
Verhalten, um aus akuten Mängeln eine Balance
herstellen zu können. Zuletzt beschreibt Schmid den Menschen als ,,Wesen der Erfahrung"
18
,
denn der Mensch lebe allein von den gemachten Erfahrungen und zieht aus ihnen Schlüsse,
um sich zurechtzufinden. Zusätzlich hält man sich aber immer ,,offen" für neue Erfahrungen,
bzw. besitzt man einen Drang stets neue Erfahrungen zu machen. Dieses Bestreben nach
9
Schmid, Wilhelm: Philosophie der Lebenskunst, eine Grundlegung S.83
10
Ebenda S.84
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Ebenda S.85
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Ebenda S.85
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Ebenda S.85
14
Ebenda S.86
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Ebenda S.86
16
Ebenda S.86
17
Ebenda S.86
18
Ebenda S.87
3

neuen Erfahrungen erzeugt eine gewisse ,,Spannung" im Leben, wodurch verhindert wird,
dass es in ,,Planung und Kalkül erstickt"
19
.
20
Als Fazit lässt sich nun festhalten, dass hier
weder versucht wird eine Theorie über das ,,Menschsein" zu bilden, noch eine ,,Wahrheit des
Menschen"
21
offenbart wird. Für die Anthropologie der Lebenskunst ist es essentiell wichtig,
mithilfe von
Menschenkenntnis und einer Idee vom Menschen die Möglichkeiten der
Gestaltung des Lebens aufzuzeigen.
22
2.) Einige Grundfragen der Lebenskunst
,,Leben mit Widersprüchen, Aufmerksamkeit auf soziale und ökonomische Zusammenhänge,
Möglichkeiten der Wahl, Bedeutung des Selbstbewusstseins, Fähigkeit zur Sorge, Offenheit
für Erfahrungen"
23
; diese Fragen gehen einer reflektierenden Lebenskunst voraus. Jedoch
sieht Schmid die Grundfrage nicht in den Möglichkeiten der Gestaltung des Lebens, sondern
zunächst einmal in der Sinnhaftigkeit. Macht Lebenskunst überhaupt Sinn? Bzw. macht es
Sinn, sich überhaupt Gedanken darüber zu machen. Allgemein könnte man diese Frage
bejahen, da wohl den meisten Menschen einmal der Gedanke kommt, wie man sich sein
Leben vorstellt, welche Ziele man hat, wie man diese Ziele erreichen möchte, welcher Art und
Natur diese Ziele überhaupt sind usw. . Natürlich gibt es keine Universalantwort, da jene
Fragen dem Individuum überlassen sind. Schmid verweist nun auf den folgenden Seiten auf
mehrere Fragen, welche er in weiteren Kapiteln ausführlicher bearbeitet. Die erste Frage
warum man sein Leben überhaupt gestaltet, beantwortet er mit der Existenz des Todes, sprich
mit der Begrenztheit des Lebens. Das Bewusstsein über das Ende unseres Lebens ,,in dieser
Form" verleitet die Menschen daher ihrem Leben einen ,,Sinn" zu geben. Helmuth Plessner
greift diesen Gedanken in seiner Schrift ,,Mit anderen Augen" ebenfalls auf; er schreibt, die
Todeserfahrung, bzw. die Konfrontation mit dem Negativen, ruft die ,,Sorge um das eigene
Leben" hervor.
24
Die nächste Frage ,,Wie kann ich mein Leben führen"
25
bezieht sich stark
auf die Individualethik. Die Frage nach dem richtigen Handeln drängt sich hier in den
Vordergrund. ,,In welchen Zusammenhängen lebe ich? Wie lassen sich Zusammenhänge
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Ebenda S.87
20
Ebenda S.87
21
Ebenda S.87
22
Ebenda S.87
23
Ebenda S.88
24
Plessner, Helmuth: Mit anderen Augen. S.85
25
Schmid, Wilhelm: Philosophie der Lebenskunst, eine Grundlegung. S. 89
4

herstellen in denen es sich leben lässt?"
26
; diese Frage verweist darauf, dass der Mensch sich
stets in seinen Strukturen begreifen muss und sich seiner Kraft und Fähigkeiten die gegebenen
Dinge zu verändern bewusst werden soll. Die Frage ,,Welche Wahl habe ich?"
27
baut Schmid
in die strukturellen Bedingungen ein, da eine Wahl immer durch die gegebenen Bedingungen
begrenzt sei. Allgemein kann die Art, Form und der Inhalt der Lebenskunst, in welcher Form
auch immer frei von jedem Menschen gewählt werden.
28
,,Wer bin ich?"
29
ruft die Idee der
Selbstorganisation hervor. Jeder Mensch muss herausfinden wer er ist, und wo sein Platz liegt
Die Frage ,,Welches Verständnis vom Leben habe ich?"
30
bezieht sich auf die Interpretationen
des eigenen Lebens und der erfahrenen Lebenswelt. Die Wichtigkeit hierbei besteht darin,
diese Erschließung der Bedeutung vom Leben für sich selbst herzustellen, sprich selbst
,,kennenlernen, entziffern und zu wissen wie sie zu verstehen sind"
31
. Die letzte Frage bezieht
sich direkt auf die Lebenspraxis: ,,Was kann ich konkret tun?"
32
. Hierbei geht es allgemein
um eine Grundhaltung und das alltäglich erlebte Leben. Schmid verweist hier auf diverse
Übungen und Techniken um dem Leben einen Charakter zu verleihen.
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Grundlegend lässt sich also keine reine inhaltliche Festlegung der Lebenskunst festhalten. Es
besteht lediglich die Möglichkeit diverse Übungen oder Techniken anzuwenden, um
Lebenskunst realisierbar zu machen. Egal in welcher Form oder in welchem Ausmaß ein jeder
Mensch seine Art der Lebenskunst ausführen möchte, hat er die Entscheidung in seiner
eigenen Hand.
34
Daher lassen sich alle eben dargelegten Grundfragen nur individuell und
nicht universal beantworten, zumal ihre inhaltliche Klärung auch eine gewisse Schwierigkeit
mit sich bringt. Solche Fragen sollen laut Schmid ,,operable Antworten"
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liefern, sprich
Antworten die im philosophischen Raum erörtert werden können, zuletzt allerdings in der
Lebenspraxis durchgeführt und verantwortet werden müssen. Zumal war dies nur eine
Auswahl von Fragen natürlich gibt es viele Weitere wie etwa: ,,Wozu lebe ich ?" oder ,,Was
macht das Leben Lebenswert?".
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Ebenda S.90
27
Ebenda S.90
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Ebenda S.90
29
Ebenda S.91
30
Ebenda S.91
31
Ebenda S.91
32
Ebenda S.92
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Ebenda S.92
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Ebenda S.93
35
Ebenda S.93
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Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Anthropologie und Lebenskunst. Wesenhaftigkeit des Menschen und Grundfragen der Lebenskunst nach Wilhelm Schmid
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
8
Katalognummer
V376492
ISBN (eBook)
9783668538030
ISBN (Buch)
9783668538047
Dateigröße
409 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wilhelm schmid, philosophie der lebenskunst
Arbeit zitieren
Stefan Schmidt (Autor), 2015, Anthropologie und Lebenskunst. Wesenhaftigkeit des Menschen und Grundfragen der Lebenskunst nach Wilhelm Schmid, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376492

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