Smartphones sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Die mobilen, internetfähigen Endgeräte eröffnen dem Nutzer eine schier unendliche Anzahl an Funktionen bzw. Applikationen (sog. Apps) und gehen damit weit über den ursprünglichen Zweck des mobilen Telefons hinaus. Zudem haben die mit dem Smartphone verbundenen Kommunikationspraktiken unseren Alltag auf spezifische Weise geprägt und verändert. Daher möchte ich in der dieser Arbeit zunächst der Frage nachgehen, welche (technischen) Veränderungen das Smartphone im Vergleich zum klassischen Mobiltelefon hervorgebracht hat, welche mobilen Kommunikationspraktiken sich daraus weitergehend entwickelt haben und welche Kommunikationsrahmen damit entstanden oder verändert worden sind. Dem folgend möchte ich herausfinden, in welchem Zusammenhang diese mobilen Kommunikationspraktiken mit dem auf gesellschaftlicher Makroebene fortschreitenden Prozess der sozialen Beschleunigung stehen, welcher seit jeher von der Einführung und Anwendung neuer (Informations-)Technologien begleitet ist.
Ausgehend von dem Mediatisierungskonzept nach Friedrich Krotz möchte ich anschließend die Frage beantworten, wie smartphonebasierte Kommunikationspraktiken sich auf der räumlichen und zeitlichen Ebene des „mediatisierten“ Raumes verhalten und welche Konsequenzen sich daraus für die alltägliche Gesprächskultur innerhalb dieses Raumes ergeben. Schließlich soll unter Herannahme von Marshall McLuhans These der „Extensions of Man“ (z. Dt. Ausweitung des Menschen) geklärt werden, ob und inwiefern von Seiten des Nutzers eine affektive, auf materieller Unentbehrlichkeit beruhende Bindung zu dem Medium Smartphone besteht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Kulturgeschichte des Telefons
2.1 Mobile Telefonie und Kommunikation
3. Das Hybridmedium Smartphone
4. Zum Diskurs der sozialen Beschleunigung
4.1 Das Smartphone im Kontext sozialer Beschleunigung
5. Der Mediatisierungsansatz nach Friedrich Krotz
5.1 Kommunikationspraktiken mit Smartphones im mediatisierten Raum
6. Marshall McLuhan - The Extensions of Man
6.1 Das Smartphone als „Ausweitung des Menschen“?
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie das Smartphone als multifunktionales Hybridmedium unsere alltäglichen Kommunikationspraktiken im Kontext gesellschaftlicher Beschleunigungsprozesse und der Mediatisierung verändert hat. Dabei steht die These im Fokus, dass Nutzer eine affektive, auf materieller Unentbehrlichkeit basierende Bindung zu ihrem Smartphone entwickeln, welche im Sinne von Marshall McLuhans "Extensions of Man" interpretiert werden kann.
- Kulturgeschichtliche Genese des Telefons bis hin zum Smartphone.
- Analyse des Zusammenhangs zwischen Smartphone-Nutzung und sozialer Beschleunigung nach Hartmut Rosa.
- Anwendung des Mediatisierungskonzepts nach Friedrich Krotz auf mobile Kommunikationspraktiken.
- Untersuchung der Veränderung von Raum- und Zeitwahrnehmung durch permanente Konnektivität.
- Reflexion des Smartphones als "Ausweitung des Menschen" unter Berücksichtigung der Bindung zum Gerät.
Auszug aus dem Buch
6.1 Das Smartphone als „Ausweitung des Menschen“?
Im Kontext sozialer Beschleunigung und der damit einhergehenden erhöhten räumlichen Mobilität spricht Rosa von einer durch häufiges Wechseln der Wohnorte, Haushalts- und alltäglichen Gebrauchsgegenstände bedingten Entfremdung dem Raum und der Materie gegenüber, die zum einen darin begründet liegt, dass der Mensch die ihn umgebenden Dinge in einer steigenden Geschwindigkeitsrate austauscht und damit keine durch langfristigen Gebrauch hervorgehende Individualisierung und Internalisierung stattfinden kann, und zum anderen in der „moralischen Konsumption“ der Dinge, welche lange vor ihrem physischen Verschleiß weggeworfen oder ausgetauscht werden, da sich der Ersatz gegenüber einer Reparatur kostengünstiger verhält. Weiterhin führt die ständige Weiterentwicklung besonders bei technischen Geräten wie Handys oder Computern zu Entfremdung, da der Mensch aufgrund ihrer zunehmenden Komplexität den Umgang mit ihnen verlernt und eine Kluft zwischen sich und dem Gegenstand aufgehen sieht, auf dessen einer Seite das fortschrittliche, intelligente Gerät steht und auf der anderen Seite der zurückgebliebene, unfähige Mensch. Dies führt laut Rosa weitergehend zu einem Gefühl der Schuld, da der Mensch mit seiner Bedienungsunfähigkeit dem Gerät mangelnde Wertschätzung entgegenbringt und aufgrund dessen ein schlechtes Gewissen entwickelt, was sowohl für die Hardware als auch die Software eines Gegenstands gilt. An diesem Punkt lässt sich allerdings einwenden, dass Smartphones, die nicht nur hinsichtlich ihrer Hardware wie beispielsweise durch Schutzhüllen und anderem technischen Zubehör optisch individuell verändert, personalisiert und somit dem Menschen „näher“ gebracht werden können, gerade aufgrund ihrer Software einen so hohen Individualisierungsgrad und entsprechenden Erfahrungsraum ermöglichen und dass sie, je nach technischem Kenntnisstand des Nutzers, einerseits zwar durch Überforderung bedingte Ablehnung erfahren mögen, andererseits aber auch ein Gefühl der Unentbehrlichkeit erwecken und somit körperlich wie emotional vereinnahmt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, welche die Auswirkungen mobiler Kommunikationspraktiken auf Alltag, Raum und Zeit sowie die Bindung zum Smartphone thematisiert.
2. Zur Kulturgeschichte des Telefons: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung des Telefons als Ursprungsmedium und dessen Wandel hin zur mobilen Telefonie.
3. Das Hybridmedium Smartphone: Das Kapitel definiert das Smartphone als medienkonvergentes Gerät, das zahlreiche Funktionen vereint und durch permanente Konnektivität gekennzeichnet ist.
4. Zum Diskurs der sozialen Beschleunigung: Hier werden Hartmut Rosas Thesen zur sozialen Beschleunigung und Entfremdung erläutert und auf die mobile Technologie angewandt.
5. Der Mediatisierungsansatz nach Friedrich Krotz: Der Abschnitt befasst sich mit der zunehmenden Bedeutung von Medien im Alltag und wie Smartphones den mediatisierten Raum prägen.
6. Marshall McLuhan - The Extensions of Man: Dieses Kapitel verknüpft die Theorie McLuhans mit der psychologischen Bindung und funktionalen Erweiterung durch das Smartphone.
7. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse über das Smartphone als reaktionäre Entwicklung auf Zeitknappheit und als Ausweitung menschlicher Funktionen zusammen.
Schlüsselwörter
Smartphone, Mediatisierung, soziale Beschleunigung, mobile Kommunikation, Hybridmedium, Medienkonvergenz, Extension of Man, Alltagskommunikation, Raum-Zeit-Verhältnis, digitale Transformation, Konnektivität, individuelle Bindung, Techniksoziologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die medientheoretischen Implikationen des Smartphones, insbesondere im Hinblick darauf, wie es unsere Kommunikationspraktiken und unser Verständnis von Zeit und Raum im Kontext sozialer Beschleunigung verändert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Kulturgeschichte der Mobilkommunikation, der Mediatisierungstheorie nach Friedrich Krotz, den Beschleunigungstheorien von Hartmut Rosa sowie dem Konzept der medialen Ausweitung nach Marshall McLuhan.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, in welchem Zusammenhang Smartphone-Praktiken mit der sozialen Beschleunigung stehen und inwiefern der Nutzer eine affektive, auf Unentbehrlichkeit beruhende Bindung zum Gerät aufbaut.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine medientheoretische Analyse, die bestehende Konzepte (Krotz, Rosa, McLuhan) auf das Smartphone anwendet, um dessen Rolle und Wirkung im aktuellen gesellschaftlichen Kontext zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die technologische Einordnung als Hybridmedium, die soziologische Analyse der Beschleunigung, die mediatisierungstheoretische Verortung im öffentlichen Raum und die anthropologische Betrachtung als Erweiterung des Menschen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Smartphone, Mediatisierung, soziale Beschleunigung, mobile Kommunikation, Medienkonvergenz und die "Extensions of Man" nach Marshall McLuhan.
Inwiefern beeinflusst das Smartphone die Grenze zwischen Privatheit und Öffentlichkeit?
Das Smartphone ermöglicht es laut der Arbeit, intime und private Kommunikation in den öffentlichen Raum zu verlagern, wodurch die traditionelle Trennung von öffentlichem und privatem Bereich zunehmend aufgeweicht wird.
Wie unterscheidet sich die Bindung zum Smartphone von der zu früheren technischen Geräten?
Im Gegensatz zu früheren Geräten wird das Smartphone durch hohe Individualisierung und Software-Anpassung emotional näher an den Nutzer gebracht, was zu einer starken körperlichen und emotionalen Abhängigkeit führen kann.
- Arbeit zitieren
- Zinaida Ebden (Autor:in), 2016, Das Smartphone im Kontext sozialer Beschleunigung und Mediatisierung. Implikationen mobiler Kommunikationspraktiken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376561