Genese und Genealogie des Volleyballspiels


Examensarbeit, 2004

97 Seiten, Note: Sehr gut (1,3)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Einführung in das Thema
1.2 Forschungsstand und Literaturauswahl

2 Anfänge des Volleyballspiels
2.1 William G. Morgan
2.2 Mintonette
2.3 Zusammenfassung

3 Wurzeln des Volleyballspiels
3.1 Hochballspiel vs. Hin- und Rückschlagspiel/ Zuschlagspiel
3.2 Trigon
3.3 Von den indianischen Hochballspielformen zum Indiaca
3.4 Vom italienischen Pallone zu den deutschen Turnspielen
3.4.1 Pallone
3.4.2 Deutsches Faustballspiel
3.4.3 Exkurs: Vergleich der Weiterentwicklung von Faustball und Volleyball
3.4.4 Tamburinball/Trommelball
3.4.5 Ball über die Schnur
3.4.6 Prellball
3.5 Vom Federballspiel zum Badminton
3.5.1 Federballspiel
3.5.2 Badminton
3.6 Vom „jeu de paume“ zum Tennis
3.6.1 „jeu de paume“
3.6.2 Tennis
3.7 Pelota, “handball“/fives, Squash
3.7.1 Pelota
3.7.2 „handball“/fives
3.7.3 Squash
3.8 Zusammenfassung

4 Auswertung

5 Anhang A: Das Volleyballspiel – Eine Genealogie

6 Anhang B: Interview mit Manfred Kindermann

7 Literatur

8 Schlusserklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: William G. Morgan

Abbildung 2: Abgrenzung von Spiel und Sport.

Abbildung 3: Ausschnitt aus einem Wandbild der Beni Hassan-Gräber

Abbildung 4: Altmexikanische Ballspieler.

Abbildung 5: Bikini-Mädchen beim Ballspiel im alten Rom.

Abbildung 6: Indiaca

Abbildung 7: Das italienische Pallone..

Abbildung 8: Faustballspielfeld.

Abbildung 9: Tamburinballspielerin.

Abbildung 10: Das Turnspiel Prellball

Abbildung 11: „Flugball, ein volkstümliches Prellballspiel“

Abbildung 12: Federballspielende Mädchen in Deutschland um 1860

Abbildung 13: „courte paume“ im Ballhaus im 16. Jahrhundert

Abbildung 14: Chistera, Schlagholz für das Pelotaspiel

Abbildung 15: Pelotaspielfeld

Abbildung 16: „handball“ in den USA

1 Einleitung

Das Volleyballspiel zählt heute zu den beliebtesten und am weitesten verbreiteten Sportspielen auf der ganzen Welt. Nicht etwa der Fußballweltverband FIFA (Federation of International Football Associations), wie vielfach angenommen wird, sondern der Weltvolleyballverband FIVB (Fédération Internationale de Volleyball) ist mit 218 nationalen Verbänden und 35 Millionen registrierten Spielern der größte Sport-Weltverband[1]. Zusätzlich zu den 35 Millionen registrierten Wettkampf-Volleyballspielern gibt es rund um den Erdball eine wohl noch weitaus größere Zahl von Hobby- und Freizeitvolleyballern, deren genaue zahlenmäßige Erfassung aufgrund der nicht vorhandenen Institutionalisierung nur schwer möglich ist. Im Jahre 2001 wurde die Zahl der Volleyballspielerinnen und Volleyballspieler auf der ganzen Welt von Fachleuten auf 800 Millionen geschätzt (Holman 2001, 1242). Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Frage, wie es zur Entwicklung der weltweit populärsten Sportart kam, scheint deshalb ein lohnendes und interessantes Thema zu sein.

Die Einleitung soll zunächst den heuristischen Prozess verdeutlichen, wie ich persönlich zu meinem Thema und der spezifischen Fragestellung gekommen bin. Darüber hinaus werde ich einen kurzen Überblick über den Aufbau meiner Arbeit geben, um damit meine Ziele und meine Vorgehensweise klar darzustellen und detailliert zu begründen. Durch die abschließende Darstellung des Forschungsstandes und der Literaturauswahl möchte ich einerseits aufzeigen, welche Aspekte meiner Arbeit schon einmal wissenschaftlich behandelt wurden und andererseits die Literaturgrundlage meiner Arbeit vorstellen.

1.1 Einführung in das Thema

Vom 10. bis zum 20. Februar 2004 besuchte ich am Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ein sportgeschichtliches Hauptseminar. Dieses Seminar mit dem Titel „Entstehung und Entwicklung einer europäischen Körper- und Bewegungskultur: Leibesübungen, Gymnastik, Turnen, Spiel und Sport“ wurde vom belgischen Gastprofessor für Sportgeschichte, Roland Renson, in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Michael Krüger veranstaltet. Von eigenen Interessen ausgehend – ich bin seit mehreren Jahren aktiver Volleyballer in der ersten Herrenmannschaft des USC Münster – beschäftigte ich mich mit der Entstehung des Volleyballspiels, und somit entstand das Thema meines Referates: „Die Genese des Volleyballspiels“. In der Vorbereitung auf mein Referat stieß ich in vielen Volleyball-Lehrbüchern und Sportenzyklopädien auf den Namen des Amerikaners William G. Morgan. Er soll das Volleyballspiel im Jahre 1895 „erfunden“ haben. In einer persönlichen Vorbesprechung zu meinem Referat meldete Roland Renson jedoch deutliche Zweifel an dieser angeblichen Urheberschaft Morgans an: „That’s bullshit“[2], sagte der Belgier wortwörtlich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: William G. Morgan. (1870 – 1942) Aus: FIVB (Hrsg.) 1996: 100 Years of global Link, S. 16.

Diese Feststellung eines anerkannten Experten auf dem Gebiet der Sportgeschichte[3] weckte meine Neugierde. Ich wollte der Frage auf den Grund gehen, was es mit der umstrittenen Volleyball-Urheberschaft von William G. Morgan auf sich hat. Durch weitere Literaturrecherchen stellte sich bald heraus, dass Roland Renson diese Meinung nicht alleine vertritt, und dass wissenschaftlich fragwürdige Erkenntnisse von Volleyball-Lehrbüchern und Sportenzyklopädien anscheinend ungeprüft übernommen wurden. Friermood, seit 1952 Präsident der USVBA[4], bezweifelte schon vor fast 50 Jahren, dass das Volleyballspiel zum Zeitpunkt seiner „Erfindung“ eine neue Spielidee darstellte: „I am sure that there might have been early ideas about this kind of activity hundred years ago…“ (1955, 1). Für den anerkannten deutschen Sporthistoriker Carl Diem liegt die ursprüngliche Idee des Volleyballspiels sogar noch deutlich weiter in der Kulturgeschichte zurück: „Der Spielgedanke eines Parteienspiels auf einem durch eine Grenzlinie halbierten Platz, auf dem ein Ball hin- und hergeschlagen wird, ohne daß er den Boden berühren darf, ist wahrscheinlich zu allen Zeiten ausgeführt worden“ (1971b, 769).

Dadurch wird der Hintergrund von Rensons Aussage klar: Es wird nicht bezweifelt, dass die Person William G. Morgan für die Entstehung des modernen Volleyballspiels verantwortlich war. Dies kann historisch eindeutig belegt werden. Es stellt sich vielmehr die Frage, ob das Volleyballspiel zum Zeitpunkt seiner Entstehung im ausgehenden 19. Jahrhundert als „Erfindung“ gewertet werden kann, oder ob William G. Morgan eine alte Spielidee nur modernisiert hat. Diese Frage wiederum kann nur geklärt werden, indem man überprüft, welche dem Volleyballspiel ähnlichen Spielformen es vor und zu Morgans Zeit bereits gegeben hat. Deshalb werde ich zunächst im zweiten Kapitel erörtern, welche die Grundelemente des Volleyballspiels sind, um daraufhin zu verfolgen, ob diese Grundelemente bereits früher in der Geschichte der Ballspiele nachzuweisen sind. Zu diesem Zweck werde ich einen kurzen Überblick über das Leben und Wirken des vermeintlichen „Erfinders“ William G. Morgan geben. Es erscheint sinnvoll, gerade seine Gedanken zur Genese des Volleyballspiels zu durchleuchten, um dem ursprünglichen Spielgedanken auf die Spur zu kommen. Morgan wurde bereits zu Lebzeiten von vielen Seiten vorgeworfen, das von ihm entworfene Volleyballspiel sei keine Erfindung im eigentlichen Sinne (vgl. Brandel 1988, 17). Er hat jedoch immer erklärt, dass die Idee des Volleyballspiels von ihm stamme. So soll er folgendes gesagt haben: „Ich möchte ausdrücklich betonen, daß ich zu keiner Zeit Kenntnis hatte von einem Spiel, das ähnlich wie Volleyball sein sollte“ (in Brandel 1988, 17-18). An dieser Stelle wird ein Problem der Untersuchung deutlich: Es sind keine von William Morgan persönlich verfassten Texte mehr verfügbar. Da Morgans Äußerungen über das Spiel und seine Motive zum Entwurf dieses Spiels nur in Sekundärliteratur erhalten ist, sollen weitere Quellen zur Klärung der Frage herangezogen werden. Deshalb werde ich die ursprünglichen Spielregeln vorstellen und genau auswerten, um präzise Aussagen über den ursprünglichen Gedanken bzw. die Grundelemente des Volleyballspiels bei seiner Erfindung treffen zu können.

Nach Klärung der Grundelemente des Volleyballspiels werde ich im dritten Kapitel dieser sporthistorischen Arbeit versuchen zu ermitteln, wie, wo und wann diese Elemente entstanden sind und wie sie sich im Laufe der Zeit in verschiedensten Ausprägungen entwickelt haben. Deshalb wird in diesem Kapitel die über Jahrtausende zurückzuverfolgende Geschichte des Ballspiels im Mittelpunkt stehen. In diesem Rückblick auf die Geschichte werde ich natürlich nicht alle Arten von Ballspielen beschreiben, um die Wurzeln des Volleyballspiels nachzuzeichnen. Die Eingrenzung wird sinnvollerweise dahingehend erfolgen, dass nur die dem Volleyballspiel verwandten Spielformen näher erläutert werden. Dieses Kapitel 3 stellt den Schwerpunkt meiner Arbeit dar.

In einem Exkurs in Kapitel 3.4.3 werde ich dann – ausgehend vom ursprünglichen Volleyballspiel – einen kurzen Überblick über die Verbreitung und weitere Entwicklung des Volleyballspiels geben. Ziel dieser Arbeit kann nicht eine lückenlose Darstellung der globalen Verbreitung des Volleyballspiels sein. Vielmehr sollen hier einzelne Aspekte wie die Bedeutung der ersten Regeländerungen betont werden. Wie bei fast jedem Spiel gab es auch beim Volleyballspiel von Zeit zu Zeit Regelveränderungen bzw. verschiedene geografische Ausprägungen von Spielregeln. Diese sollen exemplarisch vorgestellt und ihre Hintergründe beleuchtet werden. Um die weltweite Verbreitung und Entwicklung des Volleyballspiels nachzuvollziehen, erwies sich ein persönlicher Besuch des Weltvolleyballverbandes FIVB in Lausanne am 4. Juni 2004 als sehr hilfreich.[5] Diese 1947 gegründete Institution ist hauptverantwortlich für die globale Vereinheitlichung der Spielregeln, eine Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Entwicklung und weltweite Verbreitung des Volleyballspiels von der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute. Anlässlich meines Besuchs beim FIVB wurde mir u. a. eine zum 100-jährigen Jubiläum des Volleyballspiels 1995 erschienene Festschrift überreicht. Diese von der FIVB selbst herausgegebene Festschrift 100 Years of global Link stellt eine umfassende Quellensammlung dar, die einen guten Überblick über die Verbreitung und Entwicklung des Volleyballspiels auf der ganzen Welt von 1895-1995 gibt.

Zur weiteren Information über die Entwicklung des Volleyballspiels diente ein Experteninterview mit Manfred Kindermann, das ich am 23.8.2004 mit ihm in Münster geführt habe. Eine Verschriftlichung der für meine Arbeit relevanten Teile des Interviews ist im Anhang der Arbeit zu finden. Kindermann war von 1969 bis zum Jahre 2003 als Dozent am Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster tätig. Seine Schwerpunkte waren neben der Pädagogik und Didaktik der Leibeserziehung vor allem die Trainingslehre des Volleyballs. Er stand 71 Mal als Spieler im Aufgebot der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft und fungierte 1972 bei den Olympischen Spielen in München als Bundestrainer der deutschen Volleyball-Herren.

Das übergreifende Ziel dieser Arbeit wird es also sein, die Entstehung des Volleyballspiels und seine Entwicklungsgeschichte kritisch zu beleuchten. Der Schwerpunkt liegt dabei ganz klar auf der Frage nach der Urheberschaft, die bezüglich der Genese des Volleyballspiels zu klären ist. Mit dieser Zielsetzung soll die Vorgeschichte des Volleyballspiels eingehend untersucht werden. Als erhofftes Ergebnis möchte ich in Anlehnung an Professor Rensons Aufsatz The Roots of the game of Korfball - a Genealogy zu einer Genealogie des Volleyballspiels gelangen.

1.2 Forschungsstand und Literaturauswahl

Den theoretischen Hintergrund für diese Arbeit liefern einige Werke, die sich nicht ausschließlich mit dem Volleyballspiel beschäftigen. Hier ist vor allem der 2003 veröffentlichte Aufsatz The Roots of the game of Korfball - a Genealogy von Roland Renson zu nennen. Er beschreibt die Vorgeschichte und die Entwicklungslinien der Entstehung des Korfballspiels und verfolgt somit einen ähnlichen Ansatz wie die vorliegende Arbeit. Wichtige historische Hintergrundinformationen über den Zeitraum der Entstehung des Volleyballspiels in den USA habe ich vor allem aus dem von John Allan Krout 1929 herausgebrachtem Werk Annals of American Sport entnommen. Des Weiteren ist Hajo Bernetts einflussreicher Aufsatz Die „Versportlichung“ des Spiels – dargestellt am Exempel der Entwicklung des Faustballspiels (1984) zu nennen. Bernett beschreibt hier, wie das im ausgehenden 19. Jahrhundert erfundene Faustballspiel sich vom Schul- und Turnspiel zu einer Sportform entwickelt hat, bei der der moderne Wettkampfgedanke im Vordergrund steht. Die „Versportlichung“ des Spiels stellt er als übergreifende Veränderung dar, die nicht nur das Faustballspiel beeinflusst hat. Es wird zu klären sein, ob sich ähnliche Entwicklungstendenzen in der Genese des Volleyballspiels nachweisen lassen. Ein weiteres wichtiges Werk, das eine gute Grundlage zur – für diese Arbeit notwendige – Abgrenzung von Spiel und modernem Sport bietet, ist From Ritual to Record - The Nature of Modern Sports (1978) von Alan Guttmann.

Zur über 100-jährigen Entwicklungsgeschichte des Volleyballspiels und zur Jahrtausende alten Vorgeschichte ist bereits viel geschrieben worden. Es gibt einige recht aktuelle und umfassende Sportartgeschichten für das Volleyballspiel, die einen guten Gesamtüberblick über seine Entwicklungsgeschichte liefern und einige wichtige Quellen zusammengetragen haben. Jedoch fehlt zumeist der genaue Nachweis dieser Quellen, weshalb diese Bücher als eher populärwissenschaftlich zu charakterisieren sind. In diese Kategorie fallen die Volleyball-Weltgeschichte (1988) von Christian Brandel und das 1995 veröffentlichte Buch von Klaus Helbig Volleyball in Deutschland – Geschichte und Geschichten. Auch die zum 100-jährigen Jubiläum des Volleyballspiels vom FIVB herausgegebene Festschrift 100 Years of global Link hat einige wichtige historische Dokumente gesammelt und liefert einen guten internationalen Gesamtüberblick über die Entwicklung des Volleyballspiels. Dennoch ist auch dieses Buch aufgrund des unvollständigen Quellennachweises als populärwissenschaftlich zu kennzeichnen. Eine recht aktuelle, wissenschaftlich fundierte und ausführliche Beschreibung der Geschichte des Volleyballspiels von seiner Geburtsstunde 1895 an liefert die 1998 an der Deutschen Sporthochschule Köln verfasste, unveröffentlichte Diplom-Arbeit von Ulrike Blaich: Volleyball in der olympischen Bewegung. Etwas älteren Datums ist eine weitere unveröffentlichte Diplomarbeit an der Deutschen Sporthochschule Köln, die sich mit der Geschichte des Volleyballspiels auseinandersetzt: Volleyball nun im Programm der Olympischen Spiele – vom einfachen Partnerspiel zum internationalen Mannschaftsspiel wurde von Peter Richter im Jahre 1962 verfasst.

Darüber hinaus gibt es einige gute wissenschaftliche Veröffentlichungen sowohl zur Vorgeschichte des Volleyballspiels als auch zu seiner Entwicklung seit 1895. Zuallererst ist hier die 1969 in Leipzig veröffentlichte Dissertation von Dieter Scheidereit zu nennen: Die Entwicklung des Volleyballspiels. Eine Studie über die sportlich-leistungsmäßige Entwicklung eines Ballspieles als Beitrag zur Trainingslehre und zur Geschichte der Sportspiele. Hier wird sowohl die Vorgeschichte des Volleyballspiels als auch seine Entwicklung zum Sportspiel umfassend untersucht. Einen ähnlichen Ansatz wie Scheidereit verfolgen, wenn auch in bescheidenerem Rahmen, zwei aktuellere Aufsätze: der 1985 veröffentlichte Aufsatz von Volker Nagel Volleyball – Eine spielgenetische Betrachtung und der 1987 veröffentlichte Aufsatz von Giselher Spitzer 90 Jahre Volleyballspiel – Kennzeichen und Ursachen seiner Versportlichung. Mein Dank gilt an dieser Stelle Professor Roland Renson für die Zusendung einer an seiner Hochschule im belgischen Leuven zum 100-jährigen Jubiläum des Volleyballspiels unter seiner Betreuung entstandenen Arbeit: Ontstaan en Ontwikkeling van de Volleybalsport in Belgie (Entstehung und Entwicklung des Volleyballsports in Belgien) von Patricia Waerniers (1995). Dieses Buch war mir eine wichtige Quelle, da im einleitenden Teil genaue Informationen über die Geburtsstunde des Volleyballspiels, seine ursprünglichen Regeln und das Leben von William G. Morgan gegeben werden. Meinen besonderen Dank möchte ich meiner guten Freundin Marijke Kenkhuis aussprechen, die freundlicherweise eine Übersetzung ins Deutsche dieses in flämischer Sprache verfassten Buches zusammen mit mir erstellte.

Einen guten weltweiten historischen Überblick über Ballspiele im Allgemeinen bietet Siegfried Mendners umfassende Quellensammlung Das Ballspiel im Leben der Völker von 1956. Daher stellt dieses Buch eine wichtige Grundlagenliteratur für die Vorgeschichte des Volleyballspiels dar. Diese konnte ich sinnvoll mit einem an der Deutschen Sporthochschule Köln erhältlichen undatierten Manuskript von Erwin Mehl ergänzen: Die Weltgeschichte der Ballspiele. Darüber hinaus waren verschiedenste Werke für die Beschreibung der Volleyball-Vorläuferspiele wichtig: Die Weltgeschichte des Sports von Carl Diem (1971) in 2 Bänden, ein umfassendes Werk von über 1200 Seiten, erwies sich als sehr hilfreiche Quelle, um Genaueres über die Geschichte der Vorläuferspiele des Volleyballs - wie z.B. „jeu de paume“ oder das Federballspiel – in den verschiedenen Epochen auf der ganzen Welt zu erfahren. Wichtige Hinweise nicht nur für die deutschen Spiele lieferte ein klassisches Werk der deutschen Körperkultur: das Buch Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes von J. C. F. GutsMuths (1796). Hier finden sich unter anderem ausführliche Beschreibungen des italienischen Pallone und des Federballspiels. Der 1901 publizierte 3. Band des Handbuchs der Ballspiele mit dem Titel Die Rückschlagspiele von Hermann Schnell bietet ebenfalls detaillierte Beschreibungen von Spielen wie Pallone, Faustball und Tamburinball. Allerdings erschwerte ein Kopierverbot die Arbeit mit diesem Buch, das ich per Fernleihe nach Münster bestellt hatte. Alte Regelhefte der deutschen Turnspiele erwiesen sich dagegen als hervorragende Primärquellen. Sehr hilfreich war das 1929 von Heinrich Fey veröffentlichte Buch Vier Ballspiele: Faustball, Trommelball, Prellball und Ball über die Schnur. Auch das von den beiden deutschen Turninspektoren August Hermann und Fritz Schröder verfasste Handbuch der Bewegungsspiele für Mädchen (8. Auflage 1922) weist ebenso wie das Buch Turnspiele von Kohlrausch & Marten von 1909 detaillierte Beschreibungen und Regelwerke sowohl von den deutschen Turnspielen als auch vom Lawn-Tennis auf. Ein vom historisch bedeutenden „Zentralausschuß zur Förderung der Volks- und Jugendspiele in Deutschland“ 1910 in sechster Auflage herausgegebenes Regelheft für Tamburinball war eine gute Primärquelle, um den Spielgedanken dieses Turnspiels herauszustellen, der sich vom Wettkampfgedanken moderner Sportspiele deutlich unterscheidet.

Ferner war für meine Arbeit die Recherche in Volleyballzeitschriften hilfreich. Allerdings ist die Zahl der Veröffentlichungen zu entwicklungsgeschichtlichen Aspekten des Volleyballspiels eher gering, da viele dieser Zeitschriften wie z. B. das Volleyball-Magazin oder Lehre & Praxis Volleyball eher über Spielergebnisse berichten oder spezifische Trainingsmöglichkeiten vorstellen. Hier stellt das Jahr 1995, das 100-jährige Jubiläum des Volleyballspiels, eine Ausnahme dar: In diesem Jahr sind in Volleyballzeitschriften einige Veröffentlichungen zu finden, die sich explizit mit der Entwicklungsgeschichte des Volleyballspiels beschäftigen. In der Zeitschrift International Volley Tech gibt Berthold Fröhner 1995 eine Retrospektive auf 100 years of volleyball. In derselben Ausgabe ist ein Aufsatz von Pierre Berjaud, dem langjährigen Vorsitzenden der Regelabteilung des FIVB, zur Entwicklung der Spielregeln des Volleyballspiels zu finden. Ein viel beachteter Aufsatz von Hußmann und Komma ist in der Zeitschrift Volleyball von 1975 erschienen: Die Entwicklung des Volleyballspiels vom Freizeitspiel zum internationalen Wettkampfsport. Anhand der Veränderung der Spielregeln wird hier die Entwicklungsgeschichte des Volleyballspiels aufgezeigt.

Die Recherche in alten Turnzeitschriften brachte ebenfalls einige Zusammenhänge der Entwicklung des Volleyballspiels in Deutschland ans Licht. Hier möchte ich vor allem das Heft 23 der Deutschen Turnzeitung aus dem Jahre 1937 herausstellen. In diesem Heft wird ein Spiel als „volkstümliches Prellballspiel“ dargestellt, das deutliche Ähnlichkeiten mit dem uns bekannten Volleyballspiel hat.

2 Anfänge des Volleyballspiels

In diesem Kapitel werde ich auf die Genese des Volleyballspiels im ausgehenden 19. Jahrhundert eingehen, um die grundlegenden Prinzipien des Volleyballspiels herauszustellen. Die Fachliteratur ist geteilter Meinung bei der Frage, welcher Spielgedanke dem Volleyballspiel bei seiner Entstehung zu Grunde lag. Erneut sind hier vor allem die Volleyball-Lehrbücher und Sportenzyklopädien zu nennen, die Volleyball zum Zeitpunkt seiner Entstehung als „recreational game“ (Holman 2001, 1242), also als Freizeit- und Erholungsspiel ansehen. Aus diesem Freizeitspiel sei dann im Laufe der Zeit ein Wettkampfsport geworden. Giselher Spitzer (1987, 19) ist nicht der einzige, der das anders einschätzt: Er sieht ganz klar den „Wettkampfcharakter“ und den „sportlichen Geist“, in dem das Volleyballspiel bereits in seiner Anfangszeit gespielt wurde. Die Schwierigkeit der Beantwortung dieser Frage spiegelt sich u. a. darin wider, dass sich selbst anerkannte Volleyballfachleute wie Pierre Berjaud nicht für einen bestimmten Spielgedanken des ursprünglichen Volleyballspiels festlegen wollen: „It [Volleyball in the beginning stage] could be regarded as a game or a sport as well as an educational or recreational activity“ (1995, 10).

In Kapitel 2.2 werde ich versuchen, eine Lösung dieser Streitfrage zu präsentieren, um eine für diese Arbeit wichtige detaillierte Charakterisierung des ursprünglichen Volleyballspiels vornehmen zu können. Zunächst möchte ich die Hintergründe der Entstehung des Volleyballspiels dadurch beleuchten, dass ich an dieser Stelle die wenigen Literaturbeiträge über die Person Morgans zusammenfasse.

2.1 William G. Morgan

William G. Morgan wurde am 23. Januar 1870 in Lockport im Staate New York geboren (vgl. Waerniers 1995, 36). Sein Vater George Henry Morgan kam gebürtig aus Wales und war Inhaber einer Schiffswerft, bei der William schon mit 14 Jahren arbeitete. Doch diese Tätigkeit erfüllte ihn nicht so recht (vgl. Brandel 1988, 16), so dass er sich entschied, die Mount Herman School, eine weiterführende Schule in Massachusetts, zu besuchen. Hier lernte er nicht nur seine spätere Ehefrau Mary King kennen, sondern machte auch im Jahre 1891 die Bekanntschaft des Sportlehrers James Naismith, wie Waerniers (1995, 36) beschreibt. Naismith trainierte die Footballmannschaft der Schule, in der Morgan, ein kräftiger Mann von 1,90 m Größe (vgl. FIVB (Hrsg.) 1996, 16), die Center-Position spielte. James Naismith war zu dieser Zeit auf der Suche nach einem adäquaten Wintertraining für seine Footballspieler. Auf gefrorenem Rasen bei Minusgraden war das Footballspiel nicht gerade eine Freude für seine Spieler, und bisher wurde im Winter in der Halle nur Gymnastik betrieben, bei dem die Footballspieler den Wettkampfgedanken vermissten, wie Waerniers (1995, 35) darstellt: „In de winter stond toen voornamelijk gymnastiek op het programma. Bij het gymnastiekwerk misten de Noordamerikanen echter het competitie-element, dat diep geworteld zat in hun maatschappij“.

1892 veröffentlichte Naismith die Regeln eines Spiels, das er anscheinend bewusst als Gegenpart zum American Football entwickelt hatte: das Basketballspiel. „Under the caption, ‘A New Game’ its rules first appeared in Triangle, the school paper of the Y.M.C.A.[6] Training College at Springfield, Massachusetts, in January 1892” (Krout 1929, 266). Bei genauerem Hinsehen fallen einige Elemente des Basketballspiels auf, die meiner Ansicht nach genau der Anforderung entsprechen, ein Gegenpart zum American Football zu sein: Anstelle eines eiförmigen Spielgerätes sah Naismith einen Ball vor. Um zu punkten, musste dieser Ball in vergleichsweise kleine Körbe geworfen und nicht in eine relativ große Endzone transportiert werden. Es kam also mehr auf Genauigkeit als auf Kraft und Schnelligkeit an. Anstatt den Bodenkontakt des Spielgeräts wie beim American Football zu vermeiden, musste beim Basketball der Ball gedribbelt werden.

Der Erfinder des Basketballspiels, James Naismith, bewegte William G. Morgan dazu, sich bei ihm zum „physical director“, also zum Sportlehrer an der „School for Christian Workers“ in Springfield/Massachusetts ausbilden zu lassen (vgl. Brandel 1988, 16). Dieses College war 1885 von der YMCA gegründet worden (vgl. Waerniers 1995, 34). Im Jahre 1892 (vgl. Waerniers 1995, 36) begann Morgan also an diesem College, das später unter dem Namen „Springfield College“ als Entstehungsort von Volleyball und Basketball in der ganzen Welt berühmt wurde, seine Ausbildung .

Morgans Ausbildung zum „physical director“ fiel in die wohl „bedeutendste Periode amerikanischer Leibeserziehung“ (Brandel 1988, 16), die im ausgehenden 19. Jahrhundert den Beginn der so genannten ‚Spielplatzbewegung’ (public playground movement) einläutete. In dieser Zeit wurden in den USA eine ganze Reihe von Mannschaftsspielen nicht nur erdacht und weiterentwickelt, sondern waren auch Gegenstand des Sportunterrichtes an Schulen und Colleges (vgl. Brandel 1988, 16). Somit war ein idealer Nährboden für ihre Verbreitung geschaffen. Hier ist eine Parallele zu der in Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts aufkommenden Spielbewegung zu erkennen, die zu einem deutlichen Aufschwung für Turnen, Spiel und Sport in Deutschland um die Jahrhundertwende führte (vgl. Krüger 1993a, 157). Dieser Aufschwung ging vor allem von der Gründung des „Zentralausschuß zur Förderung der Jugend- und Volksspiele“ im Jahre 1891 in Berlin aus. Dieser Ausschuss machte es sich zur Aufgabe, über Werbetätigkeiten Geldmittel „für Spielplätze, -hallen, -geräte, zur Durchführung von Spiellehrgängen und zur Herausgabe von Schriften“ zu beschaffen (Röthig et al. (Hrsg.) 2003, 487). „Das Spielgut wird nun propagiert und methodisiert, geordnet und kodifiziert“ (Bernett 1984, 144). So war es möglich, dass in Deutschland im ausgehenden 19. Jahrhundert Turnspiele wie Faustball, Tamburinball oder Ball über die Schnur entworfen wurden und ziemlich bald eine weite Verbreitung und Popularität erlangten.

Nach zweijähriger Ausbildung ging Morgan als 24-jähriger Sportlehrer im Jahre 1894 zunächst für ein knappes Jahr an das YMCA-College in Auburn/Maine (vgl. Waerniers 1995, 36). Im Sommer des Jahres 1895 kehrte er dann nach Massachusetts zurück, um am YMCA-College in Holyoke „neben anderen Sportarten auch das Basketballspiel“ zu lehren (Spitzer 1987, 12). Das Basketballspiel schien ihm ein hervorragender Sport für junge, belastbare Männer zu sein. Die Teilnehmer an seinen Abendkursen in Holyoke waren allerdings alles andere als in guter körperlicher Verfassung. Es waren zum Großteil Geschäftsleute, für die das Basketballspiel zu anstrengend und folglich mit einem zu hohen Verletzungsrisiko verbunden war. Deshalb erkannte Morgan die Notwendigkeit, seinen gestressten Geschäftsleuten ein nicht zu anstrengendes Spiel anzubieten, das ihnen die nötige Entspannung und Erholung bieten konnte: „The middle-aged businessmen, who had neglected physical exercise for several years, should have a mild type of sport“ (Dhanaraj[7] 1991, 1).

Dabei kam ihm zunächst Lawn-Tennis in den Sinn, wovon er aber wegen der notwendigen Ausrüstung (Schläger, Netz, Bälle etc.) und den damit verbundenen Materialkosten abkam (vgl. Spitzer 1987, 12). Offensichtlich erschien ihm aber die Idee eines Rückschlagspiels über ein Netz sinnvoll, denn bei seinen ersten Experimenten mit dem neuen Spiel erhöhte er das Lawn-Tennis-Netz auf 6’6’’(ca. 1,98 m), so dass es einen durchschnittlich großen Mann gerade überragte (vgl. Raynal 1977, 10). Morgans Idee war es, zwei Mannschaften einen Ball über dieses hohe Netz hin- und herschlagen zu lassen. Da seine Kurse von einer großen Zahl von Teilnehmern besucht wurden, sollte das neue Spiel für möglichst viele Teilnehmer gleichzeitig spielbar sein (vgl. Brandel 1988, 16-17). Um es zu einem echten Spiel zu machen, legte Morgan einige erste Regeln fest (Brandel 1988, 17).

Schwierigkeiten gab es bei der Auswahl eines geeigneten Balles. Morgan probierte zunächst einen Basketball aus, der aber zu groß und zu schwer für ‚sein’ Rückschlagspiel war. Es traten Handverletzungen bei den Spielern auf. Deshalb versuchte er es mit der Blase eines Basketballs, die wiederum zu leicht war und zu langsam flog (vgl. IOC (Hrsg.) 1985, 5). Schließlich beauftragte er die Firma Spalding, die bereits für diverse Ballsportarten Bälle herstellte, einen weichen, kalbsledernen Ball mit einem Gewicht von etwa „9-12 Unzen“[8] (Brandel 1988, 17) zu produzieren. Diese Sonderanfertigung eines Balles im Jahre 1895 (vgl. IOC (Hrsg.) 1985, 5) ermöglichte nun zur Freude von Morgan das zügige Hin- und Herschlagen des Balles ohne Verletzungsrisiko: „Ce ballon le satisfait“ (IOC (Hrsg.) 1985, 5).

Dadurch war der Grundstein für das neue Spiel gelegt, und die Begeisterung in Morgans Kursen für dieses Spiel wuchs von Tag zu Tag. William Morgan nannte ‚sein’ Rückschlagspiel „Mintonette“. Hierfür gibt es in der Fachliteratur die verschiedensten Interpretationen: Spitzer (1987, 13-14) versucht, den Namen etymologisch herzuleiten: „Mint“ bedeutete seinerzeit unter anderem „Versuch zu schlagen“[9], und bei dem Rest des Namens handele es sich „um einen Füllvokal und eine gefällige Endung ‚nette’.“ Andere Deutungen (Trevithick 1996, 1142) leiten Mintonette von Badminton ab, da es zunächst über ein Badminton-Netz gespielt worden sei. Eine weitere Variante ist, dass Morgan Mintonette „in Anlehnung an das von David McConaughy, einem Briten, in die USA gebrachte Rückschlagspiel Minton“ benannt haben soll (Brandel 1988, 17; ebenso in FIVB (Hrsg.) 1996, 16). Letztendlich kann keine dieser Deutungen exakt belegt werden, weil Morgan sich nicht explizit über die Beweggründe seiner Namensgebung geäußert hat. Die Antwort auf die Frage, warum Morgan ‚sein’ Spiel „Mintonette“ nannte, muss dadurch offen bleiben.

Die Experimente mit dem neuen Spiel wurden im YMCA-College in Holyoke weitergeführt, bis Morgan auf eine YMCA-Sportlehrerkonferenz in Springfield vom 07. Juli bis zum 16. Juli 1896 (vgl. FIVB (Hrsg.) 1996, 17) eingeladen wurde, um in einem Demonstrationsspiel von zwei Mannschaften ‚sein’ neues Sportspiel ‚Mintonette’ vorzustellen. Diese Einladung an das Springfield College war für Morgan als ehemaligen Absolventen natürlich eine große Ehre (vgl. Brandel 1988, 17), der er sehr gerne nachkam. Zwei Mannschaften bestehend aus jeweils fünf Spielern traten bei diesem Demonstrationsspiel 1896 vor den versammelten Konferenzteilnehmern gegeneinander an, und diese Demonstration gefiel den Anwesenden sehr (vgl. FIVB (Hrsg.) 1996, 17). Kurz nach dieser Vorführung bekam das Spiel seinen neuen Namen – nicht etwa von Morgan selbst, dem nachgesagt wurde, alles andere als ein guter Redner zu sein (vgl. FIVB (Hrsg.) 1996, 17), sondern von Alfred T. Halstead, einem Lehrer am Springfield College. Nachdem Halstead das Demonstrationsspiel beobachtet hatte, stellte er fest,

„daß es aussehe, als ob die Spieler den Ball über das Netz hin und her fliegen ließen und da der Ball nach den Regeln ständig im Flug (englisch: volley) gehalten werden müsse, sollte man das Spiel […] lieber Volleyball nennen“ (Brandel 1988, 17).

Morgan war mit dieser Umbenennung einverstanden (vgl. FIVB (Hrsg.) 1996, 17). Das Volleyballspiel war unter seinem bis heute bekannten Namen geboren.

Nur kurze Zeit nach der Entwicklung und Vorstellung seines ‚neuen’ Spieles verließ Morgan die YMCA-Bewegung und nahm einen kaufmännischen Beruf auf (vgl. Spitzer 1987, 12). Es gibt keine Hinweise darauf, dass Morgan die Entwicklung des von ihm entworfenen Spieles weiter beeinflusste, die einen äußerst dynamischen Verlauf nahm und von vielen Regeländerungen gekennzeichnet war (siehe Kapitel 3.4.3). Eine vergleichbare Situation findet sich in der Entwicklungsgeschichte des deutschen Faustballspiels. Der Begründer Georg Heinrich Weber nahm zunächst keinen Einfluss mehr und äußerte sich erst wieder im hohen Alter nach einigen Jahren rasanter Regel- und Spielentwicklung im Faustballspiel. Dabei kritisierte er die Veränderung seines Spieles zum Sportspiel aufs heftigste (vgl. Bernett 1984, 153). Vergleichbare Äußerungen von Morgan über die Weiterentwicklung des Volleyballspiels sind hingegen nicht nachzuweisen. Die Frage, ob Morgan seinem Spiel möglicherweise lieber eine andere Entwicklungsrichtung gegeben hätte, bleibt offen. Am 28. Dezember 1942 starb William G. Morgan im Alter von 72 Jahren (vgl. Waerniers 1995, 36).

2.2 Mintonette

Im Folgenden werden die ursprünglichen Spielregeln mit dem Ziel analysiert, die Grundelemente des Volleyballspiels definieren zu können. Als theoretischer Hintergrund für die Analyse der ersten Regeln des Volleyballspiels soll hier Alan Guttmanns Werk From Ritual to Record - The Nature of Modern Sports (1978) dienen, weil es eine sinnvolle Abgrenzung von Spiel und Sport bietet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 : Abgrenzung von Spiel und Sport (Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Guttmann 1978, S. 9).

Warum ist es wichtig, an dieser Stelle Spiel und Sport zu definieren? Die Volleyball-Literatur ist geteilter Meinung darüber, ob das Volleyballspiel als reines Freizeitspiel oder als Sportspiel entstanden ist (siehe Kapitel 2). Um diese Frage entscheiden zu können, muss man also zunächst darüber Klarheit gewinnen, was ein Spiel zu einem Freizeitspiel und was es zu einem Sportspiel macht. Hier erweisen sich Guttmanns Ausführungen (1978, 1-14) als äußerst hilfreich, die in der Abbildung 2 als Überblick zusammengefasst sind. Hieraus lässt sich ablesen, dass es der Wettkampfgedanke („contest“) ist, der ein Sportspiel von einem Freizeitspiel unterscheidet (vgl. auch Röthig et al. (Hrsg.) 2003, 538). Wäre das Volleyballspiel also ein Sportspiel, so würde es unter die Kategorie „physical contests (SPORTS)“ fallen. Wäre es hingegen ein Freizeitspiel, so fiele es unter die „noncompetitive games“, also die Spiele ohne Wettkampfgedanke. Im Folgenden sollen die ersten Spielregeln genau

analysiert werden, um dann das Volleyballspiel in eine der beiden Kategorien einordnen zu können.

Die ersten handgeschriebenen Spielregeln wurden von Morgan während der Sportlehrerkonferenz 1896 in Springfield verteilt (vgl. Waerniers 1995, 39). Die erste gedruckte Fassung der Volleyball-Spielregeln erschien bereits 1896 in der Juli-Ausgabe der YMCA-Zeitschrift Physical Education (vgl. u. a. Scheidereit 1969, 54), und wurde nicht erst 1897 veröffentlicht, wie bisher oftmals vermutet wurde (vgl. Nagel 1985b, 137; Brandel 1988, 18). J. Y. Cameron beschrieb dabei den ursprünglichen Spielgedanken, wie er wohl auch von Morgan erdacht war, folgendermaßen:

„Volleyball ist ein neues Spiel, das sich hervorragend für die Turn- und Übungshalle eignet, aber das auch im Freien gespielt werden kann. Die Anzahl der Spieler einer Mannschaft ist unbegrenzt. Das Spiel besteht darin, einen Ball über ein hohes Netz von einer Seite zur anderen und wieder zurückzuschlagen, ohne daß er dabei auf den Boden fällt.“ (in Feck 1952, 7).

Eine Analyse des zehnteiligen Regelwerks, welches in Camerons Artikel von 1896 neben dem Spielgedanken zu finden ist, gibt Aufschluss über einige Sportspiele, die Morgan bei der Entwicklung von ‚Mintonette’ inspiriert haben könnten. Ich möchte die ursprünglichen Regeln an dieser Stelle vollständig zitieren, um eine genaue Definition der Grundelemente des Volleyballspiels herleiten zu können.

Die ersten Volleyball-Spielregeln nach J.Y. Cameron in: Physical Education, Juli 1896, hier zitiert nach Scheidereit (1969, 54-55):

1. Game. The game shall consist of nine innings.
2. Innings. An inning shall consist of
a. when one person is playing on each side, one service on each side;
b. when three or more are playing on each side, three serves on each side. The man serving continues to do so until out by failure of his side to return the ball. Each man shall serve in turn.
3. Court. Twenty-five feet wide by fifty feet long. (entspricht 7,61 m x 15,24 m).
4. Net. Two feet wide and twenty-seven feet long. Top of the net six feet six inches from the floor (entspricht 0,61 m x 8,22 m und 1,98 m Höhe der Netzoberkante).
5. Ball. The ball shall be a rubber bladder covered with leather or canvas. It shall measure not less than nine ounces nor more than twelve ounces (entspricht einem Umfang von 63,5 cm – 68,1 cm und einem Gewicht von 255 g – 340 g).
6. Server and service. The server shall stand with one foot on the back line. The ball must be batted with the hand. Two services or trials are allowed him to place the ball into the opponent’s court, as in tennis…In a service the ball must be batted at least ten feet, no dribbling allowed. A service which would strike the net, but is struck by another of the same side before striking the net, if it goes over into the opponents’ court, is good. If it goes outside, the server has no second trial.
7. Scoring. Each good serve unreturned or ball in play unreturned by the side receiving, counts one score for the side serving. A side only scores when serving, as a failure to return the ball on their part results in the server being put out.
8. Net ball. Ball hitting the net, aside from the first serve, is counted as a dead ball.
9. Line ball is counted as out.
10. Play and players. Any number of players. Touching the net by players puts the ball out of play. Holding the ball is banned. Ball hitting any object out of the court and bounding back into the court is counted as a good ball. Dribbling is allowed within four feet of the net.

Grundsätzlich ist zu diesem ursprünglichen Regelwerk zu sagen, dass es deutlich einfacher und kürzer als die heute gültigen Regeln ist.[10] Die Regel Nr. 1 besagt, dass das Volleyballspiel nicht, wie heute üblich, in drei Gewinnsätzen, sondern in neun Durchgängen („Innings“) zu spielen ist. Diese Regel ist ohne Zweifel dem amerikanischen Nationalspiel Baseball entlehnt. Denn nicht nur der Begriff „Inning“, sondern auch die Anzahl von neun Durchgängen und die Anzahl von drei Aufschlägen pro Mannschaft in einem „Inning“ (Regel 2b) entspricht genau den Regeln des Baseballs, die „bereits 1857 ausdifferenziert“ waren, wie Spitzer (1987, 16) schreibt. Das Spielfeld ist geringfügig kleiner als das heutige von 9 m x 18 m (Regel 3), und das Netz ist mit 1,98 m noch deutlich niedriger als heutzutage (Männer 2,43 m, Frauen 2,24 m).[11] Auch der Ball ist in Gewicht und Umfang normiert: „Ball. The ball shall be a rubber bladder covered with leather or canvas. It shall measure not less than nine ounces nor more than twelve ounces” (Regel 5). Des Weiteren ließ Morgan gemäß seinem Ziel, möglichst viele Spieler gleichzeitig teilnehmen zu lassen (siehe Kapitel 2.1), die Zahl der Mitspieler offen: „Any number of players“ (Regel 10). Diese Regel ermöglichte es, das Spiel in Sportkursen flexibel zu handhaben, so dass es sowohl Eins gegen Eins (siehe Regel 2a) als auch von deutlich mehr Spielern gespielt werden konnte. Die Verwandtschaft zum Tennis wird in Regel 6 besonders deutlich: „Server and service. The server shall stand with one foot on the back line. The ball must be batted with the hand. Two services or trials are allowed him to place the ball into the opponent’s court, as in tennis” (Regel 6). Im Gegensatz zum heutigen Volleyballspiel hatte der Aufschläger wie im Tennis einen ersten und einen zweiten Versuch für die Angabe. Anscheinend war die Angabe auch ein technisch sehr schwieriges Element. Denn neben den zwei Versuchen des Aufschlägers hatten seine Mitspieler die Möglichkeit, den aufgeschlagenen Ball nach mindestens 10 Fuß (rund 3 Metern) Flug ins gegnerische Feld zu verlängern, falls er sonst ins Netz gefallen wäre: „In a service the ball must be batted at least ten feet, no dribbling allowed. A service which would strike the net, but is struck by another of the same side before striking the net, if it goes over into the opponents’ court, is good” (Regel 6). Bei den ersten Regeln gibt es noch kaum Vorschriften zur Technik der Ballbehandlung. Nur zwei Technikanweisungen sind zu finden. Erstens muss der Aufschlag mit einer Hand erfolgen: „The ball must be batted with the hand“ (Regel 6). Zweitens wird das Ballhalten in Regel 10 verboten: „Holding the ball is banned.“ Außerdem gibt es in den ersten Regeln – im Gegensatz zum heutigen Volleyballspiel – kaum Genauigkeitsanforderungen, da der Ball, der von der Hallenwand oder Geräten abprallte, im Spiel blieb: „Ball hitting any object out of the court and bounding back into the court is counted as a good ball“ (Regel 10). Diese Regel kann dahingehend interpretiert werden, dass es Morgan anfangs vor allem wichtig war, einen guten Spielfluss und damit eine hohe Intensität des Spieles zu sichern. Es ist anzunehmen, dass er seine eher unsportlichen Geschäftsleute nicht mit hohen technischen oder koordinativen Ansprüchen überfordern wollte. Eine Höchstzahl von Ballkontakten pro Mannschaft und Spielzug ist nicht vorgesehen. Das bedeutet also, dass der Ball innerhalb einer Mannschaft beliebig oft hin- und hergespielt werden konnte, bevor er das Netz passierte. Diese Regelung geht sogar soweit, dass ein Spieler sich selbst den Ball mehrmals im „Dribbling“ zuspielen konnte (Regel 10). Diese Regel erscheint aus der heutigen Perspektive überraschend, weil die Beschränkung auf 3 Kontakte nach allgemeiner Ansicht wesentlicher Bestandteil des heutigen Volleyballspiels ist. Bis auf vier Fuß (etwa 1,20 m) an das Netz heran ist es erlaubt, den Ball zu dribbeln (Regel 10). Damit war wohl nicht das Basketball-Dribbling gemeint, sondern „ein den Ball in der Luft haltendes Prellen“, wie Spitzer (1987, 15) vermutet, da die Bodenberührung des Balles Grundlage für die Punktwertung war. Der Zweck dieses Dribbelns lag vermutlich darin, den Spielfluss aufrecht zu erhalten und die Abwehr zu stärken. Das Dribbeln ist nämlich erst nah am Netz untersagt. Ansonsten wäre es für einen Spieler sehr einfach, direkt ans Netz zu dribbeln und dann zu punkten, was wiederum kurze Ballwechsel und einen geringen Spielfluss zur Folge hätte.

Im Vergleich zum heutigen Volleyballspiel fällt auf, dass es noch keine allgemeine Rotationsregel nach heutigen Maßstäben gibt. Es wird also noch keinen gesteigerten Wert auf technisch-taktische Vielseitigkeit gelegt, sondern alle Spieler können jederzeit beliebige Positionen im Feld einnehmen. Lediglich Regel 2b sieht vor, dass jeder Spieler einer Mannschaft in einem Durchgang einmal das Aufschlagrecht haben muss: „when three or more are playing on each side, three serves on each side. The man serving continues to do so until out by failure of his side to return the ball. Each man shall serve in turn.” Hintergrund dieses Pflichtwechsels der Aufschläger könnte sein, dass Morgan verhindern wollte, dass ein starker Aufschlagspieler das Spiel im Alleingang entscheidet (vgl. Spitzer 1987, 16). Trotzdem ist festzuhalten, dass in dieser Regelung zumindest die Grundidee der Rotation der Spieler bereits angelegt ist. Daher wird schon bei den ersten Regeln besonderer Wert auf den Gedanken der Offenheit des Spiels und der Beteiligung aller Spieler – im Gegensatz zu einer Spezialisierung der Spieler – gelegt. Abschließend möchte ich noch kurz auf die Zählweise eingehen. Die Zählung der Punkte erfolgte schon damals in Form der Fehlerwertung. Das heißt, dass jeder Fehler der gegnerischen Mannschaft als Punkt für die eigene Mannschaft gewertet wurde. Nach Regel 7 konnte dabei allerdings nur die aufschlagende Mannschaft punkten: „A side only scores when serving“.[12] Es ging also offensichtlich von Anfang an darum, mehr Punkte als der Gegner zu erreichen, um das Spiel als Sieger zu beenden.

Nach dieser Vorstellung und Interpretation der ursprünglichen Spielregeln möchte ich nun die Frage nach dem Spielgedanken beantworten, der dem Volleyballspiel zu Grunde liegt. Volker Nagels These, dass Volleyball in seinen Anfängen nicht im Wettkampf als Sportspiel gegeneinander gespielt wurde, sondern ein „kooperatives Geschicklichkeitsspiel“ (1985b, 137) war, erscheint sinnvoll, wenn man an die eher unsportlichen Geschäftsleute denkt, für die dieses Spiel entwickelt wurde. Wenn man Morgans Zielsetzung berücksichtigt, dass dieses Spiel der Erholung und Entspannung dienen und von möglichst vielen Teilnehmern gleichzeitig gespielt werden sollte, erscheint diese These plausibel und richtig.

Nach genauer Analyse der Regel Nr. 7 ist Nagels These allerdings sehr fragwürdig, denn es wird beim Volleyballspiel von Anfang an um Punkte gegeneinander gespielt, um einen Gewinner des Spiels zu bestimmen. So ein Spiel als „kooperativ“ zu bezeichnen, ist schlicht und ergreifend sachlich falsch. Die Punktewertung ist ein eindeutiger Hinweis auf den erwähnten Wettkampfgedanken, der ein Spiel zu einem Sportspiel macht (vgl. Abbildung 2). Darüber hinaus bezieht sich Morgan bei der Schilderung seiner Spielidee auf die Elemente von zwei Ballspielen, die von ihrem Spielgedanken her ebenfalls als Sportspiele einzuordnen sind (vgl. Spitzer 1987, 13): Tennis und „handball“.[13] Folglich erscheint hier der Gedanke von Scheidereit (1969, 51) richtig: „Die Bestimmungen über die Zählweise lassen erkennen, daß das Volleyballspiel im Gegensatz zu den ‚deutschen’ Rückschlagspielen (Turnspielen) von vornherein als Sportspiel angelegt war.“ Somit muss festgestellt werden, dass die Darstellung von Volleyball als reinem Freizeitspiel in seiner Entstehungszeit, wie sie in der Literatur verbreitet zu finden ist, nicht korrekt ist.

2.3 Zusammenfassung

Ich möchte nun die Ergebnisse aus Kapitel 2 zusammenfassen, um die Grundelemente des Volleyballspiels herausstellen zu können. William G. Morgan entwickelte sein Spiel an den YMCA-Colleges in Springfield und Holyoke im Bundesstaate Massachusetts im Nordosten der USA. Es entstand in der Epoche der ‚Spielplatzbewegung’ (public playground movement), in der in den Vereinigten Staaten von Amerika einige Sportspiele wie z.B. auch das Basketballspiel erfunden wurden. Offensichtlich übernahm Morgan dabei Elemente von anderen Sportspielen: Die Zählweise und der Spielaufbau in „Innings“ ist an Baseball angelehnt, während das Netz, das das Feld in zwei gleich große Einheiten unterteilt, und die Möglichkeit eines zweiten Versuchs beim Aufschlag eher an Tennis erinnern. Das Spielgerät entstand aus Experimenten mit einem Basketball. Auf der YMCA-Sportlehrerkonferenz, die im Juli 1896 in Springfield stattfand, bekam das Spiel, das ursprünglich ‚Mintonette’ hieß, seinen bis heute gültigen Namen Volleyball.

Nach Analyse der ersten Spielregeln und der Entstehungsgeschichte des Volleyballspiels ist zunächst festzustellen, dass das Regelwerk relativ offen und variabel gestaltet ist. Es besteht aus lediglich 10 Regeln, die verglichen mit dem heutigen Regelwerk viele Elemente noch nicht beinhalten. Es kann anfangs eine beliebige Zahl von Spielern teilnehmen, die sich auf noch nicht festgelegten Positionen im Feld frei bewegen können. Es gibt noch nicht die Beschränkung auf drei Ballkontakte und noch kaum technische Vorschriften zur Ballbehandlung, so dass das ursprüngliche Volleyballspiel viel einfacher für jedermann zu spielen war als das heutige Volleyballspiel. Es konnte sogar mit Bande gespielt werden, und ein Spieler durfte den Ball mehrmals nacheinander berühren. Dies ist als eindeutiges Indiz dafür zu werten, dass Morgan die eher unsportlichen Geschäftsleute, für die er Volleyball entwickelt hatte, nicht mit hohen motorischen Ansprüchen überfordern wollte.

Dennoch wird von Anfang an im sportlichen Geist um Punkte gegeneinander gespielt, so dass das ursprüngliche Volleyballspiel trotz seiner recht einfachen Regeln als Wettkampfspiel und nicht als reines Freizeitspiel einzuordnen ist. Abschließend möchte ich die vier Grundelemente benennen, die im Volleyballspiel am Anfang seiner Geschichte vorhanden sind:

1. Ein Netz, das zwei Parteien räumlich voneinander trennt und über das der Ball gespielt werden muss.
2. Das Schlagen eines Balles mit Händen und Armen.
3. Der Wettkampfgedanke.
4. Der Flugballgedanke: Es ist ein Fehler, wenn der Ball den Boden berührt. Der Ball muss die ganze Zeit im Flug („to volley“) gehalten werden.

Diese vier Grundelemente sollen der Leitfaden bei der nachfolgenden Untersuchung der Vorgeschichte des Volleyballspiels sein. Das Element Nr.2, „Schlagen eines Balles mit den Händen und Armen“, soll sinnvollerweise zur Auswahl bzw. Eingrenzung der Spiele dienen, die ich näher beschreibe. Dadurch wird sichergestellt, dass diese Examensarbeit in einem dafür angemessenen Rahmen bleibt. Auch in der Literatur, die sich auf historischer Ebene mit dem Volleyballspiel auseinandersetzt, wird das Schlagen eines Balles mit den Händen und Armen einstimmig als das Element angesehen, das ein sinnvolles Kriterium für eine Untersuchung der Vorgeschichte des Volleyballspiels darstellt (vgl. Brandel 1988, 11; Nagel 1985b, 136). Hierbei sehe ich einen Schläger lediglich als Verlängerung der Hand an, so dass ich Rückschlagspiele, die mit einem Schläger gespielt werden, in die Untersuchung mit einbeziehe. Dies ist sinnvoll, um einen guten Gesamtüberblick über die dem Volleyballspiel ähnlichen Spielformen zu bekommen und nicht einige Spiele, die eng mit dem Volleyballspiel verwandt sind, zu übersehen. In Kapitel 3 möchte ich ältere Ballspielformen daraufhin untersuchen, ob sie bereits Grundelemente des Volleyballspiels enthalten. Dadurch soll eine Antwort auf die Frage gefunden werden, ob diese Elemente bereits existierten, bevor am YMCA-College in Holyoke Volleyball gespielt wurde

[...]


[1] Diese Zahlen stammen von der offiziellen Homepage des Weltvolleyballverbandes FIVB www.fivb.org; Zugriff am 07.09.2004.

[2] Wortwörtliche Aussage von Roland Renson am 11.02.2004 in Münster.

[3] Roland Renson forscht und unterrichtet an der Katholischen Universität Leuven in Belgien (Faculty of P.E. and Physiotherapy, Department of Sport and Movement Sciences). Er ist Ehrenpräsident der „International Society for the History of Physical Education and Sport“. Im November 2003 wurde er vom „ICSSPE (International Council of Sport Science and Physical Education) mit dem “Sport Science Award of the IOC President“ ausgezeichnet. Das IOC würdigte damit seine kulturell vergleichenden Untersuchungen über die historische Entwicklung von Sport und Spiel (vgl. www.uni-muenster.de/Sportwissenschaft/Paedagogik/index.html, Zugriff am 30.08.2004)

[4] USVBA: United States Volleyball Association (Amerikanischer Volleyballverband).

[5] Nach einer Kontaktaufnahme per E-Mail, in der ich das Thema meiner Arbeit beschrieb, bekam ich eine Einladung, dem Sitz des FIVB in Lausanne am 4.6. 2004 einen Besuch abzustatten. Nach dem Empfang beim FIVB suchte ich die Bibliothek des Internationalen Olympischen Komitees auf (Bibliothèque du CIO, Comité International Olympique), um weitere französisch- und englischsprachige Literatur zu meinem Thema zu sammeln.

[6] Young Men’s Christian Association. Entspricht dem deutschen CVJM (Christlicher Verein Junger Männer).

[7] Der Inder Dr. Hubert Dhanaraj machte seinen Abschluss in „Physical Education“ am YMCA-College in Springfield, Massachusetts, um daraufhin Professor am YMCA-College für Leibeserziehung in Madras zu werden (vgl. Dhanaraj 1991, Einband des Buches).

[8] Neun Unzen entsprechen 255 g, zwölf Unzen 340 g.

[9] Das etymologische Wörterbuch Oxford English Dictionary Online, new edition 2002 führt “an attempt to strike” als dritte von 4 Bedeutungen für das Substantiv “mint“ auf.

[10] Die aktuellen Internationalen Volleyball Spielregeln in der 40. Auflage (2003) stellen ein umfassendes Regelwerk von 145 Seiten dar.

[11] Aus: Internationale Volleyball Spielregeln 2003, 17.

[12] Diese Regel, dass nur die aufschlagende Mannschaft punkten kann, hat sich im Volleyball über 100 Jahre erhalten. 1999 wurde dann die Rally-Point-Zählweise, bei der jeder Punkt gezählt und ein Satz bis 25 Punkte gespielt wird, vom FIVB eingeführt (vgl. Wojciech (Ed.) 2003, 575).

[13] „handball“ ist ein Rückschlagspiel, dass zu Morgans Lebzeiten in den USA gespielt wurde und nicht mit dem deutschen Torwurfspiel Handball zu verwechseln ist (siehe Kapitel 3.7.2).

Ende der Leseprobe aus 97 Seiten

Details

Titel
Genese und Genealogie des Volleyballspiels
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
Sehr gut (1,3)
Autor
Jahr
2004
Seiten
97
Katalognummer
V37663
ISBN (eBook)
9783638369398
Dateigröße
2904 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Autor wurde von der International Society for the History of Physical Education and Sport) eingeladen, seine Examensarbeit im September 05 auf dem internationalen Sporthistoriker-Kongress an der Sporthochschule Köln vorzustellen. Infos zum Kongress unter www.dshs-koeln.de/ISHPES-2005.
Schlagworte
Genese, Genealogie, Volleyballspiels
Arbeit zitieren
Studienreferendar Lars Friese (Autor), 2004, Genese und Genealogie des Volleyballspiels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37663

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