Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Vertragsgestaltung und der -laufzeit zwischen Verbrauchern und Unternehmern unter Berücksichtigung verschiedener verhaltensökonomischer Aspekte. Die Brisanz des Themas der vertraglichen Gestaltung und der Laufzeit ist nicht nur anhand der zunehmenden gesellschaftlichen Komplexität ersichtlich. Auch die Möglichkeiten und die Gefahren, die sich hieraus für die Gesellschaft ergeben, rücken die Thematik weiter in den Fokus des öffentlichen Interesses. Das Ziel dieser Arbeit ist es daher, neben der neoklassischen Ansicht, insbesondere die verhaltensökonomischen Erklärungsansätze für das Verhalten von Verbrauchern zu liefern.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DEFINITION UND ABGRENZUNG VON VERTRÄGEN UND VERTRAGSLAUFZEITEN
3. TARIFWAHL UND ZEITINKONSISTENZ
3.1 TARIFWAHL
3.2 PRECOMMITENT UND ZEITINKONSISTENZ
3.3 CHANCEN UND RISIKEN DER ZEITINKONSISTENZ
4. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Entscheidungsverhalten von Verbrauchern bei Vertragsabschlüssen, insbesondere im Hinblick auf Tarifwahl und Laufzeiten, und integriert hierbei verhaltensökonomische Ansätze in das neoklassische Verständnis.
- Rechtliche Grundlagen und Verbraucherschutz bei Verträgen
- Phänomene der Tarifwahl wie Flatrate- und Pay-per-use-Bias
- Zeitinkonsistenz und intertemporale Entscheidungsprobleme
- Rolle von Precommitments zur Selbstkontrolle
- Chancen und Risiken strategischer Verhaltensbeeinflussung durch Unternehmen
Auszug aus dem Buch
3.1 Tarifwahl
Steht ein Individuum vor der Wahl eines Tarifs, wäre aus neoklassischer Sicht die Wahl eines die Konsumentenrente maximierenden Tarifs zu erwarten. Ein solcher Tarif müsste die gewählte Nutzeneinheit zu den geringsten Kosten gewährleisten. In der Realität ist zu beobachten, dass die Konsumenten einen Tarif wählen der ihre Konsumentenrente nicht maximiert. In solchen Fällen liegt dann ein Tarifwahlbias vor. Dieser kann wiederum in einen Flatrate- und einen Pay-per-use Bias unterschieden werden. Kann sich der Konsument durch die Wahl eines Tarifs mit einem niedrigeren, pauschalen Güterbündel monetär besser stellen, ohne seine gegebene Nutzenmenge zu verringern, handelt es sich um einen Flatrate-Bias. Stellt sich der Konsument dagegen durch die Wahl eines höheren, pauschalen Güterbündels monetär besser, liegt ein Pay-per-use Bias vor. Als Musterbeispiel kann hier die Nutzung von Fitnessstudios genannt werden. Obwohl in der Regel ein Pay-per-use Tarif günstiger wäre, entscheiden sich die meisten Nutzer für einen Flatrate Tarif. Ein ähnliches Verhalten ist bei der Entscheidung der Konsumenten zwischen den verschiedenen Internet- und Mobilfunktarifen zu beobachten, bei dem der Flatrate und der Pay-per-use Bias empirisch nachgewiesen werden konnten (vgl. Lambrecht/ Skiera 2006: 589, 593; Vigna/ Malmendier 2006: 1 f., 22). Zentrale Gründe für das Auftreten eines Flatrate-Bias sind aus verhaltensökonomischer Sicht der Überschätzungseffekt, der Taxametereffekt, der Versicherungseffekt und der Bequemlichkeitseffekt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Dieses Kapitel führt in die Problemstellung des Verbraucherverhaltens bei Verträgen ein und legt den Fokus auf die Ergänzung neoklassischer Annahmen durch verhaltensökonomische Erkenntnisse.
2. DEFINITION UND ABGRENZUNG VON VERTRÄGEN UND VERTRAGSLAUFZEITEN: Hier werden die rechtlichen Rahmenbedingungen für Verträge in Deutschland sowie auf EU-Ebene dargestellt und eine ökonomische Unterscheidung zwischen vollständigen und unvollständigen Verträgen vorgenommen.
3. TARIFWAHL UND ZEITINKONSISTENZ: Dieses Kapitel analysiert systematisch, warum Verbraucher oft suboptimale Tarife wählen und wie zeitlich inkonsistente Präferenzen sowie Möglichkeiten der Selbstbindung (Precommitments) das Entscheidungsverhalten beeinflussen.
4. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die Möglichkeiten sowie Risiken, die sich aus der strategischen Beeinflussung des Verbraucherverhaltens ergeben.
Schlüsselwörter
Verbraucherverträge, Verhaltensökonomik, Tarifwahlbias, Flatrate-Bias, Zeitinkonsistenz, Precommitment, Prospect Theorie, Diskontierung, Konsumentenrente, Vertragslaufzeit, Selbstkontrolle, Prospect Theorie, Informationsasymmetrie, Verbraucherschutz, Status-quo Bias
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse des Entscheidungsverhaltens von Verbrauchern bei der Wahl von Verträgen und deren Laufzeiten unter Einbeziehung verhaltensökonomischer Aspekte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die rechtliche Gestaltung von Verträgen, der Tarifwahlbias, das Phänomen der Zeitinkonsistenz und der Einsatz von Precommitments.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das tatsächliche Entscheidungskalkül von Verbrauchern aufzuzeigen, welches oft von den neoklassischen Annahmen abweicht, und dieses durch verhaltensökonomische Modelle zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse sowie der Auswertung verhaltensökonomischer Fallbeispiele und Experimente zur Untermauerung der Thesen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die rechtliche Abgrenzung von Verträgen, die verschiedenen Arten des Tarifwahlbias, Erklärungsmodelle für Zeitinkonsistenz sowie Chancen und Risiken der Beeinflussung von Verbrauchern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Verbraucherschutz, Zeitinkonsistenz, Tarifwahlbias, Precommitment und Vertragslaufzeit.
Wie lässt sich der "Flatrate-Bias" erklären?
Der Bias entsteht laut Arbeit durch Faktoren wie den Überschätzungseffekt, den Taxametereffekt, den Versicherungseffekt und den Bequemlichkeitseffekt, die dazu führen, dass Konsumenten entgegen ihrer ökonomischen Interessen Flatrate-Tarife bevorzugen.
Warum nutzen Menschen laut der Arbeit "Precommitments"?
Menschen nutzen Precommitments (Selbstbindungen), um ihr bekanntes Selbstkontrollproblem und die damit verbundene Zeitinkonsistenz zu überwinden, indem sie sich verbindlich für langfristige Handlungsweisen entscheiden.
- Quote paper
- Jasmin Mak (Author), 2017, Kontraktdesign und Kontraktlaufzeiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376709