Anlagestrategien für Privatinvestoren in einem Niedrigzinsumfeld


Bachelorarbeit, 2017

36 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Problemstellung

2. Theoretische Fundierung
2.1 Privatanleger
2.2 Niedrigzinsumfeld
2.3 Eingrenzung der Anlagestrategien
2.4 Benchmark & Bewertungsschema

3. Vergleich der Anlagestrategien
3.1. Aktien-Fonds
3.1.1. Investmentfonds & Hedgefonds
3.1.2. Exchange-Traded Funds
3.2 Einzelaktien
3.2.1 Value-Investing
3.2.2 Buy-and-Hold
3.2.3 Dividendenstrategie
3.2.4 Schlussbetrachtung der Einzelaktien
3.3 Day-Trading mit CFDs
3.4 Zertifikate
3.4.1 Hebelzertifikate
3.4.2 Discount-Zertifikate
3.5 Mietimmobilien

4. Zusammenfassung & Fazit
4.1 Reflexion der Vorgehensweise
4.2 Handlungsanweisungen
4.3 Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungs-, Tabellen- und Abkürzungsverzeichnis II

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Historischer Performanceindex

Abbildung 2 Entwicklung des Niedrigzinsumfeldes

Abbildung 3 Geldanlagen der Bundesbürger

Abbildung 4 Vergleich aktiver Fonds vs. Index

Abbildung 5 Hebelzertifikat

Abbildung 6 Discount-Zertifikat

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Kostenvergleich Fonds

Tabelle 2 Steuerstundungseffekt

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Problemstellung

Die vorliegende Bachelorthesis thematisiert die Kapitalanlage von Privatinvestoren in Zeiten des gegenwärtigen Niedrigzinsumfeldes unter Einbezug verschiedener Anlagestrategien. Die Anlage von Kapital erfährt, bedingt durch den demographischen Wandel mit einem einhergehenden sinkenden Rentenniveau, eine zunehmende Würdigung.

Besondere Bedeutung wird im Rahmen dieser Arbeit den Finanztiteln beigemessen. Eine Studie des Deutschen Aktieninstituts (DAI), welches seit 1997 die deutschen Aktionäre und Aktien- fondsbesitzer untersucht, konstatiert eine negative Entwicklung bezüglich der Anzahl dieser Gruppen. In den Jahren 1997-2001 war ein starker Anstieg zu verzeichnen, die Anzahl der Ak- tionäre und Aktienfondsbesitzer stieg von 5,6 Millionen auf bis zu 12,86 Millionen. Bedingt durch die sogenannte „Dotcom-Blase“ im Jahr 2000, wie auch durch die Weltwirtschaftskrise 2007 scheinen die Deutschen jedoch das Vertrauen in Wertpapiere verloren zu haben. Die Zahl der deutschen Kapitalanleger an der Börse pendelt seitdem auf einem Niveau zwischen acht und zehn Millionen (DAI 2017, S.3). Dies ist unter anderem dem Dispositionseffekt geschuldet. Genannter Effekt besagt unter anderem, dass Privatanleger Verluste mehr fürchten, als sie Ge- winne begehren. Dies zieht nach sich, dass greifbare Vorteile ungenutzt bleiben, um der un- wahrscheinlicheren Chance des Versagens vorzubeugen (Haase 2016, S.3). Dass bezüglich des Aktienmarktes diese Sorge unbegründet ist, wird im folgenden Chart sichtbar, welcher den Per- formanceindex, auch Total Return Index genannt, der Jahre 1801-2001 widerspiegelt.

Quelle: Siegel (2008), o.S.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Historischer Performanceindex

Die Aussage der obigen Grafik lässt sich am passendsten durch ein Zitat von Charles D. Ellis formen:

„ The stock market is fascinating and quite deceptive - in the short run. Over the long run, the market can be almost boringly reliable and predictable. “

(Ellis 2016, o.S.)

Trotz der erwiesenen, langfristigen Vorhersagbarkeit der Aktienkurse verzichten die deutschen Anleger aufgrund von Risikoaversion und Unwissen größtenteils an deren Entwicklung zu par- tizipieren und investieren stattdessen in niedrigverzinste Spareinlagen. Diese Einlagen werden jedoch, mit Verschärfung des Niedrigzinsumfeldes, niedriger verzinst als jemals zuvor (Deut- sche Bundesbank 2017, o.S). Das dort angelegte Kapital wird demnach, bedingt durch die In- flation, zunehmend entwertet; der Realzins wird negativ. Im Folgenden wird die Entwicklung des Niedrigzinsumfeldes dargestellt, indem die Zinssätze für das Hauptrefinanzierungsgeschäft (in der Grafik: Leitzins), wie auch der Effektivverzinsung der Einlagen privater Haushalte gra- fisch aufbereitet werden.

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Deutsche Bundesbank 2017, o.S.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Entwicklung des Niedrigzinsumfeldes

In der vorangegangenen Grafik ist die seit 2008 vollzogene Herabsetzung des Leitzinses und die korrelierende Reduktion der Effektivverzinsung der Einlagen der privaten Haushalte deutlich erkennbar. Privatanleger, welche im Zuge dieser Verminderung der Verzinsung keine Al- ternative für ihre Kapitalanlage gewählt haben, verlieren folglich Kapital, bereinigt durch die Inflation. Im Rahmen dieser Arbeit soll nun hinsichtlich dieser Entwicklung die Frage beant- wortet werden, inwiefern im gegenwärtigen Niedrigzinsumfeld verschiedene Anlagestrategien für Privatinvestoren geeignet sind, um eine zufriedenstellende Rendite zu generieren. Um diese Forschungsfrage zu beantworten, wurde folgende methodische Vorgehensweise gewählt:

Die quantitative Forschung, basierend auf Daten und Zahlen, soll in der Arbeit im Vordergrund stehen. Es werden verschiedene Vergleiche anhand von Kalkulationen durchgeführt, um unter anderem die erwartete Rendite oder Steuerersparnisse zu berechnen. Auch wenn der Fokus die quantitative Forschung darstellt, ist es unumgänglich beim Thema Anlagestrategien auf Theo- rien bezüglich der Börsenpsychologie einzugehen, welche bei der Bildung von Kapitalvermö- gen oftmals einen negativen Einflussfaktor darstellen (Gallati 2013, 112f.). Zur Bearbeitung dieser Bachelorthesis wird Sekundärforschung betrieben, indem bereits existierendes Datenma- terial beschafft, verarbeitet und interpretiert wird. Als Informationsquellen dienen unter ande- rem zur Begriffsdefinierung Enzyklopädien und zur Zusammenfassung und Interpretation von Daten staatliche Institutionen wie die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, die Deutsche Bundesbank und die Europäische Zentralbank. Des Weiteren wird in dieser Arbeit Bezug genommen auf wissenschaftliche Theorien in Form von Artikeln in Zeitschriften und auf Studien, welche teilweise, zwecks Mangel an Datenerhebungen in Deutschland, im Ausland angefertigt wurden.

Im Folgenden werden nun zunächst die theoretischen Grundlagen betrachtet, die zum Ver- ständnis und zur Durchführung der geplanten methodischen Vorgehensweise notwendig sind.

2. Theoretische Fundierung

2.1 Privatanleger

In der vorliegenden Arbeit wird der Privatanleger, auch Retail-Anleger genannt, als Wirt- schaftssubjekt betrachtet. Dies ist eine natürliche Person, welche meist über wenig bis keine finanzielle Allgemeinbildung verfügt. Retail-Anleger bedürfen folglich oftmals professioneller Anlageberatung, um die, durch fehlende Expertise entstandene, Informationsasymmetrie zu mi- nimieren, bzw. zu neutralisieren (Lambert/Leuz/Verrecchia 2011, S.5f.). Die Motive zur Kapi- talanlage variieren. Einer im März 2017 durchgeführten Umfrage der privaten Bausparkassen nach, dient das Sparen dem Zweck der Anschaffung von Konsumgütern (60,6%), gefolgt von der Altersvorsorge (57,7%). Ein weiteres, populäres Motiv stellt der Erwerb, bzw. die Reno- vierung von Wohneigentum dar (Verband der privaten Bausparkassen e.V. 2017, o.S.).

2.2 Niedrigzinsumfeld

Historisch betrachtet befindet sich der aktuelle Leitzins auf einem Tiefstand (Deutsche Bundes- bank 2016, o.S.). Der Leitzins in der europäischen Union wird von der Europäischen Zentral- bank (EZB) festgelegt und dient als Instrument der Geldpolitik. Dieser Zins signalisiert den von der EZB angestrebten geldpolitischen Kurs und sollte, im aktuellen Fall, durch eine Senkung eine expansive Geldpolitik einleiten (Piekenbrock et al. 2014, S.350). Am 16. März 2016 setzte die EZB den Festsatz für das Hauptrefinanzierungsgeschäft auf den historisch tiefsten Satz von 0,00% (Deutsche Bundesbank 2016, o.S.). Die EZB wählt solche Maßnahmen, um ihr Ziel, die Sicherung der Preisniveaustabilität, gewährleisten zu können (Artikel 105 Abs. 1 EGV). Dieses Primärziel ist Inhalt der im Maastrichter Vertrag festgelegten, stabilitätsorientierten geldpoliti- schen Strategie (Gischer/Herz/Menkhoff 2012, S.341). Das von der EZB geschaffene Niedrig- zinsumfeld resultiert folglich in einer niedrigeren Verzinsung von etwaigen Finanzprodukten, wie bereits in der Problemstellung dargestellt worden ist.

2.3 Eingrenzung der Anlagestrategien

Der Rahmen einer Bachelorarbeit erfordert bei der vorhandenen Vielzahl an Investitionsmöglichkeiten eine gewisse Einschränkung. Gegenstand dieser Arbeit stellen primär Finanztitel dar. Zu diesen gehören unter anderem Fonds, Einzelaktien wie auch Zertifikate. Keine Beachtung finden hingegen Anlagestrategien, welche auf materielle Investitionsgegenstände ausgelegt sind. Ausnahme stellt das Investieren in Mietimmobilien dar, da diese Form der Kapitalanlage, wie im Verlauf der Arbeit noch genauer erläutert, in Deutschland als profitabel angesehen wird und dem Vergleich zu den vorherigen behandelten Finanztiteln dienen soll.

2.4 Benchmark & Bewertungsschema

Im nachfolgenden Vergleich der Anlagestrategien erscheint die Verwendung einer Benchmark zweckbestimmend. Der Literatur zufolge sollte diese real erwerbbar, kostengünstig durchführbar und gut diversifiziert sein (Sharpe 1992, S.16). Um die Benchmark im Rahmen dieser Arbeit zu bestimmen, soll im Folgenden elaboriert werden, welche die am meisten verwendeten Anlageformen der Deutschen darstellen. Um dies festzustellen, wird auf eine Befragung des Verbandes der Privaten Bausparkassen e.V. zurückgegriffen, welche im Jahr 2016 durchgeführt worden ist und somit dem aktuellen Stand entspricht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an den Verband der Privaten Bausparkassen e.V.

Abb. 3: Geldanlagen der Bundesbürger

Wie anhand der vorangegangenen Grafik abzulesen ist, haben die meisten Deutschen ihr Geld auf den Spar-, Tages-, bzw. Girokonten. Aufgrund dieses Resultats soll die dominante Anlage- form des Sparbuchs als Benchmark dienen. Infolgedessen wird diese Art der Geldanlage kurz charakterisiert.

Spareinlagen gelten zivilrechtlich als Darlehen (§488 BGB) und werden vom Gesetzgeber nach §1 Abs. 29 Satz 2 KWG geregelt. Ein wichtiges Merkmal dieser Anlageform ist für Privatanleger die Einlagensicherung, welche Ihnen bis zu einer Summe von 100.000€ eine Zurückzahlung garantiert (§4 Absatz 2 EAEG). Demzufolge gilt das Sparbuch als risikolos. Die Rendite dieser Form des Sparens ist marginal, diese beträgt, bedingt durch das erläuterte Niedrigzinsumfeld oftmals deutlich weniger als ein Prozent pro Jahr. Ein Vorteil dieser Form der Kapitalanlage ist hingegen der geringe Zeitaufwand und das nicht benötigte Fachwissen. Jene positiven Aspekte scheinen zudem die Ursache zu sein, weswegen diese Variante des Sparens beim durchschnittlichen Privatanleger so populär erscheint.

Die folgende Betrachtung von verschiedenen Anlagestrategien und deren Vergleich erfolgt an- hand diverser Kriterien. Unter Anderem wird die Kostenstruktur thematisiert, da diese, vor al- lem durch die Auswirkung des Zinseszinseffektes, signifikant die erwartete Rendite beeinflus- sen kann. Des Weiteren wird der Zeitaufwand berücksichtigt, wie auch das benötigte Human- kapital, welches für die verschiedenen Anlagestrategien vonnöten ist. Das Risikoprofil einer Anlageform ist ein weiteres Kriterium bei der Evaluation. Dies ist zweckgemäß, da die deut- schen Privathaushalte, wie bereits thematisiert, risikoavers erscheinen, bedingt durch die jüngs- ten Finanzkrisen. Als wohl wichtigstes Kriterium beim Vergleich ist die zu erwartende Rendite zu nennen, wobei zu betonen ist, dass bei keiner der dargestellten Anlagestrategien eine Garan- tie auszustellen ist. Es lässt sich lediglich anhand vergangenheitsbezogener Daten eine Tendenz feststellen. Die Rendite und das Risiko bilden einen Trade-Off, dieser lässt sich allgemeinhin durch Diversifikation verbessern, weshalb diese ebenfalls einen Faktor bei der Bewertung dar- stellt (Hull 2016, S.39). In der Literatur indessen gibt es keine einheitliche Definition, welche z.B. die genaue Anzahl an Aktien im Portfolio vorrausetzt, damit dieses als diversifiziert gilt. Es scheint vom Risikoprofil des Anlegers abzuhängen und wie dieser die Risikostreuung sub- jektiv bewertet. Um Diversifikation zu gewährleisten bietet sich neben anderem die Investition in verschiedene Assetklassen an (Gallati 2013, S.22). Im folgenden Kapitel werden nun die ausgewählten Anlagestrategien anhand der selektierten Bewertungskriterien verglichen.

3. Vergleich der Anlagestrategien

Eingangs wird die für viele Privatanleger einfachste Variante der Geldanlage an der Börse beleuchtet: das Investieren in Fonds. Dabei wird im Folgenden zwischen aktiv verwalteten Fonds sowie passiven Fonds unterschieden.

3.1. Aktien-Fonds

3.1.1. Investmentfonds & Hedgefonds

Im Bereich der aktiven verwalteten Fonds sollen nachkommend der Investmentfonds und der Hedgefonds betrachtet und verglichen werden. Den wesentlichen Unterschied stellt die Verfüg- barkeit dar. Üblicherweise müssen potentielle Investoren eines Hedgefonds gewisse Auflagen erfüllen und über größeres Kapital verfügen. Da es jedoch bereits Hedgefonds mit einem Min- destkapitaleinsatz von circa 50.000 Euro gibt, soll diese Form der Kapitalanlage nicht außen vor gelassen werden. In einen Investmentfonds hingegen können Privatanleger meist ohne Be- schränkungen investieren. Die Gemeinsamkeit beider Fonds ist, dass diese von einem Vermö- gensverwalter, bzw. einer Gruppe von Vermögensverwaltern verwaltet werden (Piekenbrock et al. 2014, S.197). Das zuständige Management selektiert Wertpapiere, von welchen laut deren Analysen eine überdurchschnittliche Performance erwartet wird. Diese Wertpapiere werden in einem Portfolio zusammengefasst. Anteile des Fonds können nun von Retail-Anleger gekauft werden, sie partizipieren fortan an der Wertentwicklung des Portfolios (Piekenbrock et al. 2014, S.289). Für den Anleger ergibt sich somit eine breite Streuung seines Kapitals. Diese Diversi- fikation zieht nach sich, dass das Risiko des Investments dementsprechend gering ist. Somit sollte der Investor, sofern er einen Investmentfonds wählt, welcher in der Historie konstante Renditen erzielte, mit einem aktiv verwalteten Fonds mehr Rendite generieren können als mit der Benchmark, dem Sparbuch. Der Zeitaufwand im Vergleich zum Sparbuch ist zudem nur minimal größer, da heutzutage, auch ohne einen Berater, mithilfe von Finanzinformations- und Analyseunternehmen wie Morningstar Inc., der individuell passende Fonds zeitsparend eruiert werden kann (Heese/Riedel 2016, S.199). Die Diversifikation, das professionelle Management, wie auch die Renditechance gehen jedoch mit dem zentralen Nachteil einher: der Kostenstruk- tur. Ein aktiv verwalteter Fonds veranschlagt typischerweise eine Ausgabe-, Order-, wie auch Verwaltungsgebühr, welche je nach Institut und Fonds unterschiedlich hoch ausfällt (Gallati 2013, S.123ff.). Ein weiterer aktiv verwalteter Fonds ist der Hedgefonds.

Ein Hedgefonds gilt als spekulatives Investmentvehikel (Piekenbrock et al. 2014, S.263). Die- ser darf, im Gegensatz zum Investmentfonds, Vermögensgegenstände verkaufen, die zum Zeit- punkt des Geschäftsabschlusses nicht dem Sondervermögen zugehörig sind; diese werden als Leerverkäufe, bzw. Short Sales bezeichnet. Folglich sind Hedgefonds bei der Auswahl ihrer Vermögensgegenstände weniger beschränkt (Gramlich et al. 2012, S. 703). Des Weiteren sind diese Fonds berechtigt Derivate einzusetzen, um somit ihren Investitionsgrad potenzieren zu können (Piekenbrock et al. 2014, S.263). Ihren Namen verdanken diese Fonds dem sogenannten Hedging (dt. absichern) (Piekenbrock et al. 2014, S.264). Durch das Hedging sichern diese Fonds Vermögenspositionen gegen darauf wirkende Risiken ab. Zu diesen Risiken gehören unter anderem die Zinsänderungs-, die Aktienkurs-, wie auch Währungsrisiken (Gramlich et al. 2012, S.704). Die Essenz des Hedging ist das Erreichen einer kompensatorischen Wirkung durch die Besetzung einer entgegengesetzten Position; diese dient dem Ausgleich einer Wert- minderung. Der Einsatz von Derivaten bei Hedgefonds kann hingegen auch als Gefahrenquelle angesehen werden, da durch Missmanagement, welches sich durch unzureichendes Risikoma- nagement oder die Nichteinhaltung von Risikolimits äußert, verheerende Folgen nach sich zie- hen kann, bis hin zur Insolvenz des Hedgefonds (Hull 2012, S.41). Ein Fonds, bei dem hingegen kein Missmanagement auftreten kann, ist der Exchange-Traded Fund (ETF).

3.1.2. Exchange-Traded Fund

Ein passiver Fonds, auch Indexfonds genannt, zeichnet sich primär dadurch aus, dass dieser, im Gegensatz zu aktiven Fonds, von keinem Manager verwaltet wird. Das passive Investieren mit Indexfonds hat zum Ziel in einen ganzen Markt zu investieren. Diese Art der Investition in einen Börsenindex ist möglich durch Exchange-Traded Funds. Diese zielen darauf ab einen Index abzubilden (Gramlich et al. 2012, S.510). Der zentrale Vorteil dieser Art von Investition ist die breite Streuung, die Diversifikation. Im Vergleich zu Einzelaktien besteht dadurch ge- ringeres Potential für Volatilität (Foucher/Gray 2014, S.45). Die Diversifikation lässt sich ma- ximal gestalten, indem der Investor ein gut strukturiertes Weltportfolio aufbaut (Ever- ling/Kirchhoff 2011, S.190). Ein weiterer Vorteil gegenüber dem aktiven Investieren in Einzel- aktien ist die Zeitersparnis. Sobald die Einrichtung des Portfolios erfolgt ist, ist der folgende Zeitaufwand minimal, wie beim aktiven Fonds bereits konstatiert wurde. Der größte Vorteil gegenüber aktiv verwalteten Fonds ist die Kostenstruktur. Wie eingangs geschildert, wird der passive Fond nicht von einem Fondmanager betreut. Folglich fallen, bedingt durch die Passivi- tät, geringere Gebühren für Verwaltung und Management an (Foucher/Gray 2014, S.37). Durch den Zinseszinseffekt potenziert sich die Ersparnis annuell. Um den Vergleich der Kostenstruktur zu veranschaulichen, wird im Folgenden auf eine Tabelle eingegangen, welche die Kosten eines aktiven Fonds und die eines passiven Fonds vergleicht. Die Kosten des passiven Fonds wurden folgendem ETF entnommen: „iShares Core Dax UCITS ETF (DE) (WKN 593393)“. Um eine möglichst genaue Vergleichbarkeit zu gewährleisten, wurden die Kosten eines aktiven Fonds gewählt, welcher zum Großteil (>75%) deutsche Großunternehmen in sein Portfolio aufnimmt: „ACATIS Champions Select - ACATIS Aktien Deutschland ELM (WKN 163701)“. Als Marktrendite wurde die durchschnittliche Performance des DAX in Höhe von 8,3% p.a. in den letzten 50 Jahren gewählt (Deutsches Aktieninstitut 2016, o.S.). Beide beispielhaften Fonds agieren thesaurierend, es erfolgt somit keine Gewinnausschüttung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an etfs.de/kostenrechner

Tab.1: Kostenvergleich Fonds

Zu erkennen ist, dass die Nettorendite bei einem Vergleich der Anlagestrategien stets vorzuzie- hen ist, da, unter der Berücksichtigung der unterschiedlichen Kostenstrukturen, die Nettorendite sich signifikant von der Bruttorendite unterscheiden kann. Zu beachten ist, dass die Tabelle auf der Grundlage erstellt wurde, dass jährlich für beide Anlageformen die gleiche Rendite erzielt wird. Dies lässt jedoch die Stärke eines aktiven Fonds außen vor: das aktive Management und die Anpassbarkeit des Portfolios. Dies ist der zentrale Nachteil von ETFs. Vor allem in Krisen- zeiten kann ein sehr guter, aktiv verwalteter Fond flexibel agieren und sich der jeweiligen Marktsituation anpassen, um etwaige Verluste geringzuhalten, bzw. Chancen für eine Rendite- optimierung wahrzunehmen. Auch wenn dies den wenigsten Verwaltern in der Realität gelingt. (Everling/Kirchhoff 2011, S.220). Konträr dazu bildet ein passiver Fonds invariant einen Index ab.

Der in der Tabelle dargestellte Vergleich basiert auf der Annahme, dass ein Sparplan erstellt wurde. Dies bedeutet, dass regelmäßig ein wertbeständiger Betrag, teils auch mit annueller dy- namischer Erhöhung, in eine Anlage investiert wird. Der Vorteil eines solchen Sparplans ist unter anderem im Cost-Average-Effect zu finden. Durch diesen Durchschnittskosteneffekt ist der Einstiegszeitpunkt weitestgehend irrelevant, da durch die Ausdehnung des Zeitraumes der Investitionen die Timing-Fehler, wie aber auch das Ausnutzen nutzbringender Einstiegszeit- punkte, minimiert werden (Gallati 2013 S.128). Insbesondere bei volatilen Fonds fällt die Wir- kung ins Gewicht (Löffler 2002, S.24). Dieser Effekt nimmt mit der Laufzeit des Sparplans ab, indem, nach jeder Sparrate, der Anteil des neu angelegten Kapitals geringer wird, gemessen am Gesamtkapital (Piekenbrock et al. 2014, S.135). Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass durch die Automatisierung des Sparplans der Anleger sich ausschließlich einmal zum Sparen über- winden muss und nachfolgend ein Gewöhnungseffekt einsetzen kann, indem fortan durch ge- tätigte Daueraufträge kein weiteres Zutun des Sparers erforderlich ist. Trotz dieser Wirkung des psychologischen Effekts und des Cost-Average-Effect für beide Fonds ist indessen tendenziell auf der Grundlage der geringeren Kostenstruktur und der höheren erwarteten Rendite der pas- sive Fonds zu präferieren. Ein weiteres Argument für diese Hypothese liefert die Kredit-Ratin- gagentur Standard & Poor’s (S&P). Jene Ratingagentur misst die Performance der aktiv ver- walteten Fonds eines Landes, bzw. einer Region und vergleicht diese mit dem jeweiligen S&P- Index desselbigen. Dabei werden Anlagehorizonte von ein, drei, fünf und zehn Jahren betrach- tet. Die folgende Darstellung veranschaulicht deren Ergebnisse.

Quelle: Ung 2017, S.4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Vergleich aktiver Fonds vs. Index

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Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Anlagestrategien für Privatinvestoren in einem Niedrigzinsumfeld
Hochschule
Universität Rostock
Note
2,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
36
Katalognummer
V376787
ISBN (eBook)
9783668549760
ISBN (Buch)
9783668549777
Dateigröße
636 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geldanlage, Privatinvestoren, Niedrigzinsumfeld, ETF, Aktien, Immobilien, Anlagestrategien
Arbeit zitieren
Marko Kühne (Autor), 2017, Anlagestrategien für Privatinvestoren in einem Niedrigzinsumfeld, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376787

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