Hauptaufgabe dieser Arbeit wird es sein, die Hintergründe des US-amerikanischen Präsidentschaftswahlsystems auf den verschiedenen Ebenen zu durchleuchten.
Der erste Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit dem historischen Ursprung des
Präsidentschaftswahlsystems. Besonders interessant ist in diesem
Abschnitt die Frage danach, warum sich die „Schöpfer der Verfassung“ nicht für eine direkte Wahl des Präsidenten entschieden haben, sondern für die Instanz der Wahlmännerstimmen.
Im zweiten Teil soll die politische Entwicklung und Gegenwart ein wenig näher
beleuchtet werden. Im Vordergrund stehen dabei die Wahlen, in deren Folge es zu Reformen gekommen ist und die bei denen das Wahlsystem problematische Auswirkungen gehabt hat.
Anschließend geht es um den Verlauf der Präsidentschaftswahlen der Gegenwart. Hinter
dieser Untersuchung steckt die Frage, ob die Wahl des Präsidenten in den Vereinigten Staaten in der Gegenwart überhaupt noch den Intentionen der Verfassungsväter entspricht, obwohl sie grundsätzlich auch heute noch auf den von diesen festgelegten Regeln basiert.
Der dritte und letzte Teil widmet sich einer genauen Analyse der Defizite des gegenwärtigen Präsidentschaftswahlsystem und beschäftigt sich mit alternativen Konzepten. Außerdem stellt sich die Frage, warum es in über 200 Jahren nicht gelungen ist, etwaige Demokratiedefizite zu beseitigen. Diese Frage soll mit Hilfe des historischen Institutionalismus beantwortet werden. Entscheidend sind in diesem Zusammenhang die Strategie und die Motive der Reformgegner. Es werden allerdings auch die Reformhindernisse untersucht, die durch die Regeln des Gesetzgebungsprozesses und die Auflagen für eine Verfassungsänderung entstehen. Beides ist von großer Bedeutung.
Dieser Arbeit liegt eine eher pessimistische Vermutung zu Grunde: Wenn selbst die chaotischen Konsequenzen der Präsidentschaftswahl im Jahr 2000 nicht zu einer grundlegenden Reform des Wahlsystems für das wichtigste und mächtigste politische Amt der Welt geführt haben, werden die Wähler in den Vereinigten Staaten ihren Präsidenten auch noch in ferner Zukunft mit einem extrem problembehafteten Wahlsystem bestimmen. Dieses System wird bei einigen Wahlen auch weiterhin den Wählerwillen umkehren und den Kandidaten zum Präsidenten machen, der nicht die Mehrheit der Wählerstimmen bekommen hat.
Inhalt
Einleitung
Teil I: Historischer Ursprung
1.1. Verfassungsväter
1.2. Verfassungskonvent
1.3. Fazit: Präsidentschaftswahlen im Sinne der Verfassungsväter: Ein ungenaues System mit bewusst integrierten und nicht antizipierten Demokratiedefiziten
Teil II: Evolution eines Systems & Wahlen in der Gegenwart
2.1. Evolution
2.1.1 Frühe Schwierigkeiten und der zwölfte Verfassungszusatz
2.1.2 Auswahl der Wahlmänner: Scheinbare Demokratisierung eines Systems
2.1.3 Adams und Hayes: Zwei Präsidenten des Kongresses, nicht des Volkes
2.1.4 Close Calls
2.2. Wahlen in der Gegenwart
2.2.1 Kandidatenauswahl
2.2.2 Geld, Medien und Strategien
2.2.3 Wahlmänner: Ihre Nominierung, ihre Wahl und ein missverstandenes System
2.2.4 Election Night
2.3. Fazit: Evolution mit eingeschränkter Demokratisierung
Teil III: Defizite und Reformdiskussion
3.1. Probleme und Defizite
3.1.1 „Wrong Winner“
3.1.2 Ungleiche Wähler und gefährliche Drittkandidaten
3.1.3 Volkszählung
3.1.4 Wahlbeteiligung
3.1.5 Bevölkerungsgruppen
3.1.6 Unvollständiger Wahlvorgang
3.1.7 Verzerrungen
3.2. Alternativen? Reformvorschläge in der Diskussion
3.2.1 Der „Distriktplan“
3.2.2 Der automatische Plan
3.2.3 Der proportionale Plan
3.2.4 Der nationale Bonusplan
3.2.5 Direkte Präsidentschaftswahlen
3.3. Keine Aussicht auf Reform? Reformversuche und Reformen aus der Sicht des historischen Institutionalismus und ein Ausblick
3.3.1 Der Ansatz
3.3.2 Chancenlose Reformversuche
3.4. Fazit: Erdrückende Defizite und eine Lösung ohne Erfolgschancen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Hintergründe des US-amerikanischen Präsidentschaftswahlsystems, analysiert dessen historische Entwicklung und Defizite und geht der Forschungsfrage nach, warum trotz offenkundiger Demokratiedefizite keine grundlegenden Reformen stattfinden.
- Historische Ursprünge und die Rolle der „Verfassungsväter“
- Die Evolution des Electoral College und der Einfluss des Zweiparteiensystems
- Analyse der strukturellen Defizite wie das „Wrong-Winner“-Risiko
- Untersuchung von Reformvorschlägen und deren Hürden im politischen Prozess
- Theoretische Perspektive durch den historischen Institutionalismus
Auszug aus dem Buch
1.1. Verfassungsväter
Um die Regeln, nach denen der Präsident in den USA gewählt, wird zu verstehen, ist es auch erforderlich die Bedingungen zu untersuchen, unter denen das Wahlsystem seinerzeit entstanden ist. Die Verfassungsväter haben sich damals darauf geeinigt, den Präsidenten mit Hilfe des „Electoral College“ zu wählen. Wie bereits in der Einleitung erwähnt, ist dieses System, bei dem der Präsident mit Hilfe von Wahlmännerstimmen gewählt wird, die heute auf bundesstaatlicher Ebene nach dem „Winner-Takes-All“-Prinzip verteilt werden (mit den Ausnahmen Maine und Nebraska), unter Wissenschaftlern und Politikern, nicht nur in den USA, heute in höchstem Maße umstritten.
Der folgende Abschnitt beschäftigt sich mit den persönlichen Hintergründen von drei Männern, die an der Gestaltung der US-amerikanischen Verfassung beteiligt waren. Ziel dieser Untersuchung ist es, unter anderem festzustellen, inwieweit das soziale Umfeld aus dem die „Schöpfer der Verfassung“ stammten, dafür verantwortlich war, dass diese Männer sich für eine indirekte Wahl des Präsidenten entschieden haben. Diese Untersuchung geht davon aus, dass die Verfassungsväter sich unter anderem deshalb für die indirekte Wahl des Präsidenten durch einen elitären Kreis von Wahlmännern entschieden, weil sie ihr eigenes Wohlergehen und ihre Interessen (insbesondere ihren Wohlstand) durch eine direkte Wahl des Präsidenten durch das Volk gefährdet sahen. Darüber hinaus trauten sie den Bürgern nicht zu eine so wichtige politische Entscheidung selbst zu treffen.
Zusammenfassung der Kapitel
Teil I: Historischer Ursprung: Dieses Kapitel beleuchtet die Beweggründe der Verfassungsväter für die Einführung eines indirekten Wahlsystems und untersucht den sozialen Hintergrund der beteiligten Akteure.
Teil II: Evolution eines Systems & Wahlen in der Gegenwart: Hier wird die historische Entwicklung des Electoral College anhand ausgewählter Wahlen analysiert und die Rolle der Einzelstaaten sowie des Zweiparteiensystems aufgezeigt.
Teil III: Defizite und Reformdiskussion: Der abschließende Teil analysiert systematisch die Defizite des Wahlsystems, diskutiert Reformvorschläge und erklärt mittels des historischen Institutionalismus das Scheitern bisheriger Reformversuche.
Schlüsselwörter
US-Präsidentschaftswahlen, Electoral College, Wahlsystem, Demokratiedefizite, Verfassungsväter, Zweiparteiensystem, Reformdiskussion, Historischer Institutionalismus, Winner-Takes-All, Wahlmänner, Wrong Winner, politische Institutionen, US-Verfassung, Wahlrecht, indirekte Wahl.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert kritisch das Wahlsystem für den US-Präsidenten, insbesondere das Electoral College, und untersucht die historische Entstehung sowie die daraus resultierenden demokratischen Probleme.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Feldern zählen der historische Ursprung der US-Verfassung, die politische Evolution des Wahlsystems, strukturelle Defizite wie das „Wrong-Winner“-Risiko sowie die Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Reformen.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die Gründe für die indirekte Wahl des US-Präsidenten durch Wahlmänner zu ergründen und zu analysieren, warum trotz erkennbarer Mängel keine tiefgreifenden Reformen des Wahlsystems möglich sind.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor verwendet eine politikwissenschaftliche Analyse, die insbesondere auf den historischen Institutionalismus zurückgreift, um die Handlungsweise politischer Akteure und das Beharrungsvermögen der Institutionen zu erklären.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entstehung (Teil I), die praktische Evolution des Systems anhand konkreter Wahlbeispiele bis in die Gegenwart (Teil II) und eine detaillierte Analyse der Defizite und Reformversuche (Teil III).
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Electoral College, Demokratiedefizite, US-Wahlsystem, Reformdiskussion und Historischer Institutionalismus geprägt.
Warum spielt das „General Ticket System“ für den Autor eine so wichtige Rolle?
Der Autor identifiziert das „General Ticket System“ (Winner-Takes-All) als maßgebliche Ursache für viele Demokratiedefizite, da es dazu führt, dass Wählerstimmen je nach Bundesstaat unterschiedlich gewichtet werden und Minderheitenstimmen oft wirkungslos bleiben.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Reformierbarkeit des Systems?
Der Autor kommt zu einer pessimistischen Einschätzung: Aufgrund extrem hoher verfassungsrechtlicher Hürden und der strategischen Blockade durch Minderheiten im Senat hält er eine grundlegende Reform für sehr unwahrscheinlich.
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- Diplompolitologe Jann Claußen (Author), 2004, Präsidentschaftswahlen in den USA: Ein System mit Demokratiedefiziten ohne Aussicht auf Reform?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37678