In dieser Hausarbeit geht es um die erzähltechnische Analyse des Erzähltextes "Die Ermordung einer Butterblume" von Alfred Döblin. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der Rede und der mentalen Prozesse der Hauptfigur. Unterstützt wird die Analyse durch ein computergestütztes Analyse-Tool mit dem Namen "CATMA" (Computer Aided Textual Markup & Analysis). Mit diesem ist es beispielsweise möglich, Rede- oder Gedankenanteile von Personen grafisch zu visualisieren und sie unterstützend für die erzähltechnische Analyse sowie die Interpretation des Textes zu nutzen.
Im Rahmen der Arbeit soll das Phänomen der Präsentation von Rede und mentalen Prozessen am Beispiel eines narratologischen Textes erforscht werden. "Die Ermordung einer Butterblume" beinhaltet überwiegend ein verworrenes Geflecht aus Gedankenprozessen und Redebeiträgen des Protagonisten. Ein Teil der Arbeit ist die Frage nach der Konstruktion der besagten Prozesse sowie nach der möglichen Illusion der Unmittelbarkeit einer Aussage.
Die erzähltechnische Analysemethode nach Silke Lahn und Jan Christoph Meister ist die methodische Basis für die Analyse. Da es unterschiedliche Modelle und Termini zur Untersuchung der Figurenrede gibt, soll der Fokus auf dem Drei-Stufen-Modell der Redewiedergabe liegen. Das Modell ermöglicht die Unterteilung der Figuren- und Gedankenrede in drei Kategorien. Anschließend wird die Häufigkeit der verschiedenen Kategorien ausgewertet und verglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Inhaltsangabe
3. Erzähltextanalyse
3.1. Erzählperspektive und ontologische Bestimmung des Erzählers
3.2. Drei-Stufen-Modell der Redewiedergabe
3.3. Analyse der Figurenrede
3.3.1 Die direkte Figurenrede
3.3.2 Die indirekte Figurenrede
3.3.3 Die erzählte Figurenrede
3.4. Analyse der mentalen Prozesse
3.4.1 Die direkte Gedankenrede
3.4.2 Die indirekte Gedankenrede
3.4.3 Die erzählte Gedankenrede
3.5 Die Anwesenheit des Erzählers
4. Interpretationsskizze
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Präsentation von Rede und mentalen Prozessen in Alfred Döblins Erzählung "Die Ermordung einer Butterblume" unter Anwendung des Drei-Stufen-Modells der Redewiedergabe, um die Konstruktion der Figurenrede und die Illusion der Unmittelbarkeit zu analysieren.
- Analyse von Rede- und Gedankenprozessen des Protagonisten
- Anwendung des Drei-Stufen-Modells der Redewiedergabe
- Einsatz der Analysesoftware CATMA zur empirischen Datenauswertung
- Untersuchung der erzähltechnischen Illusion von Unmittelbarkeit
- Kontrastive Analyse der ersten und zweiten Hälfte der Erzählung
Auszug aus dem Buch
3.1. Erzählperspektive und ontologische Bestimmung des Erzählers
Die fiktionale Erzählung beginnt in medias res. Das bedeutet, der Leser taucht mitten in das Geschehen ein. Fiktional ist die Geschichte deshalb, da alle Arten der Introspektion – der „Darstellung der geistigen Innenwelt von Figuren“ (Lahn & Meister 2013: 126) – im Text vorkommen. Der Erzähler kann in den Kopf der Hauptfigur schauen und weiß, was sie denkt. Er ist folglich ein allwissender Erzähler und nicht Teil der Diegesis – der erzählten Welt (vgl. Lahn & Meister 2013: 126; 279). Er ist ein heterodiegetischer Erzähler (vgl. Lahn & Meister 2013: 67). Er berichtet über die Ereignisse, die Herrn Michael Fischer zu der Mordtat an der Butterblume verleiten. Seine Wahrnehmens- und Wissensmöglichkeiten sind an Herrn Fischer gebunden. Das bedeutet, dass der Erzähler nach Gérard Genettes Erzähltheorie intern fokalisiert ist (vgl. Lahn & Meister 2013: 108). Die interne Fokalisierung bleibt nahezu die ganze Erzählung hindurch bestehen. Nach dem Mord an der Butterblume rückt der Erzähler scheinbar in den Hintergrund und die Rede und Gedankenprozesse von Herrn Michael Fischer nehmen zu. Diese gilt es im Folgenden mithilfe des browsergestützten Analyseprogramms CATMA näher zu erforschen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, das Phänomen der Redewiedergabe in Döblins Werk mithilfe narratologischer Methoden und CATMA zu erforschen.
2. Inhaltsangabe: Dieses Kapitel fasst die Handlung um den Protagonisten Michael Fischer und dessen psychische Verarbeitung der Tat an einer Butterblume zusammen.
3. Erzähltextanalyse: In diesem Hauptteil erfolgt die methodische Untersuchung der Figurenrede sowie der mentalen Prozesse anhand des Drei-Stufen-Modells, unterstützt durch statistische Auswertungen.
4. Interpretationsskizze: Das Kapitel verknüpft die erzähltechnischen Ergebnisse mit inhaltlichen Deutungen, insbesondere im Hinblick auf die psychische Entwicklung des Protagonisten.
5. Schluss: Der Schluss resümiert die Analyseergebnisse und hebt die Korrelation zwischen der formalen Erzählstruktur und dem inhaltlichen Verlauf der Geschichte hervor.
Schlüsselwörter
Alfred Döblin, Die Ermordung einer Butterblume, Erzähltextanalyse, Narratologie, CATMA, Figurenrede, Gedankenrede, Drei-Stufen-Modell, Redewiedergabe, interne Fokalisierung, Bewusstseinsbericht, Inquit-Formel, Unmittelbarkeit, psychische Prozesse, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die erzähltechnische Konstruktion von Rede und mentalen Prozessen in Alfred Döblins Erzählung "Die Ermordung einer Butterblume".
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Kategorisierung von Figuren- und Gedankenrede sowie die Untersuchung der Erzählinstanz und ihrer Vermittlungsarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die formalen Merkmale der Redewiedergabe zu identifizieren und zu prüfen, wie diese zur Illusion der Unmittelbarkeit beim Leser beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Analyse basiert auf dem Drei-Stufen-Modell der Redewiedergabe von Lahn & Meister, ergänzt durch computergestützte Textannotation mittels CATMA.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Figurenrede (direkt, indirekt, erzählt) sowie eine detaillierte Auswertung der mentalen Prozesse des Protagonisten.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Erzähltextanalyse, Redewiedergabe, CATMA, Gedankenrede, Figurenrede und narrative Illusion.
Wie verändert sich die Erzählstruktur im Verlauf der Geschichte?
Es zeigt sich ein deutlicher Kontrast: Während in der ersten Hälfte die direkte Rede dominiert, gewinnt in der zweiten Hälfte die Erzählinstanz durch transponierte und erzählte Rede an Präsenz.
Welche Rolle spielt die Software CATMA in der Analyse?
CATMA dient dazu, Redeanteile im Text zu annotieren und durch Distributionsgraphen sichtbar zu machen, was eine präzise empirische Analyse komplexer Textstrukturen ermöglicht.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin über den Protagonisten?
Die Autorin deutet die psychischen Prozesse des Protagonisten eher als einen Verarbeitungsprozess denn als bloßen Wahnsinn, was durch die erzähltechnische Gestaltung unterstrichen wird.
- Arbeit zitieren
- Elena Balzer (Autor:in), 2014, Die Konstruktion von Rede und mentalen Prozessen in Alfred Döblins "Die Ermordung einer Butterblume". Eine erzähltechnische Analyse mithilfe von CATMA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376800