Psychologische Lerntheorien in der Suchttherapie: Rauchen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

19 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhalt

0 Einleitung

1 Motivation des Rauchens

2 Klassifizierung von Entwöhnungstherapien
2.1 Therapien die mit Konditionierung arbeiten
2.1.1 Therapien die mit Klassischer Konditionierung arbeiten
2.1.2 Therapien die mit Operanter Konditionierung arbeiten
2.2 Modelllernen
2.3 Multimodale Methoden

3 Zusammenfassung

0 Einleitung

In Deutschland sterben jährlich circa 140.000 Menschen an den Folgen von Nikotinkonsum (vgl. Rauchen und Gesundheit). Weltweit sind es nach Berichten der WHO (2004) etwa 5 Millionen Menschen. 90-95% aller in Deutschland an Lungenkrebs erkrankten Menschen sind Raucher (vgl. Rauchen und Gesundheit). In den USA sind von den Menschen, die an einer Form von Krebs sterben, 32% Raucher (American Cancer Society, 2004). Weitere 442.398 Menschen sterben dort an rauchbedingten Herz-Kreislauf-Erkrankungen (American Heart Association, 2005). Rauchen begünstigt außerdem die Krankheitsentwicklung von Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall, Raucherbein, Asthma / Chronische Bronchitis, Emphysem (Lungenblähung), Demenz (Morbus Alzheimer), Augen / Sehstörungen, Krebs und retardierter Fetus-Entwicklung. (vgl. Rauchen und Gesundheit, sowie Centers for Disease Control, 1989). Der Konsum von Nikotin ist somit die häufigste vermeidbare Todesursache weltweit. (McGinnis, 1992)

Diesen Aspekt der Vermeidbarkeit von Krankheit und Tod durch Nikotin in Betracht ziehend, stellt sich die Frage, ob und warum Raucher so wenig motiviert sind ihren Tabakkonsum aufzugeben. Ein kurzer Blick in öffentliche Medien beweist, dass Rauchen mehr als nur ein motivationales Problem ist. So verspricht ein Anbieter für 250 € die Rauchentwöhnung binnen sechs Stunden mit einer 90%igen dauerhaften Erfolgsquote. Wie dieses Programm funktionieren soll, verschweigt er allerdings. (Thiede, 2004) Wenn es Menschen gibt, die auf derartig teuere Angebote ohne genauere Informationen eingehen, sollte bei ihnen eine große Motivation, das Rauchen zu beenden, vorhanden sein. Tatsächlich hat die Hälfte aller Raucher schon einmal probiert, mit dem Rauchen aufzuhören. (Kröger, 2004) Da es diesen Rauchern also trotz ihrer Motivation häufig nicht gelingt ihre nikotinhaltige Gewohnheit abzulegen, bemühen sich zahlreiche Programme auf unterschiedlichen Wegen diese Menschen zu unterstützen. Das Ziel dieser Hausarbeit ist es gängige Rauchentwöhnungstherapien, die an psychologischen Lerntheorien orientiert sind, unter dem Aspekt zu untersuchen, was sie in Theorie und Praxis leisten können.

1 Motivation des Rauchens

Für eine erfolgreiche Intervention ist es effektiver Ursachen, als Symptome zu bekämpfen. Daher ist die Fragestellung wichtig, aus welchen Gründen das Rauchen angefangen wird und vor allem warum das Rauchverhalten so stabil aufrechterhalten wird. Viele Autoren sind sich darüber einig, dass Rauchen in starkem Maße von Peer-Gruppen gelernt wird. Biglan (1984) schätzt, dass mehr als 70% aller von Jugendlichen gerauchten Zigaretten in Gegenwart von Gleichaltrigen geraucht werden. Neben dem Einfluss der Peer-Gruppe auf den Beginn von Nikotinkonsum wurden jedoch auch Korrelationen zum Rauchverhalten der Familie (Swaim, 1996), zum Selbstwertgefühl, dem Gefühl von Machtlosigkeit und zu sozialer Isolation festgestellt (Bandura, 1977). Während Rauch-Anfänger, wie bereits festgestellt, vorwiegend aus sozialen Gründen rauchen, hat das gewohnheitsmäßige Rauchen keinen sozialen Charakter mehr. Es gibt verschiedene Theorien darüber, warum Menschen weiterrauchen, obwohl die sozialen Günde weggefallen sind, aus denen zu rauchen begonnen wurde. Taylor (1999, 151) unterscheidet hier vier Theorien: die Nicotine Fixed-Effect Theory, Pomerleaus und Pomerleaus Theorie, die Nicotine-Regulation Theory und das Multiple-Regulation-Model.

Nach der Nicotine-Fixed-Effect Theory von Hall (1973) hat Nikotin hat angenehme Effekte, wie z.B. Muskelentspannung, die von Rauchern erwünscht sind. Deshalb wird Rauchen nach Hall trotz der Aussicht auf negative Effekte aufrechterhalten.

Pomerleaus und Pomerleaus Theorie (1989) besagt, dass Nikotin auf der einen Seite abhängig macht, auf der anderen Seite jedoch auch die Verfügbarkeit von Neurotransmittern verändert. Dies geht mit diversen positiven Effekten, wie Entspannung, gesteigerter geistiger Leistungsfähigkeit und Rückgang von Ängsten einher. Daher rauchen Menschen um dem Nachlassen oder Umkehren dieser Effekte zu entgehen. Zusätzlich nehmen Pomerleau und Pomerleau eine große Zahl externer Faktoren an, die zwar unabhängig von Nikotinhaushalt des Körpers sind, aber als Rauchverhalten auslösender Stimulus fungieren können.

Jarviks Nicotine-Regulation-Theory (1973, zitiert nach Taylor 1999, 151) vermutet, dass geraucht wird, um einen bestimmten Nikotinspiegel im Blut zu halten. Nach Taylor gibt es jedoch eine Menge Untersuchungen, die gegen diese Theorie sprechen. Des Weiteren beinhaltet diese Theorie in der vorliegenden Fassung kein motivationales Element. Daher ist sie für die weitere Betrachtung in dieser Hausarbeit irrelevant.

Letzlich gehen Leventhal und Cleary (1980) in ihrem Multiple-Regulation Model davon aus, dass der Genuss von Nikotin eng mit bestimmten positiven Emotionen zusammenhängt und auf diese Weise ankonditioniert wird.

Eine neuere Theorie, die von Kröger (2004) ohne hinreichende Quellenangabe referiert wird, sagt aus, dass Nikotin Belohnungsmechanismen im Gehirn aktiviert. In diesem Punkt stimmt er mit Pomerleaus und Pomerleaus Theorie überein. Zusätzlich sagt er jedoch aus, dass Veränderungen im Gehirn entstehen, die das Verlangen nach mehr Nikotin bewirken. Diese Veränderungen sollen sich sehr langsam oder gar nicht zurückbilden, weshalb manche Raucher noch nach sehr vielen Jahren rückfällig werden.

Fazit: Alle aufgeführten relevanten Theorien haben gemeinsam, dass Nikotin konsumiert wird, um bestimmte angenehme Effekte zu erreichen, wie zum Beispiel den Rückgang von Angst oder erhöhte Entspannung. Die Unterschiede zwischen diesen Theorien bestehen hauptsächlich im angenommenen Mechanismus zur Entstehung der Effekte von Nikotin, der entweder eher physiologischer oder eher psychologischer Natur ist.

2 Klassifizierung von Entwöhnungstherapien

Ziel einer Raucher-Therapie ist es den Zigarettenkonsum von durchschnittlich n Zigaretten am Tag auf durchschnittlich null Zigaretten am Tag zu senken. Dies kann nur auf zwei verschiedene Arten geschehen:

A) Die Zahl der pro Tag konsumierten Zigaretten wird in mehreren Schritten eingeschränkt, bis er auf null ist.
B) Die Zahl der pro Tag konsumierten Zigaretten wird in einem Schritt auf null gesenkt.

Geht man mit den vorgestellten Theorien davon aus, dass die Ursache für das gewohnheitsmäßige Rauchen das Anstreben von angenehmen emotionalen und kognitiven Effekten ist, die mit dem Rauchen in Verbindung gebracht werden, so sind weitere Maßnahmen erforderlich, um den Umgang mit den Entzugserscheinungen beziehungsweise mit den Ausbleibenden Belohnungseffekten des Nikotins zu erleichtern.

Hier gibt es die Möglichkeiten

-den Rauch einer Zigarette mit negativen Folgen zu koppeln (Aversionstherapien)
-Abstinenz mit positiven Folgen zu koppeln
-von den Entzugserscheinungen abzulenken
-den Nikotinentzug durch Ersatzpräparate zu mildern

Zusätzlich gibt es Therapieansätze, die versuchen Rauchern das Nichtrauchen entweder durch kognitives oder durch konditioniertes Lernen beizubringen. Hierzu zählen Therapien durch Einsichts- oder Modelllernen und Therapien, die externe Stimuli als Auslöser von Rauchverhalten annehmen und benutzen.

Neben diesen Ansätzen werden neuerdings auch Akupunktur und Hypnosetherapien vertrieben. Da zur Erfolgsquote dieser Ansätze jedoch noch keine Studien vorliegen (vgl. auch Kröger, 2004) und ihre Behandlung den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen würde, werde ich mich auf die Therapien beschränken, die sich an die Klassischen Lerntheorien der Psychologie anlehnen.

2.1 Therapien die mit Konditionierung arbeiten

Die Konditionierungstheorien der Psychologie definieren Lernen als eine Veränderung einer Reaktion auf einen bestimmten Reiz. Es gibt zwei große Konditionierungstheorien, das Klassische Konditionieren und das Operante Konditionieren. Nach eigenen Recherchen beinhalten 7 von 10[1] Webseiten mit Programmen zur Rauchentwöhnung eine Form der Konditionierung.

2.1.1 Therapien die mit Klassischer Konditionierung arbeiten

Das Klassische Konditionieren nach Pawlow paart zwei Reize, d.h. setzt ein Individuum zwei zeitlich nahe beieinander gelegenen Reizen aus. Einer der Reize ruft die gewünschte Reaktion beim Individuum hervor. Dieser Reiz wird im Folgenden unkonditionierter Reiz genannt. Der andere Reiz, soll diese gewünschte Reaktion hervorrufen. Er wird konditionierter Reiz genannt. Wird ein Individuum wiederholt diesem Reizpaar ausgesetzt, so zeigt es die erwünschte Reaktion auch beim konditionierten Reiz (Zimbardo, 2003, 209-211). Diese ankonditionierte Reaktion auf einen bestimmten Reiz lässt sich nur wieder beheben, indem der konditionierte Reiz häufig ohne den unkonditionierten gezeigt wird. Dabei gilt, dass das Konditionieren einer Reaktion schneller geht, als dieselbe Reaktion wieder abzukonditionieren. (Zimbardo, 2003, 212-213)

Eine Raucherentwöhnungstherapie, die nach dem Muster der Klassischen Konditionierung arbeitet, müsste die Zigarette oder andere direkt mit dem Rauchen verbundene Reize mit unangenehmen Reizen paaren. (siehe Abbildung 1)

[...]


[1] eine dieser Seiten enthielt gar keine Angaben über die Art der Therapie, sondern bezeichnete sie als Standardtherapie mit Ernährungsberatung, etc. Diese Seite Zählt hierbei zu den Seiten ohne Konditionierung

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Psychologische Lerntheorien in der Suchttherapie: Rauchen
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Institut für Sportwissenschaft)
Veranstaltung
Gesundheitssoziologie und -psychologie (WS 2004/2005)
Note
2
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V37685
ISBN (eBook)
9783638369596
ISBN (Buch)
9783638886390
Dateigröße
626 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Hauptseminararbeit befasst sich mit Möglichkeiten der Raucherentwöhnung durch klassische Lerntheorien. Sie beschreibt die Theorien zuerst, leitet dann aus ihnen Therapiestrategien ab und schlussfolgert Erfolge und Erfolgsvoraussetzungen dieser Methoden. Danach vergleicht sie diese theoretischen Ergebnisse mit tatsächlichen Methoden und Erfolgsquoten von Suchtprogrammen.
Schlagworte
Psychologische, Lerntheorien, Suchttherapie, Beispiel, Rauchens, Gesundheitssoziologie
Arbeit zitieren
Franz Wegener (Autor), 2005, Psychologische Lerntheorien in der Suchttherapie: Rauchen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37685

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