Stellungsvariationen des Negationspartikels "nicht" in der Lernersprache

Eine Analyse von Texten russischer und polnischer Muttersprachler aus dem MERLIN-Korpus


Bachelorarbeit, 2017
88 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Erscheinungen der Negation im Deutschen
2.2 Klassifikation
2.3 Stellung von „nicht“ im deutschen Satz
2.3.1 Satznegation
2.3.2 Sondernegation
2.3.3 Verwendung von „nicht“ im Vorfeld
2.3.4 Besonderheiten der ausgewählten Klassifikation
2.3.5 Prosodie negationshaltiger Äußerungen
2.4 Negation in slawischen Sprachen
2.4.1 Russisch
2.4.2 Polnisch
2.4.3 Zusammenfassender Vergleich mit dem Deutschen
2.5 Interferenz, Transfer und die Negation
2.6 Negationserwerb bei Erwachsenen
2.7 Hypothesenaufstellung

3. MERLIN - Lernerkorpus
3.1 Korpusbeschreibung
3.2 Datenbeschreibung

4. Korpusanalyse
4.1 Feste Wortverbindungen
4.2 Kopulaverben
4.3 Weitere Anmerkungen zu den Subkorpora
4.4 Was wird als Fehler eingestuft?
4.5 Analyseergebnisse
4.6 Überprüfung der Hypothese

5. Didaktische Überlegungen und Reflexionen

6. Überblick und Fazit

Literaturverzeichnis

A. Anhang

A1. Sätze mit Kopulaverben (L1 Russisch)

A2. Sätze mit Kopulaverben (L1 Polnisch)

A3. Verben mit Prädikativum (L1 Polnisch)

A4. Treffer von „nicht“ (L1 Russisch)

A5. Treffer von „nicht“ (L1 Polnisch)

A6. Ergebnisse der Korpusanalyse (L1 Russisch)

A7. Ergebnisse der Korpusanalyse (L1 Polnisch)

A8. Gesamtanalyse (L1 Russisch + L1 Polnisch)

A9. Analyse der Stufe B1 (L1 Russisch + L1 Polnisch)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Negativpronomen und -adverbien des Russischen, Polnischen und Deutschen im Vergleich

Tabelle 2: Sequenzen des Negationserwerbs in der L2 nach Meisel (1997) in Anlehnung auf Stauble (1984)

Tabelle 3: Verteilung der Prüfungsaufgaben auf Sprachniveaus, MERLIN-Korpus

Tabelle 4: Aufteilung der Texte in Sprachniveaus nach GER

1. Einleitung

Was ist sprachliche Negation? Das ist eine der komplizierten und umfangreichen Fragen, welche auf unterschiedliche Bereiche der Wissenschaft Bezug nimmt, in erster Linie auf Philosophie, Logik und Linguistik. Unter anderem weist Negation eine umfassende Verwendung im Bereich Pragmatik auf. Zu diesem Phänomen greift man beispielsweise bei Beschreibungen, Ablehnungen, Beschwerden, Verboten, Befehlen und vielen anderen kommunikativen Handlungen (vgl. Glaboniat et.al. 2005). Da diese sprachlichen Handlungen im DaF-Unterricht von wesentlicher Bedeutung sind, ist die Relevanz des Negationsphänomens für den Lerner ebenfalls sehr hoch.

Während viele Sprachen der Welt über ähnliche Negationsstrategien verfügen, entwickelten die anderen eigene, relativ komplexere oder auch einfachere Mechanismen dieser Erscheinung: von negativen Morphemen, welche Wortteile (Affixe) sowie einzelne Wörter implizieren (Partikel, Auxiliarverben), bis zu komplexen syntaktischen Strukturen, welchen eine Doppelnegation oder beispielsweise veränderte Abfolge von Satzelementen zugrunde liegt[1].

In Mittelpunkt dieser Bachelorarbeit steht die Negation im Deutschen in Bezug auf Lernschwierigkeiten bei slawischen Muttersprachlern am Beispiel von russischen und polnischen Lernern im Kontext des Deutschen als Fremdsprache. Da die Erscheinung der Negation eins der umfassendsten Themengebiete im Sprachgebrauch darstellt, müssen an dieser Stelle der genaue Gegenstand und die Fragestellung präzisiert werden. Aufgrund der begrenzten Kapazitäten wird ausschließlich die sprachwissenschaftliche Seite des Phänomens beleuchtet, und zwar die syntaktische Erscheinung der Negation. Die Arbeit befasst sich mit den Stellungsvariationen der Negationspartikel „nicht“ in der Lernersprache.

Der erste große Teil der Arbeit „Theoretische Hintergründe“ (Kapitel 2) schildert das Phänomen der sprachlichen Negation im Allgemeinen sowie syntaktische Negationssysteme des Deutschen und der zwei ausgesuchten slawischen Sprachen - des Russischen und des Polnischen, wobei die theoretische Grundlage für die aufzustellende Hypothese ausgearbeitet wird. Es wird mit einer klassischen Einteilung der Negationsarten gearbeitet, die mit Begriffen „Satz-“ und „Sondernegation“ operiert. Nach dieser Klassifikation wird ebenfalls die Position des Negationsmarkers „nicht“ in allen drei Sprachen erörtert, wobei Abweichungen und Ähnlichkeiten thematisiert werden.

Negation als Phänomen ist sowohl im Deutschen als auch in slawischen Sprachen ziemlich gut erforscht, wobei die Grundregeln und tiefe syntaktische Strukturen aufgefasst und detailliert beschrieben wurden. Die Relevanz des Themas ergibt sich daraus, dass diese Strukturen und Regeln sich einerseits zwischen den Sprachen ähneln, andererseits aber ganz unterschiedliche Mechanismen der Negation darstellen (Kapitel 2.4.3), welche Interferenzprozesse auslösen können (Kapitel 2.5). Die erste Hypothese befasst sich mit der Frage, ob Interferenzfehler bei slawischen Muttersprachlern beim Erlernen des Deutschen erwartet werden können (Kapitel 2.7). Die zweite Hypothese, die auf der Basis der Fremdsprachenerwerbsforschung (Kapitel 2.6) aufgestellt wurde, umreißt die Fragestellung, ob die Negationserwerbsphasen hinsichtlich der Stellung von „nicht“ bei slawischen Muttersprachlern nachvollziehbar sind (Kapitel 2.7). Der nächste große Abschnitt der Arbeit setzt sich mit der Korpusarbeit auseinander, welche auf der Basis von MERLIN-Korpus durchgeführt wurde. Um die aufgestellten Hypothesen prüfen zu können, wird eine Analyse des Lernerkorpusses vorgenommen, die eine Fehlerquote im Rahmen der schriftlichen Textproduktion bei slawischen Lernern präsentieren soll. Im Folgenden wird die Vorgehensweise der Analyse erläutert (Kapitel 4). Im Anschluss daran folgen die dokumentierten Ergebnisse, die im Nachhinein interpretiert und ausgewertet werden (Kapitel 4.5). Dabei wird ebenfalls evaluiert, ob und in wie fern die zwei Hypothesen durch die gesammelten Ergebnisse bestätigt wurden (Kapitel 4.6). Darüber hinaus wird die Analyseinterpretation durch didaktische Überlegungen zu dem festgestellten Sachverhalt im Kapitel 5 erweitert. Anschließend wird der Überblick über die vorliegende Arbeit verschaffen und das Fazit formuliert, in dem die wichtigsten Inhalte umfasst werden.

2. Theoretischer Hintergrund

Zur Darstellung des Negationsphänomens wurden einige wichtige Lernergrammatiken ausgewählt: die Grammatik von Helbig/Buscha (2013) und die DUDEN-Grammatik (2005). Darüber hinaus wurden die linguistischen Nachschlagewerke von Weinrich (2005), Hentschel (2011) und Blühdorn (2012) miteinbezogen.

2.1 Erscheinungen der Negation im Deutschen

Zu der Rolle und Bedeutung der Negation in natürlichen Sprachen führt Weinrich (vgl. 2005: 861) folgende Überlegungen an: für das richtige Verständnis der sprachlichen Äußerungen ist es unentbehrlich, dass Sprachbeteiligte ihre Erwartungen bezüglich der Gesprächsinhalte miteinander abstimmen können, indem die Letzten bestätigt oder zurückgewiesen werden. Dafür stehen sprachliche Mittel der Affirmation (Bejahung) und der Negation (Verneinung) zur Verfügung. Dieses Kapitel skizziert die Negationsmittel der deutschen Sprache unter unterschiedlichen Aspekten.

Dem Gegenstandsbereich der Negation in natürlichen Sprachen sind vier Negationserschei- nungen zuzuordnen: die kommunikative (pragmatische), die lexikalische, die morphologische Erscheinungen und die Erscheinung der Syntax (vgl. Duden 2005: 920). Nicht alle Negationsarten benutzen Negationselemente wie nicht, kein, niemand, um eine Verneinung anzudeuten. Dies kann überdies sprachlich indirekt ausgedrückt werden, sodass die Negation aus dem Kontext erschlossen werden muss. Indirekte Zurückweisungen gehören zu dem kommunikativen bzw. pragmatischen Bereich und werden in der Regel in der Alltagskommunikation verwendet. Damit werden nicht nur solche Ausrücke wie (1) gemeint, sondern auch solche Elemente der Gestik und Mimik, die eine der wichtigsten Grundlagen der zwischenmenschlichen Verständigung bilden. In dem folgenden Beispiel würde das Kopfschütteln ebenso eine negative Antwort signalisieren und somit den sprachlichen Ausdruck ersetzen. Dieses Phänomen bezeichnet Hentschel (vgl. 2011: 12) als nonverbale Negation, die zusammen mit negierenden Interjektionen (mh-mh, Schnalzlaut) zu den nonverbalen Zeichen zugeordnet wird.

(1) Lena: Kommst du mit mir in die Bibliothek? Anna: Ich muss meine Oma im Krankenhaus besuchen.

Der lexikalischen Erscheinung werden in der Duden-Grammatik (vgl. 2005: 920) Antonyme mit impliziter Negation (2a) sowie Verben (2b) zugeordnet, welche eine negierende Rede kommentieren. Diese Art von Verben wird in Helbig/Buscha (vgl. 2013: 544f.) als impliziter lexikalischer Negationsträger bezeichnet.

(2) a. Lena: Bist du noch hungrig? Anna: Ich bin schon satt.

b. Max stritt ab, Anna am Abend gesehen zu haben.

Die morphologische Negation ist durch das Anfügen von Negationselementen gekennzeichnet. Unter den Wortbildungsmitteln sind verschiedene Affixe für Verben (ent-; ver-; ab-), Substantive (un-; a-; in-) und Adjektive (des-; dis-; -los; -frei) zu finden (vgl. ebd.: 544).

Die Erscheinung der Negation in der Syntax bezieht sich hauptsächlich auf das Vorkommen von Negationswörtern im engeren Sinne, unter denen unterschiedliche Wortarten aufzufinden sind: Negationspartikel „nicht“, Adverbien (nie, niemals, nirgendwohin etc.), substantivische Pronomina (keiner, niemand, nichts), Artikelwörter (kein, keinerlei), der Satzäquivalent „nein“, Konjunktionen (weder…noch) und Modalwörter (keinesfalls, keineswegs) (vgl. ebd.: 545). In der Duden-Grammatik werden noch Präpositionen und Subjunktionen (ohne, ohne dass, außer dass, statt dass etc.) zu dieser Kategorie zugeordnet, die sich jedoch an der Schwelle zur lexikalischen Negation befinden (vgl. Duden 2005: 922).

Negationswörter aus verschiedenen Klassen unterscheiden sich in Hinsicht auf ihre syntaktische Funktion: die meisten Elemente können als Satzglieder fungieren (z.B. Adverbien, Pronomina, Modalwörter), während manche von ihnen (Artikelwörter, Konjunktionen, Subjunktionen und Präpositionen) in der Rolle eines Satzglieds nicht denkbar sind (vgl. Helbig/Buscha 2013: 545). Blühdorn bezeichnet Negationswörter mit der Satzgliedfunktion als „[…]semantisch stärkere sowie morphologisch und prosodisch schwerer[e]“ Ausdrücke im Vergleich zu „nicht“ (Blühdorn 2012: 46f.). Da die Negationspartikel kein Satzgliedstatus hat, neigt sie dazu, unakzentuiert zu verbleiben. Darüber hinaus weisen semantisch „stärkere“ Negationsausdrücke mehr syntaktische Flexibilität bei der Vorfeldbesetzung auf (Blühdorn 2012: 47).

In dem weiteren Verlauf der Arbeit wird der Fokus auf den syntaktischen Bereich der Negation gelegt, wobei die ganze Aufmerksamkeit der Negationspartikel „nicht“ und ihrer Stellung in dem deutschen Satz gewidmet wird.

2.2 Klassifikation

Um die Stellung von „nicht“ im Satz näher beschreiben zu können, muss eine weitere Klassifizierung der Negationsausdrücke in Bezug auf das verneinte Element eingeführt werden. Die Unterteilung in Satz- und Sondernegation wird sowohl in Helbig/Buscha (vgl. 2013) als auch in der Duden-Grammatik (vgl. 2005) vorgeschlagen. Im Zusammenhang mit der unternommenen Klassifizierung sind laut Duden (vgl. ebd.: 922f.) zwei Phänomene zu beachten: den Geltungsbereich (Skopus) der Negation und den Fokus der Negation.

Um den Skopus eines negierten Ausdrucks zu bestimmen, wird der ganze Satz in die Konstruktion „Es ist nicht der Fall, dass…“ umgewandelt, wobei der Skopus nach dem Komma beginnt. Dadurch werden Elemente aussortiert, welche nicht zu dem Geltungsbereich der Negation gehören. Wie im Beispiel (3) zu sehen ist, muss „leider“ außerhalb des Skopus bleiben, sonst wird ein nicht wohlgeformter Ausdruck produziert.

(3) Anna hat das Buch leider nicht gelesen.

- > *Es ist nicht der Fall, dass Anna das Buch leider gelesen hat.
- > Es ist leider nicht der Fall, dass Anna das Buch gelesen hat.

Jedoch erfolgt die eigentliche Unterscheidung zwischen Satz- und Sondernegation erst dann, wenn der Fokus der Negation festgelegt wird. Unter diesem Begriff wird ein Element im Satz verstanden, das entweder den ganzen Geltungsbereich oder lediglich einen Ausschnitt davon umfasst. Der Fokus gibt einen unzutreffenden Teil des Satzes wieder, der korrigiert werden muss, damit man zu einem nicht verneinten Ausdruck gelangen kann (vgl. ebd.: 923). Auf diesem Prinzip beruht das Verständnis der Satz- und Sondernegation. Der Fokus bei der

Satznegation bezieht sich auf das gesamte Prädikat zusammen mit anderen Satzgliedern, d.h. er entspricht dem ganzen Skopus der Negation, während der Fokus bei der Sondernegation nur einzelne Teile des Skopus betrifft (vgl. Helbig/Buscha 2013: 547), wie in (4) exemplarisch verdeutlicht wird.

(4) a. Es scheint, dass Otto die Schere nicht in die Schublade gelegt hat, sondern in den Müll geworfen hat.

b. Umschreibung:

Es scheint, dass es nicht der Fall ist, dass Otto die Schere in die Schublade gelegt hat. (Sondern es ist der Fall, dass Otto die Schere in den Müll geworfen hat). (vgl. Duden 2005: 923)

In dem oben angeführten Beispiel einer Sondernegation lassen sich der Skopus (grau hinterlegt) und der Fokus (unterstrichen) bestimmen. Die Konjunktion „sondern“ deutet auf den kontrastiven Fokus der Negation hin und dient gleichzeitig der Korrektur des Ausdrucks. Je nachdem was auf diese Art und Weise korrigiert wird, wird zwischen Satz- und Sondernegation unterschieden, da sie in der geschriebenen Sprache oft zusammenfallen und die gleiche Wortstellung aufweisen (5) (vgl. Duden 2005: 924).

(5) Otto hat glücklicherweise die Schere nicht in den Müll geworfen (sondern in die Schublade gelegt) (Satznegation).

Otto hat glücklicherweise die Schere nicht in den Müll geworfen (sondern unter den Tisch) (Sondernegation).

(Duden 2005: 924)

In dem Fokus können sowohl Satzglieder (5) als auch einzelne Wörter (6a) sowie Wortteile (6b) liegen. Somit wirkt die Sondernegation ausschließlich auf einzelne Elemente im Satz.

(6) a. Wir treffen uns nicht vor, sondern in der Bank.

b. Wir haben den Wagen nicht be-, sondern entladen.

(Wort)

(Präfix) (Helbig/Buscha 2013: 547)

2.3 Stellung von „nicht“ im deutschen Satz

2.3.1 Satznegation

Der Grund, warum eine Unterscheidung zwischen dem Skopus und dem Fokus der Negation unternommen wird, ist, weil allein der Fokus (und nicht der Skopus) für die Stellung von „nicht“ im Satz entscheidend ist. Im Duden wird eine allgemeine Regel diesbezüglich formuliert: „Die Negationspartikel nicht steht am linken Rand ihres Fokus“ (Duden 2005: 923). In Bezug auf diese Regel müssen Besonderheiten der Satznegation in einem Verbzweitsatz aufgezählt werden (vgl. ebd.: 925):

i. Nach dem topologischen Satzmodell (Pittner/Berman 2013) gehört die Negationspartikel in Verberst- und Verbzweitsätzen zum Mittelfeld, während das finite Verb in die linke Satzklammer gesetzt wird, sodass „nicht“ ans Satzende rückt. Die rechte Klammer bleibt dabei leer (7).

ii. ii) Wenn die rechte Satzklammer bei komplexen Prädikaten durch den zweiten Prädikatsteil besetzt ist, steht „nicht“ ebenfalls im Mittelfeld, und zwar unmittelbar vor der rechten Klammer (8a).

iii. iii) Adverbiale und prädikative Ergänzungen gehören ebenfalls zu dem Fokus der Negation, wobei „nicht“ vor diesen Satzgliedern steht (8b, 9b).

Je enger die Beziehung zwischen dem finiten und dem infiniten Elementen in einem Verbzweitsatz ist, desto weiter strebt das infinite Element topologisch vom finiten Verb weg. Dies kann bei Modalverben, Partikelverben sowie Prädikativen beobachtet werden. So verhält sich ebenfalls die Negationspartikel. Sie bildet eine Negationsklammer mit dem finiten Verb und tendiert deswegen dazu, am Satzende zu stehen (7) (vgl. Helbig/Buscha 2013: 549).

(7) Verbzweitsatz: [Anna] liest [das Buch] nicht. - *Anna nicht liest das Buch. - *Anna liest nicht das Buch.

(Duden 2005: 925)

Bei den komplexen Prädikaten ist die Klammer zwischen beiden Teilen des Prädikats stärker, als die Negationsklammer, daher strebt der zweite Prädikatsteil (Infinitiv, Partizip) zu dem Endplatz (8a). Dasselbe wird ebenfalls erwartet, wenn ein Prädikativum (8b) oder ein trennbares Verb (9a) vorhanden sind. Darüber hinaus haben obligatorische Direkt- (9b) und Ortsergänzungen (9c) sowie Elemente, die mit dem Verb eine enge semantische Einheit bilden (z.B. nominale Teile von Funktionsverbgefügen (9d), Objektsprädikative (9e), lexikalische Prädikatsteile (9f)), einen Anspruch auf die letzte Position im Satz (vgl. Blühdorn 2012: 38f.; vgl. Helbig/Buscha 2013: 549f.).

(8) a. Verbzweitsatz: Anna will das Buch nicht lesen.

b. Der Gärtner war nicht [der Mörder].

(Duden 2005: 925)

(9) a. Er reist heute nicht ab.

b. Er legt das Buch nicht auf den Tisch. - *Er legt das Buch auf den Tisch nicht.

c. Er wohnt nicht in Berlin. - *Er wohnt in Berlin nicht.

d. Er bringt das Stück nicht zur Aufführung. - *Er bringt das Stück zur Aufführung nicht.

e. Sie nennt ihn nicht fleißig. - *Sie nennt ihn fleißig nicht.

f. Sie fährt nicht Auto. - *Sie fährt Auto nicht.

(Helbig/Buscha 2013: 549f.)

Die Verbzweitsätze werden als Ausnahmen von der allgemeinen Regel (s. oben) behandelt, da in dem Fall „nicht“ als Satznegation mitten in dem Fokus oder rechts vom Fokus des negierten Ausdrucks steht. Die Erklärungen aus Helbig/Buscha (vgl.2013: 548f.) sind auf das topologische Satzmodell zurückzuführen. Dem Phänomen in den Beispielsätzen (10a, 10c) liegt die Annahme zugrunde, dass das Deutsche eine SOV-Sprache ist und dass die Verbzweitstellung im Satz nicht grundlegend in der Sprache ist (WALS). Aufgrund dessen muss man die Umformulierungsstrategien benutzen, um einen Verbletztsatz erzeugen sowie den Fokus der Negation korrekt bestimmen zu können (10b, 10d). Daraus kann geschlossen werden, dass lediglich die Verbbewegung im Satz stattfindet, sodass der Fokus gespalten wird. Dabei behält „nicht“ die Stellung im Satz und rückt an das Ende des Mittelfelds, wie es in (10) zu sehen ist.

(10) a. Verbzweitsatz: [Anna] liest [das Buch] nicht.

b. Umformulierung: Es ist nicht der Fall, dass Anna das Buch liest.

c. Anna will das Buch nicht lesen.

d. Umformulierung: Es ist nicht der Fall, dass Anna das Buch nicht lesen will. (Duden 2005: 925)

2.3.2 Sondernegation

In der Arbeit von Blühdorn (vgl. 2012: 35-38) werden ebenfalls unterschiedliche Möglichkeiten der Stellung des Negationsauselements im Sinne der Sondernegation ausführlich beschrieben, wobei betont wird, dass die Negationspartikel durch Flexibilität bezüglich der linearen Stellung im deutschen Satz gekennzeichnet ist. Dies wird durch zahlreiche Beispiele mit jeweils möglichen Lesarten dargestellt, die durch die Korrektur mit „sondern“ in geschweiften Klammern gezeigt werden (11). Als Sondernegation steht „nicht“ direkt vor dem negierten Ausdruck, d.h. es kann vor jedem Satzglied (außer Prädikat) vorkommen (vgl. ebd.: 35; Helbig/Buscha 2013: 549). Die Negation des Prädikats impliziert die Satznegation, deren Stellung oben bereits beschrieben wurde.

(11) a. Innenminister Meier will sich in dem neuerlichen Entführungsfall vor Beginn der Geheimverhandlungen den Forderungen der Terroristen nicht beugen. {sondern sich ihnen widersetzen} (Satznegation)

b. Innenminister Meier will sich in dem neuerlichen Entführungsfall vor Beginn der Geheimverhandlungen nicht den Forderungen der Terroristen beugen. {sondern den Appellen der Familienangehörigen} (Sondernegation)

c. Innenminister Meier will sich in dem neuerlichen Entführungsfall nicht vor Beginn der Geheimverhandlungen den Forderungen der Terroristen beugen. {sondern erst nach dem Scheitern der Verhandlungen} (Sondernegation)

d. Innenminister Meier will sich nicht in dem neuerlichen Entführungsfall vor Beginn der Geheimverhandlungen den Forderungen der Terroristen beugen. {sondern in den immer noch ungelösten Altfällen} (Sondernegation)

e. Nicht Innenminister Meier will sich in dem neuerlichen Entführungsfall vor Beginn der Geheimverhandlungen den Forderungen der Terroristen beugen. {sondern Justizminister Müller} (Sondernegation)

(Blühdorn 2012: 35)

Trotz einer großen Flexibilität bzgl. der Stellung im Satz kann nicht jede beliebige Position von der Negationspartikel besetzt werden. Wenn der Fokus der Negation nur ein Element eines Satzgliedes betrifft, muss „nicht“ als Sondernegation unter folgenden Umständen vor das ganze Satzglied gestellt werden (vgl. Duden 2005: 926):

i) Negiert wird eine Nominalphrase, die innerhalb der Präpositional- (12a, 12b) oder Konjunktionalphrase steht (12c).
ii) Negiert wird nur das Substantiv als Kern einer Nominalphrase (12d). iii) Negiert werden nachgestellte Attribute (12e, 12f).
iv) Negiert wird nur das Adjektiv in einer Verbindung aus Gradpartikel und Adjektiv (12g).

Folgende Beispiele einschließlich nicht wohlgeformter Ausdrücke stehen exemplarisch für die aufgelisteten Regeln:

(12) a. Sie steht nicht [vor [dem Haus]], sondern vor der Garage.

b. *Sie steht [vor nicht [dem Haus], sondern vor der Garage.

c. Er bekämpft die Psychologie nicht [als [Wissenschaft]], sondern als Religionsersatz.

d. Nicht [der neue Verteidiger], sondern der neue Torwart hat den Schiedsrichter beschimpft.

e. Ich habe nicht [den Schrank [aus Italien]], sondern den aus Frankreich gekauft.

f. *Ich habe [den Schrank [nicht aus Italien]], sondern den aus Frankreich gekauft.

g. Das Konzert war nicht [sehr schön], sondern sehr laut.

(Duden 2005: 926)

2.3.3 Verwendung von „nicht“ im Vorfeld.

Wie jeder andere Vertreter der Partikelklasse darf ebenso die Negationspartikel das Vorfeld nicht allein besetzen (13a, 13b). Dies ist ausschließlich in Verbindung mit einem Satzglied möglich (13c).

(13) a. *Nicht muss Maria später den Kindern das Frühstück in die Schule bringen.

b. *Sehr hätte Maria sich gern ein neues Kleid gekauft.

c. Nicht den Kindern muss Maria später das Frühstück in die Schule bringen {sondern den Lehrern}

(Blühdorn 2012: 85)

Jedoch ist die Position im Vorfeld nicht völlig ausgeschlossen und dann zulässig, wenn ein

Kontrastkontext vorliegt (14a), wobei die Negationspartikel sich wie das Adverb „keinesfalls“ verhält und somit den Satzgliedstatus erhält (14b). Eine andere Bedingung wäre die Verstärkung von „nicht“ durch weitere Abtönungspartikeln, z.B. schon gar (14c) und überhaupt (14d) (vgl. Blühdorn 2012: 37f., 78; vgl. Duden 2005: 927).

(14) a. Nicht hatte er seinesgleichen untern den Göttern, seinen Brüdern (deutsche Übersetzung eines altorientalischen Mythos).

b. Keinesfalls will ich jemand meine Meinung aufdrängen.

c. Schon gar nicht hatte er heimlich Massenvernichtungswaffen angehäuft, wie die USRegierung offiziell noch immer behauptet.

d. Überhaupt nicht gefiel mir der Duft der Farben.

(Duden 2005: 927)

Blühdorn (vgl. 2012: 85) weist außerdem darauf hin, dass eine Position im Vorfeld ebenfalls zulässig ist, wenn eine geeignete prosodische Gestaltung vorhanden ist (15). Jedoch wird darauf im weiteren Verlauf der Arbeit nicht weiter eingegangen, da dieses Phänomen in der Schriftsprache der Lerner nicht auffindbar ist.

(15) /NICHT muss maria später den kindern das FRÜH\stück in die schule bringen (Blühdorn 2012: 85)

2.3.4 Besonderheiten der ausgewählten Klassifikation

Es ist zu beachten, dass die Satz- und Sondernegation je nach der Stellung von „nicht“ bei bestimmten Satzgliedern oft zusammenfallen können. Dies ist der Fall, wenn das finite Verb über obligatorische Ergänzungen verfügt, die mit dem Verb eine Satzklammer bilden, während die Negationspartikel keinen Anspruch auf das Satzende hat und am rechten Rand des Mittelfelds bleibt. Dies wird in den Sätzen in (16) exemplarisch verdeutlicht.

Weiterhin wird „nicht“ sowohl vor als auch nach Präpositionalobjekten (16b) zugelassen. Wenn eine freie Kausalangabe als Präpositionalgruppe vorkommt, sind ebenfalls beide Positionen für das Negationswort erlaubt (16c). Allerdings kann „nicht“ ausschließlich hinter freien Kausalangaben stehen, wenn es sich um einzelne Adverbien handelt (16d) (vgl. Helbig/Buscha 2013: 550ff.).

Die durch ein Adverb (16e), durch ein Substantiv im Akkusativ (16f) oder auch durch eine Präpositionalgruppe (16g) repräsentierten Temporalangaben erlauben die Negation vor sowie nach sich, wobei ausschließlich bei Präpositionalgruppen ein Zusammenfall von Negationsarten denkbar ist.

(16) a. Er wohnt nicht in Berlin. (Satz-/Sonderneg.)

b. Er zweifelt nicht an seinem Vorhaben. (Satz-/Sonderneg.)

vs. Er zweifelt an seinem Vorhaben nicht. (Satz-/Sonderneg.)

c. Er erschien wegen des Essens nicht. (Satzneg.)

vs. Er erschien nicht wegen des Essens. (Satz-/Sonderneg.)

d. *Er erschien nicht deshalb.

vs. Er erschien deshalb nicht. (Satzneg.)

e. Er besuchte uns gestern nicht. (Satzneg.)

vs. Er besuchte uns nicht gestern, (sondern vorgestern). (Sonderneg.)

f. Der Autobus fährt nicht zwei Tage. (Sonderneg.)

vs. Der Autobus fährt zwei Tage nicht. (Satzneg.)

g. Er besucht mich am Abend nicht. (Satzneg.)

vs. Er besucht mich nicht am Abend. (Satz-/Sonderneg.)

(Helbig/Buscha 2013: 550 ff.)

2.3.5 Prosodie negationshaltiger Äußerungen

Ein wesentlicher Anteil von den im vorherigen Unterkapitel angeführten Beispielen deutet auf den relativ häufigen Zusammenfall von der Satz- und Sondernegation hin, wobei es in der Schriftsprache nicht mehr möglich ist, die beiden Arten auseinanderzuhalten. Die unternommene Klassifikation wird von vielen Autoren diesbezüglich als ungünstig und problematisch betrachtet (vgl. Jacobs 1982: 39-46, 251ff.; vgl. Stickel 1970: 45ff., 148ff.), jedoch konnte sie sich in Grammatikbeschreibungen bis heute durchsetzen. Obwohl diese Unterteilung für die Beschreibung von sprachlichen Strukturen in der Linguistik möglicherweise eine Reihe von Schwierigkeiten bereitet, passt sie für die Zwecke dieser Arbeit. Aufgrund dessen wird an dieser Stelle hinsichtlich der Unterscheidung zwischen Satz- und Sondernegation in den problematischen Fällen vorgeschlagen, die Akzentuierung und die Intonation in der gesprochenen Sprache zu berücksichtigen (vgl. Helbig/Buscha: 551; Duden 2005: 923ff.; Blühdorn 2012: 39).

In der vorliegenden Arbeit soll die Prosodie der Negationsausdrücke nicht weiter analysiert werden, jedoch ist dies ebenfalls beim Lesen von geschriebenen Texten ein entscheidender Faktor, welcher hilft, negationshaltige Äußerungen richtig zu interpretieren (vgl. ebd.: 40). Aus diesem Grund wurden im Rahmen der Korpusanalyse bei den Zweifelsfällen ebenfalls der Kontext und ein mögliches Prosodiemuster der Äußerung in Betracht gezogen, damit deren Ambiguität ausgeschlossen werden kann (vgl. Féry 2006). Auf diese Weise wird in einzelnen Fällen entschieden, ob es sich um die Satz- oder Sondernegation handelt.

2.4 Negation in slawischen Sprachen

2.4.1 Russisch

In der russischen Sprache werden[2] hauptsächlich dieselben Negationserscheinungen unterschieden wie im Deutschen: darunter sind pragmatische, lexikalische, morphologische und syntaktische Sprachmittel, wobei die letzte Art für diese Arbeit von Bedeutung ist und daher im Fokus dieses Unterkapitels liegt.

Die syntaktische Erscheinung der Negation impliziert Negationswörter im engeren Sinne und ihre Vorkommisse in negationshaltigen Äußerungen. Zu den Negationswörtern gehören Negativpronomen und Negativadverbien (s. Tabelle 1), welche von Interrogativpronomen und - adverbien mit Hilfe von ni und ne abgeleitet werden. Darüber hinaus gelten net/nein in Form von einer satzwertigen Antwort, die Negationspartikel ne/ni (nicht) sowie modale Zustandsträger nelzja (man darf/kann nicht) und nevozmožno (man kann nicht) ebenfalls als Negationswörter des Russischen (vgl. Kirschbaum 2006: 96, 99; Mulisch 1993: 254, 262, 274; Kirschbaum 2001: 219f., 225, 311; Kohl 2001: 78f., 233f.; Bendixen/Voigt 2003: 74f., 177- 180; Besters-Dilger 2012: 21ff.).

Eine der Besonderheiten der Negation im Russischen ist das Vorkommen von zwei Elementen der Negation im Satz. Ein Negationsadverb oder -pronomen erscheint zusammen mit dem eigentlichen Negationsträger - der Partikel ne - welcher die Gesamtaussage verneint. Es werden folgende Gebrauchsmöglichkeiten von ne unterschieden (vgl. Bendixen/Voigt 2003: 177-180).

1. Ne bei der Verneinung von Gesamtaussagen (17a) und Aussagekomponenten (17b), wobei die Negationspartikel unmittelbar vor dem zu negierenden Satzglied steht.
2. Wenn Negationsadverbien und -pronomen im Satz vorkommen, wird die Verneinung damit angekündigt oder wieder aufgenommen (17c), wobei die Anzahl von den die Verneinung wiederaufnehmenden Adverbien und Pronomen beliebig groß sein kann (17d).
3. Wenn ne zweimal im Satz erscheint, dann liegt eine doppelte Negation vor (17e).[3]
4. Ne kann in manchen Äußerungen als formale Ergänzung vorhanden sein (17f), wobei es beispielsweis ins Deutsche ohne Negation zu übersetzen ist. Aus diesem Grund wird auf solche Fälle in dieser Arbeit nicht weiter eingegangen.

(17) a. Oni ne čitajut. - *Sie nicht lesen[4]. - Sie lesen nicht.

b. On čitajet ne gazetu, a... - Er liest nicht die Zeitung, sondern…

c. Nikto ego ne videl. - *Niemand ihn nicht sah. - Niemand hat ihn gesehen.

d. Nikto nikogda ničego ne uznajet. - *Niemand niemals nichts nicht erfahren wird. - Niemand wird jemals etwas erfahren.

e. Ja ne mog ne wozražat´. - *Ich nicht konnte nicht widersprechen. - Ich musste geradezu widersprechen.

f. Ja ždu, poka on ne pridjot. - *Ich warte, bis er nicht kommt. - Ich warte, bis er kommt. (Bendixen/Voigt 2003: 177f.)

Die Negationspartikel ni kann eine bereits vorliegende Verneinung mit ne verstärken (18a) und der Konstruktion „weder…noch“ (18b) entsprechen, wobei zusätzlich die Partikel ne beim Verb vorliegt. Darüber hinaus kann ni die Negationsbedeutung in seltenen Fällen alleine tragen (18c) und Sätze besonders expressiv erscheinen lassen (vgl. ebd.: 179f.).

(18) a. Ne skažu ni slowa. - Ich werde kein (kein einziges/auch nicht ein einziges) Wort sagen.

b. On ni wčera, ni segodnja ne wstretil ejo. - Er hat sie weder gestern, noch heute getroffen.

c. Ni zwuka! - Keinen Mucks!

(Bendixen/Voigt 2003: 179f.)

Negativadverbien und -pronomen auf ne- unterscheiden sich von denen auf ni- dadurch, dass sie ausschließlich in unpersönlichen Konstruktionen bzw. in Infinitivsätzen gebraucht werden und dass sie keine Verstärkung der Verneinung im Satz ermöglichen. Wie Negationswörter auf ni- weisen sie ebenfalls darauf hin, dass bestimmte Personen, Gegenstände oder Merkmale nicht existieren. Da bestimmte Bedingungen nicht erfüllt sind, kann die Handlung nicht ausgeführt werden, welche als Infinitiv im Satz dargestellt wird (19) (vgl. Kirschbaum 2001: 220, 225; Bendixen/Voigt 2003: 180).

(19) a. Nekogo sprosit´. - Es ist niemand da, den man fragen könnte.

b. Emu vsegda nekogda. - Er hat nie Zeit.

(vgl. Kirschbaum 2001: 220, 225)

Eine äquivalente Klassifikation im Russischen, die der deutschen Einteilung in die Satz- und Sondernegation entspricht, ist die Unterscheidung zwischen der partiellen und generellen Negation in Bezug auf eine Proposition, jedoch gibt es gewisse Abweichungen von der deutschen Unterteilung.

Laut Besters-Dilger (vgl. 2012: 41f.) muss an dieser Stelle eine weitere Untergliederung hinsichtlich der partiellen Negation unternommen werden, was in der deutschen Klassifikation nicht vorhanden ist. Einerseits kann eine einfache partielle Negation vorliegen. In dem Fall handelt es sich um eine Entsprechung der Sondernegation ohne im Nachhinein folgende Korrektur (20a). Andererseits kann eine partielle Negation ebenso erweitert vorkommen, wobei eine gegenübergestellte Korrektur des verneinten Elements involviert ist (z.B. mit der Konjunktion sondern) (20b). Jedoch wurde festgestellt, dass über 60% aller Treffer der partiellen Negation erweitert vorkommen. Darüber hinaus kann die Korrektur erst im nächsten Satz aufgenommen werden, sodass der Kontext berücksichtigt werden muss, um die Art der Negation richtig zu definieren. Aus diesem Grund wird die einfache partielle Negation eher als Ausnahme betrachtet, da sie seltener vorkommt (vgl. ebd.: 257). Dabei ist hervorzuheben, dass in beiden Fällen jedes Satzglied im Satz der Negation unterliegen kann (mit Ausnahme von Prädikat) und dass es eine kontrastive Betonung tragen soll.

(20) a. (…), on umer ešče ne starym, do šestidesjati, (…). - Er ist nicht als alter Mann gestorben, er war knapp 60.

b. Ne ty, a inaja/ provožajet menja do sich por. - Nicht du, sondern die andere (Frau) begleitet mich bis heute hinaus.

(Besters-Dilger 2012: 34, 42)

Die Stellung der Negationspartikel bei der partiellen Negation ist nicht willkürlich und unterliegt einigen Beschränkungen. Folgende Positionen sind untersagt (vgl. ebd.: 235):

1. zwischen einer Präposition und einem Substantiv (21a).

2. zwischen einem adjektivischen Attribut und einem Substantiv (auch dann, wenn lediglich das Substantiv im Fokus der Negation steht) (21b).

(21) a. *Ja položil eto v ne korobku. - Ja položil eto ne v korobku. - Ich habe es nicht in einen Karton gelegt.

b. *Ja videl krasnuju ne mašinu, a beluju. - Ja videl ne krasnuju mašinu, a beluju. - Ich habe nicht ein rotes Auto gesehen, sondern ein weißes.

Die generelle Negation impliziert, dass die Verneinung des einzigen Prädikats im Satz stattfindet, wobei keine Korrektur erforderlich ist und das verneinte Element keine kontrastive Betonung aufweist (vgl. ebd.: 42). Dabei hat ne vor dem finiten Element zu stehen, wie bei der Verneinung von einzelnen Satzgliedern (22).

(22) a. Ot tebja ja ne otstanu. - Ich werde dich nicht in Ruhe lassen.

b. No etogo, k našej radosti, ne slučilos’. - Es ist erfreulicherweise nicht passiert. (Besters-Dilger 2012: 42)

Von der Negation können jedoch nicht nur Vollverben, sondern auch Kopulaverben betroffen sein. Im Deutschen wird der Negator nicht in dem Fall danach gesetzt (23). Da im Russischen alle finiten Verbformen von „jest’/sein“ in der Gegenwartsform aufgrund des Zusammenfalls mit dem Infinitiv ausgelassen werden, kann die genaue Stellung der Partikel ne in Bezug auf das Prädikat nicht identifiziert werden (24a). Die Situation verändert sich in der Vergangenheitsform, in welcher das Kopulaverb nicht mehr fehlen darf. In dem Beispiel (24b) wird deutlich, dass die Negationspartikel ebenfalls vor dem Kopulaverb zu stehen hat, genauso wie vor einem Vollverb. Das betrifft ebenso Modalverben (24c) (vgl. Dimroth 2008: 120).

(23) a. Er ist nicht dort.

b. Er wird nicht Rechtsanwalt.

(Helbig/Buscha 2013: 549f.)

(24) a. Jan ne bol’šoj. - *Jan nicht groß. - Jan ist nicht groß.

b. Jan ne byl bol’šim. -*Jan nicht war groß. - Jan war nicht groß.

c. Jan ne chočet jechat’ v Moskvu. - *Jahn nicht will fahren nach Moskau. - Jah will nicht nach Moskau fahren.

(Dimroth 2008: 120)

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Negationspartikel „ne“ im Russischen immer vor dem negierten Element erscheint, und dies ganz unabhängig davon, welche Negationsart (partielle, generelle Negation) vorliegt und welches Verb (Voll-, Kopula-, Hilfs- oder Modalverb) vorkommt.

2.4.2 Polnisch

Nicht viel anders als im Deutschen werden im Polnischen unter verbalen Möglichkeiten ebenfalls zwischen Wortbildungsmitteln, Konjunktionen und Negationswörtern in der Syntax differenziert wird. Laut Skibicki (vgl. 2007: 465) seien in den Negationsmechanismen des Polnischen erhebliche Unterschiede im Vergleich zu den deutschen Mitteln festzustellen. Darunter fällt beispielsweise nicht nur die prosodische Gestaltung der Äußerung, welche bei der Negation im Polnischen von keiner großen Bedeutung ist, sondern auch syntaktische Abweichungen, welche im Verlauf des Kapitels aufgeführt werden.

Die wichtigsten Negationswörter, über die das Polnische verfügt, sind Negativpronomen und - adverbien, wobei die letzten größtenteils den deutschen Übersetzungen entsprechen (s. Tabelle 1). Jedoch lassen sich der Gebrauch von Pronomina (nic, nikt, żaden und niczyj) und ihre Bedeutungen nicht eindeutig ihren deutschen Äquivalenten einordnen. Nic wird meist als nichts übersetzt (25a), kann jedoch seltener als kein auftreten, wobei es lediglich mit Sachbezeichnungen in Verbindung gebracht wird. Nikt (niemand) bezieht sich auf maskuline Personen (25b) oder wird als keiner gebraucht (25c). Żaden entspricht einerseits den Formen keins, keine, keiner (25d), könnte jedoch mit den Anwendungsbereichen von niemand zusammenfallen (25e). Laut den Beschreibungen von Skibicki (vgl. ebd.: 469f.) überschneiden sich die Negativpronomen hinsichtlich ihrer Gebrauchsmöglichkeiten und sind in manchen Kontexten austauschbar (25b, 25e).

(25) a. Nic go nie interesuje. - *Nichts ihn nicht interessiert - Nichts interessiert ihn.

b. Nikt nie przyszedł. - *Niemand nicht kam. - Niemand ist gekommen-

c. Nikt z nas tam nie był. - *Keiner von uns dort nicht war. - Keiner von uns ist dort gewesen.

d. Żadna z obecnych nas nie widziała. - *Keine der Anwesenden uns nicht sah. - Keine der Anwesenden hat uns gesehen.

e. Żaden nie przychodzi. - *Niemand nicht kommt. - Niemand kommt.

(Skibicki 2007: 470)

Unter den Anwendungsbereichen der Negationspartikel nie/nicht/nein lassen sich folgende Vorkommnisse unterscheiden: nie als Satzäquivalent in Form von einer Antwort auf eine Entscheidungsfrage sowie nie als Satz- und Sondernegation (vgl. ebd.: 466). Die letzten zwei Funktionen müssen an dieser Stelle näher betrachtet werden. Obwohl nie im Polnischen und nicht im Deutschen in dem Fall die gleiche Funktion haben, weisen die Stellungsregeln dieser Negationspartikeln einige wesentliche Unterschiede auf.

Wenn es sich um die Satznegation handelt, kommt nie unmittelbar vor dem finiten Verb vor (26a), auch wenn ein Kopulaverb (26b) oder ein mehrteiliges Prädikat vorliegen (26c, 26d). Dabei ist zu betonen, dass die Stellung des Prädikats im Satz keinen Einfluss auf die Stellung von nie ausüben kann. Mehrteilige Prädikate können entweder mit einem Auxiliar und einem nominalen Teil gebildet werden (26c), oder aus einer finiten und einer infiniten Verbformen bestehen (26d, 26e). Weiterhin ist hervorzuheben, dass eine andere Stellung des Negators zulässig ist, und zwar bei einigen Modalverben (26f, 26g). Jedoch hat so eine Position in diesem Fall semantische Veränderungen als Folge (vgl. Bartnicka 2004: 503).

(26) a. Zofia nie przyszła. - *Zofia nicht kam. - Zofia kam nicht.

b. Janek nie jest zdolny. - *Janek nicht ist begabt. - Janek ist nicht begabt.

c. Praca nie została wykonana. - *Die Arbeit nicht ist erledigt. - Die Arbeit ist nicht erledigt.

d. Nie będę spać. - *(Ich) nicht werde schlafen. - Ich werde nicht schlafen.

e. Nie zacząłem czytać. - *(Ich) nicht anfing lesen. - Ich habe nicht angefangen zu lesen.

f. Nie mogę czekać. - *(Ich) nicht kann warten. - Ich kann nicht warten.

g. Mogę nie czekać. - *(Ich) kann nicht warten. - Ich brauche nicht zu warten.

(Bartnicka 2004: 503)

Bei der Sondernegation steht die Negationspartikel genauso wie im Deutschen direkt vor dem

negierten Satzglied bzw. Satzgliedteil (vgl. ebd.: 503; Skibicki 2007: 467). Dabei wird eine Korrektur des gemeinten Elements erwartet (27a), ist aber nicht obligatorisch (27b).

(27) a. Nie ja tam byłam, ale siostra. - Nicht ich war dort, sondern meine Schwester.

b. Kochałem nie ciebie. - (Ich) liebte nicht dich.

(Skibicki 2007: 467)

Eine weitere Besonderheit, die mit nie und Negativpronomen und -adverbien in Zusammenhang gebracht wird, ist das obligatorische Vorkommen beider Verneinungselemente zusammen in einem Satz. Dabei handelt es sich jedoch nicht um die doppelte Verneinung, wie es sich beispielsweise im Deutschen zeigen würde (28a), sondern um die Wiederaufnahme des negierten Ausdrucks (28b, 28c) (vgl. ebd.: 466).

(28) a. Niemand hat nichts gesehen. - Jeder hat etwas gesehen.

b. Nikt go nie widział. - *Niemand ihn nicht sah. - Niemand hat ihn gesehen.

c. Nic o tym nie słyszeliśmy. - *(Wir) nichts davon nicht hörten. - Wir haben nichts davon gehört.

(Skibicki 2007: 467)

Alle Beispiele deuten darauf hin, dass die Negationspartikel nie im Polnischen dem verneinten Element immer vorangestellt wird, d.h. bei der Sondernegation - vor einer Konstituente, bei der Satznegation - vor dem Prädikat, welches durch sämtliche Arten von Verben repräsentiert werden kann.

2.4.3 Zusammenfassender Vergleich mit dem Deutschen

Dieses Unterkapitel verfolgt als Ziel, eine kurze Zusammenfassung von Gemeinsamkeiten der Negation in slawischen Sprachen am Beispiel des Russischen und des Polnischen darzustellen sowie Abweichungen von deutschen Negationsregeln bezüglich der Position von nicht zu erörtern.

Sowohl im Polnischen als auch im Russischen wird genauso wie im Deutschen über die Satz- und Sondernegation gesprochen, wobei dies im Russischen als generelle und partielle Negation mit weiterer Unterteilung in die einfache und erweiterte partielle Negation bezeichnet wird (s. Kapitel 2.4.1). Aufgrund dieser Gemeinsamkeit zwischen den slawischen Sprachen und dem Deutschen kann gefolgert werden, dass den Sprachen grundsätzlich betrachtet ähnliche Mechanismen der Negation zur Verfügung gestellt werden. Sprecher aller drei Sprachen sind in der Lage, sowohl jedes einzelne Satzglied oder Satzgliedteil, als auch das Prädikat und damit die Handlung im Satz zu verneinen. Im Gegensatz dazu steht die Tatsache, dass syntaktische

Mittel der slawischen Sprachen und des Deutschen recht unterschiedlich sind und bei der näheren Betrachtung wenige Entsprechungen zwischen einander aufweisen. Anhand von allen bereits erwähnten Grammatiken beider slawischen Sprachen wurde folgende Tabelle mit der Übersicht über die Negativpronomen und -adverbien in slawischen Sprachen mit deutschen Übersetzungen erstellt.

Tabelle 1 :Negativpronomen und -adverbien des Russischen, Polnischen und Deutschen im Vergleich

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Rolle dieser Art von Negationswörtern darf in der Syntax nicht unterschätzt werden, da die Negatoren im Polnischen (abgesehen von „nie ma …“-Äußerungen) und die Negatoren auf ni- im Russischen mit der Negationspartikel ne/nie am Prädikat obligatorisch vorkommen, obwohl keine doppelte Verneinung, sondern eine Besonderheit der Syntax in slawischen Sprachen vorliegt. Nach Besters-Dilger (vgl. 2012: 335f.) wird diese Erscheinung als mehrfache Negation bezeichnet: das Vorkommen von Negationsadverbien und -pronomen ist nicht möglich, ohne dass das Prädikat zusätzlich durch die Partikel negiert wird. Dieses Merkmal ist im Deutschen nicht vorhanden, da Sätze mit doppelter Verneinung meistens keine Negation sondern eine Affirmation zu äußern haben (Niemand hat nichts gehört = Jeder hat etwas gehört).

Die Stellung der Negationspartikel ist in den slawischen Sprachen bei der Sondernegation identisch, und zwar unmittelbar vor dem negierten Ausdruck. Dieselben Konstruktionen sind im Deutschen ebenfalls aufzuweisen. Was die Satznegation betrifft, zeigen die Sprachen weniger Gemeinsamkeiten. Während die Negationspartikel im Deutschen dazu tendiert, am Ende des Mittelfeldes und im Hauptsatz grundlegend nie vor dem finiten Verb zu stehen, erhält ne/nie in den slawischen Sprachen die „pre-finite“ Position bei jeglicher Art von Verben (vgl. Dimroth 2008: 120). Dies soll ein gravierender Unterschied in dem Syntaxbereich der Sprachen sein.

2.5 Interferenz, Transfer und die Negation

In dem ersten Teil der Arbeit wurden theoretische Hintergründe des Negationsphänomens des Deutschen und zwei slawischer Sprachen (des Russischen und des Polnischen) erörtert. Dies wurde nicht zum Zweck einer kontrastiven Analyse der Sprachen getan, sondern für die Ermittlung der potentiellen Schwierigkeiten hinsichtlich der Stellung der Negationspartikel im deutschen Satz, die aufgrund von Abweichungen in den syntaktischen Strukturen resultieren. Dadurch lässt sich die Auslassung gewisser sprachlicher Phänomene erklären, welche aus den Bereichen Morphologie und Lexik stammen und für die Erscheinung der Negation generell von Bedeutung sind, jedoch für die vorgenommene Analyse als nicht relevant gelten.

Der Begriff der Interferenz in der Lernpsychologie impliziert die Hemmung oder eine andere Art Beeinflussung des Lernvorgangs durch Lernprozesse, welche bereits stattgefunden haben. Bezogen auf den Fremdsprachenerwerb wird davon ausgegangen, dass von der grammatischen Norm der Zielsprache abgewichen wird, was zu den Fehlern in der Sprachproduktion führt. Diese Fehler, welche sich aufgrund von der Vertrautheit mit den Strukturen aus anderen Sprachen ergeben, werden mit der Interferenz in Verbindung gebracht. Dabei unterscheidet man zwei Einflussrichtungen: die Interferenz der L1 auf die L2, und die umgekehrte Variante: die Interferenz der L2 auf die L1 (vgl. Bordag 2006: 26ff.). Im Fokus dieser Arbeit steht der Einfluss einer slawischen Muttersprache am Beispiel des Russischen und des Polnischen auf die Zielsprache Deutsch im Bereich der syntaktischen Negation. So soll dieses Unterkapitel dazu dienen, die grundlegenden Begriffe der Interferenz und des Transfers zu erläutern, damit sie als Bezugspunkt bei der Hypothesenaufstellung fungieren können.

Von der Interferenz unterscheidet sich das Phänomen des Transfers wie folgt. Im Vergleich

zur Interferenz entsprechen beim Transfer muttersprachliche Strukturen den L2-Strukturen, was zu einer fehlerfreien Äußerung führt, ohne dass Strukturen explizit gelernt werden müssten. Die zwei Erscheinungen sind jedoch im Grunde genommen nicht völlig entgegengesetzte, sondern ähnliche Prozesse, da sie zu einem gemeinsamen kognitiven Mechanismus zurückzuführen sind. In beiden Fällen werden Strukturen aus der L1 übernommen und auf die L2 übertragen. Dieser Mechanismus darf jedoch nicht als rein mechanisch betrachtet werden, da er tief in kognitiven Strukturen der Lerner verankert ist. Somit gilt er als Basis des Fremdsprachenerwerbs (vgl. ebd.: 26f.).

Interferenzfehler in der Sprachproduktion können sich ebenfalls unabhängig von der Muttersprache entwickeln und weit über die Grenzen einer L1 hinausgehen. Das bedeutet, dass mehrere Fremdsprachenlerner gleiche Fehler produzieren können, obwohl sie unterschiedliche Muttersprachen haben. In dem Fall wird über die intralinguale Interferenz gesprochen, während die Fehler, welche ausschließlich bei der Gruppe von Lernern mit einer gemeinsamen L1 auftreten, durch die interlinguale Interferenz bedingt sind (vgl. ebd.: 31). Welche Art von Fehlern häufiger vorkommt, ist eine umstrittene Frage, da Forscher diesbezüglich unterschiedliche Ergebnisse[5] erhalten. Die Studie von Ellis (vgl. 1994: 60) hat beispielsweise nicht nur Beweise für das häufigere Auftreten von intralingualen Fehlern geliefert, sondern auch einen deutlichen Bezug der fehlerhaften Äußerungen zu den Sprachniveaus demonstriert. Er schließt, dass interlinguale Fehler öfter von den Anfängern gemacht werden, während die intralinguale Interferenz eher Lerner auf der Mittelstufe und Fortgeschrittene betrifft. Zu dem ähnlichen Ergebnis kam ebenfalls Kettemann (1980).

Die intralingualen Fehler resultieren in der Regel aus den bereits erlernten oder häufig vorkommenden Elementen bzw. Strukturen der L2 selbst, welche einen Einfluss auf die später erlernten oder nicht häufig gebrauchten Elemente bzw. Strukturen der L2 ausüben. Dies führt oft zu den Übergeneralisierungen[6] (vgl. Richards 1971) und Simplifizierungen[7] (vgl. George 1972). Obwohl die intralinguale Interferenz bei der Analyse nicht außer Acht gelassen werden darf, liegt in der vorliegenden Arbeit die interlinguale Interferenz bei slawischen Muttersprachlern im Vordergrund. Es wird zwischen der positiven und der negativen Interferenz unterschieden.

[...]


[1] Mehr über Negationsstrategien in diversen Sprachen der Welt s. in WALS-Online (Leipzig: Max Planck Institute for Evolutionary Anthropology).

[2] In allen sprachlichen Beispielen wird bei der Transliteration der DIN-Normierung gefolgt.

[3] Bei Kohl (2001: 78) wird als doppelte Negation das Vorkommnis von Negationspronomen und ne im Satz bezeichnet. Um terminologische Klarheit zu sichern, wird der Begriff der doppelten Negation aus Bendixen/Voigt (1999) übernommen, laut dem ne zweimal im Satz erscheint. 11

[4] Jedes Beispiel wird ggf. mit einer wörtlichen Übersetzung ins Deutsche versehen, damit die Bedeutung des Satzes und die Position der Negationspartikel nachvollziehbarer dargestellt werden können.

[5] Laut Flick (vgl. 1980) werden mehr interlinguale Fehler gefunden, während die Ergebnisse von Dulay/Burt (vgl. 1974) für die größere Häufigkeit der intralingualen Fehler sprechen.

[6] Dazu gehört unter anderem die Konjugation von starken Verben nach dem Konjugationsmuster der schwachen Verben.

[7] Dazu gehört unter anderem die komplette Auslassung von Plural- und Kasusmarkern oder auch fehlende Konjugation von Verben, wobei nur Infinitive verwendet werden.

Ende der Leseprobe aus 88 Seiten

Details

Titel
Stellungsvariationen des Negationspartikels "nicht" in der Lernersprache
Untertitel
Eine Analyse von Texten russischer und polnischer Muttersprachler aus dem MERLIN-Korpus
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
88
Katalognummer
V376905
ISBN (eBook)
9783668631465
ISBN (Buch)
9783668631472
Dateigröße
1414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Negationspartikel, "nicht", Lernersprache, russisch, polnisch, MERLIN-Korpus
Arbeit zitieren
Irina Prutskova (Autor), 2017, Stellungsvariationen des Negationspartikels "nicht" in der Lernersprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376905

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