Hannah Arendt war eine jüdische, amerikanisch-deutsche Theoretikerin der Politikwissenschaften. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich im ersten Teil mit Arendts Hauptwerk "Vita Activa oder Vom tätigen Leben". Sie geht darin der Frage nach, "was wir tun, wenn wir tätig sind". Dabei werden Arendts Thesen besonders im Zusammenhang zu ihrer Sicht auf Arbeit als ein Teil der vita activa und die Entwicklung der heutigen "Arbeitsgesellschaft" beleuchtet.
In einem zweiten Teil werden die Ideen des Autoren Johano Strasser vorgestellt, der auf einer These Arendts aufbaut und der in seinem Buch die Entwicklungschancen einer "Arbeitsgesellschaft", wie Arendt einst die neuzeitliche Gesellschaft beschrieb, ableitet, die nicht mehr ausreichend beschäftigt werden kann. Abschließend werden die aktuellen Tendenzen zur Reduktion der Arbeitszeit behandelt und genauer beleuchtet, ob sich die Vermutungen und Hoffnungen Arendts und Strassers hinsichtlich einer arbeitsfreien Freizeitbeschäftigung heute realisieren lassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vita Activa
2.1 Kurzbiografie Hannah Arendt
2.2 Vita Activa oder vom tätigen Leben
2.2.1 Der Raum des Öffentlichen und der Bereich des Privaten
2.2.2 Arbeiten, Herstellen und Handeln
2.2.3 Erstes Zwischenfazit
3. Wenn der Arbeitsgesellschaft die Arbeit ausgeht
3.1 Problem der steigenden Arbeitslosigkeit
3.2 Das Ende der Arbeitsgesellschaft
3.3 Zweites Zwischenfazit
4. Aktuelle Entwicklungen der Arbeitsgesellschaft
4.1 Arbeitszeitentwicklung
4.2 Beliebte Freizeitbeschäftigungen
5. Gesamtfazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die gesellschaftstheoretischen Ansätze von Hannah Arendt in ihrem Werk „Vita Activa“ und setzt diese in Bezug zur modernen Arbeitsgesellschaft sowie den Thesen von Johano Strasser. Ziel ist es, die Entwicklung der Arbeitsgesellschaft kritisch zu hinterfragen, die Bedeutung von Arbeit und Freizeit zu analysieren und zu prüfen, ob die Vision einer arbeitsfreien, aber gesellschaftlich aktiven Lebensweise heute Realität werden kann.
- Analyse der drei Grundtätigkeiten der vita activa: Arbeiten, Herstellen und Handeln.
- Untersuchung der Krise des Politischen durch die Transformation zur Arbeitsgesellschaft.
- Diskussion von Lösungsansätzen gegen Massenarbeitslosigkeit durch Arbeitszeitverkürzung.
- Empirische Betrachtung aktueller Trends in der Arbeitszeitgestaltung in Deutschland und den USA.
- Evaluation des Freizeitverhaltens im Hinblick auf Konsum versus gemeinschaftliches Engagement.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Der Raum des Öffentlichen und der Bereich des Privaten
Die Unterscheidung des öffentlichen und des privaten Raumes ist für Arendts Politikverständnis wesentlich. Neben der Verwandlung der Gesellschaft in eine Arbeitsgesellschaft, sieht Arendt die Verdrängung des öffentlichen Raumes durch den Privaten als grundsätzliches Problem der Neuzeit. Bereits im antiken, griechischen Stadt-Staat unterschied man zwischen „privat“ und „öffentlich“. Der Haushalt („oikos“) galt dort als privat und der Raum des Poltischen („polis“) als öffentlich. Beide Bereiche waren klar voneinander abgegrenzt. Laut Arendt entstand der gesellschaftliche Raum erst in der Neuzeit und manifestierte seine politische Form im Nationalstaat. Der private Raum zeichnet sich bei Arendt durch die Abwesenheit von anderen Menschen aus und ist ein Raum, der ausschließlich der Sicherung der Lebensnotwendigkeiten dient (Ernährung, Fortpflanzung, Erholung). Nach dem antiken Vorbild war dieser Raum bestimmt von natürlicher Ungleichheit, von notwendiger Arbeit, erledigt von Sklaven. Innerhalb dieses Haushaltsbereichs konnte es keine Freiheit geben, da der Mensch hier selbst beherrscht und beherrscht wurde. Der öffentliche Raum wiederum ist der Bereich menschlicher Angelegenheiten, der nicht privat ist; ein Raum des Sehens und Gesehenwerdens. Dieser ist im Gegensatz zum Haushalt vor Herrschaft geschützt und ein Ort der Freiheit und des Rechts. In diesem Bereich herrscht Gleichheit, also keine Befehlsgewalt über andere und nur dort kann die Tätigkeit des Handelns ausgeübt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in Hannah Arendts Auseinandersetzung mit der Arbeitsgesellschaft ein und stellt das Ziel der Arbeit vor, Arendts Thesen mit den Ansätzen von Johano Strasser zu verknüpfen.
2. Vita Activa: Das Kapitel erläutert Arendts Unterscheidung der drei Grundtätigkeiten des Menschen und warnt vor der Reduktion des menschlichen Lebens auf reine Arbeit und Konsum.
3. Wenn der Arbeitsgesellschaft die Arbeit ausgeht: Hier werden Johano Strassers Lösungsansätze gegen die Massenarbeitslosigkeit vorgestellt, wobei der Fokus auf Arbeitszeitverkürzung und einem Wandel der Arbeitsethik liegt.
4. Aktuelle Entwicklungen der Arbeitsgesellschaft: Dieses Kapitel vergleicht die Arbeitszeitentwicklung in Deutschland und den USA und analysiert reale Freizeitbeschäftigungen im Hinblick auf Arendts Thesen zur Konsumgesellschaft.
5. Gesamtfazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Arendts Diagnose der Arbeitsgesellschaft und die Forderung nach einer Stärkung des öffentlichen Raumes angesichts dominanter Konsumtendenzen weiterhin hochaktuell sind.
Schlüsselwörter
Hannah Arendt, Vita Activa, Arbeitsgesellschaft, Arbeit, Handeln, Herstellen, Konsum, Freizeit, Öffentlicher Raum, Arbeitslosigkeit, Johano Strasser, Politische Gestaltung, Entweltlichung, Erwerbsarbeit, Ehrenamt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die gesellschaftskritischen Thesen von Hannah Arendt zum „tätigen Leben“ (vita activa) und deren Relevanz für die heutige Arbeitsgesellschaft im Kontext fortschreitender Automatisierung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Differenzierung zwischen Arbeiten, Herstellen und Handeln sowie der kritischen Analyse des Stellenwerts von Erwerbsarbeit und Konsum.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Untersuchung der Frage, wie Arendts Theorie zur Krise des Politischen durch aktuelle wirtschaftliche Entwicklungen gestützt wird und welche Chancen der Wandel der Arbeitswelt bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse (Arendt, Strasser) basiert und durch eine empirische Auswertung aktueller Statistiken zum Freizeitverhalten ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die philosophische Grundlegung durch Arendt, die wirtschaftstheoretische Perspektive von Johano Strasser und eine empirische Überprüfung mittels aktueller Arbeitsmarkt- und Freizeitsdaten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Vita Activa, Arbeitsgesellschaft, Politische Teilhabe, Konsumverhalten und der Wertewandel der Arbeit.
Wie unterscheidet Arendt zwischen dem öffentlichen und dem privaten Raum?
Arendt definiert den privaten Raum als Bereich der Lebensnotwendigkeiten und der Ungleichheit, während der öffentliche Raum als Ort der Freiheit, der Gleichheit und des Handelns fungiert.
Warum hält Strasser Arbeitszeitverkürzungen für eine historische Chance?
Strasser sieht darin eine Möglichkeit, den Menschen von fremdbestimmter Arbeit zu befreien und ihm mehr Zeit für selbstbestimmte, gemeinnützige und politisch relevante Tätigkeiten zu geben.
Welche Diskrepanz zeigt sich im Freizeitverhalten der Deutschen?
Obwohl ein Interesse an Kommunikation besteht, dominieren laut Untersuchung weiterhin isolierte Konsumtätigkeiten wie Fernsehen, was Arendts Sorge um eine „Weltlosigkeit“ bestätigt.
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- Anonym (Author), 2016, Vita Activa heute. Eine Betrachtung Hannah Arendts im Hinblick auf Johano Strasser und aktuelle Entwicklungen der Arbeitsgesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376958