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Filme über den Holocaust - Was dürfen sie zeigen und was nicht?

Title: Filme über den Holocaust - Was dürfen sie zeigen und was nicht?

Term Paper , 2004 , 19 Pages , Grade: 2,4

Autor:in: Ulrike Wronski (Author)

Politics - Miscellaneous
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In einer Zeit, in der die biographischen Erinnerungen an den Nationalsozialismus immer weniger werden, fällt es den Medien zu, die Nachgeborenen an das Thema heranzuführen. Das birgt Chancen, aber auch Gefahren. Gerade deshalb werden die Fragen, was ein Film zeigen dürfe und was nicht, und vor allem wie er es zeigen sollte, immer wieder heftig debattiert. Besonders Filme, die den Holocaust oder den Nationalsozialismus zum Thema haben, werden in den Feuilletons ausführlich besprochen und nicht selten kontrovers diskutiert.
Steven Spielbergs Film Schindlers Liste hat 1994 in Deutschland eine ausführliche Diskussion über die Angemessenheit seiner Holocaust-Darstellung ausgelöst. Anhand der damals erschienenen Beiträge in Zeitungen und Zeitschriften sowie einiger später veröffentlichter Aufsätze und Studien über diese publizistische Kontroverse soll hier folgender Frage nachgegangen werden: Wo liegen die ethischen Grenzen der Darstellung des Holocaust im Spielfilm? Zu welchem Ergebnis sind die Kritiker, die sich an der deutschen Mediendebatte beteiligt haben, gekommen? In diesem Zusammenhang muss vor allem geklärt werden, wie mit dem Spannungsverhältnis zwischen der Notwendigkeit, den historischen Ereignissen gerecht zu werden, und dem Wunsch, möglichst viele Zuschauer zu erreichen, umgegangen werden soll. Ist der Spielfilm dem Dokumentarfilm unterlegen, wenn es um die Darstellung von Geschichte geht?
Das „Ob“ und das „Wie“ im Zusammenhang mit der ästhetisch-künstlerischen Darstellung werden schon so lange diskutiert, wie es Filme über den Holocaust gibt. Im Laufe der fast 60-jährigen Gedächtnisgeschichte haben sich die Antworten darauf allerdings verändert. Diese Wandlung soll im ersten Teil der Arbeit anhand der Debatten über die wichtigsten Holocaustfilme nachgezeichnet werden, bevor im zweiten Teil am Beispiel der Diskussion um Schindlers Liste der „aktuelle Stand“ herausgearbeitet wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorüberlegungen

2. Kontrovers diskutierte Holocaustfilme

2.1 Holocaust

2.2 Shoah

2.3 Schindlers Liste und Das Leben ist schön

3. Die Mediendebatte zu Schindlers Liste

3.1 Die Darstellbarkeit des Holocaust

3.2 Ein Deutscher führt zum Happy End

4. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die ethischen Grenzen der filmischen Darstellung des Holocaust anhand der publizistischen Kontroverse, die durch den Film "Schindlers Liste" im Jahr 1994 in Deutschland ausgelöst wurde.

  • Rolle des Mediums Film bei der Vermittlung historischer Ereignisse
  • Vergleich und Einordnung bedeutender Holocaustfilme wie "Holocaust", "Shoah" und "Schindlers Liste"
  • Analyse der Mediendebatte bezüglich der Darstellbarkeit des Holocaust
  • Untersuchung der Kritik an Fiktionalisierung und ästhetischer Inszenierung
  • Debatte um historische Authentizität versus pädagogische Wirkung

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Darstellbarkeit des Holocaust

Vor allem mit der Frage, ob und wie der Holocaust filmisch dargestellt werden könne, haben sich die Kritiker von Schindlers Liste auseinandergesetzt. Viele Artikel widmen sich dem Gegensatz Visualisierung und Bilderverbot. Während Kritiker wie Andreas Kilb jubeln, Spielberg habe die Frage nach der Darstellbarkeit endgültig beantwortet, unterstützen andere Lanzmanns Verdikt gegen jede Visualisierung des Holocaust. Jim Hoberman zum Beispiel schreibt: „Wie über das Unsagbare sprechen, das Unzeigbare zeigen, wie die Realität der Massenvernichtung darstellen, ohne auf Horrorpornographie oder Sentimentalität Rekurs nehmen zu müssen.“ Ruth Klüger spricht sich gegen eine solche „Ghettoisierung des Erinnerns“ aus.

Noch bevor sich Lanzmann persönlich in die Debatte einschaltet, gilt er als Referenz für die Gegner von Schindlers Liste. Viele Kritiker vergleichen Spielbergs Film mit Shoah. In seinem zuerst in Le Monde erschienenen, dann in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlichten Einspruch gegen Schindlers Liste – so der Untertitel seines Beitrags – beharrt Lanzmann auf seinem Standpunkt: „[E]s ist meine tiefste Überzeugung, daß jede Darstellung verboten ist.“

Viele Kritiker empfinden das Bilderverbot als überholt. Georg Seeßlen schreibt, Schindlers Liste sei die Befreiung vom Abbildungsverbot. Für sie stellt sich nunmehr die Frage nach der Art der Darstellung. Die Verfechter von Dokumentarfilmen streiten sich mit den Fürsprechern von Spielfilmen und Fiktionalisierung. Authentizität ist das Schlagwort. Für Franz Everschor könne jede Dokumentarszene, jedes Foto aus den polnischen Ghettos den Horror tausendfach stärker vermitteln als Schindlers Liste, da Spielbergs Film nicht authentisch sei.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorüberlegungen: Einführung in die Relevanz von Holocaustfilmen für das kollektive Gedächtnis und Definition der Fragestellung zur ethischen Grenze der filmischen Holocaust-Darstellung.

2. Kontrovers diskutierte Holocaustfilme: Überblick über die mediale Rezeption und Entwicklung der Holocaust-Darstellung im Film anhand ausgewählter Beispiele wie Holocaust, Shoah und Schindlers Liste.

3. Die Mediendebatte zu Schindlers Liste: Detaillierte Analyse der deutschsprachigen Pressereaktionen, unterteilt in die grundsätzliche Darstellbarkeit des Holocaust sowie spezifische Kritikpunkte an Spielbergs Inszenierung.

4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Debatte, die feststellt, dass sich die Kräfteverhältnisse zugunsten der Fiktionalisierungsbefürworter verschoben haben, während die Frage der ethischen Grenze zentral bleibt.

Schlüsselwörter

Holocaust, Spielfilm, Dokumentarfilm, Schindlers Liste, Shoah, Darstellbarkeit, Fiktionalisierung, Mediendebatte, Ethik, Erinnerungskultur, Zeitgeschichte, Ästhetik, Nationalsozialismus, Authentizität, Rezeption.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht die ethischen Grenzen der filmischen Darstellung des Holocaust am Beispiel der kontroversen Mediendebatte über Steven Spielbergs Film "Schindlers Liste" im Deutschland des Jahres 1994.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit deckt die Rolle des Films bei der Vermittlung von Zeitgeschichte, die Auseinandersetzung mit historischer Authentizität sowie die gesellschaftliche Funktion von Spielfilmen gegenüber Dokumentarfilmen ab.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wo die ethischen Grenzen für die Darstellung des Holocaust im Spielfilm verlaufen und wie Kritiker die spezifische Umsetzung durch Steven Spielberg bewertet haben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine inhaltsanalytische Auswertung publizistischer Debatten, basierend auf einer Auswahl von Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln sowie Fachstudien der Zeit.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung bedeutender Holocaustfilme als historischen Kontext sowie eine detaillierte Analyse der speziellen Kritikpunkte an "Schindlers Liste", etwa zur Bildsprache oder zum Happy End.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Holocaust, Erinnerungskultur, Fiktionalisierung, Mediendebatte und Spielfilm kennzeichnen.

Warum spielt die Szene mit den "Duschen" in Auschwitz eine so große Rolle in der Kritik?

Diese Szene wird als besonders manipulativ wahrgenommen, da sie ein Happy End suggeriert, wo historisch keine Rettung möglich war, und damit die Grenze des filmisch Darstellbaren aus Sicht vieler Kritiker überschreitet.

Wie unterscheidet die Autorin zwischen Spielfilm und Dokumentarfilm in ihrem Kontext?

Die Arbeit erkennt an, dass beide Gattungen "konstruiert" sind, unterstreicht aber, dass Spielfilme durch ihre Fiktionalität ein breiteres Massenpublikum erreichen und somit eine andere Verantwortung bei der Gestaltung des gesellschaftlichen Gedächtnisses tragen.

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Details

Title
Filme über den Holocaust - Was dürfen sie zeigen und was nicht?
College
University of Hamburg  (Institut für Politische Wissenschaft)
Course
Vergangenheitsbewältigung in Deutschland
Grade
2,4
Author
Ulrike Wronski (Author)
Publication Year
2004
Pages
19
Catalog Number
V37696
ISBN (eBook)
9783638369688
ISBN (Book)
9783640769186
Language
German
Tags
Filme Holocaust Vergangenheitsbewältigung Deutschland
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ulrike Wronski (Author), 2004, Filme über den Holocaust - Was dürfen sie zeigen und was nicht?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37696
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