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Werthers Krankheit zum Tode. Die Selbstmordthematik in Goethes "Die Leiden des jungen Werthers"

Title: Werthers Krankheit zum Tode. Die Selbstmordthematik in Goethes "Die Leiden des jungen Werthers"

Intermediate Examination Paper , 2004 , 17 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Antje Minde (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Die Selbstmordproblematik in Goethes "Die Leiden des jungen Werther" gehört mit zu den interessantesten Themenbereichen in dem Briefroman. Sie lässt sich nicht nur textimmanent erschlüsseln, sondern auch die Kontroverse, die Goethe mit dem dramatischen Ende seines Protagonisten hervorrief, verdient einer Betrachtung. Um den Aufruhr, den Goethe verursachte, zu verstehen, bedarf es eines kleinen Überblicks über die Auffassung der damaligen Gesellschaft in Bezug auf den Freitod. Die Bürger des ausgehenden 17. Jahrhunderts durchliefen einen Wandel in ihrem moralischen Denken und der Suizid entwickelte sich von einem Werk des Teufels zu einer schweren psychischen Krankheit.
Der Titel der Abhandlung "Krankheit zum Tode" deutet bereits auf die langwierige persönliche Entwicklung Werthers hin, die von einer anfänglichen Depression über eine schwermütige Melancholie hin bis zum Wahnsinn und Todeswunsch verläuft. Besonderer Beachtung bedürfen dabei die Vorausdeutungen in Hinblick auf Werthers Selbstmord, die zeigen, dass seine Entscheidung sich das Leben zu nehmen von langer Hand geplant und kein spontaner Akt war.
Zur Vervollständigung der Suizidthematik dient die Ausarbeitung über die Rezeptionsgeschichte des Werkes, das als Meilenstein des Sturm und Drang angesehen werden kann und als solcher die Meinung der Gesellschaft auf das Extremste teilte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Selbstmord im Wandel der Zeit

2.1 Die Philosophie und der Selbstmord in der Epoche der Aufklärung

3. Werthers Krankheit zum Tode

4. Die Rezeptionsgeschichte des Werthers

4.1 Die Leiden des Werthers im Visier der Obrigkeit

4.2 Der Wertherkult

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Selbstmordthematik in Johann Wolfgang von Goethes Werk "Die Leiden des jungen Werthers". Ziel ist es, den gesellschaftlichen Wandel im Verständnis des Suizids vom ausgehenden 17. Jahrhundert bis zur Aufklärung darzulegen und die psychologische Entwicklung des Protagonisten Werther sowie die kontroverse Rezeptionsgeschichte des Romans zu analysieren.

  • Historischer Wandel der Suizid-Wahrnehmung
  • Philosophische Positionen zur Selbsttötung (Hume, Kant, Wolff)
  • Chronologische Analyse der Suizid-Vorausdeutungen in Werthers Briefen
  • Einfluss der Lektüre (Homer vs. Ossian) auf den psychischen Zustand
  • Rezeption durch Obrigkeit, Kirche und die Jugend des Sturm und Drang

Auszug aus dem Buch

3. Werthers Krankheit zum Tode

Es gibt zahlreiche Interpretationen zu Goethes Werk Die Leiden des jungen Werthers, die die Ursachen für das Scheitern des Protagonisten in seiner Kindheit, der Einstellung gegenüber der Gesellschaft und seiner unglücklichen Liebe zu Lotte suchen. Ich möchte an dieser Stelle nicht nach den Auslösern für seinen Freitod forschen, sondern chronologisch auf die Suizid-Vorausdeutungen im Text selbst eingehen und somit Werthers psychische Erkrankung im wiederholten Verlauf der Jahreszeiten vom Frühjahr bis zum Winter verfolgen, die am dunkelsten Tag des Jahres in der tödlichen Konsequenz endet.

Bereits im Vorwort werden die Leiden des „armen Werthers“ betont, die den Leser ergreifen und ihn mitfühlen lassen sollen. Dies deutet auf ein trauriges Schicksal der Hauptfigur hin, jedoch nicht explizit auf seinen Tod. Dennoch steigert es die Erwartungshaltung des Publikums und veranlasst es, auch zwischen den Zeilen zu lesen.

„Wie froh bin ich, daß ich weg bin!“ (S. 8, Z. 2). Mit dieser Aussage Werthers beginnt sein erster Brief am 4. Mai an seinen Freund Wilhelm. Vordergründig ist damit die Abreise von der Heimat gemeint, allerdings kann man mit dem Vorwissen auf das Ende des Buches diesem Satz auch eine bedeutendere Konnotation zuweisen, da im Mittelpunkt der Handlung die Entwicklung zum Selbstmord steht. Bereits vor der Begegnung mit Lotte ist Werthers melancholische Veranlagung zu erkennen, die sich in seinen Stimmungsschwankungen und Fantasievorstellungen, seinem sensiblen Wesen, seiner Entscheidungsunfähigkeit und seinem Narzissmus widerspiegelt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung der Zielsetzung, die Selbstmordthematik in Goethes Briefroman im historischen und psychologischen Kontext zu untersuchen.

2. Der Selbstmord im Wandel der Zeit: Erläuterung des historischen Übergangs von einer strengen religiösen Ächtung des Suizids hin zu einer medizinisch-psychologischen Betrachtung im Zeitalter der Aufklärung.

2.1 Die Philosophie und der Selbstmord in der Epoche der Aufklärung: Gegenüberstellung der gegensätzlichen Ansichten von David Hume, der den Freitod als Ausdruck individueller Freiheit sieht, und Immanuel Kant, der diesen aus moralischen und religiösen Gründen ablehnt.

3. Werthers Krankheit zum Tode: Chronologische Analyse der suizidalen Vorzeichen in Werthers Briefen, beginnend mit seiner allgemeinen Melancholie bis hin zur zunehmenden psychischen Erkrankung und den konkreten Suizidgedanken nach der Begegnung mit Lotte.

4. Die Rezeptionsgeschichte des Werthers: Darstellung der gespaltenen Aufnahme des Romans, der einerseits von der zeitgenössischen Obrigkeit und Kirche als sittlicher Störfaktor kritisiert und andererseits von der Jugend des Sturm und Drang als Kultbuch verehrt wurde.

4.1 Die Leiden des Werthers im Visier der Obrigkeit: Untersuchung der offiziellen Kritik, die vor der vermeintlich nachahmungswürdigen Darstellung des Suizids und dem Bruch mit bürgerlichen Normen warnte.

4.2 Der Wertherkult: Beschreibung des Phänomens "Wertherfieber", das sich in literarischen Nachahmungen sowie einer spezifischen Mode äußerte und in Einzelfällen zu realen Nachahmungstaten führte.

5. Fazit: Zusammenfassung der Kernthesen zur Tabubruch-Funktion des Werkes und zur Entwicklung des Suizidverständnisses um 1774.

Schlüsselwörter

Werther, Johann Wolfgang von Goethe, Selbstmord, Suizid, Melancholie, Aufklärung, Sturm und Drang, Freitod, Wertherkult, Rezeptionsgeschichte, Literaturpsychologie, Gesellschaftskritik, Individuum, Leiden, Briefroman.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Thematik des Selbstmordes in Goethes Briefroman "Die Leiden des jungen Werthers" vor dem Hintergrund des historischen Wandels der Suizid-Wahrnehmung im 18. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themenfelder umfassen die Geschichte des Suizids, zeitgenössische philosophische Debatten zur Selbsttötung sowie die psychologische Entwicklung des Protagonisten Werther bis zu seinem Suizid.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, den Prozess der psychischen Erkrankung Werthers durch chronologische Analyse der Vorzeichen zu belegen und die gesellschaftlichen Proteste sowie den Kultcharakter des Werkes in seiner Zeit zu beleuchten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Textanalyse, die durch historische Kontexte und kulturgeschichtliche Sekundärliteratur gestützt wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des historischen Wandels des Suizidverständnisses, eine detaillierte chronologische Untersuchung von Werthers suizidalen Neigungen im Romanverlauf sowie die Analyse der Rezeptionsgeschichte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Melancholie, Selbstmord, Aufklärung, Sturm und Drang, Wertherkult und Rezeptionsgeschichte.

Welche Rolle spielt die Lektüre des Ossians für Werther?

Die Gesänge Ossians spiegeln Werthers eigene Grabesstimmung wider und dienen als Katalysator, der seine melancholische Grundhaltung zur Depression verstärkt und die Grenze zwischen Realität und Wahn verwischt.

Wie reagierte die Obrigkeit auf das Erscheinen des Werthers?

Die Obrigkeit sah im Werk eine Gefahr für die öffentliche Moral, da sie fürchtete, der Roman könne junge Menschen zur Rebellion gegen staatliche und gesellschaftliche Normen sowie zum Suizid animieren.

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Details

Title
Werthers Krankheit zum Tode. Die Selbstmordthematik in Goethes "Die Leiden des jungen Werthers"
College
Christian-Albrechts-University of Kiel
Course
Melancholie - Barock bis Weimarer Klassik
Grade
1,7
Author
Antje Minde (Author)
Publication Year
2004
Pages
17
Catalog Number
V37707
ISBN (eBook)
9783638369770
ISBN (Book)
9783638781596
Language
German
Tags
Werthers Krankheit Tode Selbstmordthematik Goethes Leiden Werthers Melancholie Barock Weimarer Klassik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Antje Minde (Author), 2004, Werthers Krankheit zum Tode. Die Selbstmordthematik in Goethes "Die Leiden des jungen Werthers", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37707
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