Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der religiösen Sozialisation muslimischer Frauen und Mädchen in Deutschland. Sie nimmt dabei vor allem Chancen und Möglichkeiten eines Islamischen Religionsunterrichts an Schulen in den Blick. Insbesondere Musliminnen begegnen sehr häufig dem Vorurteil der Bevormundung und Unterdrückung durch ihre Brüder oder Väter. Aus diesem Grund soll die Arbeit sich im Spezifischen auf den weiblichen Anteil der jungen Muslime in Deutschland konzentrieren, um aufzuzeigen, inwiefern dieses Vorurteil gerechtfertigt ist.
Da häufig angenommen wird, dass es „einen Islam“ gibt, den alle Glaubensanhänger als verbindlich ansehen, muss zunächst überprüft werden, ob diese Annahme der Realität entspricht. Aus diesem Grund wird multidimensional betrachtet, wo die Ursprünge des deutschen Islam liegen und welche Aspekte bei der Heterogenität des Islam in Deutschland zu berücksichtigen sind. Dazu werden auch unterschiedliche muslimische Organisationen und Moscheegemeinden betrachtet, um die Vielfalt des Islam in Deutschland zu verdeutlichen.
Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf dem Leben von muslimischen Frauen und Mädchen in Deutschland. Da die meisten Muslime in Deutschland einen Migrationshintergrund haben, spielt hierbei die Familie als erste Sozialisationsinstanz eine wichtige Rolle. Neben der Familie wird sich auf die Moscheegemeinden bezogen, die bei der religiösen Erziehung mitwirken, indem sie durch verschiedene Unterrichtsangebote religiöse Inhalte lehren.
Um der privaten Sozialisation eine institutionalisierte Art der religiösen Sozialisation gegenüber zu stellen, wird das Unterrichtsfach Islamische Religion vorgestellt. Zwar wird in Hessen der bekenntnisorientierte Islamische Religionsunterricht angeboten, jedoch zeigen Modelle aus anderen Bundesländern, dass muslimische Schüler auch durch offene Religionsunterrichtsmethoden in das Schulfach integriert werden können.
Spätestens nach dem 11. September 2001 steht der Islam mehr denn je im Fokus der medialen, sozialen und politischen Öffentlichkeit. Zu Unrecht wird mit dem Begriff „Islam“ häufig Gewalt, Terror und Unterdrückung assoziiert, wodurch es insbesondere heutzutage von grundlegender Notwendigkeit ist, sich mit den Inhalten der Religion auseinander zu setzen und zu analysieren, wie der Islam in der deutschen Gesellschaft repräsentiert wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Islam in Deutschland
2.1. Herkunftsländer und Migrationsgeschichte
2.2. Muslimische (Frauen-)Organisationen in Deutschland
2.2.1. Türkisch-Islamische Union (DITIB)
2.2.2. Islamische Gemeinschaft Mîlli Görüs (IGMG)
2.2.3. Föderation der Aleviten Gemeinden in Deutschland (AABF)
2.2.4. Schiitische Verbände
2.2.5. Ahmadiyya Muslim Gemeinde KdöR (AMJ)
2.3. Zwischenfazit
3. Musliminnen in Deutschland
3.1. Das konservative Frauenbild: Geschlechterverhältnisse
3.2. Das moderne Frauenbild junger Musliminnen
4. Religiöse Sozialisation junger Muslime mit Migrationshintergrund
4.1. Inhalte und Schwerpunkte einer religiösen Erziehung
4.2. Religiöse Erziehung durch die Familie
4.3. Religiöse Erziehung in Moscheegemeinden
5. Der bekenntnisorientierte islamische Religionsunterricht
5.1. Hintergründe
5.2. Notwendigkeit eines bekenntnisorientierten Islamischen Religionsunterrichts
5.3. Grundlagen der hessischen Lehrpläne für das Fach Islamische Religion
5.4. Chancen und Grenzen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Hausarbeit untersucht die Handlungsspielräume des bekenntnisorientierten Islamischen Religionsunterrichts und dessen Einfluss auf die religiöse Sozialisation muslimischer Kinder und Jugendlicher in Deutschland, mit besonderem Fokus auf die Lebenswirklichkeit von Mädchen und jungen Frauen.
- Heterogenität und Diversität des Islam in Deutschland (Organisationen, Konfessionen, Herkunft).
- Religiöse Sozialisation und Identitätsfindung junger Musliminnen im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne.
- Analyse der religiösen Erziehung in Familie und Moscheegemeinden.
- Notwendigkeit, Chancen und Grenzen eines bekenntnisorientierten Islamischen Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen.
- Vergleich der Lehrpläne muslimischer Gemeinden als Grundlage für staatlich anerkannten Religionsunterricht.
Auszug aus dem Buch
Das moderne Frauenbild junger Musliminnen
„Muslimische Migranten der zweiten und dritten Generation, besonders junge Frauen, sind häufig Widersprüchen zwischen den Regeln und Normen der Aufnahmegesellschaft und denen der Elterngeneration ausgesetzt, die meist im Ausland sozialisiert wurde und die bestimmte Werte aus der Heimat in die Erziehung einfließen lässt. Diese Widersprüche führen zu einer Suche nach einem authentischen muslimischen Selbstbild in der Diaspora.“
Markus Gamper beschreibt mit diesem Zitat die Situation, der viele junge Musliminnen als Migrantenkinder begegnen. Durch die Tatsache, dass sie einer doppelten Minderheit in Deutschland angehören, ist es besonders schwierig, für sie ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Hervorzuheben ist hierbei, dass viele Vorurteile gegenüber des Islam herrschen; oftmals wird mit dem Wort Islam per se Negatives assoziiert und den Glaubensanhängern zugeschrieben.
Auch Nökel beschäftigt sich mit diesem Problem der Identitätsfindung junger Musliminnen der zweiten Generation in Deutschland. In ihrer Studie interviewte sie junge Musliminnen, die Deutschland als ihre Heimat ansehen und bewusst den Islam als wichtigen Aspekt ihres Lebens verwirklichen. Die „Neo-Muslimas“, wie sie Sigrid Nökel bezeichnet, sind junge muslimische Frauen, die in Deutschland aufgewachsen sind und durch ihre Eltern die Religion und die Kultur der elterlichen Herkunftsländer kennengelernt haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Repräsentation des Islam in der deutschen Gesellschaft und Formulierung der Forschungsfrage hinsichtlich der religiösen Sozialisation und des Islamunterrichts.
2. Islam in Deutschland: Detaillierte Darstellung der Heterogenität muslimischen Lebens in Deutschland sowie Vorstellung verschiedener Moscheegemeinden und ihrer Organisationsweisen.
3. Musliminnen in Deutschland: Untersuchung des weiblichen Anteils der muslimischen Gemeinschaft, der Diskrepanz zwischen traditionellen Rollenbildern und modernen Lebensentwürfen sowie der Bedeutung des Kopftuchs.
4. Religiöse Sozialisation junger Muslime mit Migrationshintergrund: Analyse der Instanzen religiöser Erziehung, insbesondere Familie und Moscheegemeinden, und deren Auswirkungen auf das Selbstverständnis junger Menschen.
5. Der bekenntnisorientierte islamische Religionsunterricht: Erörterung der Hintergründe, Notwendigkeiten, Chancen und Grenzen dieses Schulfachs sowie Analyse der hessischen Lehrpläne.
6. Fazit: Zusammenfassende Darstellung der wichtigsten Erkenntnisse über die Diversität des Islam und das Potenzial des bekenntnisorientierten Religionsunterrichts zur Stärkung eines reflektierten muslimischen Identitätsbewusstseins.
Schlüsselwörter
Islam, Deutschland, religiöse Sozialisation, Musliminnen, Identitätsfindung, Moscheegemeinde, DITIB, Ahmadiyya Muslim Jamaat, Islamischer Religionsunterricht, bekenntnisorientiert, Integration, Koran, Rollenverständnis, Bildung, Pluralität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der religiösen Sozialisation junger Muslime in Deutschland und untersucht, wie der staatlich institutionalisierte, bekenntnisorientierte Islamische Religionsunterricht hierbei eine unterstützende Rolle spielen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Heterogenität muslimischen Lebens, das konservative versus moderne Frauenbild im Islam, die Rolle von Familie und Moscheen in der Erziehung sowie die fachdidaktischen und rechtlichen Aspekte des Religionsunterrichts.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Handlungsspielräume des Islamunterrichts aufzuzeigen, um jungen Muslimen einen individuellen, zeitgemäßen Zugang zur Religion zu ermöglichen und ihre Identitätsfindung in einer pluralistischen Gesellschaft zu stärken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine wissenschaftliche Hausarbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Auswertung von Lehrplänen sowie einschlägigen Studien zur religiösen Sozialisation basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Diversität der islamischen Organisationen, die Situation muslimischer Frauen, die Instanzen religiöser Sozialisation (Familie/Moschee) und die Einführung sowie Ausgestaltung des bekenntnisorientierten Islamunterrichts, insbesondere in Hessen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind religiöse Sozialisation, Identitätsfindung, bekenntnisorientierter Islamunterricht, Diversität und muslimisches Frauenbild.
Wie unterscheidet sich der Islamunterricht der Moscheegemeinden von der staatlichen Schule?
Während in Moscheegemeinden oft traditionelle, mitunter autoritäre Lehrmethoden dominieren, bietet die staatliche Schule einen neutraleren Raum, der kritische Reflexion und einen interkulturellen Austausch ermöglichen soll.
Welche Rolle spielt die Ahmadiyya Muslim Jamaat in dieser Arbeit?
Die Ahmadiyya dient als ein wichtiges Fallbeispiel für eine organisierte Religionsgemeinschaft, die den Körperschaftsstatus genießt und durch ihre Unterorganisationen eine gezielte religiöse Sozialisation für Frauen und Mädchen betreibt.
- Arbeit zitieren
- Anila Nxyz (Autor:in), 2015, Muslimische Frauen und Mädchen in Deutschland. Religiöse Sozialisation und Islamischer Religionsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377084