Ansätze einer Theorie externer Effekte


Hausarbeit, 2004

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Marktversagen am Beispiel externer Effekte
2.1. Definition externer Effekte
2.2. Externe Kosten
2.3. Unterscheidung
2.3.1. Technologische Externalitäten
2.3.2. Pekuniäre Externalitäten
2.3.3. Psychologische Externalitäten
2.4. Externe Effekte und Pareto – Effizienz

3. Folgen für die Wirtschaftspolitik
3.1. Positive externe Effekte
3.2. Negative externe Effekte

4. Ansätze zur Internalisierung externer Effekte
4.1. Notwendigkeit der Internalisierung
4.2. Möglichkeiten zur Verhinderung der Internalisierung externer Effekte
4.2.1. Das Verbot der Produktion externer Effekte
4.2.2. Kollektive Entscheidungen
4.3. Das Coase – Theorem

5. Politische Maßnahmen bei externen Effekten
5.1. Regulierung
5.2. Das Konzept der Pigou – Steuer
5.3. Umweltzertifikate

6. Zusammenfassung

7. Literaturangaben
7.1. Literatur
7.2. URLs

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Wirkung einer Pigou-Steuer

1. Einleitung

„In einer Reihe von Fällen führt ein System von Märkten zu wirtschaftlich und politisch nicht erwünschten Ergebnissen.“[1] Wenn externe Effekte vorliegen, erhalten die Marktteilnehmer falsche Signale, Qualität und Menge der produzierten und verbrauchten Güter weichen vom Wohlfahrtsoptimum ab; man spricht dann von Marktversagen.[2] Eine Art des Marktversagens sind die externen Effekte.

Externe Effekte werden in der Regel bei der Bildung eines Marktes nicht berücksichtigt, da z.B. die Umweltressourcen von allen kostenlos genutzt werden kann. Dabei werden die sozialen Kosten, die bei der Nutzung entstehen, automatisch unbeteiligten Dritten auferlegt. Auf der anderen Seite jedoch, kommt ein Nutzen, der als externer Effekt entsteht, nicht alleine dem Verursacher zu Gute.

2. Marktversagen am Beispiel externer Effekte

„Das Marktversagen kennzeichnet die Fälle, in denen die Märkte entweder bestimmte Vorgänge oder Probleme gar nicht registrieren, daher auch nicht lösen können oder wirtschaftliche und soziale Ergebnisse zeitigen, die wirtschafts- und gesellschaftspolitisch nicht akzeptiert werden. In solchen Fällen ist der Staat gefordert, wirtschafts- und sozialpolitische Gestaltungs- und Korrekturaufgaben zu verwirklichen.“[3]

2.1. Definition externer Effekte

Bei dem Phänomen externer Effekte handelt es sich um die wohl bedeutsamste Ursache für Marktversagen. Sie stellen den Überbegriff für externe Kosten- sowie Externe Nutzenströme dar. Sehr allgemein formuliert kann man unter einem externen Effekt die Beeinflussung von Produktions- oder Konsummöglichkeiten, die zur keiner Veränderung relativer Preise führen, verstehen.[4]

„Diese Definition externer Effekte lässt sich anhand eines einfachen Beispiels verdeutlichen. Stellen wir uns vor, wir befinden uns auf dem besten Tribünenplatz eines Fußballstadions in Erwartung einer Veranstaltung, die zu sehen uns großen Nutzen verschaffen soll. Neben uns nimmt ein Mann Platz, der alsbald eine übelriechende Zigarre zu rauchen beginnt. Nehmen wir weiterhin an, wir seien Nichtraucher und die zu uns herüberziehenden Rauchschwaden verursachen bei uns Hustenanfälle und Übelkeit. Unser Nachbar verursacht einen externen Effekt. Er beeinflusst unsere Konsummöglichkeiten (der Spaß an der Veranstaltung wird uns bald vergehen), ohne dass sich dies in irgendeiner Weise in einer Veränderung relativer Preise niederschlägt. Es gibt nämlich in aller Regel keinen Preis für Nichtraucherplätze in Fußballstadien. Gäbe es ihn, so hätten wir die Möglichkeit, dadurch, dass wir einen entsprechenden Preis entrichten, das Recht auf einen ’rauchfreien’ Tribünenplatz zu erwerben. Dieses Eigentumsrecht wäre durchsetzbar und in gewisser Weise könnten wir dann andere Konsumenten vom Gebrauch ’Ihrer Luft’ als Aufnahmemedium für Schadstoffe ausschließen.“[5]

Die Tatsache, dass es bei externen Effekten nicht zu Preisreaktionen kommt, ist entscheidend. Preise haben die Funktion, die relative Knappheit von Gütern und Ressourcen anzuzeigen. Indem sie dies tun, schaffen sie die Vorraussetzung dafür,

dass bei den Allokationsentscheidungen, bei Produktion und Konsum alle relevanten Kosten und Erträge berücksichtigt werden können. Externe Effekte wirken gewissermaßen am Preissystem vorbei (in diesem Sinne ist der Begriff „extern“ zu verstehen) und verursachen dadurch eine Preisverzerrung. Der Zigarrenraucher verursacht durch seinen Konsum Kosten, die er nicht selber trägt, sondern auf uns abwälzt. Müsste er diese Kosten übernehmen, etwa in dem er den erlittenen Schaden kompensiert und uns das Eintrittsgeld erstattet, würde er vielleicht auf den Konsum seiner Zigarre verzichten und das wäre in diesem Falle eine effiziente Lösung.[6]

2.2. Externe Kosten

„Externe Kosten sind die Kosten, die ein Unternehmer verursacht, die aber außerhalb seines Unternehmens entstehen, d. h., wer durch ein Produktionsverfahren die Umwelt verschmutzt, erzeugt externe Kosten zur Beseitigung der Umweltschäden.

Verschmutzt beispielsweise ein Chemiewerk am Oberlauf eines Flusses das Wasser (zum Beispiel Produktion ohne Kläranlage), so benötigt das Wasserwerk einen erhöhten Reinigungsaufwand für das Wasser und verursacht damit höhere Kosten. Dadurch stimmen die betriebswirtschaftlichen Kosten (im Unternehmen anfallenden Produktionskosten) und die volkswirtschaftlichen Kosten (die gesamten in der Volkswirtschaft anfallenden Kosten) nicht überein. Das Chemiewerk wird sich für die volkswirtschaftlich teurere Produktion ohne Kläranlage entscheiden, weil die externen Kosten nicht in seine Wirtschaftlichkeitsrechnung eingehen, und es wird seine Produkte dem Verbraucher (aus volkswirtschaftlicher Sicht) zu billig anbieten. Die Folge ist dann, dass von dem umweltschädigend hergestellten Gut zu viel nachgefragt wird und Unternehmen, die sich umweltfreundlicher verhalten, werden vom Markt verdrängt. Es kommt zur einer Fehlallokation.

Der Begriff externer Kosten dient in der tagespolitischen Debatte der Rechtfertigung immer weiter steigender Einschränkungen und Steuern. Auf den ersten Blick ist die Argumentation plausibel: was ein Unternehmen verursacht, soll auch bezahlt werden, auch dann, wenn es außerhalb des eigentlichen Unternehmens anfällt. Die Steuer- und Abgabenpolitik dient damit der Internalisierung externer Kosten, also dazu, den Verursacher mit den Kosten zu belasten, die er ansonsten nicht in seiner Kalkulation hätte. So könnte man eine umweltfreundlichere Produktionsweise erzielen. „In der Praxis bereitet allerdings schon die Bestimmung der korrekten Steuersätze Probleme, weil sich die externen Kosten weder genau ermitteln, noch den verschiedenen Verursachern zurechnen lassen. Wird die Steuer dann ’zu gering’ festgelegt, so entsteht kein Anreiz für eine umweltfreundlichere Herstellungsweise.“[7]

2.3. Unterscheidung

2.3.1. Technologische Externalitäten

Man kann im Allgemeinen eine Unterscheidung zwischen pekuniären und technologischen externen Effekten vornehmen. Die technologischen externen Effekte haben im Gegensatz zu den pekuniären externen Effekten keinen Einfluss auf die Preise. Man unterscheidet hier zwischen den negativen und den positiven externen Effekten, auf die ich noch später zu sprechen komme. Ein Beispiel für die technologischen Externalitäten sind Umweltschäden durch Lärm oder Luftverschmutzung. So beeinträchtigt der Lärm startender Flugzeuge direkt die Lebensqualität der am Flughafen wohnenden Menschen .

2.3.2. Pekuniäre Externalitäten

Der pekuniäre externe Effekt zeigt sich vor allem in Preisänderungen. Durch eine steigende Nachfrage nach bestimmten erzeugten Gütern werden in der Produktionsrichtung dieser Güter bestimmte Produktionsfaktoren vermehrt nachgefragt, was eine Erhöhung der Produktionsfaktorpreise nach sich zieht. Dadurch steigen die Kosten der Produktion, so dass es zu einer Preiserhöhung kommt.[8] Trotz pekuniärer externer Effekte kann es also zu einem effizienten Marktergebnis kommen. Pekuniäre externe Effekte können aber großen Einfluss auf die Verteilung von Nutzen und Kosten einer Maßnahme auf verschiedene Bevölkerungsgruppen haben. Dies ist insbesondere bei öffentlichen Investitionen und Subventionen von Bedeutung, die meist bestimmten Bevölkerungsgruppen zu Gute kommen und andere mit ihrer Finanzierung belasten. Ein Beispiel für die pekuniären Externalitäten wäre eine Bahngesellschaft die den Verkehr zwischen zwei Städten aufnimmt und damit in Konkurrenz zum etablierten Bahnunternehmen tritt, das diese Strecke bisher allein benutzt hat. Um neue Bahnkunden zu gewinnen und Passagiere vom Altanbieter abzuziehen, bietet der Newcomer die Tickets billiger an. Dadurch sieht sich der Altanbieter auch zu einer Preissenkung gezwungen. Der Betreiber des Schienennetzes wird auch veranlasst, eine höhere Gebühr für die Trassennutzung zu erheben. Der Markteintritt der neuen Bahngesellschaft erhöht die Preise von Inputs (Kosten der Bahntrasse) und senkt die Kosten der Outputs (Bahntickets). Dies bringt Nachteile für den Altanbieter und Vorteile für den Netzbetreiber und die Passagiere.

2.3.3. Psychologische Externalitäten

Hängt die Nutzenfunktion eines Individuums von Aktivitäten eines anderen ab, ohne dass ein physikalischer Zusammenhang besteht (z.B. aufgrund von Gefühlen wie Neid, Schadenfreude, Anteilnahme etc.), liegen psychologische Externalitäten vor.[9]

2.4. Externe Effekte und Pareto – Effizienz

Das ökonomische Problem auf dessen Lösung ökonomische Forschung zu aller erst gerichtet ist, besteht in der Knappheit der Ressourcen, also der Gesamtheit der vorhandenen Hilfsmittel (Geldmittel, Rohstoffe, Boden und Personen), die vorhanden sind um eine bestimmte Aufgabe zu lösen. Die Dinge, die uns zur Verfügung stehen, um in einem umfassenden Sinne unsere Bedürfnisse zu decken, sind nur im begrenztem Umfang vorhanden. Das gilt nicht nur für materielle Ressourcen, wie z. B. Rohstoffe, Kapital oder Arbeit, es gilt auch für weniger fassbare aber ebenso bedeutende Ressourcen, wie z. B. Zeit, Wissen oder Elemente der Umwelt. In Folge dessen entsteht das elementare Knappheitsproblem. So können wir z. B. unsere knappe Zeit nicht gleichzeitig für Arbeit und Freizeit verwenden.

Um zu beurteilen, ob auf einem Markt eine effiziente Allokation vorliegt, wird häufig das Maß der Pareto - Effizienz herangezogen. Die ökonomische Lösung des Knappheitsproblems würde lauten, dass man die knappen Mittel so einsetzt, dass eine Verschwendung ausgeschlossen wäre. Es muss für eine effiziente Nutzung der Ressourcen gesorgt werden. Diese Forderung wird mit Hilfe des Pareto – Kriteriums operationalisiert. Dieses besagt, dass eine Allokation also eine Zuordnung von Elementen einer Menge zu Elementen einer anderen Menge, dann effizient ist, wenn es nicht möglich ist, durch Reallokation der Ressourcen mindestens ein Individuum besser zu stellen, ohne dass ein anderes Individuum schlechter gestellt wird. Offensichtlich verschwenden wir Ressourcen, wenn wir Möglichkeiten zur einer Pareto – Verbesserung ungenutzt lassen und mit einer ineffizienten Allokation zufrieden sind.[10]

Mit anderen Worten kann man also sagen, dass Pareto - effiziente Allokationen dadurch gekennzeichnet sind, dass keine Person besser gestellt werden kann, ohne eine andere schlechter zu stellen. Um die Effizienzbedingung bei externen Effekten herzuleiten, nehmen wir eine Wohlfahrtsfunktion an, die maximiert werden soll.

3. Folgen für die Wirtschaftspolitik

3.1. Positive externe Effekte

Externe Effekte lassen sich in positive und negative Externalitäten aufteilen, unabhängig davon, ob sie zur Beeinträchtigung oder zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation Dritter führen.

Umgekehrt gilt dieses auch für die positiven externen Effekte (externe Nutzen). Als Beispiel dient hier der Industrieroboter: Bei seiner Konstruktion entdeckt die Unternehmung bereits eine neue und bessere Variante. Diese Neuerung kommt nicht nur der Unternehmung zu Gute, sondern auch der gesamten Volkswirtschaft und damit auch der Gesellschaft, indem sie das Reservoir technologischen Wissens anreichert. Auf Grund dessen liegen die volkswirtschaftlichen Kosten der Roboterproduktion unter den betriebswirtschaftlichen Kosten. Demnach ist der Preis im Marktgleichgewicht höher als er nach volkswirtschaftlichen Kosten sein müsste.[11]

3.2. Negative externe Effekte

Neben den positiven externen Effekten können auch negative externe Effekte (negative externe Nutzen) entstehen.

Bei negativen externen Effekten ist die Auswirkung auf Dritte schädigend[12], d.h., dass im Verlauf der Produktion bei den vorherrschenden Produktionsbedingungen unvermeidliche Nachteile für die soziale und natürliche Umwelt entstehen. Diese Auswirkungen der Produktion auf die Umwelt werden „negative externe Effekte“ genannt.

[...]


[1] Neubäumer/Hewel (1994) - S. 21

[2] vgl. Fritsch/Wein/Ewers (1993) - S. 55

[3] http://www.schoolwork.de/wirtgeo/sozmarkterwneo.php, 06.07.2004

[4] vgl. Weimann (2001) - S. 133

[5] Weimann (2001) - S. 134

[6] vgl. Weimann (2001) - S. 134

[7] Neubäumer/Hewel (1994) – S. 25f.

[8] vgl. Neumann (1995) - S.246

[9] vgl. Fritsch/Wein/Ewers (2003) – S. 97

[10] vgl. Weimann (1995) – S. 29f.

[11] vgl. Mankiw (2001) - S. 226

[12] vgl. Mankiw (2001) - S. 221f.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Ansätze einer Theorie externer Effekte
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V37710
ISBN (eBook)
9783638369800
Dateigröße
1478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ansätze, Theorie, Effekte
Arbeit zitieren
Agata Ritzka (Autor), 2004, Ansätze einer Theorie externer Effekte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37710

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