Die stoische Auffassung der Rolle des Individuums in der Gesellschaft


Hausarbeit, 2016

15 Seiten, Note: 2,7

Alexander L. (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Naturphilosophie
2.1 Physik
2.2 Theologie

3. Der Staat und die Gesellschaft

4. Die Rolle des Individuums
4.1 Tugendlehre
4.2 Leben nach der Natur
4.3 Schicksalslehre

5. Kritikpunkte

6. Schlussbemerkungen

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Stoa war eine hellenistische Philosophie, die vor allem durch ihre Ethiklehre aufgefallen ist, welche darauf abzielte dem Leben mit Seelenruhe und Gelassenheit zu begegnen, wodurch der Mensch den Sorgen des Lebens ausweichen könne. Hierbei sahen sie den Menschen als Teil einer göttlichen Weltordnung, der in dieser eine bestimmte Rolle einnimmt.

Diese Hausarbeit versucht darzustellen, welche Rolle die stoische Philosophie dem Individuum in der Gesellschaft zukommen lässt. Um den Umfang der Arbeit im vorgegebenen Rahmen zu halten, aber dennoch eine genügende Darstellung der stoischen Philosophie gewährleisten zu können, wird im folgenden nur ein Teil der Lehren und Auffassungen detailliert erläutert werden. Durch eine Beschränkung auf wesentliche Merkmale und Positionen wird eine klare und übersichtliche Darstellung angestrebt.

Um dies zu erreichen, werden zu Beginn die grundlegenden stoischen Konzepte dargestellt. Damit der Umfang der Hausarbeit nicht zu weitläufig wird, werden nur die grundlegenden und die für die Hausarbeit essentiell bedeutenden Auffassungen wiedergegeben. Hier wird zunächst Bezug auf die Naturphilosophie genommen, welche die Welt in ihren Grundzügen darstellt. Anschließend wird auf die staatliche und gesellschaftliche Struktur der Welt eingegangen, welche einen Übergang zum Hauptteil dieser Hausarbeit darstellt. Ziel ist es während der Erläuterung der stoischen Ethik diese mit den vorhergegangenen Konzepten zu verbinden und somit auf die Rolle des Individuums in der Gesellschaft eingehen zu können. Hier wird Epiktet als Hauptquelle genommen, da er viele Äußerungen zu diesem Thema formulierte. Folgend wird Kritik an der Philosophie und die in dem vorherigen Kapitel erfassten Ansichten ausgeübt. Ihren Abschluss findet diese Arbeit in den Schlussbemerkungen, welche die Ergebnisse der zuvor dargestellten Punkte zusammenfassen.

2. Naturphilosophie

Um die Rolle des Individuums in der Gesellschaft verstehen zu können, ist vorerst eine Beschäftigung mit der Naturphilosophie der Stoiker wichtig. Diese zeigt uns die Struktur der Welt und somit auch welchen Platz wir Menschen in dieser Struktur einnehmen. Hier wird sich hauptsächlich auf die Physik und Theologie fokussiert, da diese überwiegende Themen der Naturphilosophie sind und für die inhaltliche Darstellung dieser Arbeit von Bedeutung sind.

2.1 Physik

Die Stoiker vertreten eine monistische Naturlehre. Für sie ist die Welt (kosmos) einerseits Gott selbst (genauer ausgeführt in 2.2), welcher eine Weltordnung herstellt und diese kontrolliert; andererseits verstehen sie unter der Welt auch die Weltordnung an sich. Auch wenn Stoiker untereinander teilweise verschiedene Standpunkte vertreten, lässt sich festhalten, dass eine Weltordnung vorhanden ist.1 Innerhalb dieses Kosmos' könne nur etwas wirken und bewirkt werden, was körperlich ist (unkörperlich sind z.B. Raum und Leere). Darunter fallen sämtliche Körper, Formen, und die Seele - eben da sie bewirkt werden und von sich aus wirken können.2 Somit ist die Welt eine körperliche und einheitliche Substanz, die Kraft ausüben kann.

Diese Welt entsteht und wird gestaltet durch eine Ursubstanz: das sogenannte Feuer (=Gott). Aus dieser Ursubstanz geht alles hervor, so auch die Elemente. Die Welt und ihre Teile sind dabei ordentlich gegliedert und geschaffen:

Das urspr ü ngliche Feuer indes ist sozusagen ein Same, der die Prinzipien f ü r ü berhaupt alles und die Gr ü nde dessen enth ä lt, was war, was ist, und was sein wird. Deren Verkn ü pfung und Abfolge ist das Fatum, das Wissen, die Wahrheit und ein Gesetz alles Seinden, das unvermeidlich und dem nicht zu entrinnen ist. Auf diese Weise ist in der Welt alles ganz vortrefflich eingerichtet, wie in einem mit allerbesten Gesetzen ausgestatteten Staat. “ (Aristokles bei Eusebius, Praep. evang. 15.14.2 [Referat stoischer Lehre])

Auch gehen sie davon aus, dass ein sogenannter Atemstrom, der aus Luft und Feuer besteht, alles durchströmt und dadurch zusammenhält.3 Es folgt also alles in der Welt dieser Ursubstanz bzw. Urkraft, wodurch eine immanente kosmische Ordnung entsteht, welche seit der Schaffung der Welt existiert. Alles, ob gut oder schlecht, richtet sich nach dem Kosmos, denn

„ er ist m ä chtig und st ä rker als wir und hat einen besseren Plan f ü r unser Dasein gefa ß t, als wir es k ö nnen, indem er zusammen mit dem Ganzen auch ü ber uns waltet “ (Epiktet: Lehrgespr ä che, 3)

Des Weiteren sprachen die Stoiker von einem kosmischen Zyklus. Da der Kosmos nach demselben Prinzip wie andere Gegenstände, die vergänglich sind, geschaffen ist, sei auch er selber vergänglich.4 So würde es zu einem Zeitpunkt kommen, an welchem die Welt durch Feuer verbrennt (Weltbrand) und anschließend wieder vom Feuer neu geordnet wird. Wann dies stattfinde, sei mit der Schaffung des Kosmos bereits festgelegt.5

Der Mensch ist Teil der zuvor erwähnten gesamten Ordnung und entsteht mit der Geburt aus dem Kosmos heraus.

2.2 Theologie

Im Hinblick auf die Theologie, vertreten die Stoiker eine pantheistische Position. Gott ist für sie der Schöpfer der Welt und so auch die Welt selbst. Weitere Gotteseigenschaften sind Unsterblichkeit, Vernunftbegabung, Allumfassung und Schicksalskraft. Er ordnet die Welt und ist notwendig für die Existenz von Dingen.6 Zwei der wichtigsten Gründe für die Existenz Gottes sind die Naturveranlagung der Menschen an Gott zu glauben, unabhängig welchem Volk sie angehören, und die Größe, zweckmäßige Einrichtung und Harmonie des Kosmos, welche nur von einer vernünftigen Gottheit geschaffen werden könnten. Somit ist alles Geschehen im Kosmos eine göttliche Bestimmung.7

Der Mensch unterscheidet sich von anderen Lebewesen dadurch, dass er eine von Gott gegebene Verfügung über Vernunft hat und somit göttliche Eigenschaften besitzt.8 Er (der Mensch) wurde durch Gottes Willen wegen seiner selbst erschaffen, die Tiere der Welt wiederum für die Menschen.9 Somit herrscht eine grundlegende Verbindung zwischen Mensch und Gott. Diese Verbindung hat einen hohen Stellenwert bei den Stoikern. Epiktet formuliert es so, dass Gott uns einen Teil seiner Gewalt gegeben hat (die Vernunft) und den Rest nicht. Er sieht es nun als wichtig an, dass wir nicht gegen Gottes Plan vorgehen, sondern uns diesem unterordnen - uns nur um die Dinge kümmern, die in unserer Gewalt stehen. Dinge wie persönliche Besitze und Familie sollen wir dem Kosmos übergeben und nicht dagegen ankämpfen10. Somit ist sich Gottes Willen unterzuordnen und diesen zu befriedigen. Der Mensch sollte für diesen Plan, welcher ein unumgängliches Schicksal meint, als auch für seine Existenz Gott danken und ihn lobpreisen11. Durchaus stellt sich hier die Frage nach Theodizee, doch Gott ist für nichts Schlechtes in der Welt verantwortlich - alles Schlechte entsteht durch menschliche Mängel, so Epiktet. Gott wolle stets nur Gutes für alle Menschen, was nur umgesetzt werden könne, wenn sich der Mensch nach der Natur richten würde.12

Die menschliche Seele steht ebenfalls mit Gott in Kontakt, da sie einen göttlichen Anteil enthält. Sie ist zwar körperlicher Natur, stirbt aber allerdings nicht mit dem Tod des Körpers, sondern besteht weiter, und wird erst in dem Weltbrand Teil des Feuers und bei der neuen Erschaffung der Welt wieder Teil der Ursubstanz (siehe 2.1).

3. Der Staat und die Gesellschaft

Der Staat und der Aufbau der Gesellschaft spielen ebenfalls eine wichtige Rolle in der Stoa, um zu verstehen, welchen Teil man als einzelner Mensch in diesen beiden Dingen einnimmt. Hierbei ist es wichtig zu erwähnen, dass die genannten Ansichten meist nur Ideale sind, nicht Wirklichkeit.

Plutarch erwähnt in seiner Schrift „ De Alexandri magni fortuna “ Zenons Schrift „ Der Staat “, und fasst Zenons Vorstellung einer idealen Gemeinde wie folgt zusammen: Städte oder Gemeinschaften sollten nicht so strukturiert sein, dass sie sich durch verschiedene Gesetze voneinander unterscheiden. Eher sollte man sämtliche Menschen als Teil einer einzigen großen Gemeinde ansehen, in welcher es nur eine Struktur gebe

„ [...] ä hnlich wie bei einer Herde, die zusammen weidet und durch ein gemeinsames Gesetz ern ä hrt wird. “ (Plutarch, De Alexandri magni fortuna 6, 329A-B)13

Als Stadt definieren die Stoiker einerseits einen einfachen Wohnort, andererseits eine Einheit aus den Bürgern, die dort zusammen wohnen. Sie existiert nicht von Natur aus, sondern ist etwas Zivilisiert-Eingerichtetes14. Solch eine Gemeinschaft herrscht in großer Form durch die ganze Welt, bestehend aus Gott und den Menschen, da beide vernunftbegabt sind und die Welt wegen ihnen erschaffen ist15.

[...]


1 Long, A. A. / Sedley, D. N.. Die hellenistischen Philosophen: Texte und Kommentare. Übers. von Karlheinz Hülser. Stuttgart; Weimar : Metzler, 2000. S. 321 F, Diogenes Laertius 7.137-138; wenn nicht anders angegeben dient dieses Buch als Quelle

2 S. 323 A, Cicero, Academica 1.39

3 S. 338 M-N, Plutarch, De Stoic. Repugn. 43, 1053F-1064B & Galen, Introductio sive medicus 14.726,7-11

4 S. 329 J, Diogenes Laertius 7.141

5 S. 328 G, Aristokles bei Eusebius, Praep. Evang. 15.14.2

6 S. 385 A, Diogenes Laertius 7.147

7 S. 386 C, Cicero, De nat. deor. 2.12-15

8 S. 389 f. I, Kleanthes, Zeus-Hymnos, bei Stobaeus 1.25,3-27.4

9 S. 392 P, Porphyrios, De abstinentia 3.20.1, 3

10 Epiktet: Lehrgespr ä che 4; alle Quellen der Lehrgespräche aus Epiktet: Wege zum gl ü cklichen Handeln, Aus dem Griechischen ü bertragen von Wilhelm Capelle. Erste Auflage 1992. Frankfurt am Main und Leipzig : Insel Verlag 1992

11 S. 389 f. I, Kleanthes, Zeus-Hymnos, bei Stobaeus 1.25,3-27.4

12 Long, A. A.. Epictetus: A Stoic and Socratic Guide to Lif e. Oxford : Oxford University Press. 2002. S. 145

13 S. 512 A, Plutarch, De Alexandri magni fortuna 6, 329A-B

14 S. 514f. H - I, Plutarch, De exilio 5, 600E & Stobaeus 2.103,14-17

15 S. 515 L, Arius Didymus bei Eusebius, Praep. Evang. 15.15.3-5

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die stoische Auffassung der Rolle des Individuums in der Gesellschaft
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
2,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V377130
ISBN (eBook)
9783668547049
ISBN (Buch)
9783668547056
Dateigröße
571 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stoa, Gesellschaft, Individuum, Rolle in der Stoa, Stoisch, Stoische Philosophie, Antike Philosophie, Antike, Epiktet, Seneca
Arbeit zitieren
Alexander L. (Autor), 2016, Die stoische Auffassung der Rolle des Individuums in der Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377130

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