Eine psychoanalytische Interpretation des Films "Fight Club"


Hausarbeit, 2013

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Freuds Psychoanalyse
2.1 Ödipus- und Kastrationskomplex
2.2 Ich-Spaltung
2.3 Narzissmus
2.4 Lebens- und Todestrieb
2.5 Sadismus und Masochismus

3. Fight Club
3.1 Inhaltsangabe
3.2 Psychoanalytische Interpretation des Films

4. Fazit

5. Quellenangaben

1. Einleitung

„Der Film lässt sich sowenig vermeiden wie der Bubikopf. Aber ich lasse mir selbst keinen schneiden und will auch mit keinem Film in persönliche Verbindung gebracht werden“.[1]

Auch wenn Sigmund Freud eine starke Abneigung gegen das Kino und den Film hatte, wie das gerade genannte Zitat zeigt, so lässt sich nicht abstreiten, dass im Laufe der Zeit viele Filme gedreht und veröffentlicht wurden, die Themen behandeln oder Theorien aufweisen, die Freud entwickelte. Der Film Fight Club zum Beispiel lässt sich sehr gut mit einigen Theorien der Freud'schen Psychoanalyse interpretieren. Deshalb werde ich trotz der Anordnung von Tyler Durden, einer der Hauptfiguren des Films, gegen die erste Regel des Fight Clubs verstoßen. Diese lautet:,, Es wird nicht über den Fight Club geredet.“[2]

Aber genau das werde ich mit dieser Hausarbeit machen. Um es präziser auszudrücken, ich werde mich zunächst mit Sigmund Freuds Psychoanalyse auseinandersetzen und den Film dann aus psychoanalytischer Sicht betrachten.

Im Seelenleben der Personen innerhalb des Films lassen sich einige interessante Aspekte finden, die durch eine genauere Untersuchung kritisch und in Zusammenhang mit Freuds Psychoanalyse näher betrachtet werden können. Im folgenden werde ich ausführen, was für ein Konzept Sigmund Freud in seiner Psychoanalyse vertritt. Zu Beginn gibt es eine allgemeine Einführung in die Psychoanalyse Freuds. Darauf folgen einige spezielle Inhalte und Konzepte, die ich näher beschreiben werde. Diese Konzepte finden sich auch in dem Film wieder und deshalb ist es sinnvoll sie hervorzuheben. Beginnen werde ich mit dem Ödipus- und dem Kastrationskomplex, die eng miteinander verbunden sind. Behandelt wird hier die Liebe des Kleinkindes zum gegengeschlechtlichen Eltemteil bei gleichzeitigem konkurrieren mit dem gleichgeschlechtlichen Eltemteil. Darauf folgt die Spaltung des eigenen Ichs in zwei Teile durch Verdrängung prägender Ereignisse. Anschließend werde ich auf die Entwicklung des Narzissmus eingehen, den Hang zur Selbstverliebtheit. Danach folgt die Beschreibung der Lebens- bzw. Todestriebe, wobei abschließend die nach außen gewendeten Todestriebe, die Aggressions- bzw. Destruktionstriebe Sadismus und Masochismus näher erklärt werden.

Um die Analyse des Films besser zu verstehen, werde ich vor der eigentlichen Analyse den Inhalt des Films wiedergeben. Hiernach folgt dann die psychoanalytische Interpretation von „Fight Club“. Ich werde speziell den Hauptcharakter Jack tiefgehender behandeln, auf sein seelisches/psychisches Befinden eingehen und dessen Beziehung zu anderen Figuren des Films thematisieren.

2. Freuds Psychoanalyse

Da es den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen würde und das Hauptaugenmerk auf der späteren psychoanalytischen Interpretation des Films Fight Club liegen soll, werde ich Freuds Psychoanalyse nur einleitend erwähnen und stattdessen bestimmte Theorien seiner Psychoanalyse hervorheben und beschreiben. Diese Theorien sind wichtig für die Filminterpretation, da sie in den Charakteren des Films wiederzufinden sind und Einblicke in die Psyche der Personen geben.

Die Psychoanalyse nach Sigmund Freud (1856-1939) beinhaltet einige verschiedene Theorien zur Psyche des Menschen. Sie ist ein Erklärungsmodell der menschlichen Psyche und beschreibt unbewusste psychische Vorgänge. Freud entwickelte die Psychoanalyse am Ende des 19. Jahrhunderts. Mittlerweile ist die Psychoanalyse „neben der Verhaltens- und Gesprächspsychotherapie das in der BRD verbreitetste Therapieverfahren.“[3] In der Theorie der Psychoanalyse geht Sigmund Freud auf meist unbewusste Vorgänge innerhalb der menschlichen Psyche ein. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der wissenschaftlichen Untersuchung der Persönlichkeitsentwicklung. Unter anderem finden sich in verschiedenen Werken Freuds zur Psychoanalyse Theorien zur Traumdeutung, Sexualität und anderen Entwicklungsphasen. Die Psychoanalyse ist eine Psychologie des Unbewussten. Freud war zum Beispiel der Meinung, dass es in Träumen zu unkontrollierten und unbeeinflussten Verbindungen der Gedanken kam, die auf früheren Erlebnissen beruhten.

So gab es unterschiedliche Phasen zur Persönlichkeitsentwicklung.

Die erste Phase ist die orale Phase. Sie setzt nach der Geburt ein und endet ca. nach einem Jahr. Die primäre erogene Zone ist die Mund- und Lippenschleimhaut. Diese Annahme äußert sich durch Nuckeln, Lutschen und Saugen an der Mutterbrust, am Daumen, am Schnuller oder anderen Gegenständen. Die Befriedigung wird hier kombiniert mit der Nahrungsaufnahme ( Aufnahme der Muttermilch).

Es folgt die anale Phase (1-3 Lebensalter).“Die Partialtriebe [...] seien die 'anal-erotischen und die sadistischen[1]“[4]. Dabei geht es allerdings nur um die Bemächtigung eines Objektes und nicht, wie vielleicht angenommen, um das Zufügen von Schmerzen. Jedoch wird für diese

Bemächtigung auch Leid und Schmerz in Kauf genommen, es ist aber nicht der primäre Grund für diesen Trieb. Als Beispiel sei hier das schmerzhaft-lustvolle Zurückhalten der Ausscheidungen des Kindes.

Die dritte Phase ist die phallische Phase. Sie tritt im Alter von 3 bis 5 Jahren auf. Hier finden erste Erkundungen der Genitalien (Penis bzw. Klitoris sind die leitenden erogenen Zonen) statt und es wird unbewusst ein Sexualtrieb entwickelt, welcher auf dem ödipalen Prinzip beruht. In dieser Zeit durchlebt das Kind den Ödipuskonflikt und überwältigt ihn.

Erlebnisse, die in diesen Phasen durchlebt werden, sind prägend für die spätere Persönlichkeitsentwicklung. Dabei ist es unwichtig, ob diese Erlebnisse positiver oder negativer Natur sind. Sie bleiben unbewusst in unserer Psyche verankert und lösen in uns spezielle Triebe oder Bedürfnisse aus, die sich in uns weiterentwickeln. Einige dieser Theorien von Freud werde ich nun näher beschreiben.

2.1 Ödipus- und Kastrationskomplex

Der Ödipuskomplex, benannt nach der griechischen Sage des König Ödipus[5], beschreibt Freuds Theorie, dass sich das Kind in der „phallischen“ oder „ödipalen“ Phase zu dem gegengeschlechtlichen Elternteil hingezogen fühlt und in Konkurrenz zum gleichgeschlechtlichem Elternteil tritt. Zum Beispiel fühlt sich der Sohn seiner Mutter näher und entwickelt eine gewisse Eifersucht gegenüber dem Vater. Dies geschiehtjedoch unbewusst im Unterbewusstsein des Kindes. Nach Freud tritt die ödipale Phase im Kindesalter, ca. zwischen dem dritten und dem fünften Lebensalter auf, in dem sich diese Bevorzugung des gegengeschlechtlichen Eltemteils entwickelt. So äußert sich Freud unter anderem folgendermaßen:

„Nun, man sieht leicht, daß der kleine Mann die Mutter für sich alleine haben will, die Anwesenheit des Vaters als störend empfindet, unwillig wird, wenn dieser sich Zärtlichkeiten gegen die Mutter erlaubt, seine Zufriedenheit äußert, wenn der Vater verreist oder abwesend ist. Häufig gibt er seinen Gefühlen direkten Ausdruck in Worten, verspricht der Mutter, daß er sie heiraten wird. Man wird meinen, das sei wenig im Vergleich zu den Taten des Ödipus, aber es ist tatsächlich genug, es ist im Keime dasselbe.“[6]

Auch sexuelle Ambitionen entwickeln sich in dieser Phase, in der sich das Kind unbewusst wünscht, sich sexuell mit der Mutter zu vereinigen, sie ist das erste Liebesobj ekt für den Jungen.

Wie bereits erwähnt, zeigt sich auch eine Abneigung gegenüber des gleichgeschlechtlichem Eltemteils. So ergibt sich etwa das Bedürfnis so wie der Vater sein zu wollen und dessen Platz einzunehmen. Es ergeben sich Gefühle wie Hass oder Neid, was auch aggressive Emotionen hervorrufen kann. Zusätzlich zu diesen negativen Gefühlen entwickelt sich im Jungen die Angst, dass er vom Vater für das Begehren der Mutter durch Kastration bestraft wird. Dies wird als Kastrationskomplex bezeichnet.

Der Kastrationskomplex ist eng verbunden mit dem Ödipuskomplex und spielt eine wichtige Rolle in der Überwindung der ödipalen Phase. Der Penis ist schon in der Kindheit „die leitende erogene Zone, [...], und seine Wertschätzung spiegelt sich logisch in dem Unvermögen, eine dem Ich ähnliche Persönlichkeit ohne diesen wesentlichen Bestandteil vorzustellen.“[7] Die Kastrationsangst bildet sich somit vor allem durch den Anblick des fehlenden Glieds bei Mädchen. Diese werden für Jungen gehalten, die durch die Kastration bestraft wurden, da sie elterliche Verbote missachtet haben. Da das Begehren der Mutter ein väterliches Verbot darstellt, besteht die Angst vom Vater kastriert zu werden. Aufgrund der Angst des Penisverlustes durch die Kastration lässt der Junge vom Begehren seiner Mutter ab und beginnt sich mit seinem Vater zu identifizieren. Der Vater wird zum Vorbild und der Junge wünscht sich, es dem Vater gleich zu tun und jemanden wie die Mutter zu besitzen. Der Ödipuskomplex löst sich somit auf und stellt damit das Ende der phallischen oder ödipalen Phase da und das eigene Ich wird weiter ausgebildet. Jedoch kann es dazu kommen, dass das Über-Ich „in seiner Stärke und Ausbildung verkümmert, wenn die Überwindung des Ödipuskomplexes nur unvollkommen gelingt.“[8]

2.2 Ich-Spaltung

Die Spaltung des eigenen Ichs ist laut Freud ein Abwehrmechanismus innerhalb der Psyche einer Person. Wir bilden diese Abwehrmechanismen, um Angstzustände oder unangenehme Triebe des Es zu verdrängen. Es wird ein Schutz vor diesen Ängsten oder Trieben gebildet, um diese zu unterdrücken.

Ein Kind befindet ist vielen Trieben ausgesetzt, die sie gewohnt sind zu befriedigen. Wennjedoch plötzlich ein Ereignis auftritt, dass dem Kind eine reale Gefahr als Folge dieser Triebbefriedigung aufzeigt. Das Kind befindet sich nun in einem Zwiespalt. Zum einen will es den Trieb weiterhin befriedigen, zum anderen besteht aber auch die Angst vor der Bestrafung, z.B. die im Ödipuskonflikt auftretende Angst vor der Kastration. Das Kind muss sich nun entscheiden, ob es die Gefahr anerkennt oder den Trieb weiterhin befriedigt. Schließlich entscheidet es sich für beides. Das Kind reagiert auf den Konflikt mit zwei entgegengesetzten Reaktionen. Mit Hilfe bestimmter Mechanismen wehrt sich das Kind gegen die reale Gefahr und lässt sich die Befriedigung der Triebe nicht verbieten, erkennt die Gefahr im selben Moment aber auch an. So werden beide Teile des Konfliktes gelöst, aber es kommt durch diese zwei verschiedenen Lösungen zu einer Spaltung im Ich.

Wenn sich diese Verdrängung einer Gefahr allerdings negativ auf eine Person auswirkt, so hat auch die Spaltung des Ichs der Person eine negative Wirkung auf diese. Peter Kutter bezeichnet dieses Phänomen in seinem Werk „Moderne Psychoanalyse“ wie folgt: „Die besondere Abwehr der Spaltung besteht nun darin, daß die Persönlichkeit gleichsam in zwei Teile gespalten wird: Der eine Teil fühlt sich vollkommen und großartig, der andere leer und sinnlos. Der Abwehraufwand besteht nun darin, die beiden sich widersprechenden psychischen Bereiche ständig voneinander getrennt zu halten.“[9] Der betroffenen Person ist dann immer nur ein Teil zur Zeit bewusst, während der andere im Unterbewusstsein im Hintergrund bleibt und unbewusst existiert. Es kommt zu einer zeitweise geschwächten Realitätskontrolle der betroffenen Person.

2.3 Narzissmus

Der Narzissmus ist die Liebe zum eigenen Ich (Ichlibido). Als Kleinkind ist die Liebe, die auf das eigene Ich bezogen ist, sehr ausgeprägt und bildet sich erst in der weiteren Entwicklung des Kindes zurück. Dieser anfängliche Narzissmus im Kleinkindalter wird auch primärer Narzissmus genannt. Später werden dann Sexualtriebe entwickelt, die sich auf andere Objekte (in der Regel andere Personen) beziehen (Objektlibido), die der Ichlibido entgegenwirken. Nun wirken die unterschiedlichen Sexualtriebe wechselseitig. Es findet „innerhalb der Sexual Strebungen gewissermaßen ein Kampf um das geeignete Objekt“[10] statt. Es bleibt aber immer eine gewisse Ichliebe vorhanden, nie wird die Liebe komplett auf andere Objekte oder auf ein bestimmtes Objekt verteilt. Der primäre Narzissmus aus der Kindheit bezieht sich dann auf ein neu gebildetes Ichideal, welches zur Verdrängung des primären Narzissmus gebildet wurde. Neben dem primären Narzissmus gibt es auch einen sekundären Narzissmus. Dieser tritt auf, wenn Objektbeziehungen eingegangen wurden, diese aber wieder aufgegeben oder aufgelöst wurden. Hier ist die Selbstliebe eine Reaktion auf eine frustrierende Umwelt oder eine Verletzung des seelischen Innenlebens, weshalb die Person an mangelndem

[...]


[1] 'Piegler, Theo: Mit Freud im Kino. Psychoanalytische Filminterpretationen. Gießen 2008. S. 24.

[2] Fincher, David: Fight Club. USA 1999. 00:41:01-00:41:52.

[3] http://www.psychotherapie- netzwerk.de/infobuero/therapie/tiefenpsychologie/psychoanalyse/psychoanalyse.htm Letztes Zugriffsdatum: 25.09.2013

[4] Köhler, Thomas: Freuds Psychoanalyse. Eine Einführung. Stuttgart 1995. S.77.

[5] Ödipus war der Sage nach ein griechischer König, der nach der Geburt von seinen Eltern zum Sterben ausgesetzt wurde, da es einem Orakelspruch nach sein Schicksal wäre, seinen Vater zu töten und seine Mutter zu ehelichen. Ödipus überlebt aber und tötet später im Kampf unwissentlich seinen Vater und heiratet seine Mutter. Nachdem die beiden jahrelangen Inzest betrieben, entdeckt König Ödipus seine Verbrechen und sticht sich daraufhin die Augen aus und seine Mutter begeht Selbstmord. Quelle: http://www.ruhr-uni- bochum.de/biopsyseminare/data/studentenprojekte/seminar- evolution%20ss02/inzest/Intemetpraesentation.htm#_Die_%C3%96dipus_Sage letzter Zugriff: 11.09.2013

[6] Köhler(1995, S. 83)

[7] Köhler(1995, S. 85)

[8] Köhler(1995, S.54)

[9] Kutter, Peter: Modeme Psychoanalyse, Eine Einführung in die Psychologie unbewusster Prozesse. Stuttgart 1989. S. 156.

[10] Köhler(1995, S. 66)

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Eine psychoanalytische Interpretation des Films "Fight Club"
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Neue Deutsche Literatur und Medien)
Veranstaltung
Literaturtheorie
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
18
Katalognummer
V377197
ISBN (eBook)
9783668546400
ISBN (Buch)
9783668546417
Dateigröße
569 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Literaturtheorie, Deutsch, Germanistik, Neuere Deutsche Literatur, Fight Club, Psychoanalyse, David Fincher, Sigmund Freud, Ödipuskomplex, Ich-Spaltung, Narzissmus
Arbeit zitieren
Andreas Köhler (Autor), 2013, Eine psychoanalytische Interpretation des Films "Fight Club", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377197

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