Der Einfluss von Shakespeare auf "Woyzeck" von Georg Büchner

"Mit einem Wort, ich halte viel auf ... Shakespeare ..."


Facharbeit (Schule), 2015
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Shakespeares Theater
2.1. Bühne und Spielbedingungen
2.2. Motive und Moral
2.3. Darstellung der Person
2.4. Sprache
2.5. Bruch mit der Tradition nach Aristoteles - offene Form

3. Büchners Ideen vom Drama
3.1. Die Aufgaben des dramatischen Dichters
3.2. Idealismuskritik und Weltbild

4. Einfluss Shakespeares in Büchners Werken - Beispiel „Woyzeck“
4.1. Inhalt und Form: „Woyzeck“
4.2. Vergleich: inhaltliche Aspekte
4.3. Vergleich: stilistische Aspekte
4.3.1. Spielbedingungen
4.3.2. Motive und Moral
4.3.3. Darstellung der Person
4.3.4. Sprache
4.3.5. Form

5. „Mit einem Wort, ich halte viel auf Goethe oder Shakespeare“ - Ist Shakespeares Einfluss ein Monopol in Büchners Werken?
5.1. Lenz - Einflüsse in „Woyzeck“
5.2. Goethe - Einflüsse in „Woyzeck“
5.3. Shakespeares Einfluss als Monopol in Büchners Werken?

6. Zusammenfassung/Ergebnis/Fazit

7. Literaturverzeichnis/Quellenverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

William Shakespeare ist wohl einer der erfolgreichsten Dramatiker und Dichter aller Zeiten. Er hat mit seinem Schaffen im Vergangenen ganze Generationen geprägt. Dass diese Facharbeit sich aber tatsächlich mit der Untersuchung des Einflusses von Shakespeare auf einen Autor, hier Büchner, beschäftigt, ist beinahe Zufall. Shakespeare begegnete mir zufällig privat häufiger. „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ hat im Originaltitel eine Shakespeareanspielung, die BBC warb mit einem Shakespearemonolog. Dies zeigte mir, dass Shakespeare selbst heute noch Einfluss be- sitzt. Ich fragte mich, wie dieser Einfluss früher war, wenn er heute noch präsent ist. Shakespeares Einfluss in früheren Epochen wurde schnell eine Idee für die Facharbeit. „Mit einem Wort, ich halte viel auf Goethe oder Shakespeare, aber sehr wenig auf Schiller.“1 Dieser Satz aus einem Brief Georg Büchners wurde der Hauptgrund, warum ich meine Facharbeit nun auf den Einfluss Shakespeares bei Büchner beziehen wollte. Das Ziel dieser Facharbeit ist es den Einfluss von Shakespeare in Büchners Werken nachzuweisen oder zu wiederlegen. „Woyzeck“ repräsentiert hier die Werke Büchners, da eine Untersuchung aller Werke im Rahmen einer Facharbeit unmöglich ist. Zunächst werden als Untersuchungsgrundlage die Ideen Büchners und Shakespeares vom Drama beziehungsweise Theater herausgearbeitet. Begonnen wird dabei mit Shakespeare. Danach wird „Woyzeck“ sowohl inhaltlich als auch stilistisch mit den Ideen und Werken Shakespeares verglichen. Büchners Ideen vom Drama werden dabei ebenfalls aufgegriffen. Weitere schriftstellerische Einflüsse werden ebenfalls kurz betrachtet, um abschließend zu einem gut fundierten Fazit zu gelangen.

Das Theater Shakespeares wird beispielhaft vor allem an den Tragödien „Hamlet“, „König Lear“, „Macbeth“ und „Romeo & Julia“ erläutert. In der Untersuchung werden generell die Tragödien Vorrang haben, da es aufgrund des „Fallens“ Woyzecks unpassend wäre, „Woyzeck“ mit Komödien und Historien Shakespeares zu vergleichen. Ob insgesamt ein Einfluss Shakespeares in Büchners Werken vorhanden ist, wird sich in folgender Erarbeitung zeigen.

2. Shakespeares Theater

William Shakespeare hinterließ der Nachwelt keine privaten Schriftzeugnisse.2 3 Somit sind von Shakespeare auch keine persönlichen Auffassungen übers Theater und Drama überliefert. Seine Ideen vom Drama und Theater lassen sich allerdings aus seinen Werken und den historischen Spielbedingungen4 ableiten.

Shakespeare selbst war nicht nur Dramatiker, sondern auch Schauspieler und Theater- teilhaber.5 Somit beschränken sich seine Vorstellungen übers Drama nicht auf die schriftliche Form, sondern sind deutlich an einer szenischen Darstellung orientiert.6

2.1. Bühne und Spielbedingungen

Das elisabethanische Theater ist stadionähnlich gebaut.7 8 Die Bühne ist nach drei Seiten geöffnet. Somit ist keine Distanz zwischen Zuschauer und Bühne vorhanden, sodass die Dramengestaltung das Publikum zwingend ins Spiel mit einbezieht.9 10 Dies führt zum Einsatz der Wortkulisse. Sie verortet die Szene mit der Sprache. Auch Emotionen, Bewegungen oder die Handlung selbst werden wörtlich dargestellt.11 Der Bau und die Publikumszusammensetzung führen weiterhin zum Einsatz von „comic reliefs“12 13 14 und ernsten Elementen in Komödien.15 Dies soll einen Stimmungs- umbruch beim Zuschauer verhindern.16

Des Weiteren gibt es zwei Nebenbühnen. Eine Guckkastenbühne in der hinteren Mitte der Hauptbühne und eine balkonähnliche Bühne über der Hauptbühne.17 18 Die Bauart der Bühne hat so ebenfalls Einfluss auf Shakespeares Dramen. Als Beispiel dient hier die „Balkonszene“ aus „Romeo und Julia“.19

2.2. Motive und Moral

Im elisabethanischen Weltbild herrscht weitestgehend noch der „Glaube an eine universale Ordnung“.20 Bei William Shakespeare ist daher der Ordnungsverlust ein präsentes Motiv. Dieser wird unter anderem durch das Schicksal verursacht. In „Hamlet“ ist beispielsweise die Ordnung durch die Ermordung Hamlets Vaters und dem Mörder als neuem König gestört.21

Weitere Motive sind die „Eigenschaften und Leidenschaften von Personen“.22 Diese werden gerade bei den Hauptpersonen extrem dargestellt und sind somit oft ein Motiv des Wahnsinns.23 Ehre, Liebe, Rache, Bosheit, Verrat/Treue und politische Themen sind ebenfalls bei Shakespeare zu finden und beruhen teils auf den Leidenschaften der Personen.24 Auch der Sinn des Lebens wird beispielsweise in „Hamlet“ thematisiert.25 Trotz teils „expliziten moralischen Beurteilungen“26 im Drama, gibt es bei Shakespeare keine allgemeingültige Festlegung der Moral; sie wird vom Autor nicht vorgegeben.27

2.3. Darstellung der Person

Die Darstellung des Menschen bei Shakespeare ist ein Hauptbestandteil seiner Dramen. Die einzelnen Personen werden zu komplexen Charakteren ausgebaut. Emotionen des Individuums werden in der Handlung dargestellt.28 29 „Themen sind [unter anderem] die Eigenschaften und Leidenschaften von Personen, der Ehrgeiz des Macbeth, die Eifersucht Othellos.“30

Das Wesen des Menschen wird vor allem bei den Hauptfiguren durch individuelle Ex- tremsituationen gezeigt. Monologe und das beiseite Reden tragen dazu bei.31 Charaktere erzeugen so Sympathie und auch Mitleid. Dies trifft auch auf die „Vice-Figur“32 zu.33 Durch die offene Moral entwickelt sich der Mensch im Drama mit seinen Taten.34

2.4. Sprache

William Shakespeares Sprache im Drama ist vor allem durch einen sehr großen Wortschatz geprägt. Der Einsatz von Wortkulisse und der dadurch verstärkten Metaphorik ist elementar. Wortspiele finden ebenfalls Verwendung.35 36

Shakespeare benutzt häufig Blankverse.37 38 Des Weiteren tauchen auch Ironie, derbe Witze,39 kleinere Gedichtabschnitte und Gesangselemente in seinen Dramen auf.40 Zum Beispiel singt in „König Lear“ der Narr an einigen Stellen.41

Pro- und Epiloge rahmen teils die Handlung ein.42 In Shakespeares Dramen findet man sowohl Hoch- als auch Alltagssprache. Er passt die Sprache der Person an, sodass sie dem wirklichen Stand dieser Person angenähert ist oder stilistisch zur Szene passt.43

2.5. Bruch mit der Tradition nach Aristoteles - offene Form

Shakespeares Werke halten sich nicht an die dramatische Tradition nach Aristoteles. Die drei Einheiten von Raum, Zeit und Handlung sind in den Werken nicht gegeben.44 „König Lear“ spielt zum Beispiel an vielen Orten, besitzt eine mit der Haupthandlung verworren Nebenhandlung und geht weit über den bei Aristoteles üblichen Zeitraum.45 Die Ständeklausel findet ebenfalls keine wirkliche Verwendung. Die Größe der adeligen Helden wird durch den Charakter bestimmt. Die unteren Stände bekommen bei Shakespeare Eigenständigkeit und werden dem Adel beiseite gestellt. Hoch- und Alltagssprache kommen zum Einsatz.46

Der Bruch mit den drei Einheiten und der Ständeklausel sind Merkmale dafür, dass Shakespeares Dramen der offenen Form angehören. Jedoch besitzen die meisten Dramen gleichzeitig die klassische 5-Akt-Stuktur. Diese wird allerdings nicht zweckmäßig benutzt, da sich die Handlung aus dem Handeln der Rollen entwickelt.47

3. Büchners Ideen vom Drama

Im Gegensatz zu Shakespeare48 gibt es von Büchner eine Vielzahl erhaltener Briefe in denen er sich auch über seine Vorstellungen zum Drama äußert. Des Weiteren werden Aspekte von Büchners Dramenvorstellung durch sein Welt- und Menschenbild geprägt.49 50 Diese Aspekte lassen sich ebenfalls aus seinen Briefen gewinnen, welche folgend genauer betrachtet werden.

3.1. Die Aufgaben des dramatischen Dichters

Vor allem in Georg Büchners Brief „An die Familie“, vom 28.07.1834, lässt sich seine Vorstellung der Aufgaben des dramatischen Dichters finden.51

Laut Büchner ist der dramatische Dichter ein Geschichtsschreiber, jedoch berichtet der dramatische Dichter nicht einfach nur wie der Geschichtsschreiber. Die Geschichte wird zum zweiten Mal erschaffen, indem der dramatische Dichter versucht die Zuschauer beziehungsweise die Leser in die Zeit und das Leben des gewählten Stoffes hineinzuversetzen. Handlungen werden dramatisch aufbereitet.52 Auch Personen werden nicht einfach beschrieben53 und nach einem Begriff charakteristisch stilisiert;54 ihnen wird ein eigener individueller Charakter gegeben.

Aber die „höchste Aufgabe“55 des Dramatikers besteht nach Georg Büchner darin, der Wirklichkeit der Handlung so nahe wie möglich zu kommen. Das Buch des drama- tischen Dichters darf von der Darstellung der Handlung und der Personen nicht abweichen. Sie dürfen weder positiver noch negativer dargestellt werden.56 Die realistische Darstellung der Wirklichkeit im Drama sorgt so unter anderem dafür, dass die Figur im Drama „reale“ Emotionen und Probleme besitzt. Die Figur bekommt durch diese Verbindung zur Realität ihren bereits zuvor erwähnten Charakter. Georg Büchners Figuren sind „Menschen von Fleisch und Blut“,57 sind also (durch ihren Charakter) menschlich. Diese „Menschlichkeit“ lässt den Zuschauer/Leser mit der Person im Drama mitempfinden und mitleiden.58

Im weiteren Bezug auf die Wirklichkeit erwähnt Georg Büchner die Sprache. Diese sollte ebenfalls zur Zeit und Person der Geschichte passen. Büchner selbst würde von der wirklichen (derben) Sprache nur einen Schwachen Abriss machen.59

[...]


1 http://www.buechnerbuehne.de/Resources/Briefe.pdf, entnommen am 24.01.2015.

2 Vgl. Baumann, Uwe: Shakespeare und seine Zeit, Stuttgart, 11998, S.18.

3 Vgl. Baumann, S.21-24.

4 Die historischen Spielbedingungen beziehen sich auf das elisabethanische und jakobinische Theater.

5 Vgl. Schabert, Ina: Shakespeare-Handbuch, Stuttgart, 21978, S.159-162.

6 Vgl. Suerbaum, Ulrich: Shakespeares Dramen, Düsseldorf, 11980, S.69ff.

7 Vgl. Suerbaum, S.66f.

8 Vgl. Baumann, S.15 (siehe Abbildung).

9 Siehe Anhang Anlage 1&2.

10 Vgl. Suerbaum, S.66-71.

11 Vgl. Suerbaum, S.74f.

12 Komödiantische Elemente in Tragödien.

13 Vgl. Shakespeare, William: The Oxford Shakespeare - The Complete Works, Oxford, 22005, S.976- 977; („Macbeth“ II/2,3).

14 Vgl. Suerbaum, S.71.

15 Vgl. Shakespeare, S.720-742; („Twelfth Night“).

16 Vgl. Suerbaum, S.70f.

17 Vgl. http://www.william-shakespeare.de/theater_technik_buehnenbild.html, entnommen am 23.02.2015.

18 Siehe Anhang Anlage 1&2.

19 Vgl. Shakespeare, S.378-380; („Romeo & Juliet“ II/2).

20 Suerbaum, S.99.

21 Vgl. Shakespeare, S.682-718; („Hamlet“).

22 Suerbaum, S.119.

23 Vgl. Suerbaum, S.134f.

24 Vgl. Schabert, S.356-363.

25 Vgl. Shakespeare, S.697-698; („Hamlet“ III/1).

26 Schabert, S.340.

27 Vgl. Schabert, S.340f.

28 Vgl. Suerbaum, S.119f.

29 Vgl. Schabert, S.339-343.

30 Suerbaum, S.119.

31 Vgl. Suerbaum, S.134.

32 Die „Vice-Figur“ ist die Personifikation des Bösen/der bösen Leidenschaft.

33 Vgl. Suerbaum, S.101f.

34 Vgl. Schabert, S.339-343.

35 Vgl. Schabert, S.321-334.

36 Vgl. Shakespeare, S.685; („Hamlet“ I/2, Z.65).

37 Reimloser jambischer Pentameter.

38 Vgl. Schabert, S.329f.

39 Vgl. Schabert, S.40.

40 Vgl. Schabert, S.321-334.

41 Vgl. Shakespeare, S.1160-1161; („King Lear“ I/4).

42 Siehe Shakespeare, S.370, („Romeo & Juliet“ Prolog).

43 Vgl. Schabert, S.321-334.

44 Vgl. Klotz, Volker: Geschlossene und offene Form im Drama, München, 131992, S.226-228.

45 Vgl. Shakespeare, S.1154-1184; („King Lear“).

46 Vgl. Klotz, S.226-228.

47 Vgl. Klotz, S.226-228.

48 Vgl. Baumann, S.18.

49 Vgl. Büchner, An die Familie, Gießen, Februar 1834.

50 Vgl. Büchner, An die Braut, Gießen, nach dem 10.03.1834.

51 Vgl. Büchner, An die Familie, Straßburg, 28.07.1835.

52 Vgl. Büchner, An die Familie, Straßburg, 28.07.1835.

53 Vgl. Büchner, An die Familie, Straßburg, 28.07.1835.

54 Vgl. http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/Buechner/determini_1.htm, entnommen am 08.02.2015, nach: Büchner, Georg: Dantons Tod, II/3.

55 Büchner, An die Familie, Straßburg, 28.07.1835.

56 Vgl. Büchner, An die Familie, Straßburg, 28.07.1835.

57 Büchner, An die Familie, Straßburg, 28.07.1835.

58 Vgl. Büchner, An die Familie, Straßburg, 28.07.1835.

59 Vgl. Büchner, An die Familie, Straßburg, 28.07.1835.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss von Shakespeare auf "Woyzeck" von Georg Büchner
Untertitel
"Mit einem Wort, ich halte viel auf ... Shakespeare ..."
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V377325
ISBN (eBook)
9783668560710
ISBN (Buch)
9783668560727
Dateigröße
903 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Georg Büchner, William Shakespeare, Shakespeare, Büchner, Goethe, Vergleich, Einfluss, Woyzeck, Idealismus, Realismus, Untersuchung, Theater
Arbeit zitieren
Xenia Klaffke (Autor), 2015, Der Einfluss von Shakespeare auf "Woyzeck" von Georg Büchner, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377325

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