Peter Singer gilt seit der Veröffentlichung seines Buches "Animal Liberation" als Pionier der Tierethik und wichtige Persönlichkeit der Tierrechtsbewegung der letzten vier Jahrzehnte. In seinem Buch "Praktische Ethik" begründet Singer im Kapitel "Gleichheit für Tiere" seinen tierethischen Ansatz, unter anderem führt er hier den Begriff des Speziesismus ein. Speziesismus ist eine Bezeichnung, die eine Ungleichbehandlung von anderen Tieren durch den Menschen ausdrückt und durch den Psychologen Richard D. Ryder 1970 konzipiert wurde. Der Speziesismus wird in der Tierethik analog zum Rassismus, der innerhalb der Spezies Mensch die Diskriminierung zwischen den Ethnien bezeichnet, verwendet. Da der Rassismus seit seiner Entstehung eine enge Verbindung zur Sklaverei aufweist, stellt Singer einen Vergleich zwischen dem moralischen Umgang mit Tieren und dem moralischen Umgang mit Sklaven seitens der Gesellschaft auf.
Wie haltbar dieser Sklavenhaltervergleich Singers in Bezug auf Tiere ist, soll durch diese Ausarbeitung überprüft werden. Dazu ist eine Auseinandersetzung mit der Geschichte der Sklaverei erforderlich, worauf im zweiten Kapitel eingegangen wird. Im dritten Kapitel werden neben dem von Peter Singer auch noch weitere Ansätze der Tierethik vorgestellt. Aus diesen unterschiedlichen Positionen der Tierethik wird im vierten Kapitel die Haltbarkeit des Singer’schen Sklavenvergleichs diskutiert und im fünften Kapitel schließlich konkludiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Geschichte der Sklaverei
2.1. Sklaverei im Altertum
2.2. Sklaverei in der Neuzeit
3. Tierethik und Peter Singer
3.1. Der präferenzutilitaristische Ansatz von Peter Singer
3.2. Die anderen Ansätze in der Tierethik
4. Haltbar oder nicht haltbar?
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die philosophische Validität von Peter Singers Vergleich zwischen der historischen Sklaverei und dem modernen Umgang mit Tieren. Das zentrale Ziel ist es zu erörtern, inwiefern die Argumentationsmuster zur Rechtfertigung der Sklaverei – wie die Abwertung kognitiver Fähigkeiten und die Kommodifizierung – auf die heutige Behandlung von Tieren übertragbar sind.
- Historische Analyse der Sklaverei von der Antike bis zur Neuzeit
- Einführung in den Speziesismus-Begriff nach Peter Singer
- Vergleichende Untersuchung ethischer Ansätze (Utilitarismus, Kantianismus, Kontraktualismus)
- Dekonstruktion von Rechtfertigungsstrategien für Diskriminierung
- Moralische Bewertung des Mensch-Tier-Verhältnisses unter Berücksichtigung der Leidensfähigkeit
Auszug aus dem Buch
2.1. Sklaverei im Altertum
Wie Michael Zeuske in seinem Buch Handbuch für die Geschichte der Sklaverei beschreibt, begann die Sklaverei etwa mit der Sesshaftwerdung des Menschen. Gewalt spielte von Beginn der Sklaverei an eine wichtige Rolle. Aufgrund dieser Verbindung zwischen Sklaverei und Gewalt war bereits in den frühen egalitären Gesellschaften eine familiäre bzw. eine soziale Protektion eine Voraussetzung, um frei sein zu können. Ging diese Protektion verloren, so war der Sklavenstatus gewiss. Hauptsächlich waren Frauen und Kinder betroffen, die je nach Verwandtschaftsgrad innerhalb der eigenen Sippe zu Sklaven werden konnten. Diese Form der Sklaverei wird von Zeuske als Kin-Sklaverei bezeichnet, die in allen egalitären Gemeinschaften global auftrat.
Andere Wege zum Sklavenstatus führten über Verschleppung bzw. Gefangennahme, die oft aus gewaltsamen Konflikten resultierten und von da an einen Grundpfeiler der Sklaverei bildeten. Diese Menschen wurden über den Kin-Sklavenstatus schnell in die Gemeinschaft aufgenommen. Durch den Sklavenstatus war es moralisch unbedenklich für die Gemeinschaft, SklavInnen bei sakralen Ritualen zu opfern und in manchen Gemeinschaften sogar zu verzehren. Bereits mit Beginn der Antike war eine Ungleichbehandlung und Bestialisierung der SklavInnen in Verbindung mit Gewalt Normalität. Dieser Umgang mit Sklaven wurde hierarchisch und im weiteren historischem Verlauf auch religiös legitimiert. Hinzu kamen noch Schulden als Grund für Versklavung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in Peter Singers Konzept des Speziesismus und die Fragestellung, inwieweit der Vergleich zwischen Sklavenhaltern und dem Umgang mit Tieren moralisch haltbar ist.
2. Die Geschichte der Sklaverei: Historische Untersuchung der Sklaverei von der Antike bis zur Neuzeit, mit Fokus auf Mechanismen der Entmenschlichung und sozialen Rechtfertigung.
3. Tierethik und Peter Singer: Vorstellung der präferenzutilitaristischen Theorie Singers im Kontrast zu anderen tierethischen Ansätzen wie dem Kantianismus oder dem Kontraktualismus.
4. Haltbar oder nicht haltbar?: Eingehende Analyse der Analogien zwischen der Diskriminierung von Sklaven und Tieren durch die Untersuchung von Bestialisierung, Intelligenzabsprechung und Kommodifizierung.
5. Fazit: Zusammenfassende Bestätigung der Haltbarkeit des Singer’schen Vergleichs und Plädoyer für einen pathozentrischen Umgang mit Tieren.
Schlüsselwörter
Bioethik, Peter Singer, Tierethik, Sklaverei, Speziesismus, Utilitarismus, Diskriminierung, Leidensfähigkeit, Kantianismus, Bestialisierung, Entmenschlichung, Tierrechte, Kommodifizierung, Moraltheorie, Abolitionismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die ethische Argumentation von Peter Singer, der eine Parallele zwischen der historischen Sklaverei und der heutigen Nutztierhaltung zieht, um Speziesismus zu kritisieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Geschichte der Sklaverei, die Grundlagen der Tierethik, verschiedene philosophische Moraltheorien und die soziokulturellen Mechanismen der Ausbeutung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Haltbarkeit des Sklavenhaltervergleichs als ethisches Argument für die Gleichheit von Tieren zu prüfen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es handelt sich um eine literaturgestützte ethisch-philosophische Analyse, die historische Fakten mit tierethischen Positionen in Beziehung setzt.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil erörtert die historische Genese der Sklaverei, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten tierethischer Ansätze (Singer, Regan, Carruthers, Hoerster) sowie die strukturellen Ähnlichkeiten in der Abwertung von Sklaven und Tieren.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Speziesismus, Bioethik, Utilitarismus und Tierethik definieren.
Inwiefern spielt Aristoteles eine Rolle bei der Argumentation?
Aristoteles dient als historisches Beispiel für eine Philosophie, die SklavInnen aufgrund vermeintlich fehlender rationaler Fähigkeiten eine natürliche Unterlegenheit zuschrieb, was laut Autorin ähnlichen Mustern folgt wie der heutigen Abwertung von Tieren.
Welche Bedeutung hat der „Schleier des Nichtwissens“ im Kontext dieser Arbeit?
Dieses Konzept dient der Illustration der Position von Peter Carruthers, der Tiere aufgrund ihrer fehlenden rationalen Teilhabe an einem sozialen Vertrag aus einer moralischen Gemeinschaft ausschließt.
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- Silvia Denzler (Author), 2017, Wie haltbar ist Peter Singers Sklavenhaltervergleich in Bezug zur Gleichheit für Tiere?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377350