Sozial engagiert kontra soziale Ungleichheit


Seminararbeit, 2012

14 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriffsdefinitionen
2.1. Der Begriff der Sozialen Ungleichheit
2.2 Ehrenamtliche Tätigkeit
2.3 Definition der Stadt

3. Ausführungen der Theorie
3.1. Das Habitus-Konzept nach Pierre Bourdieu
3.2 Entwicklung der Stadtsoziologie

4. Ehrenamtliche Tätigkeit in Mainz

5. Fallstudie
5.1. Background
5.2 Die Ehrenamtler
5.3 Empfänger ehrenamtlicher Tätigkeit

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ehrenamt als bürgerschaftliches Engagement ist weit gefächert. So gibt es viele verschiedene Möglichkeiten um sich in seiner Stadt, seinem Viertel oder in der näheren Nachbarschaft sozial zu integrieren. Für viele Leute bedeuten gerade diese Angebote eine besondere Unterstützung. Sei es Hausaufgabenbetreuung oder das Angebot des ortansässigen Pfadfindervereins, der die Kinder zu bestimmten Zeiten für mehrere Stunden betreut. Besonders für Eltern bedeuten diese Angebote, dass sie ihren Beschäftigungen nach gehen können und ihre Kinder gleichzeitig eine Betreuung und außerdem gesellschaftliche Kompetenzen erfahren. Faszinierend an diesem Thema ist außerdem, dass viele Leute in der Gesellschaft, die ehrenamtliche Angebote wahrnehmen ebenfalls ehrenamtlich tätig sind oder es waren.

In diesem Kapitel möchte ich näher auf den Aspekt des Ehrenamtes in der Stadt Mainz eingehen. Im speziellen werde ich versuchen aufzuführen, wieso es Ehrenamt gibt, wer sich engagiert und wer sich für das Angebot interessiert und es wahrnimmt. Hierfür habe ich ein Interview mit einer ehrenamtlichen Person geführt, die sich in der Pfadfinderarbeit engagiert und außerdem vielfältige Literatur über Stadtsoziologie, bürgerschaftliches Engagement und dem Ehrenamt zur Unterstützung meiner These hinzugezogen.

Meine These die ich beantworten werde ist die, dass es in einer Stadt für die verschiedenen Schichten, unterschiedliche Angebote gibt, welche wahrgenommen werden. Ein weiteres Ziel dieses Beitrags ist es, aufzuzeigen dass es durchaus Angebote gibt, die von unterschiedlichen Schichten wahrgenommen werden können. Das dies oftmals nicht der Fall ist liegt an bestimmten Umständen und gesellschaftlichen Faktoren, auf die ich auch eingehen werde. Die Forschungsfrage bezieht sich auf das ehrenamtliche Angebot in Mainz - kann soziales Engagement dazu beitragen gegen soziale Ungleichheit vorzugehen?

In dem kommenden Kapitel möchte ich zunächst auf die Begriffe der sozialen Ungleichheit, des Ehrenamtes und bürgerschaftlichem Engagement und auf bestimmte Definitionen der hier verwendeten Fachwörter ein gehen. Als nächstes werde ich meine These dann mit dem Habitus-Konzept von Pierre Bourdieu und Theorien der Stadtsoziologie untermauern. Dann wird auf das Ehrenamt speziell in der Stadt Mainz eingegangen und letztendlich werde ich mein Fallbeispiel erörtern und in das dargestellte Thema einführen. Im Anschluss wird im Fazit mein Ergebnis präsentiert.

2. Begriffsdefinitionen

2.1. Der Begriff der Sozialen Ungleichheit

Der Begriff der sozialen Ungleichheit ist ein wichtiges Forschungsfeld von Professor Hradil. Bei diesem Begriff wird auf Differenzierungen eingegangen, die Vergleiche zwischen Menschen als gleich-, besser oder schlechter benachteiligt, beziehungsweise bevorrechtigt, also als ungleich erscheinen lassen (Hradil, Stefan 2005: 25).

Es gibt auch im sozialen Raum Stadt viel Ungleichheit. Hier geht es zum einen um Unterschiede bei Wohnbedingungen als auch um die Arbeitsbedingungen, die direkten Einfluss auf den Lebensstil haben. Kinder von sozial benachteiligten Eltern haben es schwerer im erwachsenen Alter nicht unter sozialer Ungleichheit zu leiden, als Kinder von Eltern, die nicht sozial benachteiligt sind. Wenn es in einem Stadtteil bürgerschaftliches Engagement gibt, welches von sozial benachteiligten Familien angenommen wird, desto größer scheint die Chance für Kinder zu bestehen, an soziale Kompetenzen zu gelangen.

Die Definition von sozialer Ungleichheit nach Hradil lautet:

„‚Soziale Ungleichheit‘ liegt dann vor, wenn Menschen aufgrund ihrer Stellung in sozialen Beziehungsgefügen von den ‚wertvollen Gütern‘ einer Gesellschaft regelmäßig mehr als andere erhalten.“ (Hradil 2005: 30)

2.2 Ehrenamtliche Tätigkeit

Für den Begriff des Ehrenamtes ist es durch den alltäglichen Sprachgebrauch nicht so einfach eine präzise Definition zu machen. Generell kann man jedoch sagen, dass sich das Ehrenamt als Teilaspekt des bürgerschaftlichen Engagements etabliert. Es ist gemeinwohlorientiert und meistens durch strukturierte Organisationen ausgerichtet. Bürgerinnen und Bürger engagieren sich in diesen Organisation, wobei ihre Tätigkeit unentgeltlich erbracht wird und im öffentlichen Raum stattfindet. In der ehrenamtlichen Tätigkeit fanden vor allem in den letzten Jahren Veränderungsprozesse statt, die von Kosten-Nutzen Abwägungen geprägt sind. Demnach sollen Individuen nur dann zum Engagement bereit sein, wenn sich die individuelle Investition unmittelbar lohne. Bei diesem Einsatz sollen Qualifikationsgewinne oder der Zugewinn an Selbsterfahrung gegeben sein (Olk, Thomas/ Hartnuß, Birger 2011: 163; Beher et al. 2008: 49).

Im Allgemeinen können fünf Kriterien zur Eingrenzung des Ehrenamtsbegriffs genannt werden. Zunächst beschreibt das Ehrenamt ein tätiges, gemeinwohlorientiertes Engagement von Bürgerinnen und Bürgern. Es kann personenbezogen oder sachbezogen ausgeführt werden, d.h. bei dieser Tätigkeit wirken sowohl die aktiv Engagierten als auch die Empfänger dieser Leistung mit oder aber bei der Tätigkeit gibt es keinen direkten Bezug zu den Empfängern der Leistung. Das zweite Kriterium ist die grundsätzliche unentgeltliche Ausübung der Tätigkeit. Allerdings besteht eine Kostenpauschale für Ehrenämtler, nach der für aufkommenden Aufwand entschädigt wird. Als nächstes Kriterium wird die Fremdenhilfe aufgeführt. Nach Olk/Hartnuß wird das Ehrenamt regelmäßig und außerhalb des sozialen Nahraums für Andere ausgeübt. Hierbei wird die Dienstleistung an Unbekannte angesprochen. Es besteht auch eine gewisse Verpflichtung der Institution gegenüber, bei der ein Ehrenamt angetreten wird. Man möchte bei dieser Tätigkeit die Ziele der Institution verwirklichen und die Tätigkeit auch über einen längeren Zeitraum ausüben (Olk/Hartnuß 2011: 167). Das vierte Kriterium stellt fest, dass ein Ehrenamt sowohl in formal legitimierten und in formal nicht legitimierten Funktionen als auch mit oder ohne Qualifikation ausgeübt wird. Formal legitimiert bedeutet, dass die Funktion durch einen formellen Akt bestimmt wird, z.B. der Vereinsvorstand. Nicht Formal legitimiert ist die einfache Zugehörigkeit zu einer Organisation, z.B. als Mitglied der freiwilligen Feuerwehr. Als letztes Kriterium wird aufgeführt, dass ein Ehrenamt grundsätzlich freiwillig, eigeninitiativ und unabhängig vom stattlichen Apparat ausgeübt wird. Der Grundgedanke hierbei ist, dass niemand zum Ehrenamt gezwungen werden kann. Dabei wird klargestellt, dass es keine gegenseitigen arbeitsrechtlichen Verpflichtungen zwischen der Institution und dem Ehrenamtlichen gibt. Allerdings sind Absprachen zwischen der Institution und dem ehrenamtlich Engagierten über die Art, die Ausführung, dem Umfang und dem Zeitpunkt nicht ausgeschlossen, sondern viel eher eine Notwendigkeit. (Olk/Hartnuß 2011).

2.3 Definition der Stadt

Die Stadt hat sich über drei Phasen innerhalb von mehreren tausend Jahre entwickelt. Da es aber unterschiedliche Kulturen gibt, erweist sich eine Definition durchaus als Schwierigkeit. Allgemein lässt sich sagen, dass bedeutend für eine Stadt die relativ dichten Besiedlungen und auch die Häusergebilde, die meistens höher sind als im Umland, was wiederum auch zu der dichten Besiedlung auf engerem Raum führt, sind (Schäfers 2010: 16). Generell lässt sich jedoch laut Schäfers keine Definition der Stadt erfassen. Es handelt sich vielmehr um „ein gesellschaftliches Totalphänomen das eine conditio sine qua non der Menschheitsgeschichte und Kulturentwicklung darstellt“ (Schäfers 2010: 18).

3. Ausführungen der Theorie

3.1. Das Habitus-Konzept nach Pierre Bourdieu

Das Habitus Konzept ist ein wichtiger Bestandteil von Bourdieus Analyse der sozialen Praxis. In dem Ansatz geht es darum, dass Akteure sich an alltäglichen Gegebenheiten und Gewohnheiten orientieren, ohne dieses Verhalten und die Wahrnehmungen bewusst zu reflektieren (Gertenbach et al. 2009: 274-288). Die Begriffe Habitus und Feld werden von Bourdieu erstmals aufgegriffen. Der Habitus stellt alle kulturellen Praktiken dar, welche die Mitglieder in einer sozialen Einheit jeweils gemeinsam ausüben. Unter dem Begriff Feld versteht er die verschiedenen sozialen Einheiten, aus denen sich die Gesellschaft zusammensetzt (Gertenbach et al. 2009: 278-280). Die beiden Konstruktionen sind stark miteinander verbunden. Wichtige Schnittstellen können hervorgehoben werden: Zum einen werden Felder durch Habitus produziert und reproduziert. Sowohl das Feld als auch der Habitus spielen eine bedeutende Rolle in der Gesellschaft. Der Habitus stellt die körperliche (inkorporierte) Objektivierung der Geschichte einer Gesellschaft und Felder deren institutionelle Objektivierung dar (Bourdieu 1987: 106). Eine weitere Komponente, die Bourdieu in das Konzept des Habitus im Zusammenspiel mit dem Konzept des Feldes einbringt ist der Begriff des Kapitals. Bourdieu definiert drei unterschiedliche Kapitalsorten, nämlich das ökonomische, das kulturelle und das soziale Kapital. Ersteres beinhaltet alles, was in Geld umgewandelt werden kann, wie zum Beispiel materielle Güter. Das kulturelle Kapital kann drei verschiedene Formen annehmen: 1. Verkörperung des Habitus, z.B. durch die Art des Auftretens, Sprechens und Verhaltens; 2. Objektivierung kultureller Güter, z.B. Bücher oder Gemälde; 3. Institutionalisiert durch Bildungstitel, die innerhalb des Feldes der Bildung erworben werden. Diese letzte Form des kulturellen Kapitals kann in den Habitus eingehen. Die dritte Kapitalsorte ist das soziale Kapital und verfügt über die sozialen Beziehungen, die ein Akteur in seinem Leben erlangt (Gertenbach et al. 2009: 281).

Ein weiterer wichtiger Punkt, der zu beachten ist in Bourdieus Theorie ist das mehrdimensionale Raumkonzept. In diesem Raumkonzept geht es um den sozialen Raum. In dem sozialen Raum spielen die Positionierungen der Akteure mit den sozialen Beziehungen und Institutionen eine entscheidende Rolle. Es entscheidet sich hier, wie die Akteure aus den jeweiligen feldspezifischen Praktiken und Sichtweisen heraus die soziale Praxis erfahren (Gertenbach et al. 2009: 282).

3.2 Entwicklung der Stadtsoziologie

Die Stadtsoziologie entwickelte sich schon zu Beginn der Soziologie als Wissenschaft. Der soziale Raum Stadt als Phänomen fasziniert schon seit jeher. Da es mir bei diesem Aufsatz jetzt um soziale Gegebenheiten handelt, erwähne ich hier nur ein paar grundlegende Ansätze über die Analyse der Stadtentwicklung. Diese stammen auch von den Gründervätern der Soziologie, wie zum Beispiel die Prozesse der Vergesellschaftung bisher gesellschaftlicher Formen des Zusammenlebens von Ferdinand Tönnies, neue Formen der arbeitsteiligen Produktion für gesellschaftliche Solidarität von Emil Durkheim, die umfassende Rationalisierung und Bürokratisierung aller Daseinsbereiche von Max Weber und letztendlich auch die expandierende Geldwirtschaft mit ihren das Verhalten verändernden Implikationen von Georg Simmel. Die grundlegende Aufgabe der Stadtsoziologie ist es, die verschiedenen Gegenstandsbereiche der Stadt in die Makro-, Meso- und Mikroebene zu differenzieren und nach gesellschaftlichen Strukturzusammenhängen zu forschen (Schäfers 2010: 19).

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Sozial engagiert kontra soziale Ungleichheit
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,5
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V377425
ISBN (eBook)
9783668546363
ISBN (Buch)
9783668546370
Dateigröße
607 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologie, Soziale Ungleichheit, Ehrenamt, Soziales Engegagement, Habitus, Pierre Bourdieu
Arbeit zitieren
Aron Kraft (Autor), 2012, Sozial engagiert kontra soziale Ungleichheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377425

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