Pompeius' Eingreifen in den Spartacus-Aufstand


Hausarbeit, 2004

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Quellenwert

2. Quelleninhalt

3. Quellenkritik

4. Ergebnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

In den 70er Jahren vor unserer Zeitrechnung wurde die römische Republik durch eine Reihe von Kriegen erschüttert. Zum einen hatte der frühere Proprätor Q. Sertorius in Spanien eine eigene Herrschaft errichtet, von der aus er seit 80 v. Chr. den römischen Staat bedrohte.[1] Zum anderen waren auch die römischen Besitzungen in Kleinasien in Gefahr, wo im Herbst 74 ein neuer Krieg mit König Mithridates VI. von Pontus begonnen hatte.[2] Diese beiden Konflikte banden bereits drei der angesehensten Feldherren der Republik – Q. Metellus Pius und Cn. Pompeius in Spanien, L. Licinius Lucullus in Kleinasien – als noch ein drittes Problem auftauchte. Denn zu allem Überfluss brach nun, im Jahre 73, in Süditalien ein Sklavenaufstand unter der Führung des thrakischen Gladiators Spartacus aus. Dieser Aufstand entwickelte sich mehr und mehr zum Flächenbrand und wurde schließlich zum gefährlichsten Sklavenkrieg in der römischen Geschichte.[3]

Nachdem bereits mehrere Proprätoren und dann die Konsuln des Jahres 72 an Spartacus' Sklavenheer gescheitert waren, trat im Herbst 72 ein neuer Mann auf den Plan: Marcus Licinius Crassus.[4] Ausgestattet mit einem proconsularischen Imperium sowie acht Legionen gelang es Crassus, die Armee des Spartacus in die südöstliche Ecke Bruttiums zu drängen. Dort verfiel der neue Feldherr auf den Plan, die Sklaven mit Hilfe eines von Küste zu Küste reichenden Walles von jeglicher Versorgung abzuschneiden. Gleichzeitig machte eine verstärkte Bewachung der gegenüber liegenden Küste Siziliens ein Entweichen auf dem Seeweg unmöglich. Spartacus gelang es zwar noch, mit seinen Truppen den Wall zu durchbrechen (Januar 71). Doch Crassus' Armee nahm umgehend die Verfolgung auf und fügte den Sklaven schließlich im Norden Lucaniens die entscheidende Niederlage zu, in einer Schlacht, in der auch Spartacus ums Leben kam. Nun hätte Crassus der alleinige Ruhm des Siegers über die Sklaven gebührt – wäre nicht kurz zuvor ein Hilferuf an den aus Spanien zurückkehrenden Cn. Pompeius ergangen, der diesen aufforderte, sich am Kampf gegen Spartacus zu beteiligen. Angesichts des letztlich überzeugenden Erfolges von Crassus stellt sich die Frage, weshalb Pompeius überhaupt noch zur Hilfe gerufen wurde. Wie also kam es zum Eingreifen des Pompeius in den Spartacus-Aufstand? Um diese Frage beantworten zu können, soll im Folgenden der Bericht des antiken Historikers Appian untersucht werden, der den Spartacus-Aufstand in seinen Bürgerkriegen geschildert hat.[5]

1. Quellenwert

Appians Schilderung des Spartacus-Aufstandes findet sich in Buch I, Kapitel 116-121 seiner Bürgerkriege. Die für unsere Fragestellung entscheidenden Abschnitte sind die Kapitel 118-121, die sich dem Kommando des Crassus widmen.[6]

Zum Quellenwert: Appian von Alexandria lebte von etwa 95–160 n. Chr.[7] Er schlug schon früh eine Laufbahn als kaiserlicher Beamter ein und war erst in Alexandria, dann, ab 120 n. Chr., in Rom tätig, zuletzt als procurator Augusti.[8] Nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst wandte sich Appian der Schriftstellerei zu. Mit der Historia Romana hinterließ der Alexandriner ein umfangreiches historisches Werk, dessen 24 Bände allerdings nur zum Teil überliefert sind.[9] Hierzu gehören auch die Bürgerkriege, aus denen die zu untersuchende Schilderung des Spartacus-Aufstandes stammt.

Da es sich bei den Bürgerkriegen um ein historisches Werk handelt, haben wir es hier mit einer Traditionsquelle zu tun. Zudem lebte Appian mehr als 160 Jahre nach den von ihm geschilderten Ereignissen und war somit kein Zeitzeuge. Wir müssen also außerdem von einer Sekundärquelle sprechen, die für die heutige Forschung aber dennoch von Interesse ist, weil Appian auf Quellenmaterial zurückgegriffen hat, das uns heute nicht mehr zur Verfügung steht. Seine Bürgerkriege sind "die einzige umfangreiche und ausführliche Quelle"[10] zu dieser Epoche. Welche Quellen es waren, die Appian als Vorlage dienten, ist bis heute heftig umstritten.[11] Die diesbezüglichen Ansätze reichen von einer "Ein-Quellen-Theorie"[12] bis zur Auffassung, Appian habe sich für jeden Abschnitt seiner Historia Romana zwar auf jeweils eine Quelle gestützt, zusätzlich aber noch andere Vorlagen berücksichtigt.[13] Letztere Sicht wird dadurch gestützt, dass der Autor selbst an verschiedenen Stellen seine Vorbilder benannt hat.[14] Für die Benutzung mehrerer Quellen spricht außerdem, dass Appians Arbeitsweise durchaus quellenkritisch war und Vergleiche zwischen verschiedenen Vorlagen anstellte.[15] Ein Hinweis hierauf findet sich auch im vorliegenden Text: Nachdem der Historiker geschildert hat, wie Crassus die von Spartacus geschlagenen konsularischen Legionen dezimieren[16] ließ, räumt er ein: "Einige stimmen freilich dieser Darstellung nicht zu…", worauf er dem Leser eine Version anbietet, nach der Crassus nicht die konsularischen, sondern seine eigenen Truppen nach einer ersten verlorenen Schlacht dezimiert habe.[17]

Genauso umstritten wie die Quellenproblematik ist die Frage, welchen Stellenwert Appians Werk überhaupt einnimmt. Schwächen des antiken Autors bei chronologischen und Namensangaben[18] steht dabei eine zu seiner Zeit keineswegs selbstverständliche Einbeziehung sozialer und ökonomischer Faktoren gegenüber.[19] Im Übrigen hat es den Anschein, als habe Appian sich mehr für die psychologischen Hintergründe als für die harten Fakten der von ihm geschilderten Ereignisse interessiert.[20]

Fragen wir nun nach der Interessenlage des Autors, so dürfte diese keinen Einfluss auf seinen Bericht gehabt haben. Eine gewisse Objektivität lässt sich schon aus der Tatsache ableiten, dass Appian im Spartacus-Aufstand weder Partei noch überhaupt Zeitzeuge war. Stattdessen schrieb er als pensionierter Beamter der Kaiserzeit, vermutlich aus Liebhaberei. Von seinen Überzeugungen wissen wir, dass Appian sowohl Anhänger der Monarchie[21] als auch ägyptischer Patriot gewesen ist[22], doch beides ist für unsere Fragestellung ohne Bedeutung. Zumindest lässt Appian in seiner Schilderung der konkurrierenden Feldherren Pompeius und Crassus keine Vorlieben erkennen. Dies kann man u.a. ablesen an seiner abschließenden Beschreibung des Konfliktes der beiden, wo er die Angst des Volkes vor einem Bürgerkrieg in den Vordergrund rückt, das Verhalten der Kontrahenten aber gänzlich unbewertet lässt.[23]

Fassen wir zusammen: Bei Appians Schilderung des Spartacus-Aufstandes haben wir es mit einer Sekundärquelle zu tun, die zur Quellengattung der Tradition gehört. Der Autor ist nicht Partei, sondern wirkt vielmehr um Objektivität bemüht. Dennoch kann – in Anbetracht von Appians nachlässigem Umgang mit Zahlen, Namen und Chronologie – nicht per se von einer Glaubwürdigkeit seiner Angaben ausgegangen werden.

2. Quelleninhalt

Nachdem Appian die Anfänge des Sklavenkrieges und die ersten Erfolge des Spartacus beschrieben hat[24], wendet er sich dem Feldzug des M. Licinius Crassus zu. Wir erfahren, dass Crassus seine sechs neuen Legionen mit den zweien der geschlagenen Konsuln vereinigte, sich erste Gefechte mit Spartacus lieferte, worauf dieser "zum Meere hin floh, um nach Sizilien überzusetzen".[25] Weiter berichtet Appian, wie Crassus den erwähnten Belagerungsring um die Aufständischen zog "mit Gräben, Mauern und Palisaden"[26], wie die Sklaven erfolglos auszubrechen versuchten und wie sie darauf die Schanzarbeiten der Römer störten, indem sie brennende Holzbündel in den Graben warfen.[27]

Dann fährt Appian fort:

"Als aber die Römer in der Stadt von der Belagerung hörten, hielten sie es für eine Schande, wenn sich der Krieg mit den Gladiatoren für sie noch länger hinziehen sollte, und beorderten daher Pompeius, der eben aus Spanien eingetroffen war, zur Verstärkung ins Feld; glaubten sie doch auch, daß mit der Bewältigung des Spartacus noch ein schweres und großes Stück Arbeit vor ihnen liege."[28]

Weiter heißt es:

"Wegen dieses Volksbeschlusses drängte auch Crassus, um nicht Pompeius den Kriegsruhm zu überlassen, auf jede Weise zu einer kriegerischen Auseinandersetzung mit Spartacus, während dieser, um Pompeius zuvorzukommen, Crassus für ein friedliches Abkommen zu gewinnen suchte."[29]

[...]


[1] RE IIa 2 (1923), 1747 ff., s.v. Q. Sertorius 3 (Schulten, Peter).

[2] RE XV 2 (1932), 2181, s.v. Mithridates VI. Eupator Dionysos 12 (Münzer, Friedrich).

[3] Onken, Björn, Spartacus, in: Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike, herausgegeben v. Hubert Cancik u. Helmuth Schneider (im Folgenden "DNP"), Bd. 11, Stuttgart und Weimar 2001, 795.

[4] Die folgende Zusammenfassung des Aufstandes folgt der Darstellung M. Gelzers, in: RE XIII 1 (1926), 303 ff., s.v. M. Licinius Crassus Dives 68 (im Weiteren: "Gelzer, Crassus").

[5] Appian, Bürgerkriege I, 116-121, in: Ders., Römische Geschichte, Bd. 2, übersetzt v. Otto Veh, durchgesehen, eingeleitet und erläutert v. Wolfgang Will, Stuttgart 1989. Im Weiteren: "Appian".

[6] S. Anm. 5.

[7] Magnino, D., Appian, in: DNP, Bd. 1, 903, 1996.

[8] Ebd. Vergl. a. Brodersen, Kai, Einleitung, in: Appian, Römische Geschichte, Bd. 1, durchgesehen, eingeleitet und erläutert v. Kai Brodersen, Stuttgart 1987, 1.

[9] Vergl. Brodersen, 2f.

[10] Magnino, D., Appian, in: DNP, Bd. 1, 905, 1996.

[11] Brodersen, 4.

[12] Brodersen, 5f.

[13] Brodersen, 6.

[14] Will, Wolfgang, Einleitung, in: Appian, Römische Geschichte, Bd. 2, 3.

[15] Vergl. Magnino, D., Appian, in: DNP, Bd. 1, 905, 1996.

[16] Die Dezimierung (decimatio) war eine selten angewandte, da äußerst drastische Form der Bestrafung einer ganzen Einheit. Dabei wurde jeder zehnte Mann durch Stockschläge hingerichtet (vergl. Le Bohec, Yann, Decimatio, in: DNP, Bd. 3, 345f., 1997).

[17] Appian, 118, (549-551). Zahlen in Klammern bezeichnen die Kapitelunterteilungen der vorliegenden Übersetzung.

[18] Brodersen, 6f.

[19] Will, 8f. Zu beachten ist außerdem die ethnographische Gliederung von Appians Werk (ebd.).

[20] Vergl. Will, 8.

[21] Brodersen, 8.

[22] D.M., in: DNP, Bd. 1, 904, 1996.

[23] Vergl. Appian, 121, (560-565).

[24] Appian, 116 u. 117.

[25] Appian, 118, (551).

[26] Ebd.

[27] Appian, 119, (552-553).

[28] Appian, 119, (554).

[29] Appian, 120, (555).

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Pompeius' Eingreifen in den Spartacus-Aufstand
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V37751
ISBN (eBook)
9783638370134
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pompeius, Eingreifen, Spartacus-Aufstand
Arbeit zitieren
Arne Friedemann (Autor), 2004, Pompeius' Eingreifen in den Spartacus-Aufstand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37751

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