Wird Homosexualität in der Bibel geduldet? Bibelstellen als Unterstützung der Homosexualität


Essay, 2016

9 Seiten

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Bibelstellen mit dem Thema Homosexualität
2.1 Leviticus 18,22
2.2 Genesis 19,4; 19,5; 19,9
2.3 Das erste und zweite Buch Samuel

3. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nachdem ich das Seminar „Bibel und Sexualität“ besucht habe, ist mir unter anderem die (männliche) Homosexualität im Alten Testament am Stärksten in Erinnerung geblieben. Ich hatte von diesem Thema in der Bibel das erste Mal erfahren und war erstaunt, dass es im Alten Testament thematisiert wurde. In Bezug darauf, dass Homosexualität heute in vielen Teilen der Gesellschaft, zum Beispiel auch in der Kirche, leider nicht respektiert wird, halte ich es für enorm wichtig diese wenigen Bibelstellen als kein Zeichen gegen gleichgeschlechtliche Liebe zu deuten. Hier stellt sich für mich die Frage: Kann die Bibel Homosexualität in der heutigen Zeit dahingehend unterstützen, dass die gleichgeschlechtlich lebenden Menschen sowohl von der Religionsgemeinschaft als auch von der Gesellschaft akzeptiert werden?

Solange sich die Kirche gegen diese Art von Liebe sträubt, werden es Homosexuelle immer schwierig haben ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Doch ein erster Schritt wäre es, die Bibelstellen neu zu interpretieren und als einhellige Meinung kundzutun. Die Kirche würde der Bibel nicht Unrecht tun und den Schwulen und auch den Lesben zu einem besseren, berechtigteren Menschenbild verhelfen. Dieser Gedanke wird sich dann zwangsläufig auf die Gesellschaft auswirken und Homosexualität könnte immer mehr als Normalität und nicht als zu diskriminierenden Akt gelten. Ziel meines Essays ist es herauszufinden, welche Bibelstellen sich dazu eignen gleichgeschlechtliche Liebe zu unterstützen. Dabei werde ich eigene Interpretationen mit Interpretationen weiterer Exegeten paaren, um ein logisches Meinungsbild zu entwickeln.

2. Bibelstellen mit dem Thema Homosexualität

In der hebräischen Bibel findet man nur wenige Textstellen, die auf Homosexualität hindeuten. Jedoch können auch schon wenige Bibelstellen aufschlussreich darüber sein wie die Israelis damals über das Thema gedacht haben. Dieses Denken möchte ich anhand ausgewählter Stellen in der Bibel herauskristallisieren, um herauszufinden, inwiefern die Argumente der Kirche, dass Homosexualität in der Bibel nicht akzeptiert wird, berechtigt sind und inwiefern man die Bibel zur Unterstützung homosexueller Lebensweisen nutzen kann. Ich bin der Meinung, dass die Bibel eine enorme Aussagekraft über die Gesellschaft hat und würde es begrüßen, wenn Homosexualität als normaler Akt, der nicht in der Bibel verschmäht wurde, gelte. Notwendig ist dabei ein Umdenken der Kirche, welches jedoch nur gelingen kann, wenn es eine einhellige Meinung über die folgenden Bibelstellen gebe.

2.1 Leviticus 18,22

Das Buch Leviticus, welches insgesamt eine Menge an gottesgewollte Ordnungen enthält, beinhaltet auch Aussagen über Homosexualität. In Lev 18,22 heißt es: „Du darfst nicht mit einem Mann schlafen wie man mit einer Frau schläft; das wäre eine Greueltat“.

Uneinig sind sich die Exegeten über die Motive dieser Aussage zu der damaligen Zeit. Während einige Exegeten die Ursache in der Demütigung des Mannes sehen[1], falls dieser wie eine Frau behandelt wird und Gewalt beim Sex zwischen Männern erkannt haben, gibt es auch die Meinung, dass es um „die strikte und klare Unterscheidung zwischen Mann und Frau“[2] geht. Ich denke, dass es eine nachvollziehbare Interpretation ist, da es den Vers ansonsten auch ohne den Vergleich mit einer Frau geben könnte. Es würde dann lediglich heißen: „Du darfst nicht mit einem Mann schlafen, das wäre eine Greueltat“. Dies wäre eine klare Botschaft gegen Homosexualität. Da es in der Bibel jedoch diesen betonten Vergleich gibt, könnte man es auch so verstehen, dass ein Mann einen Mann nur anders behandeln soll als eine Frau, während er mit ihm schläft, was so erstmal nicht gegen eine Liebe spricht.

Ähnlich argumentieren auch Silvia Schroer und Thomas Staubil, die in diesem Gesetz keine Ablehnung gegen die Homosexualität an sich sehen, sondern eher gegen sexuelle Praktiken dieser Art. So wird Analverkehr bei einem Mann mit Gewalt verbunden, weshalb er im Leviticus-Buch verurteilt wird. Dabei ginge es jedoch weniger um die „moral-ethische Verwerfung einer homosexuellen Kultur oder die Beurteilung einer Männerbeziehung“[3]. Anhand dieser Überlegungen erkenne ich, dass die Abneigung gegen Homosexuelle seitens der Kirche und eines Großteils der Gesellschaft größer ist, als es in der Zeit der biblischen Erzählungen der Fall war. Während es damals, je nachdem wie man es interpretiert, höchstens um die Verurteilung sexueller Praktiken zwischen Männern ging, betrifft die Abneigung heutzutage ebenso die Liebesbeziehung zwischen diesen. Alleine wenn man zwei Männer küssen sieht, erkennt man im gleichen Augenblick angewiderte Blicke in der Gesellschaft. Ich denke dieses vorherrschende Bild von Homosexuellen ist zum Teil der falschen Interpretation dieser Bibelstelle geschuldet. Würde man diese in Zukunft mit einhelliger Meinung anders bewerten, gäbe es meines Erwartens nach ein stärkeres Umdenken der Kirche in Bezug auf gleichgeschlechtliche Liebe. Und dieses Umdenken könnte sich irgendwann auf die gesamte Gesellschaft verbreiten.

2.2 Genesis 19,4; 19,5; 19,9

Im Buch Genesis geht es in Kapitel 19 um den Neffen Abrahams, Lot, der in der Stadt Sodom lebte und von zwei Boten Gottes besucht wurde. Nachdem er diese aufgenommen hatte, kamen die Männer Sodoms, um die beiden Gäste zu vergewaltigen wie es in Vers 4 und 5 beschrieben wird: „Sie waren noch nicht schlafen gegangen, da umstellten die Einwohner der Stadt das Haus, die Männer von Sodom, jung und alt, alles Volk von weit und breit. Sie riefen nach Lot und fragten ihn: Wo sind die Männer, die heute abend zu dir gekommen sind? Heraus mit ihnen, wir wollen mit ihnen verkehren.“ Als Lot sich dagegen wehrte seine Gäste preiszugeben, wird es in der Bibel in Vers 9 beschrieben, als ob nun dieser vergewaltigt wird: „[…] Nun wollen wir es mit dir noch schlimmer treiben als mit ihnen. Sie setzten dem Mann, nämlich Lot, arg zu und waren schon dabei die Tür aufzubrechen“.

Diese Bibelstellen lassen sich und werden auch zum Teil so gedeutet, dass Homosexualität als Verbrechen gilt. Die Männer Sodoms haben vor, einen sexuellen Akt an den Gästen Lots zu begehen und werden deshalb bestraft. In der Tat kann man es hier auf die Homosexualität beziehen. Dies halte ich jedoch für falsch, da es hier um Nötigung geht. Um Sex, den die eine Seite offensichtlich nicht möchte, was jedoch nicht akzeptiert wird. In dem Fall wäre Vergewaltigung beziehungsweise versuchte Vergewaltigung das Delikt, weshalb die Sodomer am Ende von Gott bestraft werden.

Nachdem ich aus meiner Sicht widerlegt habe, dass Homosexualität an diesem Punkt in der Bibel kritisiert wird, stellt sich für mich nun die Frage, ob man diese Bibelstelle als Propaganda für gleichgeschlechtliche Liebe verwenden könnte. Und ich denke hier würde es schon ausreichen, wenn diese schlimme Geschichte, die von Gewalt, Vergewaltigung und Grausamkeit geprägt ist, im wissenschaftlichen Diskurs nicht mehr in Verbindung mit Homosexuelle gebracht wird. Denn hier geht es um völlig unterschiedliche Dinge, weshalb es für mich unverständlich ist, dass es Exegeten gibt, die in dieser Stelle eine Verurteilung von Homosexuellen erkennen und nicht über Vergewaltiger sprechen.

2.3 Das erste und zweite Buch Samuel

Der Erzählstrang im ersten Buch Samuel berichtet von dem König Saul, von David, der sein Krieger wurde und von Sauls Sohn Jonathan. In diesen Versen lassen sich mehrere Textstellen finden, die homosexuelle Aussagen enthalten. Schroer und Staubil sprechen hier gar im Titel ihres Werkes von einer homosexuellen Dreiecksbeziehung der oben genannten Charaktere.[4] Diese Dreiecksbeziehung, die laut Schroer und Staubil daraus bestehe, dass sowohl Saul als auch Jonathan David lieben und Ersterer ihn aus Eifersucht verbann, teile ich nicht mit voller Überzeugung. Ich halte es zwar für möglich, dass diese Bibelstelle auch diese Thematik beinhaltet, dies ist jedoch schwieriger zu belegen. Zudem trüge es nicht zur Unterstützung der Homosexualität bei, da das Oberthema eher Eifersucht hieße. Wichtig und eindeutig sind für mich die Verse 18,1 („Und es geschah, als er aufgehört hatte, mit Saul zu reden, verband sich die Seele Jonathans mit der Seele/Kehle Davids; und Jonathan gewann ihn lieb wie seine eigene Kehle“), 18,2 („Und es schnitt Jonathan und David einen Bund, weil er ihn liebhatte wie seine eigene Seele/Kehle“) und 18,4 („Und Jonathan zog das Oberkleid aus, das er anhatte, und gab es David, und seinen Waffenrock , bis hin zu seinem Schwert, bis hin zu seinem Bogen und bis hin zu seinem Gürtel“). Diese Verse zeigen die Zuneigung, die Jonathan für David verspürt. Dass es hier um mehr als um Männerfreundschaft geht, zeigen die Wörter Seele und Kehle, die für Erregung stehen.[5] Auch das „liebhaben wie seine eigene“ spricht für Liebe, die Jonathan für David verspürt. Bei der Szene, die in 18,4 beschrieben wird, denkt man meiner Meinung nach direkt an einen erotischen Akt, der bevorsteht. Jonathan zieht sich für David aus, er unterwirft sich ihm wie eine Frau.[6] Diese Aspekte die hier durch die vorliegenden Bibelstellen zum Ausdruck gebracht werden, sind für mich ein Zeichen, dass Homosexualität in der Bibel sehr wohl akzeptiert wurde.

[...]


[1] Vgl. Wacker, Marie-Theres: „Und David küsste Jonathan…“. Homosexualität und Bibel. Auf: https://www.kath.de/akademie/rahner/Download/Vortraege/inhalt-pdf/_wacker-homosexualitaet.pdf (Stand: 24.03.2016). S. 2.

[2] Ebd. S. 2.

[3] Schroer, Silvia & Thomas Staubil: Saul, David und Jonathan – eine Dreiecksgeschichte? Ein Beitrag zum Thema Homosexualität im Ersten Testament. In: Bibel und Kirche. Jahrgang 51. Hrsg. von Katholisches Bibelwerk. Stuttgart 1996. S. 16.

[4] Vgl. Ebd.

[5] Vgl. Wacker, Marie-Theres: „Und David küsste Jonathan…“. Homosexualität und Bibel. Auf: https://www.kath.de/akademie/rahner/Download/Vortraege/inhalt-pdf/_wacker-homosexualitaet.pdf (Stand: 24.03.2016). S. 7.

[6] Vgl. Ebd. S. 8.

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Details

Titel
Wird Homosexualität in der Bibel geduldet? Bibelstellen als Unterstützung der Homosexualität
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Jahr
2016
Seiten
9
Katalognummer
V377538
ISBN (eBook)
9783668549968
ISBN (Buch)
9783668549975
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wird, homosexualität, bibel, bibelstellen, unterstützung
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Wird Homosexualität in der Bibel geduldet? Bibelstellen als Unterstützung der Homosexualität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377538

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