Suetons Kaiservita und die Darstellung Neros


Hausarbeit, 2016
22 Seiten, Note: 0,75
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Sueton – sein Leben und sein Werk

Die thematische Struktur von Suetons Kaiservita Nero

Die Darstellung Neros in den einzelnen Abschnitten

Fazit

Fakt oder Fake?

Grundsätzliches zum Umgang mit „Fake News“

Biographie versus Historiographie

Literatur- und Quellenverzeichnis

Internet-Quellen

Sueton – sein Leben und sein Werk

Das exakte Geburtsjahr von Gaius Suetonius Tranquillus, kurz Sueton genannt, ist unbekannt. Sonnabend nimmt an, dass das Geburtsjahr in einer Zeitspanne um das Jahr 70 n. Chr. herum, also etwa zwei Jahre nach dem Tod Neros, lag.[1] Seine Heimat war aller Wahrscheinlichkeit nach das römische Nordafrika, vermutlich die Stadt Hippo Regius im heutigen Algerien. Er entstammte einer dem Ritterstand zugehörigen Familie, welche offensichtlich in Rom lebte.[2] Sueton übte zunächst die Tätigkeit eines Rechtsanwalts in Rom aus. Um 100 n. Chr. trat Sueton zu Zeiten Kaiser Hadrians in die kaiserliche Kanzlei ein.[3] Dort stieg er in die Funktion als ab epistulis, eine Art Kanzlei-Staatssekretär auf. In diesem Amt war er zuständig für die kaiserliche Korrespondenz und hatte Zugang zu den Archiven.[4] In den Archiven befanden sich Briefe und Akten, denen er auch Informationen aus dem Privatleben der Kaiser entnehmen konnte. Diese Quellen nutzte er für seine berühmten Kaiserbiographien, die er unter dem originalen Titel De vita Caesarum zusammenfasste. Das Sammelwerk der Kaiserviten umfasst insgesamt zwölf Biographien.[5] Die Kaiserbiographien stellen das Hauptwerk Suetons dar. Auch über Dichter, Redner, Geschichtsschreiber und Grammatiker hat Sueton Kurzviten unter dem Titel De viris illustribus verfasst. Dieses Werk ist aber nur noch teilweise erhalten.[6] Im Gefolge einer Hofintrige um die Kaiserin Sabina wurde Sueton 121 n. Chr. aus seinem Amt entlassen. Vermutlich um 150 n. Chr. ist Sueton gestorben.[7]

Die thematische Struktur von Suetons Kaiservita Nero

Sueton beginnt die Kaiservita Nero mit einer ausführlichen Darstellung von Neros Abstammung und Familie, sozusagen einem verbalen Stammbaum (Kapitel 1 – 5). Das Interesse für gens und familia dient über das Sachliche hinaus der Beleuchtung des Charakters.[8] Sueton betrachtet dies als genetische Vorherbestimmung. Geburt, Kindheit und Jugend werden in den Kapiteln 5, 6 und 7 kurz abgehandelt, insbesondere wird hier schon auf seine Leidenschaft für das Theater und auf seine Grausamkeit hingewiesen. Sueton unterteilt die Biographie in Gut und Böse, d.h. in Tugenden und Laster, virtutes und vitia. Zur besseren Überschaubarkeit nimmt er zusätzlich eine Einteilung in Rubriken („Zettelkastenprinzip“)[9] vor. Ab der Thronbesteigung (Kap. 8) bis einschließlich Kapitel 19 schildert Sueton die virtutes Neros, da Nero in der Anfangsphase seine Tugenden unter Beweis stellen wollte (vgl. hierzu Kap. 19 Abs. 3). Innerhalb der Tugenden ab Kapitel 14 bis 19 sowie im ersten Kapitel der Laster (Kapitel 20) schildert Sueton die Vita publica, d.h. die Ämter und öffentlichen Funktionen, welche Nero innerhalb seiner Ämterlaufbahn (cursus honorum) ausgeführt hatte.[10] Die vorstehende Aussage beinhaltet, dass in den übrigen Kapiteln über Nero seine Vita privata abgehandelt wird. Die Schilderung der Laster Neros (ab Kapitel 20 bis Kapitel 38) beginnt mit seinem hervorstechendsten Fehler, seinem Theaterwahn[11], welcher dementsprechend sehr ausführlich dargestellt wird (Kapitel 20 bis 25). Die Laster Neros unterteilt Sueton in Schandtaten und Verbrechen pobra ac scelera. Zu den Schandtaten zählt Sueton in Kapitel 26 Unverschämtheit, sexuelle Gier, Verschwendungssucht, Habgier und Grausamkeit. Beginnend mit Kapitel 27 (bis 38) beschreibt Sueton die Verbrechen scelera. Die dargestellten Verbrechen folgen einer Crescendolinie, welche Nero in immer höherem Grade als Scheusal erkennen lässt.[12] Die Schilderung der grausamen Verbrechen findet in der angeblichen Brandstiftung ihren Höhepunkt (Kapitel 38). Die äußeren Schicksalsschläge in Kapitel 39 werden als beunruhigendes Vorzeichen prodigium für den bevorstehenden Untergang Neros bis hin zu seinem Tod und Begräbnis (Kapitel 50) in die Biographie eingefügt. Diesen Umschwung im Leben des Kaisers mit fehlgedeuteten Sehersprüchen und Vorzeichen schildert Sueton ausführlich. Die einzelnen Stadien des Untergangs mit dem ständigen Hinauszögern der Entscheidung werden wie in der griechischen Tragödie als retardierendes Moment eingeführt.[13] Im Anschluss an die Bestattung erfolgt noch ein Resümee (Kap. 51 – 56).[14] Hier vermittelt Sueton Informationen, „die nicht in den Ablauf der Erzählung gepasst hätten“.[15] Die Biographie endet mit den Reaktionen auf Neros Tod (Kap. 57) inner- und außerhalb des Römischen Reiches.

Die Darstellung Neros in den einzelnen Abschnitten

Kapitel 1- 5: In den Kapiteln 1 bis 5 werden die Herkunft und die Familie (Ahnen) Neros beschrieben. Nero entstammt dem Geschlecht der Domitier und der Familie Ahenobarbi. Das lateinische Wort ahenobarbus bedeutet bronzener Bart, Rotbart. Dieses äußere Attribut kennzeichnete viele Vorfahren des Nero (Kap. 1 Abs. 1). Die Ahnen des Nero werden teilweise sehr negativ beschrieben. Vom Großvater des Urgroßvaters wurde gesagt, er habe „ein Herz hart wie Blei“ (Kap. 2 Abs.2). Dessen Sohn ließ die Massilier „unvermutet wieder im Stich“, er war also unzuverlässig, ohne „genügend Standhaftigkeit“ und mit einem „heftigen Charakter“, er „änderte seinen Sinn“, war wankelmütig (Kap. 2 Abs. 3). Der Vater des Domitius wird als „anmaßend“, „verschwenderisch“ und „schroff in seinem Wesen“ beschrieben. Er ließ „vulgäre Possenspiele“ und „grausame Gladiatorenkämpfe“ ausrichten, so dass er von Augustus gemaßregelt werden musste, nachdem er sich nach vorausgegangener Ermahnung uneinsichtig gezeigt hatte (Kap. 4 Abs.1). Der Vater des Nero wird von Sueton wörtlich als ein „ganz und gar verabscheuenswerter Mensch“ bezeichnet. Sueton berichtet, dass Neros Vater einen Freigelassenen nur deshalb erschlagen hat, „nur weil dieser sich geweigert hatte, so viel zu trinken, wie ihm befohlen worden war.“ Ein anderes Mal hat er aus einer plötzlichen Laune heraus absichtlich mit seinem Gespann einen Knaben überfahren (Kap. 5 Abs. 1). Neros Vater war nicht nur ein Mörder, sondern wie Sueton feststellt auch ein Betrüger, der Bankiers nicht das Geld für von ihm in Auftrag gegebene Ankäufe erstattete. Majestätsbeleidigung, Ehebruch und Blutschande mit seiner Schwester Lepida warf man Neros Vater ebenfalls vor. Nur durch glückliche Umstände (Thronwechsel) gelang es ihm allerdings der Bestrafung für diese Verbrechen zu entgehen (Kap. 5 Abs. 2). Bei der Schilderung Suetons kann man den Eindruck gewinnen als würden die Charaktereigenschaften von Generation zu Generation immer negativer, um dann in der Person des Nero einen unrühmlichen Höhepunkt zu erreichen. Nero wird damit quasi für die Verbrechen und Gräueltaten seiner Vorfahren in Sippenhaft genommen, was eine schwere Hypothek für sein Leben und sein Image über Jahrtausende darstellt.

Kapitel 6 - 10: Der Sonnenaufgang bei der Geburt Neros wird von Sueton als prodigium, d.h. als Unglück verheißendes Naturereignis interpretiert. Als Unheilsprognose wird auch der Ausspruch seines Vaters bei der Geburt Neros gewertet, welcher gesagt haben soll „ein Geschöpf von ihm und Agrippina könne nur ein Scheusal und eine Pest für den Staat (nisi detestabile et malo publico potuisse) sein“ (Kap. 6 Abs. 1). Mit dieser vorverurteilenden Aussage stimmt Sueton die Leser seiner Nero Kaiservita bereits auf die Schilderung der Charakterzüge Neros ein. Auch in der Namensgebungsanekdote (Kap. 6 Abs. 2) erkennt Sueton ein Indiz für einen „künftigen Unheilsbringer (eiusdem futurae felicitatis signum). “ Die Schilderung seines beifallumrauschten Auftritts (Kap. 7 Abs. 1) als Jugendlicher bei einem Reiterspiel ist ein erster Hinweis auf Neros „Leidenschaft für Spiele und Theater“.[16] Senecas Traum, er sei Lehrer eines Caligula geworden, dient Sueton als Vorzeichen für die „grausame Natur“ Neros, welche dieser „bei jeder Gelegenheit“ unter Beweis stellte. So versuchte er auf intrigante Art und Weise seinem Stiefvater einzureden, Britannicus sei ein Kuckuckskind. Sein Auftritt vor Gericht als Belastungszeuge gegen seine Tante Lepida - nur um seiner Mutter einen Gefallen zu tun – lässt ihn als skrupellosen Menschen erscheinen (Kap. 7 Abs. 1). Zu Neros Charaktereigenschaften zählt auch seine Großzügigkeit „kostenlose Getreiderationen für das Volk“ und „Geldgeschenke für die Soldaten“(populo congiarium, militi donatiuum) (Kap. 7 Abs. 2) . Dass Nero bereits als Sechzehnjähriger bei seiner Ausrufung zum imperator über ein übersteigertes Selbstbewusstsein („Mangel an modestia und civilitas“[17] ) verfügte, kommt in der Tatsache zum Ausdruck, dass er die „maßlosen Ehrenbezeugungen“ widerspruchslos akzeptierte und nur den Titel des „Vater des Vaterlandes“ (patris patriae) angesichts seiner Jugend zurückwies (Kap. 8 Abs. 1). In der Anfangsperiode seines Prinzipats erwies sich Nero als liebender Sohn, der seinem verstorbenen Stiefvater ein „prunkvolles Begräbnis“ organisierte, und seiner Mutter, die er „die beste aller Mütter (matri summam omnium) “ nannte, die Leitung der privaten und öffentlichen Angelegenheiten überließ (Kap. 9 Abs. 1). Sueton schildert, dass Nero keine Gelegenheit ausließ, seine Freigebigkeit (liberalitas), seine Milde (clementia) und sein leutseliges Wesen (comitas) unter Beweis zu stellen. Sueton führt zahlreiche Beispiele (Steuersenkung, Reduzierung der Prämie für Denunzianten, Geldgeschenke an das Volk, monatliche Getreideration für die Prätorianer) für die vorstehend genannten Charaktereigenschaften Neros an (Kap. 10 Abs. 1). Als Nero einmal ein Todesurteil unterschreiben sollte, beklagte er, dass er Lesen und Schreiben gelernt habe („Quam vellem“, inquit, „nescire litteras“). Nero trat im Theater auf, rezitierte Gedichte und erntete von seinen Zuhörern Begeisterungsstürme und seine Verse wurden in goldenen Lettern dem kapitolinischen Jupiter geweiht (Kap. 10 Abs. 2). Anders als die Prophezeiung seines Vaters bei der Geburt erwies sich Nero in der Anfangsphase seiner Regierungszeit als großzügiger, milder und leutseliger Herrscher, der darüber hinaus mit seinen dichterischen und schauspielerischen Talenten das Volk begeisterte. Cum grano salis ist die charakterliche Bewertung Neros in dieser Epoche auch bei Sueton überwiegend positiv .

Kapitel 11 – 13: In diesen Kapiteln schildert Sueton Nero ausschließlich als äußerst positiven Herrscher. Zur Unterhaltung der Bevölkerung organisiert Nero Schauspiele wie Theaterstücke, Circusvorstellungen, Gladiatorenkämpfe und Juvenalien (Jugendspiele) (Kap. 11 Abs. 1). Bei einem Schauspiel wurden teilweise sehr wertvolle Gegenstände an die Besucher verteilt bis hin zu ganzen Häuserblöcken und Grundstücken (Kap. 11 Abs. 2). Bei Gladiatorenwettkämpfen ließ er nicht zu, dass auch nur einer getötet wurde. Selbst verurteilte Verbrecher durften nicht getötet werden (Kap. 12 Abs. 1). Er erwies sich somit als humaner und milder Prinzeps. Ein neu eingeführter, musischer und athletischer Wettkampf (Agon) erhielt zu seinen Ehren den Namen Neronia. Bei einem Wettstreit für Redekunst und Dichtung, an dem die größten Könner auf diesem Gebiet teilgenommen hatten, wurde der Siegeskranz von den Juroren einstimmig dem Kaiser zuerkannt (Kap. 12 Abs. 3). Den Empfang des Königs Tiridates von Armenien in Rom zählt Sueton zu den schauspielerischen Leistungen Neros (Kap. 13 Abs. 1). Bei der militärischen Lösung des Konflikts mit den Parthern um Armenien hatte sich Nero als energischer und umsichtiger[18] Staatsmann erwiesen, in dem er mit dem mächtigsten Gegner des römischen Reichs einen Kompromissfrieden geschlossen hatte. Der Bitte des Königs Tiridates um Gnade entsprach Nero mit theatralischer Geste. Bei dieser Gelegenheit wurde Nero zum Imperator ausgerufen. Als Zeichen dafür, dass es keinen Krieg mehr gebe, ließ Nero beide Pforten des Janustempels schließen (Ianum geminum clausit) (Kapitel 13 Abs. 2) . Wie schon vorstehend ausgeführt, erscheint Nero in diesen Kapiteln in strahlendem Licht: als kunstsinniger, großzügiger, milder, humaner, friedfertiger und weitsichtiger Staatsmann und Diplomat, ein Vorbild für andere Staatsoberhäupter!

Kapitel 14: Nero hatte das Konsulat vier Mal inne, Das Konsulat war das höchste zivile und militärische Amt Roms (Kap. 14 Abs. 1). Die Tatsache, dass Nero dieses Amt jeweils nur für einige Monate und nicht ständig ausgeübt hat, spricht dafür, dass er kein machtgieriger Mensch war, welcher die absolute Herrschaft an sich reißen wollte.

Kapitel 15: Neros Vorgehensweise als Richter nennt Sueton „zögernd“, weil die Entscheidung erst am nächsten Tag mit schriftlicher Begründung fiel. Um Argument und Gegenargument besser abwägen zu können, ließ er die Parteien zu den jeweiligen Punkten einzeln zu Wort kommen. Die Stellungnahmen seiner Beisitzer holte er schriftlich ein; durch dieses Prozedere verhinderte er eine „gegenseitige Beeinflussung“[19]. Anschließend formulierte er das Urteil und erweckte den Anschein, als entspräche das Urteil der Mehrheitsmeinung (Kap. 15 Abs. 1). Die Arbeitsweise Neros als Richter kann nur als vernunftgemäß, sorgfältig und gerecht bezeichnet werden.

Seine Amtsführung war voller Verständnis für die nicht-berücksichtigten Kandidaten bei der Vergabe öffentlicher Ämter, denen er zum Ausgleich den Posten eines Legionskommandanten übertrug (Kap. 15 Abs. 2). Bei der Ernennung von Konsuln vermied er alles, um eine Herabwürdigung des Senats zu vermeiden. Sein Verhalten war voller Achtung, Verständnis und Rücksichtnahme sowohl für Personen als auch für Organe des Staates, kurz gesagt: vorbildlich.

Kapitel 16 - 18: Unter Neros Amtsführung wurde das Sozial- und Rechtswesen reformiert. Das Baurecht sah zur erleichterten Brandbekämpfung (siehe auch Kap. 38 Der Brand Roms) Kolonnaden vor Wohnblocks und Privathäusern vor. Diese ließ er auf eigene Kosten erbauen (Kap. 16 Abs. 1). Statt öffentlicher Speisungen gab es Lebensmittelrationen. Die Christen wurden mit dem Tode bestraft, weil sie einer „Sekte“ mit einem „gemeingefährlichen Aberglauben“ angehörten. Verboten wurden auch die „Vergnügungen der Wagenlenker“, sich in der Stadt herumzutreiben und die Leute hereinzulegen und zu bestehlen. Pantomimenschauspieler wurden verbannt (Kap. 16 Abs. 2). Testamente wurden durch Form- und Gestaltungsvorschriften gegen Fälschungen geschützt. Für Anwälte wurden Höchsthonorare festgelegt. Die Kosten für Richter übernahm die Staatskasse. Berufungen gegen Urteile waren an den Senat zu richten (Kap. 17 Abs. 1). Nero hatte nicht die Absicht, das Römische Reich durch kriegerische Aktivitäten zu vergrößern (Kap. 18 Abs. 1). Alle vorstehend genannten Maßnahmen werden von Sueton uneingeschränkt positiv geschildert. Nero wird als umsichtiger, sozialer und friedliebender Staatenlenker geschildert, dem die innere Sicherheit und Ordnung am Herzen lag. Die Bürger sollten vor Betrug, Diebstahl, Übervorteilung und Wucher geschützt werden und in Frieden ohne mörderische Kriege leben können. Die Ausbreitung von Feuersbrünsten sollte dadurch eingedämmt werden, dass die Brandbekämpfer über die Flachdach-Kolonnaden leichter an die Brandherde in oberen Stockwerken herankommen sollten. Aus heutiger Sicht muss die positive Darstellung Neros in den Kapitel 16 – 18 von Suetons einschlägiger Kaiservita allerdings in einem Punkt wegen der intoleranten, grausamen und unmenschlichen Christenverfolgung dringend korrigiert werden (Für heutige Begriffe ist vollkommen unverständlich, dass Sueton die Christenverfolgung als „Tugend“ Neros ansah!!!).

Kapitel 19: Mit Kapitel 19 beendet Sueton die positive Darstellung Neros, seiner sogenannten Tugenden (virtutes). Er berichtet von zwei Auslandsreisen Neros, von denen er eine wegen „gefahrdrohender Vorzeichen“ allerdings nicht unternahm (Kap. 19 Abs. 1). Mit dem Beginn des Kanalbaus am Isthmus von Korinth begann er ein Jahrhundertbauwerk, das den Seeweg zum Schwarzen Meer erheblich verkürzte. Sueton berichtet auch von Vorbereitungen für einen Heereszug an die Kaspische Pforte (Kap. 19 Abs. 2). Diese Vorbereitungen stehen allerdings in Widerspruch zu Suetons kurz zuvor geäußerter Behauptung Nero habe keinerlei Expansionsabsichten (Kapitel 18, Abs. 1) gehabt.[20] Sueton dementiert sich hier selber. Mit Kapitel 19 Abs. 3 enden Suetons Berichte, die „sogar ausgesprochenes Lob“ verdient haben.

Kapitel 20 - 25: Beginnend mit dem Kapitel 20 schildert Sueton die Laster (vitia) Neros, welche er Schandtaten und Verbrechen (probra ac scelera) nennt. Nero ließ den bekanntesten Kithara-Sänger (Leier-ähnliches Musikinstrument) an seinen Hof kommen, damit dieser ihm Tag und Nacht vorsänge. Nero begann diese Kunst zu studieren und quälte sich, um seine Stimme zu kräftigen. Trotz vielfältiger Bemühungen blieb seine Stimme nach Aussage von Sueton „schwach und rau“ (Kap. 20 Abs. 1). Ungeachtet der stimmlichen Defizite war Nero von seinen eigenen Sangeskünsten so begeistert, dass er in Neapel öffentlich auftrat (Kap. 20 Abs. 2). Damit er als Künstler auch den ihm gebührenden Applaus erhielt, ließ er Zuhörer aus Alexandria (im heutigen Ägypten) herbeiordern, welche die Beifallsstürme einstudieren mussten. Die Anführer der Claqueure wurden von Nero fürstlich honoriert (Kap. 20 Abs. 3). Für das Laster des Musizierens scheute Nero trotz mangelnden Talents weder Kosten noch Mühen. Sueton schildert Nero im Kapitel 20 als eitel, selbstgefällig, unfähig zur Selbstkritik und größenwahnsinnig. In Kapitel 21 schildert Sueton wie Nero die nach ihm benannten Spiele nach Belieben verschiebt, nur damit er Gelegenheit erhält, sich als Sänger in Szene setzen zu können (Kap. 21 Abs. 1). Auch bei Schauspielen trat er als Held oder Gott auf, wobei die Masken sein Konterfei tragen mussten, bei Heroinen- oder Göttinnen-Rollen trugen die Masken das Bildnis seiner jeweiligen Partnerin (Kap. 21 Abs. 3).

[...]


[1] Sonnabend, Holger: Nero – Inszenierung der Macht, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 2016, S. 20

[2] Giebel, Marion: Nachwort S. 139 in Sueton: Nero, Reclam Stuttgart 1987

[3] Sonnabend, Holger: Nero, a.a.O. S. 20

[4] Giebel, Marion: Nachwort, a.a.O. S. 140

[5] Sonnabend, Holger: Nero a.a.O., S. 20

[6] Giebel, Marion: Nachwort, a.a.O., S. 140

[7] ibidem S. 141

[8] Steidle, Wolf: Sueton und die antike Biographie, Beck Verlag München 1951 S. 91

[9] Giebel, Marion: Nachwort a.a.O. S. 129f

[10] ibidem, S. 133

[11] Gugel, Helmut: Studien zur biographischen Technik Suetons, Hermann Böhlaus Nachf., Wien, 1977, S. 86

[12] Steidle, Wolf: Sueton und die antike Biographie, a.a.O., S. 89

[13] Giebel, Marion: Nachwort a.a.O., S. 136

[14] ibidem, S. 136

[15] ibidem, S. 137

[16] Giebel, Marion: Nachwort a.a.O. S. 132

[17] ibidem S. 132

[18] Sueton: Nero, Anmerkungen zum Text, Ziffer 34, Seite 107

[19] Fini, Massimo: Nero, Zweitausend Jahre Verleumdung, Herbig Verlag München 1994, S.44

[20] Vgl.: Sueton, Nero, Anmerkungen zum Text Ziffer 49, S. 109f

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Suetons Kaiservita und die Darstellung Neros
Veranstaltung
Leistungskurs
Note
0,75
Jahr
2016
Seiten
22
Katalognummer
V377546
ISBN (eBook)
9783668549210
ISBN (Buch)
9783668549227
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
suetons, kaiservita, darstellung, neros
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Suetons Kaiservita und die Darstellung Neros, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377546

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