In dieser Arbeit geht es darum altersspezifische Muster der Gebrauchstextsorte Todesanzeige zu erkennen und typische Merkmale von Kindertodesanzeigen herauszuarbeiten. Innerhalb der analysierten Anzeigen wird zwischen zwei Inserentengruppen differenziert: Familie ersten Grades und Freunde & Institutionen.
Die Analyse dient als Vorarbeit zu einem kontrastiven Vergleich zwischen Kindertodesanzeigen und Erwachsenentodesanzeigen. Aus diesem Grund wird das Forschungsdesign stark an bereits durchgeführte Analysen angelehnt. Da diese Analysen jedoch relativ alt sind und eine Weiterentwicklung der Muster innerhalb der Todesanzeige wahrscheinlich ist, wird auf deren Grundlage von einer kontrastiven Analyse abgesehen. Um eine Vergleichbarkeit gewährleisten zu können, müssten zuvor die Todesanzeigen für Erwachsene noch einmal hinsichtlich ihrer einzelnen Elemente untersucht werden. Ansonsten kann nicht ausgeschlossen werden, dass erkannte Unterschiede zwischen Kindertodesanzeigen und Erwachsenentodesanzeigen aufgrund der zeitlichen Differenz der Untersuchungszeiträume bestehen.
Um einen möglichen Wandel und spezifische Unterschiede der Kindertodesanzeigen einordnen zu können, wird vor der Analyse auf den Umgang mit dem Thema Tod innerhalb der Gesellschaft eingegangen. Dies geschieht mit Fokus auf den Verlust eines Kindes, der öffentlichen Bekanntmachung des Todes und der Todesanzeige als Textsorte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Stand der Forschung
3. Verlust und Trauer
3.1 Der Verlust eines Kindes seit dem 16. Jahrhundert - ein historischer Blick
3.2 Der Verlust eines Kindes – Trauer in unserer Gesellschaft
3.3 Die öffentliche Bekanntmachung des Todes
4. Die Todesanzeige als Textsorte
4.1 Eine Klassifizierung der Textsorte Todesanzeige
4.2 Prototyp
4.3 Adressatenorientierung
5. Analyse
5.1 Trauerrand
5.2 Bekanntgabe des Namens
5.3 Angaben zu persönlichen Daten des Verstorbenen
5.4 Trauertext
5.5 Inserententeil
5.5.1 Inserenten: Familie
5.5.2 Inserenten: Freunden und Institutionen
5.6 Spruch
5.7 Visuelle Elemente, Foto, Hintergrundbild
5.8 Organisatorische Hinweise
5.9 Titel
5.10 Datum und Ort der Anzeigenaufgabe
6. Überblick – typische und fakultative Elemente der Kindertodesanzeige
6.1 Analyseergebnis: Familie
6.2 Analyseergebnis: Freunde und Institutionen
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht 168 Kindertodesanzeigen, um altersspezifische Muster dieser Gebrauchstextsorte zu identifizieren und die Merkmale von Kindertodesanzeigen im Vergleich zu allgemeinen Todesanzeigen herauszuarbeiten. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Ermittlung typischer und fakultativer Textelemente, wobei eine Differenzierung zwischen den Inserentengruppen "Familie ersten Grades" und "Freunde & Institutionen" vorgenommen wird.
- Analyse der Textsortenkonventionen von Todesanzeigen
- Differenzierung der Inserenten (Familie vs. Freunde/Institutionen)
- Untersuchung von visuellen und sprachlichen Gestaltungselementen
- Erforschung der Emotionalisierung durch Textinhalte
- historischer Wandel des Umgangs mit dem Tod von Kindern
Auszug aus dem Buch
3.2 Der Verlust eines Kindes – Trauer in unserer Gesellschaft
Wie im vorangegangenen Kapitel aufgezeigt wird, war es früher üblich, mehrere Kinder zu bekommen. BEHAM & WILK (1998, S. 163f.) sprechen in diesem Zusammenhang von einem damaligen ökonomisch-utilitarischen Wert der Kinder für ihre Familien. Dies hat sich dahingehend verändert, dass Kinder heute eine massive ökonomische Belastung darstellen, für die im späteren Leben, anders als früher, kein Ausgleich zu erwarten ist. Seit der Postmoderne liegen daher die Bedeutung und der Wert ausschließlich auf einer psychisch-interaktionistischen Ebene. Kinder werden heute vielfach zu den wichtigsten und insbesondere verlässlichsten Quellen von emotionalen Beziehungen. Im Umgang mit dem eigenen Kind können das menschliche Bedürfnis nach wechselseitiger Zärtlichkeit und Wärme am ehesten verwirklicht und neue Erfahrungen gesammelt werden. Demnach bietet es seinen Eltern einen Orientierungspunkt und schenkt ihrem Leben Sinn. Die an das Kind durch seine Eltern herangetragenen Erwartungen begünstigen, dass die Eltern dem Kind einen zentralen Platz in ihrem Leben einräumen. Verstirbt nun jedoch ihr Lebensmittelpunkt, ist die Lücke nie wieder zu schließen.
Der Tod des Kindes bedeutet eine Familienkrise in einer kaum zu erfassenden Dramatik und Vielschichtigkeit, innerhalb derer das Geflecht von Rollen, Beziehungsstrukturen und Funktionen zerreißt und sich das seelische Gleichgewicht der Familie langfristig verändert (vgl. VOSS-EISER 1992, S. 172). Eine Totgeburt oder der Tod kurz nach der Geburt ist für die Eltern besonders schwer zu verarbeiten, da den Wünschen und Vorstellungen, welche sie um das Kind herum entwickelt haben, keine tatsächliche Begegnung folgt und sich ihr Alltag nicht wie erwartet verändert hat (vgl. KÄSLER-HEIDE 1999, S. 125).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Untersuchung von 168 Kindertodesanzeigen ein und legt das Ziel fest, altersspezifische Muster und Merkmale dieser Textsorte zu identifizieren.
2. Stand der Forschung: Dieser Abschnitt bietet einen chronologischen Überblick über maßgebliche wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit der Gattung der Todesanzeige befassen.
3. Verlust und Trauer: Das Kapitel beleuchtet den historischen Wandel der Kindersterblichkeit und die soziologische Bedeutung des kindlichen Todes sowie die Funktion der öffentlichen Bekanntmachung.
4. Die Todesanzeige als Textsorte: Hier erfolgt eine theoretische Einordnung der Todesanzeige als normierte Textsorte, inklusive einer Klassifizierung und der Definition des Prototypenkonzepts.
5. Analyse: Das Kernkapitel untersucht die 168 Kindertodesanzeigen hinsichtlich spezifischer Elemente wie Trauerrand, Name, Trauertext, Inserententeil, Spruch, visueller Gestaltung und organisatorischer Angaben.
6. Überblick – typische und fakultative Elemente der Kindertodesanzeige: Eine Zusammenfassung der Analyseergebnisse, getrennt nach Inserentengruppen, die eine quantitative Übersicht der häufigsten Elemente bietet.
7. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Kindertodesanzeigen traditionellen Mustern folgen, jedoch eine ausgeprägte sprachliche und visuelle Individualisierung aufweisen, die als Medium für persönliche Trauer dient.
Schlüsselwörter
Todesanzeige, Kindertodesanzeige, Textsorte, Trauer, Bestattung, Inserenten, Trauerarbeit, Textanalyse, Kindheit, Tod, Sprachliche Gestaltung, Visuelle Elemente, Konventionen, Individualisierung, Familienanzeige
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Masterarbeit befasst sich mit der Analyse von Kindertodesanzeigen und der Identifizierung von typischen sowie fakultativen Elementen, die diese Textsorte charakterisieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der soziohistorische Umgang mit dem Tod eines Kindes, die Textsorteneigenschaften von Todesanzeigen, die Rolle von Trauer in der modernen Gesellschaft und die Ausdrucksformen der Hinterbliebenen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die altersspezifischen Muster von Kindertodesanzeigen zu entwickeln und die Gestaltungsgewohnheiten von Familien im Vergleich zu Institutionen oder Freunden zu dokumentieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine linguistische Analyse von 168 Kindertodesanzeigen (Korpus), wobei eine quantitative Datenauswertung durch eine qualitative Analyse der sprachlichen und visuellen Gestaltungselemente ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Textsorte Todesanzeige und eine detaillierte Analyse der einzelnen Elemente wie Trauerrand, Namensnennung, Trauertext, Spruch und organisatorische Hinweise.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Todesanzeige, Textsortenanalyse, Trauerkultur, Kindheit und mediale Kommunikation definieren.
Welche Rolle spielt die Schule bei Kindertodesanzeigen?
Die Arbeit stellt heraus, dass die Schule eine lebensbestimmende Realität für Kinder darstellt und Todesanzeigen von Schulfreunden oder Institutionen als wichtigen rituellen Akt zur Verarbeitung des Todes innerhalb der Gemeinschaft fungieren.
Warum weichen Kindertodesanzeigen oft vom Standard ab?
Die Analyse zeigt, dass Hinterbliebene den Schmerz über den Verlust eines Kindes oft durch eine stärkere individuelle Gestaltung (z.B. durch Spitznamen, Fotos oder persönliche Trauertexte) zum Ausdruck bringen, als dies bei Erwachsenenanzeigen der Fall ist.
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- Nicole Etzkorn (Author), 2016, Kindertodesanzeigen. Eine Analyse zur Ermittlung typischer und fakultativer Textsortenelemente, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377604