Der Zug als omnipräsentes Symbol in Gerhart Hauptmanns Novelle "Bahnwärter Thiel"

Bahnwärter Thiel, von der Moderne überrollt


Hausarbeit, 2015

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hintergründe zu Bahnwärter Thiel: Historischer Kontext, Entstehung und Einflüsse

3 Analyse des Eisenbahn-Motivs in Bahnwärter Thiel
3.1 Das Eisenbahn-Motiv im ersten Kapitel
3.2 Das Eisenbahn-Motiv im zweiten Kapitel
3.3 Das Eisenbahn-Motiv im dritten Kapitel
3.3.1 Samstagabend/-nacht
3.3.2 Sonntag
3.3.3 Montag und Dienstagmorgen

4 Das omnipräsente Symbol - ein Resümee

Literaturverzeichnis

Primärliteratur

Sekundärliteratur

1 Einleitung

Unsere heutige Gesellschaft ist geprägt von technischen Neuerungen und der weltweiten digitalen Vernetzung. Viele Menschen empfinden unser Leben als zu hektisch und angesichts der vielen Möglichkeiten fühlen sie sich schnell überfordert. Doch dies ist kein Phänomen der heutigen Zeit. Angesichts der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts sahen sich die Menschen einer völlig neuen gesellschaftlichen Ordnung ausgesetzt und sie empfanden die technischen Neuerungen als potenzielle Gefahr.

Gerhart Hauptmann, der dominierende Dichter des deutschen Naturalismus[1], thematisiert die Schäden durch die Modernisierung in seinem Frühwerk und beachtenswertesten Prosatext Bahnwärter Thiel (1888). Er stellte für die damalige Zeit einen unerhört modernen Text dar, da die einzelnen Vorgänge, die den Verfall des Menschen begleiten, mit „wissenschaftlicher“ Objektivität beschrieben werden. Wobei die realistisch geschilderten Vorkommnisse als eine Kette von Symbolen erscheinen, die für eine Wirklichkeit steht, welche mit naturalistischen Mitteln alleine nicht darzustellen wäre.[2]

Die zentrale Fragestellung dieser Hausarbeit lautet aus diesem Grund: Welche Funktion übernimmt der Zug in Bahnwärter Thiel als omnipräsentes Symbol? Um das Zug-Symbol, seine Einflussnahme auf den Leser und eine mögliche Entwicklung innerhalb der Novelle verstehen zu können, wird die Analyse kapitelweise vorgenommen, wobei das dritte und längste Kapitel nochmals unterteilt wird.

Der Unfall im Mittelpunkt von Hauptmanns Novelle korrespondiert mit den sich verändernden industriellen Arbeits- und Verkehrsverhältnissen, die sich am Ende des 19. Jahrhunderts als ambivalente Erfahrung einprägen[3]. Technische Neuerungen, wie die Eisenbahn und die damit einhergehende Euphorie kollidieren mit der katastrophalen Verunsicherung der Menschen[4]. Um bei der anschließenden Analyse von Bahnwärter Thiel das Technik- und Menschenbild der damaligen Zeit in Bezug zu Hauptmanns Werk setzen zu können, wird zu Beginn der historische Hintergrund des Eisenbahn-Motivs näher beleuchtet. Darüber hinaus wird ein kurzer Einblick in die Novelle des Naturalismus und dessen Abgrenzung zum Realismus gegeben.

2 Hintergründe zu Bahnwärter Thiel : Historischer Kontext, Entstehung und Einflüsse

Das Ende des 19. Jahrhunderts zeichnete sich durch wirtschaftliche, technische und wissenschaftliche Fortschritte aus und wurde von der Etablierung neuer sozialer Schichten begleitet. Der Technikfortschritt im Zeitalter der Industrialisierung führte zum Verlust der überschaubaren Erfahrungshorizonte und erweckte Angst und gesellschaftliche Instabilität. Von 1870 bis 1913 verdreifachte sich die Länge des Eisenbahnnetzes, welches für die Personen- und Frachtbeförderung eine einfachere Überwindung von großen Distanzen ermöglichte. Die entstandene Eisenbahninfrastruktur, Inbegriff des technischen Fortschritts schlechthin, sorgte für eine neue Ordnung, da sie neben der soziokulturellen Zeit die Einführung eines mathematischen, quantitativen Zeitmaßes nötig machte.[5] Die Erfahrung und Entdeckung von Räumen in einer bisher unbekannten Schnelligkeit, kam in der Empfindung der Menschen einer Raum-Zeit-Vernichtung gleich. Das neue Verhältnis zwischen Raum und Zeit war abstrakt und desorientiert und führte zu widersprüchlichen Wahrnehmungsmomenten. So erschloss die Bahn einerseits neue Räume, die bisher nicht verfügbar waren, andererseits zerstörte sie den Raum dazwischen, der nun für die Reisenden vorbeiraste und nicht mehr erfahrbar war.[6] Für den Durchschnittsmenschen waren die komplexen technischen Errungen-schaften dieser Epoche nicht mehr erfassbar und die menschliche Natur konnte mit dem Fortschritt ihrer eigenen Zivilisation nicht mehr Schritt halten[7].

In Bahnwärter Thiel erfährt der Leser, wie sich die Eisenbahn auf das Leben einer Familie auswirkt und dieser körperlichen wie seelischen Schaden zufügt. Doch auch die Lokomotivführer der damaligen Zeit lebten, wie Siegrid Amedick zusammenfasst, in Furcht mit einem Fuß im Zuchthaus und mit dem anderen im Graben zu stehen. Zum einen verursachten ihre Nachlässigkeiten, wie das Nichtbeachten eines Haltesignals, Verletze oder Tote. Andererseits wurde, beispielsweise in Bayern im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, jeder zehnte Lokomotivführer im Dienst verletzt. Häufig durch technische Unzulänglichkeiten, wie Achs- und Radreifenbrüche, schadhafte Weichen, Mängel am Bau des Zugs oder Kesselexplosionen.[8]

Der Naturalismus, als erste Kunstströmung der industrialisierten Gesellschaft, musste an dieser modernen Technik zwangsläufig interessiert sein. Die inhaltliche Zuwendung der Naturalisten zu den Produkten der technischen Revolution entsprang einer negativen Faszination, welche von Skepsis und Furcht bestimmt war. Nur wenige der naturalistischen Vertreter gingen soweit, in der Technik und der ihr zugrunde liegenden empirischen Naturwissenschaft ein Vorbild für die moderne Kunst (Zola) und Ästhetik (Taine, Holz) zu sehen.[9]

Während dieser Zeit befand sich Gerhart Hauptmann in einer seiner produktivsten Schaffensperioden und verfasste in den ersten Monaten des Jahres 1887 den Bahnwärter Thiel. Bereits zuvor setzte er sich im Gedicht Im Nachtzug mit dem Eisenbahn-Motiv sowie der Verknüpfung von Landschaftswahrnehmungen und mythischen Phantasiewelten auseinander.[10] Anders als bei seinem novellistischen Erstlingswerk Fasching (1887) begnügte sich Hauptmann jedoch nicht mit der reinen Rekonstruktion eines Unglücksfalls (wie beim Tod der Familie Kielblock im See), sondern lässt der äußeren Katastrophe (dem Unfalltod von Tobias) eine innere folgen (Thiels Wahnsinn und in geistiger Umnachtung vollbrachten Tötung von Kind und Frau)[11]. Die Eisenbahn und das Bahnwärtermilieu werden daher nicht zum reinen Selbstzweck beschrieben, sondern dienen vielmehr als Mittel zur Darstellung des Wahnsinns. Die Anregung zu dieser poetischen Vergegenwärtigung eines psychischen Krankheitsprozesses fand Hauptmann in Georg Büchners Werken Lenz (1839) [12] und Woyzeck ( 1836) [13] .[14]

Hauptmann klassifizierte sein Werk durch die Gattungsbezeichnung „novellistische Studie“. Hier wird das Bestreben der naturalistischen Schriftsteller spürbar, sich vom vorangegangenen Poetischen Realismus abzusetzen, dessen bevorzugte Gattung die Novelle gewesen ist[15]. So ging man im Naturalismus dazu über, die Texte nachdrücklich als „Studie“ oder auch „Skizze“ zu kennzeichnen[16]. Diese programmatische Gattungsbezeichnung nimmt gleichzeitig auf zwei Aspekte Bezug. Zunächst stellt sie eine Nähe der kurzen Novelle zur zeichnerischen Studie, beispielsweise zu Aquarellstudien, welche auch von Goethe oder Adalbert Stifter geschaffen wurden, her. Die Bezeichnung „Studie“ verweist andererseits ebenso auf Fallstudien der Psychologie, welche gerade erst durch Pioniere wie Wilhelm Wundt als vollgültige Wissenschaft etabliert wurde.[17]

Die Novelle des Realismus führte seit Goethe durch eine krisenhafte Gefährdung in den Sturz des Chaotischen und wieder zu einer versöhnenden Ordnung des Lebens zurück. Gerhart Hauptmann hingegen erzählt den unaufhaltsamen Weg eines ordnungsliebenden, friedlichen und gütigen Mannes zum Mord an seiner Frau und Kind. Hauptmann zeigt den Durchbruch der Verzweiflung und des damit verbundenen Zusammenbruchs eines, in seiner innersten Existenz zerstörten Menschen, der der gnadenlosen Wirklichkeit ausgeliefert ist.[18]

3 Analyse des Eisenbahn-Motivs in Bahnwärter Thiel

3.1 Das Eisenbahn-Motiv im ersten Kapitel

In Bahnwärter Thiel enthält bereits die erste Erwähnung der vorbeifahrenden Eisenbahn vorausdeutende Hinweise auf die Schlusskatastrophe[19]. So wird im ersten Kapitel, welches die letzten zehn Jahre zeitraffend zusammenfasst, berichtet, dass Thiel in seiner Amtszeit zweimal von einem Zug schwer verletzt wurde. Einmal zerschmetterte ein heruntergefallenes Stück Kohle sein Bein und schleuderte ihn in den Bahngraben, ein weiteres Mal flog eine Weinflasche aus einem Schnellzug gegen seine Brust.[20] Diese Schilderung gleich zu Anfang der Novelle verdeutlicht die Wucht und Gewalt eines vorbeirasenden Zugs, welche den Bahnwärter ins Bett zwingt und von seinem sonntäglichen Besuch der Kirche, Zeichen von seelischem Frieden, abhält. Gleichzeig hinterlässt die zerstörerische Gewalt beim Leser eine dunkle Vorahnung und weist auf den Höhepunkt der Novelle hin[21].

Trotz der Gefahr, die von den Bahngleisen ausgeht, erklärt Thiel sein Wärterhäuschen im märkischen Kiefernwalt längs der Gleise zu seinem liebsten Aufenthaltsort[22], in den er vor der Herrschsucht und Gewalt seiner zweiten Ehefrau flüchtet. In diesem, vor Lene geschützten Raum, verkehrt er mit seiner verstorbenen Frau Minna auf dem Wege der Erinnerungen und ekstatischer Visionen. Unterbrochen wird er in seiner Ektase, in der er seine Frau scheinbar leibhaftig vor sich sieht, nur von personifizierten „vorbeitobenden Bahnzügen“[23]. Doch der gewissenhafte Bahnwärter fühlt sich durch die Züge nicht gestört, denn es ist seine Aufgabe, die Barriere des Bahnübergangs zu schließen und somit die Menschen vor der Gefahr des herbeirasenden Zugs zu schützen. Er verlässt sein Wärterhäuschen nach Feierabend zu Beginn seiner zweiten Ehe nur widerwillig[24] und versucht seine herrschsüchtige Frau davon abzuhalten, ihn morgens dorthin zu begleiten[25].

Thiels Tätigkeit als Bahnwärter wird durch die Tatsache in Frage gestellt, dass teilweise Wochen vergehen, ohne dass ein Mensch die Strecke in der Einöde passiert und die nächsten Häuser eine Dreiviertelstunde entfernt liegen[26]. Davon abgesehen wären die Menschen durchaus in der Lage, die Bahngleise ohne Hilfe zu überqueren, da ein „vorbeitobender“[27] Zug nicht zu übersehen und vor allem nicht zu überhören wäre.

Die Eisenbahn stellt nicht nur für den Menschen eine potenzielle Gefahr dar, auch die Tiere werden durch die Züge gefährdet. So wurde in einer Winternacht ein Rehbock von einem Schnellzug überfahren. Da in der Zeile zuvor vom „vorübergejagt[en]“[28] Extrazug des Kaisers berichtet wird, entsteht beim Leser eine Analogie zu einer Jagdszene, in der die Züge, die neuen Pferde der hohen Gesellschaft, Jagd auf die Tiere im Wald machen. Dennoch hegt Thiel keinen Zweifel an seinem Berufsstand und dem der anderen Bahn- oder Telegraphenarbeiter[29].

Das erste Kapitel von Bahnwärter Thiel vermittelt dem Leser einen ambivalenten Eindruck der Eisenbahn. Auf der einen Seite hat sie ein zerstörerisches Wesen, welches die Menschen und Tiere verletzt oder tötet und die wesentlichen Voraussetzungen für Thiels kommenden Wahnsinn schafft[30]. Zugleich bekommt man durch die verwendeten Personifikationen („vorbeitobenden Bahnzügen“[31] ; „war der kaiserliche Extrazug vorübergejagt“[32] ) den Eindruck vermittelt, die Maschine hätte ein eigenes lebendiges Wesen, welches bei jeder Vorbeifahrt Lebewesen schadet. Doch andererseits sieht Thiel in der Bahn die positiven Seiten für sein Leben, denn sie bietet ihm bereits seit zehn Jahren einen zuverlässigen Arbeitsplatz und einen Ort, seiner ersten Frau in Ruhe zu huldigen und somit seinem Leben zeitweise zu entfliehen.

3.2 Das Eisenbahn-Motiv im zweiten Kapitel

Im zweiten Kapitel beginnen sich Thiels Welten, sein Leben mit Lene in der Kolonie und sein Leben an den Bahngleisen, zu vermischen, denn seine Familie hat vom Bahnmeister ein Stück Land zum Bewirtschaften bei den Gleisen erhalten. Der Bahnwärter verkündet Lene die gute Botschaft jedoch erst, nachdem er an seinem Sohn Tobias die Spuren seiner Misshandlungen gesehen hat, vor denen er bisher die Augen verschlossen hatte.[33] Hauptmann greift hier auf eine sprachliche Finesse zurück. So fasst der Sohn, nachdem er geweckt wurde, „hastig nach der Hand des Vaters“[34] und sein Mund verzieht sich zu einem „kläglichen Lächeln“[35]. Jedoch nicht sein Vater, sondern der „Wärter half ihm sogleich beim Anziehen“[36]. Der Wärter versagt allerdings zum wiederholten Male beim Schutz seines Sohnes, denn die Misshandlungsmahle von Tobias bleiben ohne direkte Konsequenz für Lene.

Als Leser ahnt man zu diesem Zeitpunkt, dass die Vermischung der beiden Welten Thiels Lebensweise am Bahndamm in bedenkliches Schwanken bringen wird. Dies ist ihm bewusst[37], doch der Wärter ist Lenes „unbezwingbar[er], unentrinnbar[er]“[38] Kraft nicht gewachsen. Hauptmann verwendet hier das Bild eines Spinnengewebes, das sich wie ein Netz aus Eisen fest um Thiel legt und ihn fesselt. Das Netz, als Chiffre weiblicher Überlegenheit und männlicher Schwäche, gehört zum Inventar der literarischen Tradition und ist ein Lieblingsthema des späten 19. Jahrhunderts.[39] Letztlich ist Thiels moralische Lähmung nur das Ergebnis seiner sexuellen Hörigkeit. Gleichzeitig entsteht eine Analogie zum Zug, dessen Eisenbahnnetz Teil von Thiels Leben ist und dem er ebenso wenig entkommen kann wie Lene.

Darüber hinaus belegt die Not der Familie, ohne Felder Kartoffeln teuer zukaufen zu müssen, den damaligen geringen Wert der Bahnwärter. Ihre Arbeitsleistung wurde innerhalb der Eisenbahnverwaltung nur kärglich entlohnt[40]. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich Thiel für seinen Sohn eine bessere Zukunft wünscht. Auf die Frage des Vaters, was er denn werden will, antwortet Tobias zur Zufriedenheit Thiels immer: „Ein Bahnmeister“[41]. Für Thiel stellt dieser Beruf „etwas Außergewöhnliches“[42] dar, ist er doch nur ein Bahnwärter, dessen Tätigkeit sich auf die Bahnbewachung und die Bahnunterhaltung beschränkt.[43] Das Ansehen eines Bahnmeisters ist hingegen mit dem eines Lokomotivführers, Oberstationsmeisters oder Oberkonstrukteurs vergleichbar. Gleichzeitig bietet der Beruf Tobias eine Fluchtmöglichkeit vor seiner brutalen Stiefmutter.[44]

Bekommt man im ersten Kapitel einen Eindruck von der Urgewalt der Eisenbahn und deren Bedeutung für Thiel, erkennt man im zweiten Kapitel das Versagen des Vaters im familiären Bereich. Er ist gefangen im Netz seiner Frau Lene, welches ihn wie das Eisenbahnnetz gefesselt hat. Die Bahn steht hier auch als Symbol für die finanzielle Sicherung der Familie und für die Flucht Thiels (und Tobias) vor dem Wirkungsbereich Lenes.

3.3 Das Eisenbahn-Motiv im dritten Kapitel

3.3.1 Samstagabend/-nacht

Thiel, der zuvor seine Frau bei der Misshandlung von Tobias ertappt hat, eilt trotz der schweren Krise in seiner Familie, ganz der pflichtbewusste Bahnwärter, „fünfzehn Minuten nach der ordnungsmäßigen Zeit an den Ort seiner Bestimmung“[45], dem Wärterhäuschen am Bahndamm. Der dort angetroffene Hilfswärter ist durch seinen Dienst und den damit verbundenen schnellen Temperaturwechseln schwindsüchtig geworden und sein krampfhaftes Husten ist zeitweise das einzige Geräusch in der Einöde[46]. Der Beruf fordert somit nicht nur durch die Gefahr der vorbeirasenden Züge seinen Tribut, sondern schwächt den Körper der Wärter irreversibel. In Anbetracht der Tatsache, dass Zuhause Thiels Sohn von Lene misshandelt wird, stellt man sich die Frage, warum er dies alles zulässt. Doch er ist gefangen in seinen Routinen und Verpflichtungen, die jedoch überflüssig erscheinen, da der Bahnübergang „nur selten von jemand[em] passiert wurde“[47]. Thiel flüchtet sich indes in seine „mechanisch“[48] ausgeführten Vorbereitungen für den Nachtdienst, bis er von den schrillen Schlägen der Glocke unterbrochen wird, die einen Zug aus Richtung Breslau ankündigt.

[...]


[1] Vgl. Degering 1994, S. 86

[2] Vgl. Hugo 2009, S. 159f.

[3] Vgl. Mülder-Bach 2002, S. 195 zitiert nach Stöckmann 2011, S. 161

[4] Vgl. Stöckmann 2011, S. 161

[5] Vgl. Scherreiks 2005, S. 53f.

[6] Vgl. Schivelbusch 1979, S. 38ff. zitiert nach Scherreiks 2005, S. 54

[7] Vgl. Marthaler 2013, S. 43

[8] Vgl. Amedick 2001, 53f.

[9] Vgl. Sprengel 1984, S. 188

[10] Vgl. Sprengel 2012, S. 133ff.

[11] Vgl. Sprengel 1984, S. 189

[12] Seit Büchners Lenz ist das Thema des Wahnsinnigwerdens ein literarischer Topos. In seiner knappen Studie wird gezeigt, wie ein Familienvater, Alltagsmensch und Abteilungsleiter eines Wiener Kaufhauses plötzlich schizoide Symptome entwickelt (vgl. Füllmann 2010, S. 79).

[13] Diese Parallelen finden sich beispielsweise in der militärischen Disziplin und Ordnungsliebe Thiels: „Saubere Sonntagsuniform“ (Hauptmann 2001, S. 4, Z. 3); „jeder Handgriff war seit Jahren geregelt“ (ebd. S. 13, Z. 5f); „peinlich gepflegte Uhr“ (ebd. S. 35, Z.3). Diese Handlungen verdecken die sich steigernde irrationale Dynamik und durch diesen Kontrast wird Thiels Irrsinn nur umso stärker kontrastiert (vgl. Sprengel 1984, S. 189).

[14] Vgl. Sprengel 1984, S. 189

[15] Vgl. ebd.

[16] Dies gilt beispielsweise für Conrad (Französische Charakterköpfe. Studien der Natur, 1881), Mackay (Schatten, Novellistische Studien, 1887), Arno Holz und Johannes Schlaf (Papierne Passion, Eine Berliner Studie, 1890) und Rilke (Am Leben hin, Novellen und Skizzen, 1898) (vgl. Stöckmann 2011, S. 158).

[17] Vgl. ebd.

[18] Vgl. Martini 2001, S. 49f.

[19] Vgl. Sprengel 1984, S. 193

[20] Vgl. Hauptmann 2001, S. 3, Z. 8ff.

[21] Vgl. Sprengel 1984, S. 188

[22] Vgl. Hauptmann 2001, S. 6, Z. 24f.

[23] Ebd., S. 7f. & Z. 34f.

[24] Vgl. ebd., S. 6, Z. 28f.

[25] Vgl. ebd., S. 7, Z. 10f.

[26] Vgl. ebd., S. 8, Z. 8ff.

[27] Ebd., S. 7, Z. 34.

[28] Ebd., S. 8, Z. 23

[29] Vgl. ebd., S. 9, Z. 3f.

[30] Vgl. Sprengel 1984, S. 190

[31] Hauptmann 2001, S. 7f., Z. 34f.

[32] Ebd., S. 8 & Z. 21f.

[33] Vgl. ebd., S. 9, Z. 30f.

[34] Ebd., S. 10, Z. 22

[35] Ebd., Z. 23f.

[36] Ebd., Z. 24f.

[37] Vgl. ebd., S. 21, Z. 21

[38] Ebd., S. 17, Z. 12

[39] Vgl. Sprengel 1984, S. 191

[40] Die Bahnwärter bildeten in den Besoldungsstufen immer das Schlusslicht. So belief sich das Gehalt eines Bahnwärters in Bayern 1857 auf 255 bis 280 Gulden, ohne rechtlich geregelte Aussicht auf eine Dienstunfähigkeitspension. Ein Lokomotivführer erhielt zu dieser Zeit bis zu 650 Gulden, eine Pension und Unterstützung bei einer möglichen Dienstunfähigkeit. Der Bahnwärter stammt, wie statistische Analysen belegen, überwiegend aus der städtischen und ländlichen Unterschicht (vgl. Amedick 2001, S. 58f.).

[41] Hauptmann 2001, S. 11, Z. 22

[42] Ebd., S. 11, Z. 25f.

[43] Vgl. Amedick 2001, S. 60. & Hauptmann 2001, S. 8, Z. 11f.

[44] Diese Berufsgruppen befanden sich nach der Gehaltsordnung der Bahn 1857 in derselben Gehaltsgruppe (vgl. Amedick 2001, S. 58).

[45] Hauptmann 2001, S. 17, Z. 27f.

[46] Vgl. ebd., S. 17, Z. 30 & S. 18, Z. 10

[47] Ebd., 2001, S. 19, Z. 4f.

[48] Ebd.,2001, S. 18, Z. 16

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Zug als omnipräsentes Symbol in Gerhart Hauptmanns Novelle "Bahnwärter Thiel"
Untertitel
Bahnwärter Thiel, von der Moderne überrollt
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V377607
ISBN (eBook)
9783668550773
ISBN (Buch)
9783668550780
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gerhart Hauptmann, Bahnwärter Thiel, Moderne, Literatur, Novelle, Zug, Symbol, Naturalismus, Gesellschaft
Arbeit zitieren
Nicole Etzkorn (Autor), 2015, Der Zug als omnipräsentes Symbol in Gerhart Hauptmanns Novelle "Bahnwärter Thiel", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377607

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