Der Anschlag auf Papst Leo III


Hausarbeit, 2005

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das Papsttum zur Zeit der Karolinger
2.1 Leo III

3. Das Attentat
3.1 Die Sicht der Papstbiographen
3.2 Die fränkischen Quellen

4. Glaubwürdigkeit der Quellen

5. Fazit

6. Quellen – und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Sie zogen ihn vom Pferd, stachen ihm die Augen aus, schnitten ihm die Zunge ab und ließen ihn nackt und halb tot auf der Straße liegen. Später wurde er in ein Kloster gebracht, aus dem ihm dann die Flucht gelang.“[1]

Dies ist eine Version des auf Papst Leo III verübten Anschlags vom 25. April 799, welcher auch heute noch die Historiker beschäftigt. Die Rekonstruktion der damaligen Ereignisse ist schwierig, da die überlieferten Quellen sich widersprechen und in keiner Weise eindeutig sind. So ist zum Beispiel der Bericht der innerhalb des Papstbuches überlieferten Biographie Leos „Vita Leonis III“[2] zum Anschlag auf den Papst viel ausführlicher, als der der fränkischen Quellen.[3]

Bei genauerer Betrachtung fällt außerdem auf, dass in manchen Texten Sachverhalte verschwiegen werden, die jedoch in anderen Schriften als unverzichtbar erscheinen. So wird zum Beispiel in der „Vita Leonis“[4] von zwei Anschlägen gesprochen, die fränkischen Quellen[5] hingegen schreiben nur von einem Attentat. Und es sind noch weitere Ungenauigkeiten und Widersprüchliche vorhanden, die in der Hausarbeit analysiert werden sollen.

Auf Grund dieser Unstimmigkeiten drängt sich die Frage auf, ob Absicht dahinter steckt. Hatten die Geschichtsschreiber kein Interesse an der Überlieferung der Wahrheit? Sollte die Realität gezielt verschleiert werden? Oder wurden manche Ereignisse als belanglos empfunden und deshalb nicht erwähnt?

Einige Historiker sind sogar überzeugt davon, dass der Anschlag auf den Papst in Wahrheit eine förmliche Absetzung war, dies aber unter anderem im Hinblick auf die Kaiserkrönung, die unmittelbar aus den Ereignissen um 799 resultierte, im Nachhinein verschwiegen werden sollte, da Leo nach dem missglückten Attentat im Amt blieb. Die Vorbehalte seiner Gegner mussten, nachdem die Entscheidung zugunsten Leos gefallen war, „durch die alles verdunkelnden Annalen zugedeckt und dem Vergessen überantwortet werden. Die Nachwelt wurde mit einer schlichten Geschichte von einem bösen Verbrechen und seiner gerechten Strafe abgespeist.“[6]

Ist der Anschlag tatsächlich als förmliche Absetzung zu verstehen? Warum verschweigen einige Quellen die Absetzung, wenn es eine war? Welche Rolle spielte dabei Karl der Große?

Wie kommt es, dass scheinbar kein sachlicher Bericht über die Ereignisse um den Anschlag auf Leo III zu finden ist? Warum sind die Aussagen der Quellen nicht eindeutig?

Um mögliche Antworten auf die aufgeworfenen Fragen zu finden soll in der Hausarbeit eine genaue Analyse der wichtigsten Quellen vorgenommen werden. Dabei soll unter anderem die oben schon erwähnte „Vita Leonis“[7] bearbeitet werden. Weiterhin werden die „Annales regni Francorum“[8] untersucht und mit weiteren Schriften wie dem „Paderborner Epos“[9] verglichen werden.

Im Zusammenhang mit der aktuellen Forschungsdiskussion wird auf einen Aufsatz des Historikers Johannes Fried aus dem Jahre 2001 eingegangen.[10] Auch soll ein Text von Matthias Becher über Karl den Großen und Papst Leo III berücksichtigt werden.[11]

Zuerst folgt jedoch ein kurzer Überblick zum Papsttum der Karolingerzeit und zur Person Leos III.

2. Das Papsttum zur Herrschaftszeit der Karolinger

Von 774 bis 904 befand sich das Papsttum unter karolingischer Herrschaft. Der Papst hatte zu dieser Zeit nur wenig Macht, der eigentliche Herrscher war der König der Franken, Karl der Große. Dieser hatte zwar das Bündnis seines Vaters Pippin von 754 zur gegenseitigen Unterstützung von Papst und König im Jahre 774 erneuert, hielt sich aber nicht an die Vereinbarungen. Stattdessen ignorierte er die Expansionsansprüche des Papstes und zwang ihn sogar, Angriffe aus neuen fränkischen Gebieten wie Tuszien und Spoleto zu ertragen. Außerdem reduzierte er nach und nach die vom Papst beanspruchten Gebiete. Lediglich Ravenna und Pentapolis wurden dem Papst nominell unterstellt. Direkte Herrschergewalt besaß er allerdings nur noch im römischen Dukat und in den noch verbliebenen Patrimonien.

Karl hatte bestimmte Vorstellungen von seinen Aufgaben und denen des Papstes:

„Unsere Pflicht ist es, gemäß der göttlichen Hilfe die heilige Kirche Christi überall nach außen gegen den Einfall von Heiden und die Zerstörung durch Ungläubige zu schützen und nach innen durch Anerkennung des katholischen Glaubens zu festigen; Eure Aufgabe, heiligster Vater, besteht darin, zusammen mit Mose die Hände zu Gott zu erheben und somit unserem Kampf zu helfen, damit auf Eure Bitten hin unter der Führung Gottes das christliche Volk über die Feinde seines heiligen Namens überall den Sieg erringt.“[12]

Damit war die Stellung des Papstes unter Karl dem Großen klar definiert. Der König herrschte, der Papst durfte beten. Demnach war der Papst nicht viel mehr als ein ranghoher Bischof im Reich des Frankenkönigs, Karl der Große hingegen kaisergleich.[13]

2.1 Leo III

„Von den Römern gehasst, weil er die weltliche Herrschaft in der Stadt an sich nahm, bis auf den Tod misshandelt, zur Flucht getrieben, wieder eingesetzt, durch wiederholten Aufruhr in Furcht gehalten, erlag er seinen Gegnern dennoch nicht. Er war ein kräftiger Geist, klug berechnend und kühner Anschauung fähig; jener einer Augenblick, da er den neuen Kaiser des Abendlandes in Sankt Peter krönte, machte ihn zum Werkzeug der Weltgeschichte und sicherte ihm einen unverlöschlichen Namen.“[14]

[...]


[1] Annales regni Francorum 6 zu 799, in: MGH S. rer. Germ., ed. Friedrich Kurze, Hannover 1895, S. 106 – 109.

[2] Liber Pontificalis ( Vita Leonis III), in MGH Gestorum Pontificum Romanorum, Vol II, Ed. Theodor Mommsen, Berolini 1898, S. 1-48.

[3] Ebenda.

[4] Liber Pontificalis. Vita Leonis. S.1-48.

[5] Annales regni Francorum. S. 106-109.

[6] Johannes Fried: Papst Leo III. besucht Karl den Großen in Paderborn oder das Schweigen Einhards. In: Historische Zeitschrift 272, München 2001, S. 281–326.

[7] Liber Pontificalis, Vita Leonis III.

[8] Annales regni Francorum zu 799.

[9] Karolus Magnus et Leo papa. Ein Paderborner Epos vom Jahre 799. Mit Beiträgen von Helmut Beumann, Franz Brunhölzl und Wilhelm Winkelmann, hg. [und übersetzt] von Joseph Brockmann (Studien und Quellen zur Westfälischen Geschichte 8), Paderborn 1966, S. 88/89-94/95, Z. 426-539.

[10] Fried, S. 281–326.

[11] Matthias Becher: Karl der Große und Papst Leo III. Die Ereignisse der Jahre 799 und 800 aus Sicht der Zeitgenossen. In: Christoph Stiegmann, Matthias Weenhoff (Hrsg.): 799 Kunst und Kultur der Karolingerzeit, Katalog zur Ausstellung, Paderborn 1999, S.22-36.

[12] Brief Nr. 93 Karls des Großen an Papst Leo III,796; MGH Epp. 4, hrsg. Ernst Dümmler, 1895, S. 136-138.

[13] Bernhard Schimmelpfennig: Das Papsttum. Darmstadt 1984. S. 100 ff.

[14] Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter, München 1978, S.136.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Anschlag auf Papst Leo III
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Seminar)
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V37761
ISBN (eBook)
9783638370202
ISBN (Buch)
9783638896528
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anschlag, Papst
Arbeit zitieren
Annika Hoffmann (Autor), 2005, Der Anschlag auf Papst Leo III, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37761

Kommentare

  • Gast am 12.9.2008

    Frage.

    Hallo, mir gefällt die Hausrabeit sehr gut. Und ich finde sie ist als Hilfe auch sehr nützlich.
    Gerne würde ich jedoch wissen, wie du das Liber Pontificalis BD 2 zitieren kann, das ist noch gar nicht erschienen.
    Auch in der Online Version der MGH hat ist es nicht vorhanden.
    Wo hast du es her? Oder welche Bibliothek führt es, wenn es in vielen noch nicht erschienen ist?
    Vielen Dank für die Antwort.
    Liebe Grüße

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