Die theoretische Beschäftigung mit dem Thema Gender und Geschlechtsunterschiede in der Schule erfolgt im ersten Teil dieser Arbeit. Durch die intensive Auseinandersetzung mit der Literatur wird die Bedeutung des BE- Unterrichts herausgearbeitet und es soll deutlich gemacht werden, warum sich Lehramtsstudierende bereits während ihrer Ausbildung intensiv mit gendersensiblem Unterricht auseinandersetzen sollten.
Im Rahmen des Forschungsteils beforscht die Autorin mittels Bildanalyse und Interpretationen einiger Schülerinnen- und Schülerarbeiten mit Blick auf die Genderthematik die bildnerische Umsetzung der Themen „Das ist meine Traumwelt“ und „Mein Supervorbild“.
Über die Genderthematik wird in unserer westlichen Gesellschaft in regelmäßigen Abständen diskutiert und argumentiert. Sei es am Arbeitsplatz oder aktuell in Zusammenhang mit den jährlichen PISA Testungen. Angeblich zeigen sich an den Ergebnissen signifikante Leistungsunterschiede zwischen den Geschlechtern. Gegenüber den letzten PISA Erhebungen von 2014 hat die Genderbedeutung allerdings deutlich zugenommen. Beide Geschlechter werden mit allerlei (Vor)urteilen konfrontiert und vor allem die ungleiche Behandlung von Buben und Mädchen wirft Fragen für einen gendersensiblen Unterricht auf. Jungen und Mädchen werden nicht nur unterschiedlich behandelt, sondern man schreibt den Kindern aufgrund ihres Geschlechtes auch unterschiedliche Attribute zu.
Ist dies gerechtfertigt? Beginnt diese vermeintlich ungleiche Behandlung bereits im frühen Kindesalter? Welche Auswirkungen – oder auch nicht –hat dies auf Kinder im Volkschulalter? Welche Erwartungen haben Lehrpersonen an Mädchen und Jungen im Unterricht? Haben Mädchen und Jungen tat-sächlich verschiedene Interessen oder werden ihnen diese aufgezwungen?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitende Bemerkungen
2 Die Bedeutung von Gender
2.1 Definition
2.2 Aktueller Stand der Geschlechterforschung
3 Geschlechtsunterschiede in der Schule
3.1 Politische Maßnahmen
3.2 Mädchen und Jungenförderung
3.2.1 Mädchenförderung
3.2.2 Jungenförderung
3.3 Koedukation oder Monoedukation
3.3.1 Historische Entwicklung
3.3.2 Argumentation
4 Gendersensibler Unterricht im Kreativfach Bildnerische Erziehung
4.1 Der Lehrplan
4.2 Unterrichtsbeispiele für einen gelingenden BE Unterricht
4.2.1 Die Kunstwerkstatt
4.2.2 Vom Stock zum Turm
4.2.3 Es klappert und klingt
4.2.4 XXL- Totempfähle
4.2.5 Weißes Papier
5 Empirische Untersuchungen
5.1 Untersuchungsmethoden
5.1.1 Qualitative Forschung
5.1.2 Aktionsforschung
5.1.3 Bildanalyse nach Roland Barthes
5.2 Forschungsfragen
5.3 Durchführung der Untersuchung
5.3.1 Untersuchungsrahmen
5.4 Ergebnisse und Interpretation
5.4.1 Ergebnisse zum Thema „Das ist meine Traumwelt“
5.4.2 Ergebnisse „Wer oder was ist dein Supervorbild?“
6 Resümee und pädagogische Konsequenzen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Gendersensibilität im Kunstunterricht der Volksschule, um Stereotypen entgegenzuwirken und Schülerinnen und Schülern einen individuellen kreativen Freiraum zu ermöglichen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und wie Geschlechterunterschiede im bildnerischen Gestalten existieren und durch gezielte Unterrichtsgestaltung positiv beeinflusst werden können.
- Theoretische Grundlagen zu Gender und Geschlechterforschung
- Analyse geschlechtsspezifischer Unterschiede im Schulalltag
- Didaktische Ansätze für einen gendersensiblen Bildnerischen Erziehungsunterricht
- Empirische Fallstudien zur bildnerischen Umsetzung von Traumwelten und Vorbildern
- Reflexion über die Rolle der Lehrperson und die Vermeidung von Rollenklischees
Auszug aus dem Buch
4.2.3 Es klappert und klingt
Klänge und diverse Geräusche faszinieren sowohl Mädchen als auch Jungen und beim vertieften Arbeiten an der Klangmaschine können die Kinder ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Möglichst laut, besonders „schön“, eher minimalistisch gehalten - den Schülerinnen und Schülern werden keine Vorgaben gemacht. Dabei ist es wichtig, auf jedes Kind einzugehen, „indem ich seine Interessen und Bedürfnisse wahrnehmen und ihm zeige, wie es etwas, das es darstellen will, gestalten und ausdrücken kann“ (Kirchner, 2008, S. 18). Die Lehrperson sollte nicht konkrete Ideen vorzeichnen, sondern nur Impulse setzen, „um eine selbstständige Auseinandersetzung anzuregen“ (ebd.).
Schülerinnen und Schüler erfinden und zeichnen „Verrückte Maschinen“ (Schirmer, 2016, S. 20), welche dann auch umgesetzt und konstruiert werden. Dafür wurden in den Wochen davor diverse Materialien aus dem Alltag der Kinder gesammelt (Holzplatten, Styroporreste, Schnur, Dosen, andere Verpackungsmaterialien, Muscheln, Kronkorken, nicht mehr verwendete Haushaltsgeräte). Diese werden auf ihre Klänge untersucht und anschließend verarbeitet. Hierbei ist es notwendig die Verwendung diverser Werkzeuge zu erklären und die Kinder auch auf eventuelle Gefahren hinzuweisen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitende Bemerkungen: Die Autorin begründet ihr Interesse an gendersensiblem Unterricht durch eigene Beobachtungen aus dem familiären Umfeld und der Schulpraxis, wobei der Fokus auf dem Abbau stereotyper Rollenbilder im Kunstunterricht liegt.
2 Die Bedeutung von Gender: Dieses Kapitel definiert den Begriff Gender als soziales Geschlecht und gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Geschlechterforschung sowie die gesellschaftliche Prägung von Rollenverhalten.
3 Geschlechtsunterschiede in der Schule: Es werden politische Maßnahmen und die Problematik der Mädchen- bzw. Jungenförderung thematisiert, sowie die Debatte zwischen Koedukation und Monoedukation historisch und fachlich beleuchtet.
4 Gendersensibler Unterricht im Kreativfach Bildnerische Erziehung: Hier wird der Lehrplan analysiert und es werden praktische Unterrichtsbeispiele vorgestellt, die zeigen, wie gendersensibler Kunstunterricht ohne stereotype Vorgaben gestaltet werden kann.
5 Empirische Untersuchungen: Das Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen der qualitativen Forschung, inklusive Bildanalysen nach Roland Barthes, und präsentiert die Ergebnisse der praktischen Unterrichtseinheiten zu den Themen Traumwelt und Supervorbilder.
6 Resümee und pädagogische Konsequenzen: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Bedeutung von freiem, kreativem Schaffen und betont die Notwendigkeit einer professionellen Geschlechtsneutralität bei der Lehrperson.
Schlüsselwörter
Gendersensibler Unterricht, Bildnerische Erziehung, Grundschule, Geschlechterforschung, Mädchenförderung, Jungenförderung, Kreativität, Bildanalyse, Roland Barthes, Rollenklischees, Koedukation, Kunstwerkstatt, Subjektives Lernen, Geschlechterrolle, Didaktik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Umsetzung eines gendersensiblen Bildnerischen Erziehungsunterrichts in der Volksschule, um Kindern einen Raum zur freien kreativen Entfaltung jenseits von Rollenklischees zu bieten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung von Gender, die Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen in der Schule, historische Entwicklungen der Koedukation sowie die praktische Anwendung offener Unterrichtskonzepte im Kunstunterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob Geschlechterunterschiede in der bildnerischen Gestaltung erkennbar sind und wie Lehrpersonen durch gezielte, gendersensible Planung einen individuellen Schaffensprozess unterstützen können.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit nutzt die Literaturrecherche sowie eine qualitative empirische Untersuchung mittels Bildanalyse (nach Roland Barthes) und Aktionsforschung in zwei Klassen der vierten Schulstufe.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen zu Geschlechtsunterschieden, der Lehrplan für Bildnerische Erziehung und konkrete Praxisbeispiele wie die „Kunstwerkstatt“ oder das Bauen mit Naturmaterialien detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Gendersensibler Unterricht, Bildnerische Erziehung, Rollenklischees, Kreativitätsförderung, Bildanalyse und pädagogische Professionalität.
Wie reagierten die Schülerinnen und Schüler auf die offene Themenvorgabe „Meine Traumwelt“?
Entgegen der Erwartungen der Autorin zeigten sich keine eindeutigen geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Materialwahl; die Ergebnisse waren vielfältig und nicht starr an stereotype Erwartungen gebunden.
Welche Erkenntnisse lieferte die Untersuchung „Wer oder was ist dein Supervorbild?“
Hier zeigte sich eine klare Präferenz der Jungen für Fußballer und technische Themen, während Mädchen ihre Vorbilder häufiger in Personen oder Tieren sahen, was die unterschiedlichen Interessenlagen der Kinder verdeutlichte.
- Arbeit zitieren
- Silvia Simic (Autor:in), 2017, Gendersensibler BE-Unterricht in der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377614