Die Bedeutungsimplikationen, die mit dem Begriff des Erhabenen einhergehen, weisen im Kontext der Philosophie- und Literaturgeschichte eine Reihe von unterschiedlichen, sich oft auch widersprechenden Konnotationen auf, die seit der Antike immer wieder einen Funktions- und Bedeutungswandel unterlagen, beispielsweise hinsichtlich ihrer Rolle als rhetorischer oder ästhetischer Kategorie.
Ausgehend von dieser Vielschichtigkeit des Definitionsspektrums, wird zunächst eine kurze, dem Umfang der Arbeit entsprechende, etymologische Begriffsbestimmung von der Antike bis in die Gegenwart vorgenommen.
Im Anschluss soll durch die Analysen von Friedrich Schillers theoretischen Abhandlungen „Vom Erhabenen – Zur weitern Ausführung einiger kantischen Ideen“ , „Über das Pathetische“ und „Über das Erhabene“ erläutert werden, wodurch sich der Begriff des Erhabenen bei Schiller ausdrückt, welche Bedeutungsdivergenzen in den jeweiligen Texten vorzufinden sind und was dies für die Entwicklung seines dramaturgischen und tragödientheoretischen Konzeptes bedeutet.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Das Erhabene und seine Bedeutung für die Literaturtheorie
Die Definition des Erhabenen in Friedrich Schillers theoretischen Schriften
Friedrich Schillers philosophisches Konzept des Erhabenen
Das „Pathetischerhabene“ und seine Rolle für Schillers Konzept der Dramentheorie – Die Schriften „Über das Pathetische“ und „Über das Erhabene“
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das philosophische Konzept des Erhabenen in den theoretischen Schriften von Friedrich Schiller. Dabei wird der Frage nachgegangen, welche Bedeutung der Begriff des Erhabenen in Schillers Werken impliziert und wie sich diese Konzeption in seiner Dramentheorie widerspiegelt.
- Etymologische und historische Entwicklung des Begriffs des Erhabenen von der Antike bis zum 18. Jahrhundert.
- Analyse von Schillers theoretischen Abhandlungen „Vom Erhabenen“, „Über das Pathetische“ und „Über das Erhabene“.
- Unterscheidung zwischen dem Praktischerhabenen, Theoretischerhabenen, Kontemplativerhabenen und dem Pathetischerhabenen.
- Untersuchung des Verhältnisses zwischen dem moralischen Individuum, dem Leiden und der ästhetischen Freiheit.
- Bedeutung der Konzepte für Schillers Dramentheorie und die ästhetische Erziehung des Menschen.
Auszug aus dem Buch
Die Definition des Erhabenen in Friedrich Schillers theoretischen Schriften
Zu Beginn der 1790er Jahre beschäftigte sich Friedrich Schiller mit den philosophischen Konzepten der Moral-Sense-Philosophie und den Schriften der Aufklärer, wobei besonders Jean-Jacques Rousseau, Johann Gottlieb Fichte und Immanuel Kant im Mittelpunkt der Auseinandersetzung um ein Konzept der ästhetischen Erziehung standen. Den größten Einfluss auf Schillers ästhetische Konzepte und Denkfiguren übte Kants Werk „Kritik der Urteilskraft“ aus, dessen Lektüre sich Schiller ab Herbst 1792 widmete.
Der Hauptanteil der konzeptionelle Anleihen die Schiller zum Begriff des Erhabenen hat, sind in seinen theoretischen Schriften wiederzufinden und auch in dem zu Kants Werk verfassten kommentarischen Werk „Vom Erhabenen“, dargestellt. Die Analyse des Schiller’schen Begriffskonzepts wird der Ausgangspunkt der nachfolgenden Untersuchung sein.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird ein Überblick über die philosophische Bedeutung des Erhabenen gegeben und die Zielsetzung der Arbeit sowie das methodische Vorgehen bei der Analyse von Schillers Schriften dargelegt.
Das Erhabene und seine Bedeutung für die Literaturtheorie: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung des Begriffs von der rhetorischen Kategorie bei Pseudo-Longinus bis hin zum ästhetischen Konzept bei Burke und Kant nach.
Die Definition des Erhabenen in Friedrich Schillers theoretischen Schriften: Hier werden die philosophischen Grundlagen und der Einfluss von Kant auf Schillers Denken erörtert.
Friedrich Schillers philosophisches Konzept des Erhabenen: Dieses Kapitel erläutert die Dichotomie zwischen Sinnen- und Vernunftwesen und führt die Kategorien des Theoretisch- und Praktischerhabenen ein.
Das „Pathetischerhabene“ und seine Rolle für Schillers Konzept der Dramentheorie – Die Schriften „Über das Pathetische“ und „Über das Erhabene“: Der Fokus liegt auf der Anwendung der Begriffsdefinitionen auf die dramatische Kunst und der Bedeutung des Leidens für die ästhetische Erziehung.
Fazit: Die Arbeit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und verdeutlicht die Entwicklung der Definition des Erhabenen in Schillers Spätschrift im Vergleich zu seinen früheren Werken.
Schlüsselwörter
Friedrich Schiller, das Erhabene, Literaturtheorie, Dramentheorie, Immanuel Kant, Theoretischerhabenes, Praktischerhabenes, Pathetischerhabenes, Ästhetik, Vernunftwesen, Sinnenwesen, Mitleid, Freiheit, Moral, Tragödie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Definition und philosophischen Einordnung des Begriffs „das Erhabene“ innerhalb der theoretischen Schriften von Friedrich Schiller.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung ästhetischer Kategorien, die Dichotomie von Sinnen- und Vernunftwesen sowie die Bedeutung dieser Konzepte für die tragische Kunst und das menschliche Handeln.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, welche Bedeutung der Begriff des Erhabenen bei Schiller impliziert und wie sich das Konzept zwischen seinen frühen Schriften und seiner Spätschrift gewandelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine textanalytische Methode, bei der Schillers Schriften (z.B. „Vom Erhabenen“, „Über das Pathetische“) im Rückbezug auf zeitgenössische philosophische Quellen wie Kants „Kritik der Urteilskraft“ untersucht werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Kategorien des Theoretisch-, Praktisch-, Kontemplativ- und Pathetischerhabenen definiert und deren Bedeutung für das dramaturgische Schaffen Schillers analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Friedrich Schiller, das Erhabene, Ästhetik, Vernunft, Freiheit, Pathos und dramaturgische Theorie.
Welche Rolle spielt die „Ruhe im Leiden“ bei Schiller?
Schiller definiert die „Ruhe im Leiden“ als eine notwendige Bedingung der Gelassenheit in Anbetracht einer Katastrophe, die Voraussetzung ist, um im tragischen Kontext als moralisches Wesen zu agieren.
Wie verändert sich das Konzept des Erhabenen in Schillers Spätschrift „Über das Erhabene“?
Im Vergleich zu den früheren Schriften findet eine Umdeutung statt, bei der nicht mehr das Mitleid des Helden zentral ist, sondern die Übermacht des Naturerhabenen, die nur durch die Konfrontation mit der Kunst verarbeitet werden kann.
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- Bianca Weihrauch (Autor:in), 2016, Friedrich Schillers philosophisches Konzept des Erhabenen und seine Bedeutung für die Literaturtheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377781