Diese Arbeit befasst sich mit dem barocktypischen Motiv der Vergänglichkeit. Als Grundlage dienen die beiden Sonette "Es ist alles Eitel" sowie "Menschliches Elende" von Andreas Gryphius. Es soll untersucht werden, inwiefern die Vergänglichkeit in diesen Werken Gryphius' eine Rolle spielt und durch welche Mittel dieses Motiv dargestellt wird.
Nach Hinweis Meids, dass Gryphius Leiden, Vergänglichkeit und die Gebrechlichkeit des Lebens in den Mittelpunkt seiner Werke stellt und diese auf dem Fundament der von Martin Opitz herausgegebenen Vorstellungen in seinem Buch von der "Deutschen Poeterey" aufbaut, wird ein Abschnitt dieser Arbeit die 1624 erschienenen Forderungen von Martin Opitz an die deutsche Dichtung aufgreifen, um sie mit den beiden zu behandelnden Werken von Andreas Gryphius zu vergleichen. Dabei wird untersucht, inwiefern Gryphius die Vorstellungen von Opitz nutzt, um das Vanitas-Motiv in den Mittelpunkt seiner Sonette zu stellen.
Zunächst wird ein kurzer Überblick über das Leben von Andreas Gryphius und dessen Umstände gegeben. Im Anschluss folgt ein Blick auf das Sonett an sich. Wann ist diese Gedichtform entstanden, welche Formalien weist es auf und welchen Einflüssen folgt Gryphius mit "Es ist alles Eitel" und "Menschliches Elende"? Nach dem Vergleich der Opitz'schen Forderungen mit Gryphius' Umsetzung im Hinblick auf das Vanitas-Motiv werden weitere Stilmittel in den Sonetten analysiert, um mit ihnen die zentrale Fragestellung dieser Arbeit zu klären: Wie setzt Gryphius das Motiv der Vergänglichkeit in den beiden Sonetten um? Außerdem soll geklärt werden, wie die Sonettstruktur zu betrachten ist und wie sich die einzelnen Strophen inhaltlich und formell zueinander verhalten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Leben von Andreas Gryphius
3. Geschichte und Aufbau des Sonetts
4. Gryphius´ Anwendung der Opitz´schen Regeln
5. Die Stilmittel und das Vanitas-Motiv
6. Die Sonettstrukur
6.1 Es ist alles Eitel
6.2 Menschliches Elende
7. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das barocktypische Motiv der Vergänglichkeit anhand der beiden Sonette „Es ist alles Eitel“ und „Menschliches Elende“ von Andreas Gryphius, um aufzuzeigen, wie das Vanitas-Motiv unter Berücksichtigung der poetologischen Regeln von Martin Opitz künstlerisch umgesetzt wird.
- Analyse der Vergänglichkeitsdarstellung bei Andreas Gryphius
- Vergleich der Sonette mit den poetischen Forderungen von Martin Opitz
- Untersuchung der formalen Sonettstruktur sowie metrischer Aspekte
- Analyse zentraler Stilmittel wie Antithesen, Metaphern und Anaphern
- Reflektion der historischen Kontextualisierung in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges
Auszug aus dem Buch
Die Stilmittel und das Vanitas-Motiv
Die Beschäftigung mit der Vergänglichkeit alles Irdischen deutet Gryphius bereits in den Titeln der Sonette an. Die Verwendung des Adjektivs „eitel“ sowie des Substantivs „Elende“ zeigen schon die Verbindung zu dieser Thematik. Elendig war das Leben der Menschen während der Kriegszeit, mit eitel ist die ursprüngliche Bedeutung des Wortes gemeint: Nichtigkeit. Es sei alles irdische nichtig, da alles vergänglich ist.
Schon im ersten Vers von „Es ist alles Eitel“ wird der Leser nicht nur auf die Vergänglichkeit hingewiesen, sondern aktiv mit einbezogen. Die Ansprache „Du“ (Vers 1) ist nicht Ansprache an irgendjemanden, sondern eine „verantwortungsschwere Mahnung“, dass das Thema jeden Leser und Hörer etwas angeht (FLEMMING, 1965, S. 127). Auch in „Menschliches Elende“ wird unmittelbar der Bezug zum Leser hergestellt. Durch die Frage „Was sind wir Menschen doch?“ (Vers 1) stellt sich das lyrische Ich auf eine Stufe mit dem Leser. Die Frage „Was sag ich?“ (Vers 14) am Ende des Sonetts ist eine rhetorische, mit der das lyrische Ich dem Leser eine Art Abschluss der Beweisführung für die Vergänglichkeit des Lebens liefern will. „Menschliches Elende“ ist geprägt von bildhaften Vergleichen, in denen die Endlichkeit des Lebens sowie das Wissen um den unausweichlichen Tod verdeutlicht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in das Vanitas-Motiv bei Gryphius ein und erläutert die methodische Vorgehensweise, die eine Kombination aus formaler Analyse nach Opitz und inhaltlicher Interpretation umfasst.
2. Das Leben von Andreas Gryphius: Das Kapitel beleuchtet die persönlichen Schicksalsschläge des Autors und den historischen Kontext des Dreißigjährigen Krieges als zentrale Einflüsse auf seine pessimistische Weltsicht.
3. Geschichte und Aufbau des Sonetts: Hier werden die italienischen und französischen Einflüsse auf die Sonettform dargelegt und Gryphius' Abweichungen von klassischen Reimschemata in den betrachteten Gedichten erörtert.
4. Gryphius´ Anwendung der Opitz´schen Regeln: Die Untersuchung zeigt, wie Gryphius die strengen poetologischen Vorgaben von Martin Opitz hinsichtlich Versmaß, Kadenz und Zäsur in seinen Sonetten umsetzt.
5. Die Stilmittel und das Vanitas-Motiv: Dieses Kapitel analysiert die rhetorischen Strategien und die inhaltliche Gestaltung des Vergänglichkeitsgedankens durch den gezielten Einsatz von Metaphern und Leseransprachen.
6. Die Sonettstrukur: Dieser Abschnitt bietet eine detaillierte strukturelle Analyse der beiden Sonette, wobei die Anordnung von Antithesen und die inhaltliche Entwicklung innerhalb der Strophen im Fokus stehen.
6.1 Es ist alles Eitel: Das Kapitel fokussiert auf die Nutzung von Antithesen und die prophetische Haltung des lyrischen Ichs gegenüber dem Verfall irdischer Pracht.
6.2 Menschliches Elende: Hier wird der Fokus auf die metaphysische Dimension des menschlichen Leids und die existenzielle Ausgeliefertheit an den Tod gelegt.
7. Schlussbemerkung: Die Arbeit resümiert, dass Gryphius sowohl formal als auch inhaltlich als exemplarischer Vertreter des Barock gelten kann, der die Vanitas-Thematik meisterhaft rhetorisch verarbeitet.
Schlüsselwörter
Andreas Gryphius, Barock, Vergänglichkeit, Vanitas-Motiv, Sonett, Martin Opitz, Alexandriner, Antithese, Rhetorik, Literaturanalyse, Dreißigjähriger Krieg, Metrik, Lyrik, Literatur des Barock, Endlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Darstellung des Vanitas-Motivs in zwei berühmten Sonetten von Andreas Gryphius und prüft deren Konformität mit zeitgenössischen poetologischen Regeln.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens, die historische Prägung durch den Dreißigjährigen Krieg und die formale Gestaltung deutscher Barocklyrik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Untersuchung verfolgt die Frage, mit welchen literarischen und formalen Mitteln Gryphius das Motiv der Vergänglichkeit umsetzt und wie er dabei die poetischen Forderungen von Martin Opitz integriert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es wird eine textanalytische Methode verwendet, die insbesondere Metrik, Versmaß, Kadenzen und rhetorische Stilmittel wie Antithesen und Metaphern untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biographische Einordnung, eine theoretische Abhandlung zur Sonettform, den Vergleich mit den Opitz'schen Regeln sowie eine detaillierte Analyse der Struktur und Stilistik der beiden gewählten Gedichte.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Neben dem zentralen Begriff der Vanitas sind insbesondere die Begriffe Alexandriner, Barockliteratur und Rhetorik maßgeblich für das Verständnis der Arbeit.
Welchen Einfluss hatte der Dreißigjährige Krieg auf die Sonette?
Der Krieg wird als direkter Auslöser für die pessimistische Weltsicht und die omnipräsente Thematisierung des Todes in Gryphius' Werken identifiziert.
Wie unterscheidet sich die Struktur der beiden Sonette?
Während beide Gedichte das Vanitas-Motiv teilen, zeigt die Analyse spezifische Unterschiede in der Verwendung von Antithesen und der emotionalen Tonalität, wobei „Menschliches Elende“ stärker auf die eigene menschliche Betroffenheit fokussiert.
- Arbeit zitieren
- Falko Schwetz (Autor:in), 2015, Das Motiv der Vergänglichkeit. Analyse und Vergleich zweier ausgewählter Sonette "Es ist alles Eitel" und "Menschliches Elende" von Andreas Gryphius, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377865