Hat die Weltgemeinschaft gegen Hunger und Armut eine kohärente Strategie? Eine Betrachtung von Auslösern in Entwicklungsländern und den Reaktionen verschiedener Institutionen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017
20 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Darstellung der Vorgehensweise

2. Einleitung

3. Der zeitliche Ablauf der Entwicklungspolitik seit den 60er Jahren

4. Auslöser für Armut und Hunger im endogenen Umfeld
4.1 Ernährung
4.2 Krankheiten
4.3 Bildung
4.4 Die Folgen von Armut und Hunger

5. Die Entwicklungsländer als Teil der Weltgemeinschaft
5.1 Die innerstaatlichen Randbedingungen in den Entwicklungsländern
5.1.1 Politische Randbedingungen
5.1.2 Bevölkerungsentwicklung
5.1.3 Migration, Flucht, Binnenflüchtlinge
5.2. Ökonomisch
5.2.1 Die wesentlichen Strukturzusammenhänge der Globalisierung
5.2.2 Interdependenzen zwischen Welthandel und Entwicklungsländern
5.3 Ökologisch
5.3.1 Klimawandel
5.3.2 Naturkatastrophen
5.3.3 Zwischenfazit: Die Interdependenzen zwischen endogenen und exogenen Faktoren

6. Die Institutionen WTO/IWF/Weltbank
6.1 Welthandelsorganisation (WTO)
6.2 Internationaler Währungsfonds (IWF)
6.3 Weltbank

7. Die Ziele der Staatengemeinschaft
7.1 Millenniumsziele, Agenda 2030
7.2 Marshallplan

8. Good Governance, Voraussetzung für gute Entwicklungspolitik?

9. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Darstellung der Vorgehensweise

In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, wie Armut und Hunger in den Entwicklungsländern[1] entstehen und welche Schlussfolgerungen die Weltgemeinschaft aus dieser Tatsache gezogen hat; mit dem Ziel am Ende des Prozesses den Teilaspekt von Armut und Hunger auf Dauer substanziell zu reduzieren. Ein Rückblick bis in die 60er Jahre gibt einen Überblick darüber, wie sich die Entwicklungspolitik[2] seit diesem Zeitraum entwickelt hat. In der Folge wird das endogene Umfeld, das der Auslöser für Armut und Hunger ist, analysiert. Anschließend werden die exogenen Faktoren, sowohl bezogen auf die politischen wie die ökonomischen und ökologischen Randbedingungen mit weiteren Unterpunkten, dargestellt. In einem nächsten Schritt wird die dazugehörige Rolle der internationalen Organisationen IWF, Weltbank, WTO, hinterfragt. Daran schließt sich ein Zwischenfazit zu diesem Themenkomplex, zwischen den exogenen und endogenen Faktoren, an. Sodann wird am Beispiel der Millenniumsziele aus dem Jahre 2000 ein Resümee gezogen, und die daraus zu folgernden Konsequenzen in Form der Agenda 2030 der Vereinten Nationen mit 17 neu definierten Nachhaltigkeitszielen erläutert; weiterhin wird der „Marshallplan“ für Afrika von der Bundesregierung aus dem Jahre 2015 vorgestellt. In einem weiteren Schritt wird der Fragestellung nachgegangen, wie sich die Entwicklungspolitik unter dem Aspekt von Good Governance in Zukunft gestalten müsste, bzw. ob Good Governance nicht nur ein guter Wille ist, aber an den politischen Realitäten scheitert. Ein Fazit über die Fragestellung, mit allen hier behandelten Fragestellungen, schließt diese Arbeit ab.

2. Einleitung

Entwicklungspolitik von heute ist Friedenspolitik von morgen, so wird Willy Brandt aus den 80er Jahren zitiert. Was bedeutet nun der Begriff der Entwicklungspolitik im Jahre 2017? Wenn wir uns vor Augen halten, dass schon seit den 60er Jahren, um den Zeitraum einzugrenzen, der Begriff und die dazu gehörigen Ausführungen zwar immer wieder diskutiert wurden, aber wir bis zum heutigen Tag noch weit davon entfernt sind, dass die Menschen in den Entwicklungsländern zum Großteil immer noch, gemessen an den Industrieländern unter massiven Disparitäten, bezogen auf die elementaren Grundbedürfnisse wie Ernährung, Gesundheit, Bildung, ökologische Aspekte wie sauberes Trinkwasser und das bereinigte BIP (Welthaus), zeigt sich, dass weiterhin erhebliche Anstrengungen nötig sein werden, um Armut[3] und den daraus resultierenden Hunger dort zu bekämpfen, wo er verursacht wurde. Beck (Nuscheler 2012, S. 25) hat im Jahre 2007 unter dem Begriff der „Weltrisikogesellschaft“ dargestellt, welche Interdependenzen im Regelkreislauf zwischen der Politik, sowohl in Geber- wie in den Nehmerländern, der Globalisierung im weitesten Sinne, und die Folgen in der Ökologie in Bezug auf den Klimawandel, der Bodenerosion und Wasserkrisen, insbesondere in den Entwicklungsländern, und damit verheerenden Folgen für Natur und Mensch, bestehen. Unabhängig davon, dass durch den internationalen Terrorismus, u. a. der IS (German Institut of Globalitiation) eine neue politische Dimension entstanden ist, haben sich die Fluchtbewegungen, insbesondere aus Syrien und dem Irak nochmals verstärkt. Mit der Folge, dass wir in den letzten fünf Jahren hohe Fluchtbewegungen von Menschen lt. UNHCR (UNHCR) 2016 weltweit 65,6 Millionen Menschen sehen und ein Ende dieser Fluchtbewegungen noch nicht abzusehen ist. Um die gravierenden Folgen im Sinne der beckschen Weltrisikogesellschaft zu mindern, folgte im Jahr 2000, durch die Vereinten Nation unter Mitwirkung des IWF, der Weltbank sowie der OECD, die Implementation der acht Millenniumsentwicklungsziele (Millennium Development Goals, MDG), in denen erstmals konkret die Aufgaben der Weltgemeinschaft zur Stabilisierung der Entwicklungsländer bis zum Jahre 2015 beschrieben wurden (siehe auch Punkt 7.1). Die Ergebnisse zeigen, dass sich die angestrebten Ziele als durchaus erfolgreich darstellen, in ihrem Fazit die Vereinten Nationen aber weiteren massiven Handlungsbedarf anerkennen. So lauten u.a. die Resümees: a) Die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern besteht fort ; b) Zwischen den ärmsten und den reichsten Haushalten und zwischen ländlichen und städtischen Gebieten bestehen große Disparitäten in den Entwicklungsregionen; c) Klimawandel und Umweltzerstörung unterhöhlen bereits Erreichtes, und die Armen leiden am meisten; d) Konflikte sind nach wie vor die größte Gefahr für die menschliche Entwicklung; e) Die Menschen leiden weiter unter Armut/Hunger und haben keinen Zugang zu Grundversorgungseinrichtungen. Aufgrund der festgestellten Tatsachen verabschiedeten im Jahre 2015 die 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen auf einem Gipfeltreffen in New York die „Agenda 2030“ (BMZ) Zielen für nachhaltige Entwicklung. Die Frage wird sein, wie konkret die Weltgemeinschaft diese Ziele sowohl in ihren eigenen Ländern wie aber auch in Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern, umsetzen wird.

3. Der zeitliche Ablauf der Entwicklungspolitik seit den 60er Jahren

Der Begriff der Entwicklungspolitik hat im Laufe der letzten Dekaden zu unterschiedlichen Ansätzen und inhaltlichen Ausführungen seitens der Industrienationen geführt (Nuscheler, 2012, S. 16). Sie beinhaltet in ihrem Kern die Förderung der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Entwicklungsländer. In den 1960er Jahren hatten sich sowohl die Weltbank wie auch die beteiligten Wissenschaftler einer Strategie der „Entwicklung durch Wachstum“ verschrieben. Lester Pearson beklagte die Krise der Entwicklungshilfe mit den Worten:“ Ein Großteil der bilateralen Entwicklungshilfe diente tatsächlich dazu, kurzfristige politische oder strategische Vorteile zu erlangen oder Exporte der Geberländer zu fördern“. Im Jahre 1973 wurde durch den Weltbankpräsidenten McNamara das Wachstumskonzept massiv kritisiert, da dieses für das Anwachsen von Armut massiv mitverantwortlich sei. Diese Gedanken wurden von den internationalen Organisationen FAO, WHO, UNESCO und ILO aufgegriffen, führten aber bis in die 1980er Jahre zu keiner substanziellen Verbesserung der Situation in den betroffenen Ländern. Die westlichen Gläubigerländer, der IWF und die Weltbank versuchten während dieser Dekade den Entwicklungsländern marktwirtschaftliche Strukturanpassungsprogramme zu verordnen, die in den betroffenen Ländern aber zu noch größeren ökonomischen Verwerfungen führten. In den 1990er Jahren wurden auf unterschiedlichen internationalen Entwicklungskonferenzen neue Strategien mit der Anerkennung u.a. zu einer nachhaltigen, ökonomischen Entwicklung, die Bekämpfung der Armut, die Wichtigkeit von Bildung und Gesundheitspolitik und die Unteilbarkeit der Menschenrechte in den Vordergrund aller Bemühungen seitens der Industrienationen gestellt. Die 1990er-Dekade war geprägt, durch den Wegfall des Kalten Krieges und damit einhergehend neue politische Konstellationen weltweit, die sich auch im Rahmen der Entwicklungspolitik niederschlugen, ohne dass sich das grundlegende Dilemmata aus der Vergangenheit geändert hat.

4. Auslöser für Armut und Hunger im endogenen Umfeld

4.1 Ernährung

Die Auswirkungen von Unterernährung (Nuscheler, 2012, S. 209) und Mangelernährung[4] zeigen sich insbesondere bei unterernährten Müttern. Mit der Folge einer hohen Müttersterblichkeit, bzw. bei der Geburt von Kindern, dass diese untergewichtig zur Welt kommen und damit einer hohen Kindersterblichkeit ausgesetzt sind. Als Folge von untergewichtigen Kindern kommt es bei diesen dann zu Störungen in der geistigen Entwicklung und zu einer überproportionalen hohen Krankheitsanfälligkeit. Im Millenniumsbericht 2015 wird dazu ausgeführt „ Mehr als 160 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind für ihr Alter zu klein, weil sie nicht genug zu essen haben. Täglich sterben etwa 16.000 Kinder unter fünf Jahren, zumeist an vermeidbaren Ursachen. In den Entwicklungsregionen ist die Müttersterblichkeitsrate 14-mal so hoch wie in den entwickelten Regionen“.

4.2 Krankheiten

Der Zugang zu einem angemessenen Gesundheitsangebot für alle Bevölkerungsgruppen Ist ein Kernelement für die menschliche Entwick­lung und damit gleichzeitig einer der wichtigsten Grundlagen zur einhergehenden Armutsbekämpfung. Die nach wie vor hohe Kinder­sterblichkeit, vor allem im Zusammenhang mit Infektionserkrankungen, Ernährungsdefiziten und Mangel an sauberem Wasser, stellt ein anhal­tendes Problem dar. Die Bekämpfung von HIV/Aids, Malaria und anderen Krankheiten wird durch mangelhafte Ernährung und damit einer weniger stark ausgeprägten Resilienz mit ausgelöst. Auch wenn der MLG-Report eine deutliche Verbesserung bei den einzelnen Krankheitstypen ausweist und der Müttersterblichkeit ausweist, so bleibt doch weiterhin eine hohe Anzahl von Menschen akut krankheitsgefährdet.

4.3 Bildung

Bildung ist eines der grundlegenden Elemente, die dazu beiträgt, dass der Kreislauf von Armut und Hunger, wenn nicht verhindert, so doch reduziert werden kann. In den Entwicklungsregionen besuchen die Kinder aus den ärmsten Haushalten viermal häufiger keine Schule als die aus den reichsten. So konstatiert der Marshallplan (BMZ 2016b) unter dem Punkt “Die Bildungssituation in Entwicklungsländern“ […] dass mit wachsender Tendenz in Nordafrika 49 Prozent der Kinder keine Schule besuchen; und dass Kinder aus armen Haushalten mit viermal höherer Wahrscheinlichkeit keine Schule besuchen als Kinder aus den reichsten Haushalten. Erhebungsdaten für 2007-2013 aus 73 Entwicklungsländern zeigen, dass die Jugendlichen aus den ärmsten Haushalten mit mehr als fünfmal höherer Wahrscheinlichkeit als die aus den reichsten Haushalten die Grundschule nicht abschließen

4.4 Die Folgen von Armut und Hunger

Armut und Hunger sind auf dem ersten Blick sehr persönliche Schicksale, die den einzelnen Menschen treffen können. Es gibt aber einen Kreislauf von Faktoren (Nuscheler, 2012, S. 134) die diese auslösen. Es sind einzelne Faktoren wie eine zu geringe Nahrungsaufnahme durch fehlende finanzielle Mittel, die daraus entstehende hohe Anfälligkeit für Krankheiten und damit einhergehend ein Gesundheitssystem das nur rudimentär in der Lage ist die Krankheiten wirksam zu bekämpfen. Erkennbar auch daran, dass es überwiegend internationale Organisationen sind, wie Ärzte ohne Grenzen, die mühsam die dafür benötigte Infrastruktur bereitstellen (Ärzte ohne Grenzen 2017). Dermaßen persönlich geschwächt ist eine regelmäßige Schulbildung nur sehr schwer möglich. Das wiederum führt dazu, das fehlende Bildung eine adäquate Berufs/Studienausbildung für die breite Masse der Bevölkerung verhindert und somit einen besseren Lebensstandard nicht ermöglicht. Erschwerend können, je nach Region, auch noch die unterschiedlichsten Naturkatastrophen dazu beitragen, dass die vorhandene Infrastruktur stark beschädigt bzw. vernichtet wird und damit verhindern, dass die betroffenen Menschen ihre elementaren Bedürfnisse überhaupt in Anspruch nehmen können.

5. Die Entwicklungsländer als Teil der Weltgemeinschaft

5.1 Die innerstaatlichen Randbedingungen in den Entwicklungsländern

5.1.1 Politische Randbedingungen

Durch die exponentielle Steigerung der weltweiten Krisenherde in den letzten Jahren wird es auch im Sinne der Entwicklungsländer immer schwieriger, sich diesen Krisenmechanismen zu entziehen. Einerseits dadurch bedingt, dass durch die Globalisierung die Grenzen zwischen Rechtsstaatlichkeit im weitesten Sinne sowie ökonomische und ökologische Randbedingungen Fakten schaffen und in der Vergangenheit geschaffen haben, die eine Entwicklung des einzelnen Landes als autarkes Gebilde immer mehr im Wege stehen, andererseits die innerstaatlichen Strukturen durch Despotie, Vetternwirtschaft und innerstaatlichem Terror verhindern, dass sich die betroffenen Länder sowohl politisch wie auch ökonomisch weiter entwickeln können. Weitere negative Randbedingungen sind eine Zunahme der Bevölkerungszahlen (Kapitel 5.1.2) und damit einhergehend ein hoher Verbrauch an ökologischen und ökonomischen Ressourcen. Durch die Globalisierung im weitesten Sinne (Kapitel 5.2.2/3) wird durch diese ein zusätzlicher negativer Schwerpunkt sichtbar, dem sich die Entwicklungsländer auf Dauer werden nicht entziehen können. Rechtsstaatliche Strukturen werden durch nationale Terrororganisationen erschwert, wie z.B. Boko Haram (Süddeutsche Zeitung) oder der mittlerweile über Kontinente hinweg agierende „Islamische Staat (IS) (Wikipedia) der durch den Verfall des Iraks im Jahre 2003 einen fruchtbaren Nährboden für ihren Terror sowohl in den Teilen der Entwicklungsländer wie auch in Europa gefunden hat. In diesem Zusammenhang kommt es dann auch in den betreffenden Ländern zu erheblichen Wanderungsbewegungen innerhalb der Landesgrenzen. Der UNHCR (UNHCR) schätzt, dass es sich dabei um eine Größenordnung von 30 Millionen Menschen handelt, die somit auch ihre sozialen/ökonomischen Grundlagen verlieren und somit ein zusätzlicher negativer Faktor für das betreffende Land darstellen. Für die nächsten Jahrzehnte zeichnen sich zumal für die Entwicklungsländer dramatische wirtschaftliche und gesellschaftliche sowie sozio-ökologische Veränderungen ab. In viel stärkerem Umfang als jemals zuvor werden Krisenursachen nicht nur in einem regionalen Näheverhältnis stehen, sondern durch die verstärkte Interdependenz der Einzelfaktoren auch zu überregionalen Wirkungen führen.

5.1.2 Bevölkerungsentwicklung

Das Bevölkerungswachstum der Zukunft findet fast ausschließlich in Entwicklungsländern statt. (Deutsche Stiftung Weltbevölkerung) In Afrika wird sich die Bevölkerung von heute rund 1,2 Milliarden auf voraussichtlich fast 4,4 Milliarden Menschen im Jahr 2100 nahezu vervierfachen. In Europa hingegen wird die Bevölkerung leicht abnehmen: Leben hier heute noch 738 Millionen Menschen, werden es am Ende des Jahrhunderts voraussichtlich nur noch 646 Millionen Menschen sein. So dass sowohl der ökonomische und damit einhergehend auch der politische Druck in den Entwicklungsländern immer größer werden wird, um den dort lebenden Menschen ein ansatzweise menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.

5.1.3 Migration, Flucht, Binnenflüchtlinge

Durch die aufgeführten Gründe zwischen einerseits massiv staatlichen Unzulänglichkeiten, die daraus entstandenen vielschichtigen persönlichen Problemfelder, zusätzlich ausgelöst durch ökologische Umweltkatastrophen haben in vielen Entwicklungsländern dazu geführt, dass die Menschen keinerlei Zukunftsperspektiven in ihren jeweiligen Ländern und Regionen sehen und gesehen haben und für sie als Alternative nur noch die Flucht nach Europa oder ostafrikanischen Ländern über das Mittelmeer bzw. innerstaatliche Fluchtwege geblieben sind (UNO 2017). Das bedeutet u.a., dass es in diesen Ländern zu einer hohen Anzahl von gestrandeten Flüchtlingen gekommen ist, die sowohl in persönlicher wie aber auch in sozialer Sicht von den betroffenen Ländern versorgt werden müssen und somit auch ein nicht unerhebliches Konfliktpotenzial zwischen den ankommenden Flüchtlingen und Migranten und der einheimischen Bevölkerung darstellen, da die sozialstaatlichen Strukturen massiv unter Druck geraten. Wobei die Zahlen aus dem UNHCR-Bericht (UNO 2017) deutlich machen, dass die größte Anzahl der Flüchtlinge in der Türkei, Pakistan, Libanon, Iran, Äthiopien und Jordanien versorgt werden müssen. Also in Ländern, die man in Teilen auch heute noch unter Entwicklungsländern subsumieren kann. Es darüber hinaus noch eine hohe Anzahl innerstaatlicher Flüchtlinge (Binnenvertriebene) in der Größenordnung von 30 Millionen Menschen (UNO 2017) gibt, die aus unterschiedlichsten politischen, sozialen und ökologischen Gründen ihre angestammte Heimat verlassen haben bzw. verlassen mussten.

[...]


[1] Definition: „Sind gemessen an den Normen der Industrieländer arme, wirtschaftliche unterentwickelte Länder. […] u.a. geringes Pro-Kopf-Einkommen, Kapitalmangel, geringe Arbeitsproduktivität, überwiegende Agrar- und Subsistenzwirtschaft, niedrige Alphabetisierungsquote, geringe Lebenserwartung […] die aus einer Vielzahl sozio-ökonomischer Einflussfaktoren resultiert.“( K.H. Hillmann, aus Wörterbuch der Soziologie, Kröner-Verlag, 2007)

[2] Definition: „[…] bestehende wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zwischen Industriegesellschaften und Entwicklungsländern hinausgehende, bewusste und systematische Maßnahmen zur Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in den Entwicklungsländern.“ ( Vgl. ebd.)

[3] Der Entwicklungsausschuss der OECD (DAC) versteht unter Armut verschiedene Arten von Entbehrungen im Zusammenhang mit der Unfähigkeit, menschliche Grundbedürfnisse zu befriedigen. Zu diesen Bedürfnissen gehören vor allem der Konsum und die Sicherheit von Nahrungsmitteln, Gesundheitsversorgung, Bildung, Ausübung von Rechten, Mitsprache, Sicherheit und Würde sowie menschenwürdige Arbeit. Als absolute Armut ist dabei ein Zustand definiert, in dem sich ein Mensch die Befriedigung seiner Grundbedürfnisse nicht leisten kann. https://www.bmz.de/de/service/glossar/A/armut.html abgerufen 26.06.2017

[4] Ein Drittel der Menschen in Entwicklungsländern sind von Mangelernährung betroffen. Die häufigsten Mangelerscheinungen sind Eisen-, Vitamin-A-, Jod- und Zinkmangel. Eisenmangel ist die am weiteste verbreitete Form der Mangelernährung. Ein Mangel an Eisen führt zu Müdigkeit; Leistungsfähigkeit und Arbeitsproduktivität sinken. In Entwicklungsländern sind 40-60% der Kinder zwischen 6-24 Monaten von Eisenmangel betroffen, der vor allem ihre geistige Entwicklung beeinträchtigt. Schwangere erleiden zudem häufiger Fehlgeburten http://de.wfp.org/mangelernaehrung abgerufen 26.06.2017

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Hat die Weltgemeinschaft gegen Hunger und Armut eine kohärente Strategie? Eine Betrachtung von Auslösern in Entwicklungsländern und den Reaktionen verschiedener Institutionen
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
20
Katalognummer
V377875
ISBN (eBook)
9783668551916
ISBN (Buch)
9783668551923
Dateigröße
581 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
weltgemeinschaft, hunger, armut, strategie, entwicklungsländern, institutionen
Arbeit zitieren
Udo Goldstein (Autor), 2017, Hat die Weltgemeinschaft gegen Hunger und Armut eine kohärente Strategie? Eine Betrachtung von Auslösern in Entwicklungsländern und den Reaktionen verschiedener Institutionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377875

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