Wahlen gelten in westlichen Demokratien zwar nicht als einzige, jedoch als entscheidende Möglichkeit für Bürger, Einfluss auf die Politik in ihrem Land zu nehmen. Sie garantieren einen „offenen Wettbewerb gesellschaftlicher Kräfte und politischer Gruppen.“1 Als bloße Technik gesehen können sie auch in nicht demokratischen Staaten abgehalten werden. Demokratische Wahlen unterscheiden sich jedoch durch zugrunde liegende normative Konzepte, die an die Wahlverfahren besondere Bedingungen knüpfen. Eine hauptsächliche Norm ist die, dass den Gewählten durch das formale Wahlverfahren eine für jeden ersichtliche Legitimation zukommt, politische Entscheidungen herbeizuführen. Diese Formalitäten oder auch die Modi des Wahlvorgangs können sehr unterschiedlich ausfallen, da die historisch, gesellschaftlich und ökonomisch unterschiedlich geprägten Demokratien jeweils andere Anforderungen an die Leistung ihrer Wahlsysteme stellen. Der Politikwissenschaft stellt sich dabei gerade im Hinblick auf neu entstehende Demokratien, die sich ein eigenes Wahlsystem schaffen, die Herausforderung, gewisse Gesetzmäßigkeiten für das Funktionieren von Wahlsystemen ausfindig zu machen und die Erkenntnisse bei der Konstituierung und Konsolidierung demokratischer Systeme zu nutzen. G. Bingham Powell und Arend Lijphart nutzen die Daten und Erfahrungen der seit längerem bestehenden westlichen Demokratien, um Wahlsysteme und ihre Auswirkungen auf bestimmte Faktoren zu untersuchen. In dieser Arbeit soll die unterschiedliche Herangehensweise der beiden Wissenschaftler an das Thema untersucht werden. Über die eher allgemeine Betrachtung von Wahlen und Wahlsystemen soll die Argumentation zur jeweils speziellen Zielsetzung und Vorgehensweise führen, um dann in der Synthese einen Vergleich der beiden Ansätze zu machen und die Besonderheiten bei den jeweiligen Untersuchungen herauszustellen. Da eine Gegenüberstellung der Gewichtung und Behandlung von detaillierten inhaltlichen Aspekten den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, beschränke ich mich auf die Prämissen, auf die Art und Weise, wie die Autoren die Untersuchung von Wahlsystemen vornehmen. 1 NOHLEN (2000), S. 25.
Inhaltsverzeichnis
I EINLEITUNG
II WAHLEN
II.1 Demokratiekonzept und Konzept von Wahlen bei Powell
II.2 Lijpharts Konzept von demokratischen Wahlen
III WAHLSYSTEME
III.1 Majorzprinzip
III.2 Proporzprinzip
III.3 Die Grundtypen von Wahlsystemen bei Powell
III.3.1 Konzentration politischer Machtbefugnisse
III.3.2 Verteilung politischer Machtbefugnisse
III.4 Die Wahlsysteme bei Lijphart
IV ZIELSETZUNG UND METHODE DER UNTERSUCHUNGEN
IV.1 Powells Zielsetzung und Untersuchungsgegenstand
IV.2 Powells Vorgehensweise
IV.2.1 Die Dimension der Wahlregeln
IV.2.2 Die Dimension der Arbeitsprinzipien in den Ausschüssen
IV.2.3 Zusammenführung beider Dimensionen
IV.4 Ziel der Analyse und Untersuchungsgegenstand bei Lijphart
IV.5 Lijpharts Methode
V. BESONDERHEITEN BEI POWELLS ANSATZ
V.1 Das Kriterium der Verbindung zwischen Wähler und Politiker
V.2 Der Blickwinkel des Wählers und der zeitliche Aspekt
V.3 Bezug auf verschiedene theoretische Ansätze
VI. BESONDERHEITEN BEI LIJPHARTS ANSATZ
VII. VERGLEICH DER ANSÄTZE
VII.1 Gegenstand der Analysen
VII.2 Dimensionen oder Variablen
VII.3 Ziel der Analysen
VIII. ZUSAMMENFASSUNG
IX. LITERATUR
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die unterschiedlichen wissenschaftlichen Herangehensweisen von G. Bingham Powell und Arend Lijphart bei der Analyse von Wahlsystemen und deren Auswirkungen auf demokratische Prozesse zu untersuchen, zu vergleichen und kritisch einzuordnen.
- Demokratietheoretische Grundlagen und Konzepte von Wahlen
- Differenzierung der Wahlsysteme (Mehrheitswahl vs. Verhältniswahl)
- Methodische Ansätze und empirische Untersuchungsmethoden der Autoren
- Einflussfaktoren wie effektive Schwellenwerte und Wahlkreisgrößen
- Die Rolle von Repräsentation, politischer Machtbefugnis und Verbindungen zwischen Wählern und Politikern
Auszug aus dem Buch
III.1 Majorzprinzip
Dieses Prinzip basiert auf der Idee des “principal-agent” und zielt auf die Entscheidungen des Parlaments ab. Dabei geht es darum, über eine Herstellung von Mehrheit diesen Repräsentanten zu befähigen, genau im Interesse aller Bürger handeln zu können. Daraus ergibt sich ein Grundsatz, wonach die Mehrheit der Stimmen für die Annahme eines Kandidaten sorgt. „Their [Mehrheitswahlsysteme] intent is not only to elect a parliament but at the same time to elect (if only by implication) a government.“ Um dieses Ziel zu erreichen, führen beim mehrheitlichen Prinzip nur die Stimmen für den Sieger zum Erfolg. Zwei Subtypen der Mehrheitswahl ergeben sich aus der Art der Entscheidungsregel. Die relative Mehrheit (plurality) erreicht ein Kandidat, der mehr Stimmen erhält als jeder andere. Die absolute Mehrheit (majority) fällt auf den Kandidaten, der mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen auf sich vereint.
Zusammenfassung der Kapitel
I EINLEITUNG: Darstellung der Bedeutung von Wahlen in westlichen Demokratien und Vorstellung des Untersuchungsgegenstands, nämlich des Vergleichs der Ansätze von Powell und Lijphart.
II WAHLEN: Definition der Rolle von Wahlen als demokratische Instrumente und Gegenüberstellung der spezifischen Demokratiekonzepte von Powell und Lijphart.
III WAHLSYSTEME: Einführung in die Systematik von Wahlsystemen, unterteilt in Majorz- und Proporzprinzip, sowie die spezifische Typisierung dieser Systeme durch Powell und Lijphart.
IV ZIELSETZUNG UND METHODE DER UNTERSUCHUNGEN: Erläuterung der empirischen Vorgehensweise, Untersuchungsgegenstände und spezifischen Variablen, die Powell und Lijphart in ihren Studien verwenden.
V. BESONDERHEITEN BEI POWELLS ANSATZ: Analyse der normativen Schwerpunkte Powells, insbesondere der Rückbindung von Politikern an Wählerinteressen und der verschiedenen theoretischen Ansätze zur Wähler-Politiker-Verbindung.
VI. BESONDERHEITEN BEI LIJPHARTS ANSATZ: Darstellung von Lijpharts Fokus auf die Bedeutung der Proportionalität und die Rolle der effektiven Hürde als maßgebliches Instrument zur Analyse von Wahlsystemen.
VII. VERGLEICH DER ANSÄTZE: Synthese und Gegenüberstellung der methodischen Ansätze, der gewählten Variablen sowie der Zielsetzungen beider Autoren.
VIII. ZUSAMMENFASSUNG: Kritische Reflexion der Ergebnisse, Bewertung der unterschiedlichen methodischen Herangehensweisen und abschließende persönliche Würdigung der Ansätze.
Schlüsselwörter
Wahlsysteme, Demokratie, Majorzprinzip, Proporzprinzip, Powell, Lijphart, Wählerpräferenzen, Repräsentation, Mehrheitswahl, Verhältniswahl, politische Machtbefugnisse, Disproportionalität, effektive Hürde, empirische Untersuchung, Regierungsbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit vergleicht die Forschungsansätze von G. Bingham Powell und Arend Lijphart zur Analyse von Wahlsystemen und deren Bedeutung für westliche Demokratien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Konzepte von Wahlen, die Unterscheidung zwischen Mehrheits- und Verhältniswahl sowie die methodische Erfassung von Wahlsystemen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Unterschiede in den Herangehensweisen, Zielsetzungen und methodischen Vorgehensweisen der beiden Wissenschaftler herauszuarbeiten und zu vergleichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine vergleichende Analyse der empirisch-statistischen Forschungsansätze von Powell und Lijphart unter Einbeziehung demokratietheoretischer Aspekte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die unterschiedlichen Wahlsystem-Typologien, die methodischen Ansätze zur Verfassungsanalyse und die Besonderheiten der theoretischen Konzepte beider Autoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Wahlsysteme, Proportionalität, Machtverteilung, Demokratiekonzept und die Autoren Powell und Lijphart.
Welche Rolle spielt das "Majorzprinzip" bei Powell?
Bei Powell dient das Majorzprinzip als Konzept zur Konzentration politischer Machtbefugnisse, um eine klare Verantwortlichkeit der Regierung gegenüber den Wählern zu gewährleisten.
Warum hält Lijphart die "effektive Hürde" für so entscheidend?
Lijphart identifiziert die effektive Hürde als das stärkste Instrument zur Beeinflussung der Proportionalität, da sie maßgeblich darüber entscheidet, wie Stimmen in Sitze übertragen werden.
- Quote paper
- Franziska Moschke (Author), 2003, Wahlen als Instrumente der Demokratie. Vergleich der Forschungsansätze von G. Bingham Powell und Arend Lijphart, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37794