Der Zionismus und die Einwanderung nach Erez Israel


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

25 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Vorläufer der Zionisten
2.1. Unterschiede zwischen Ost und West
2.2. Die erste Alija

3. Kulturzionismus und weitere Einwanderungen
3.1. Eroberung durch Arbeit- die zweite Alija
3.2. Kulturelle Errungenschaften

4. Erster Weltkrieg und Balfour-Deklaration
4.1. Innerer und Äußerer Widerstand
4.2. Die Balfour-Deklaration

5. Palästina als britisches Mandatsgebiet
5.1. Die Formierung zionistischer Parteien
5.2. Andere Organisationen
5.3. Weitere Alija’s
5.4. Der Zionismus und das Araberproblem

6. Zusammenfassung

7. Literatur

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Zionismus als Nationale Bewegung der Juden mit dem Ziel der Rückkehr ins Land ihrer Vorfahren. Ich werde dabei nicht näher auf die philosophischen Grundlagen und Strömungen des Zionismus eingehen, sondern vielmehr mich mit der tatsächlichen Einwanderung der Juden nach „Erez Israel“ beschäftigen. Die soziale Ausgangslage der jüdischen Bevölkerung während der Diaspora kann ebenfalls aufgrund der gebotenen Kürze der Arbeit nicht ausführlich behandelt werden. Ziel dieser Untersuchung wird es deshalb sein, die unterschiedlichen Einwanderungswellen an markante geschichtliche Ereignisse zu binden und damit die Gründe für die verschiedenen Phasen der Besiedlung zu finden. Die Analyse richtet sich dabei aber auch auf die Entstehung der neuen jüdischen Gesellschaft. Diese Betrachtung scheint auch aus soziologisch – historischer Sicht weitere Aufschlüsse über den Erfolg der zionistischen Bewegung geben zu können. Vor allem die Entwicklung der neuen Parteien und politischen Strömungen in Israel, die natürlich schon während der ersten Besiedlungen begann, sowie deren neue Wege zur Gestaltung und Anerkennung eines Staates der Juden werden eine Rolle spielen. Den Reiz stellt die Untersuchung der verschiedenen lokalen jüdischen Bewegungen im Zusammenschluss zu einer Gesamtorganisation mit dem Ziel der Besiedelung eines gemeinsamen Landes dar. Vor allem unter Berücksichtigung der damaligen geschichtlichen Ereignisse, welche nicht im Zusammenhang stattfanden, sondern ebenfalls teils lokal bedingte Reaktionen und Handlungsweisen hervorriefen. Besonderes Augenmerk in der Recherche zu dieser Arbeit fiel auf die stark subjektiv beeinflusste Literatur, welche die wissenschaftliche Untersuchung nicht vereinfachte. Deshalb musste im Vorfeld auf propagandistische Werke verzichtet werden. Die verschiedensten Eigennamen und vor allem die hebräischen Übersetzungen wurden von den jeweiligen Autoren übernommen, weshalb sie auch innerhalb des Textes variieren können, da es anscheinend keine Einheitlichkeit bei der Umwandlung von hebräischen Zeichen in unsere Buchstaben gibt.

Zuerst gilt es jedoch den Zionismus genauer zu definieren, vor allem unter dem Aspekt als Gegenspieler des Rassenantisemitismus.

Den Namen der zionistischen Bewegung gab ab 1890 der österreichische jüdische Philosoph Nathan Birnbaum, er leitet sich ab von Zion dem Tempelberg, im Alten Testament der Name der von David eroberten Jebusiterfestung in Jerusalem. Zionismus steht in diesem Zusammenhang für die nationale jüdische Bewegung, welche sich aufgab, eine jüdische Heimstätte in Palästina zu schaffen. Mit der Ausrufung des Staates Israel 1948 sollte das Ziel dieser Bewegung eigentlich erreicht sein. Jedoch verlor der Begriff Zionismus auch nach der Staatsgründung nicht an Bedeutung, sondern stand seitdem vielmehr für erweiterte jüdische Siedlertätigkeiten, Staatserweiterungen Israels, sowie die Veränderung von Werten in der jüdischen Gesellschaft, hin zu einem umfassenderen Nationalbewusstsein. Durch die immer weitere Entfernung vom Grundgedanken des Zionismus, kam es zugleich zu einer Verklärung des Begriffes aus der Pionierzeit der jüdischen Einwanderer.

Die Wurzeln des Zionismus reichen bis in das 6. Jahrhundert v. Chr. zurück, als die Juden in die Gefangenschaft nach Babylon verschleppt wurden und ihre Propheten ihnen Mut zusprachen, dass Gott sie eines Tages wieder nach Erez Israel (Land Israel), zurückkehren lasse. Über die Jahrhunderte verknüpften die Juden der Diaspora die Hoffnung auf eine Heimkehr mit dem Kommen des Messias, eines Erlösers, den Gott zu ihrer Befreiung schicken würde. Einzelne Juden wanderten oft nach Palästina aus, um sich dort jüdischen Gemeinden anzuschließen, die hier von jeher weiter bestanden; doch die Juden blieben unter der arabischen Bevölkerung immer in der Minderheit.

Einmalig bleibt damit die gemeinschaftliche Rückkehr eines Volkes nach 2000 Jahren Vertreibung ins Land ihrer Vorfahren.

2. Die Vorläufer der Zionisten

Schon bevor der Begriff des Zionismus entstand, gab es über die komplette Spanne der Vertreibung der Juden aus ihrem Land eine ständige geringe Rücksiedelung. Im Land selbst hielt sich deshalb auch immer eine kleine Minderheit an Juden auf. Während dieser Zeit gab es einige Personen, die sich selbst als Messias ausgaben und mit ihrer Anhängerschaft nach Palästina zogen.[1] Behindert wurde die Ansiedlung allerdings durch immer neue Usurpatoren, welche sich als lokale Herrscher vor allem im 17. und 18. Jahrhundert in Palästina aufspielten. Das Osmanische Reich verlor damit die eigentliche Kontrolle über das Gebiet. Zu beginn des 19.Jahrhundert zählten die Juden, trotz intensiver messianischer Versuche in den zwei vorangegangenen Jahrhunderten nur 5000 Siedler in ihrem ursprünglichen Land.[2]

Das beginnende 19. Jahrhundert veränderte das Weltbild vieler Juden auf entscheidende Weise. Durch die Französische Revolution 1789 und 1848 sowie der philosophischen Strömung der Aufklärung (hebräisch: Haskalah) wurde auch ihnen bewusst, dass der Mensch als solcher selbst die Veränderung herbeiführen kann und sein Schicksal nicht zwingend an einen Messias gebunden ist.[3] Eine regelrechte Abkehr vom Messianismus und damit auch vom strenggläubigen Judentum setzte ein, welche natürlich zusätzlich auch durch die einsetzende technische Veränderung im industriellen und wissenschaftlichen Sektor geprägt waren. Diese einsetzende Emanzipation der Juden, welche zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter anderem durch Zugeständnisse in Preußen und Frankreich unterstützt wurde, erfuhr aber während des Jahrhunderts gleichzeitig wieder Rückschläge bei der Gleichstellung mit anderen Bevölkerungsgruppen. Der aufkommende Nationalismus in Europa und der damit einhergehende Antisemitismus bedeutete für die Juden Europas die Notwendigkeit selbst ein neues Nationalbewusstsein zu entwickeln. Die versuchte Integration und Akkulturation in den jeweiligen Staaten Europas bedeutete zunächst eine Art Spaltung der jüdischen Gemeinschaft, waren doch die einen den Verlockungen der bürgerlichen Freiheit und Gleichheit erlegen, während eine Minderheit die Bedrohung der jüdischen Gemeinschaft durch diese Entwicklung befürchtete. Das Scheitern der Integration wurde größtenteils erst nach und nach während des 19. und 20. Jahrhundert bewusst. Damit wurde immer deutlicher, dass es notwendig war einen Plan zu entwickeln, welcher den Juden ihren eigenen Staat ermöglichte. Es war nötig dafür Verbündete zu finden, die es zweifelsohne bereits zu diesem Zeitpunkt gab.[4]

Großbritannien bildete auf industriellem wie politischem Gebiet eine führende Macht in Europa. Es war außerdem die erste Nation, welche sich ernsthaft mit einem jüdischen Staat im Land Palästina beschäftigte. Angetrieben wurden diese Fantasien wohl vor allem aus wirtschaftlich taktischen Gründen, wollten die Engländer doch beim Bau des Suez Kanals Ruhe und Sicherheit in dieser Region schaffen. Das Gebiet um den Suezkanal sollte dabei ein wirtschaftlicher Faktor in der Region werden, welche die britische Kolonialmacht hätte nutzen können.[5] Die damaligen politischen Verhältnisse, vor allem der „Kranke Mann am Bosporus“, waren dabei keine Hilfe. Das zerfallende osmanische Reich sollte keine weitere Instabilität erzeugen können und durch die Ansiedlung von Juden durch die Engländer sollte gleichzeitig ein Verbündeter entstehen, der die Gebiete gegen andere Großmächte verteidigt und somit den Einfluss der Briten gestärkt hätte.[6] Deshalb schlug bereits 1845 der zweite Gouverneur Südaustraliens als vernünftiges Mittel gegen die Asiaten in der Türkei, die Errichtung jüdischer Kolonien in Palästina vor. Die Finanzierung sollte dabei durch die christlichen Nationen Europas geschehen, welche in den vorherigen Jahrhunderten den Juden Elend und Leid zugefügt hatten.[7] Dieses Beispiel war damit nicht das einzigste zur damaligen Zeit. Weitere Artikel und Vorschläge erschienen von namhaften britischen Persönlichkeiten und könnten hier fortgesetzt werden.

Nicht nur in Großbritannien entstand dieses intellektuelle und politische Interesse am Mittleren Osten, besonders in Frankreich und der Schweiz, sowie in den Vereinigten Staaten beschäftigte man sich intensiver als zuvor mit dem Thema.[8]

2.1. Unterschiede zwischen Ost und West

Die Lage der westeuropäischen Juden der angehenden Industrieländer unterschied sich entscheidend von der Lage, der osteuropäischen Juden.

Die Juden des Westens hatten im Laufe des 19. Jahrhunderts die rechtliche Emanzipation im jeweiligen Gaststaat errungen. Geringe Hindernisse hielten sie nur noch von der vollkommenen rechtlichen Gleichstellung ab. Ihre Wandlung vom ehemals ausgestoßenen Vierten Stand wandelte sich zur sozialen Gleichberechtigung.[9] Diese Wandlung hatte allerdings auch Opfer der Juden zur Folge, wie die Beschränkung des jüdischen Lebens, der Religion und der Traditionen auf die eigene Wohnung und Familie. Diese bereits oben erwähnte Assimilation zielte dabei keineswegs nur auf die jüdische Gemeinschaft, sondern auf alle, welche eine Sonderrolle beanspruchten. Der geringe prozentuale Anteil der Juden (0,03 % Deutschland, 0,3 % Frankreich, 0,1 % Italien)[10], schuf für diese Zersplitterung der Gemeinschaften und Integration in die Gesamtgesellschaft beste Vorraussetzungen. Gleichzeitig trat die schon beschriebene Abkehr vom Messianismus ein, der Wunsch zur Rückkehr nach Zion wich den neuen bürgerlichen Freiheiten.

In Osteuropa stellte sich diese Situation vollkommen anders da. Der Bevölkerungsanteil war deutlich höher als der in Westeuropa (Russland 4%, Litauen 7,6%, Ungarn 6%, Polen 13%).[11] Auch in der Gemeinschaft gab es unterschiede zu ihren Verwandten im Westen. So lebten sie enger zusammen und bildeten damit eine viel festere Gemeinschaft, welche auf ihre eigenen Sitten und Gebräuche bestand und noch dazu eine eignen Sprache, das Jiddisch, ein Jargon aus hebräischen, slawischen und mittelhochdeutschen Elementen, gebrauchten.[12] Die geistigen Führer der Ostjuden forderten deshalb anfangs eine ähnliche Anpassung wie sie in Westeuropa vollzogen wurde. Deshalb gründeten sie die Haskalah, die schon angesprochene Aufklärungsbewegung im Osten. Diese Dejudaisierung trat allerdings nicht ein, waren die politischen Verhältnisse in Russland ganz andere als in Deutschland. Das Judenproblem sollte nach Willen der zaristischen Regierung ohne Kompromisse geregelt werden. So sollte eine bestimmte Anzahl aus Russland vertrieben, andere würden sich daraufhin anpassen und die übrigen könnten in gezielten Pogromen beseitigt werden. Diese Ankündigung wurde auch zum Teil in der Wirklichkeit umgesetzt, so dass es neben arrangierten Übergriffen auf Juden auch weitere zahlreiche diskriminierende Gesetze gegen sie gab. So konnten weiterhin bestimmte Berufe nicht ausgeübt werden, ein numerus clausus bestand beim Schulbesuch und bestimmte Gebiete konnten nicht von Juden bewohnt werden. Die Zahl der zur Russifizierung zugelassenen Juden wurde somit staatlich bestimmt, der Rest hingegen in Ghettos verbannt oder vertrieben.[13] Zu Pogromen gegen sie kam es nach dem Attentat von 1881 gegen den Zar, wo die Juden allgemein als Revolutionäre gebrandmarkt wurden.

Die Haskalah hatte in diesem Umfeld kaum Chancen angenommen zu werden, stattdessen wurde versucht die vorgegebene zaristische Ordnung durch die sozialistischen Lehren zu verändern. Diese Gruppierung beanspruchte ziemlich bald die nationale Autonomie. Juden, die sich mit den sozialistischen Ideen nicht identifizieren konnten und ihre religiöse Tradition beibehielten wurden zu leidenschaftlichen Neoorthodoxen. Zur Lösung des Problems und Verbesserung ihrer Lage begannen viele Juden aus Russland auszuwandern.

Hinter diesem Hintergrund bildete sich ein philosophisches Fundament an Ideen heraus, welches das zionistische Denken bis weit ins 20. Jahrhundert mitbestimmte.

2.2. Die erste Alija

Bevor die erste gemeinschaftliche Einwanderung nach Palästina begann, stellte sich das Land als stark unterbevölkert, mit einem Anteil von 30.000 Juden und 500.000 Arabern dar.[14] Die dort ansässigen Juden, welche als „Alte Jischuw“ bezeichnet wurden, überlebten unter den schwierigen Bedingungen nur mit Hilfe finanzieller Unterstützung ihrer Brüder und Schwestern, der „Chalukka“ (Verteilung) , was aber wiederum als Propagierung eines unproduktiven Lebensstils kritisiert wurde.[15] Die gegenwärtigen Juden unterschieden sich in drei verschiedenen Gruppierungen, den orientalischen Juden welche nie aus dem arabischen Raum ausgewandert waren und deshalb auch arabisch sprachen, den sefardischen Juden, welche aus Spanien oder anderen westeuropäischen Gebieten stammten und die Sprachmischform des Ladino bevorzugten, sowie die aschkenasischen Juden, welche aus Deutschland und Osteuropa stammten und das schon erwähnte Jiddisch benutzten.[16]

Die in Russland ausgebrochenen Pogrome brachten viele zehntausend Juden zur Auswanderung, die jedoch erstens nicht von Palästina aufgenommen werden konnten und die es von vornherein eher nach Nordamerika zog. Dorthin verließen dann auch im Verlauf der Jahre rund drei Millionen Juden ihre alte Gastheimat.

[...]


[1] Vgl. Krupp, Michael: Die Geschichte des Zionismus, Gütersloh, 2001, S. 9 ff.

[2] Ausf. Hierzu Giniewski, Paul: Das Land der Juden, Winterthur, 1997, S. 24 ff.

[3] vgl. Laqueur, Walter: Der Weg zum Staat Israel, Wien, 1975, S. 19 ff.

[4] ebd. S. 20 f.

[5] vgl. Giniewski: Das Land der Juden, S. 41 f.

[6] vgl. Krupp: Die Geschichte des Zionismus, S. 17 f.

[7] vgl. Giniewski: Das Land der Juden, S. 45 f.

[8] Ebd. S. 47 ff.

[9] Ebd. S. 51.

[10] Ebd. S. 51.

[11] Ebd. S. 52.

[12] Meier-Cronemeyer, Hermann: Zionismus. Von den Anfängen bis zum Staat Israel, Frankfurt a.M., 1989, S.10.

[13] Vgl. Giniewski: Das Land der Juden, S. 52.; Laqueur: Der Weg zum Staat Israel, S. 73 ff.

[14] Vgl. Krupp: Die Geschichte des Zionismus, S. 28.

[15] Brenner, Michael: Geschichte des Zionismus, München, 2002, S. 52 f.

[16] vgl. Krupp: Die Geschichte des Zionismus, S. 28

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Der Zionismus und die Einwanderung nach Erez Israel
Hochschule
Fachhochschule Bingen  (Seminar für Zeitgeschichte)
Veranstaltung
Rassenantisemitismus im internationalen Vergleich
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
25
Katalognummer
V37801
ISBN (eBook)
9783638370516
ISBN (Buch)
9783638654166
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zionismus, Einwanderung, Erez, Israel, Rassenantisemitismus, Vergleich
Arbeit zitieren
Jan Richter (Autor), 2004, Der Zionismus und die Einwanderung nach Erez Israel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37801

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