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Die (kriminologische) Täuschung in Bertolt Brechts "Der Aufstieg des Arturo Ui"

Eine Untersuchung der Rezeptionssteuerung als Mittel zur antifaschistischen Erkenntnisförderung beim Rezipierenden

Titel: Die (kriminologische) Täuschung in Bertolt Brechts "Der Aufstieg des Arturo Ui"

Seminararbeit , 2017 , 20 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Annika Hartwig (Autor:in), Mareike Mönnich (Autor:in)

Literaturwissenschaft - Moderne Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„[T]he gangster play we know“. Mit dieser Formulierung verweist Brecht in seinem Arbeitsjournal am Anfang seines Schaffensprozesses zum Theaterstück Der Aufstieg des Arturo Ui auf seine Intention, gesellschaftliche Vorgänge in das Bewusstsein der Rezipierenden zu rufen und damit den kritischen Blick dieser auf eben solche (kriminellen) Handlungen zu lenken.

Dieser Hinweis auf bereits bekannte Ereignisse sollte dabei mindestens zweidimensional betrachtet werden: Erstens in Hinblick auf den Nationalsozialismus unter Adolf Hitler. Zweitens verweist das Stück durch vielfältige Bezüge auf Bandenkriege, die Brecht während seiner USA-Reise im Jahr 1935 erlebte. Helfried W. Seliger konnte in diesem Zusammenhang nachweisen, dass der Werdegang Arturos mit dem des berühmten „Chicagoer Gangsters Al Capone“ kongruent ist.

In dem Transfer, der von Brecht empfundenen, aktuellen gesellschaftlichen Problemlagen (Nationalsozialismus und amerikanisches Gangsterwesen) ins epische Theater, findet sich eine Verfremdung des jeweils anderen, die mit der von Brecht gehegten Angst der „mangelnden historischen Reife“ der zeitgenössischen Rezipierenden einhergeht. Zudem findet sich in dieser Parallelität eine für Brecht charakteristische Faschismuskritik. Der Beweggrund und die Schwierigkeit eine solche Kritik in Form von Literatur und Theater auszuüben, zeigt sich anschaulich an folgender Äußerung Brechts:
Der Autor […] muss den Mut haben, die Wahrheit zu schreiben, obwohl die allenthalben unterdrückt wird; die Klugheit, sie zu erkennen, obwohl sie allenthalben verhüllt wird; die Kunst, sie handhabbar zu machen als eine Waffe; das Urteil, jene auszuwählen, in deren Händen sie wirksam wird; die List, sie unter diesen zu verbreiten.

Auf Grundlage dieses Ausspruchs widmet sich die folgende Hausarbeit der Untersuchung, inwiefern Brecht in Der Aufstieg des Arturo Ui „die ‚Verhüllung‘, (die eine Enthüllung ist)“ konzipiert und vor dem Hintergrund strategischer Täuschungsversuche der Gangsterfiguren seine (subjektive) Wahrheit offenlegt. In diesem Zusammenhang erfolgt eine Fokussierung auf die Rezeptionssteuerung als Mittel zur Erkenntnisförderung beim Rezipierenden. Dazu wird im Folgenden zunächst die detektivische Rolle des Rezipierenden, ausgehend von der Brechts Anforderungen an den Rezipierenden des Stückes, dargestellt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur detektivischen Rolle des Rezipierenden

3. Zum Täuschungskonzepts in Der Aufstieg des Arturo Ui

4. Eine exemplarische Untersuchung der Rezeptionssteuerung

5. Zur Faschismuskritik Bertolt Brechts in Der Aufstieg des Arturo Ui

6. Schlussfolgerungen und Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Bertolt Brecht in seinem Theaterstück „Der Aufstieg des Arturo Ui“ durch gezielte Rezeptionssteuerung die Mechanismen faschistischer Machtausübung für den Rezipierenden transparent macht und so eine antifaschistische Erkenntnisförderung anstrebt.

  • Die Konzeption von „Verhüllung“ und „Enthüllung“ im Stück
  • Die detektivische Beobachterrolle des Rezipierenden im epischen Theater
  • Analyse der sprachlichen Gestaltung, Regieanweisungen und Leerstellen
  • Der Zusammenhang zwischen amerikanischem Gangstermilieu und Nationalsozialismus
  • Die Funktion des Stücks als politisches Lehrstück

Auszug aus dem Buch

3. Zum Täuschungskonzepts in Der Aufstieg des Arturo Ui

DULLFEET Herr Givola, Gewalt führt nie zum Ruhme. GIVOLA Jedoch zum Ziel. Wir sprechen durch die Blume. (Brecht 2004, S. 109)

Anhand des Zitats wird deutlich, dass die Gangster durch die Blume sprechen, das heißt mittels Verhüllung und Täuschung ihre kriminelle Macht ausweiten. Diese Ausweitung der Macht gründet auf der wirtschaftlichen Zwangslage des Chigagoer Karfiolhandels. Arturo nutzt die finanzielle Bedrängnis der Händler aus, indem er ihnen ein von ihm entworfenes Schutzkonzept aufzwingt. Dieses besteht einerseits aus dem Zwang der Abnahme des Karfiols durch Grünzeughändler zur Ankurbelung des Geschäfts:

FLAKE Er verspricht Den Umsatz zu verdoppeln, weil die Händler Nach seiner Meinung lieber noch Karfiol Als Särge kaufen. (ebd., S. 12)

Andererseits besteht das Schutzkonzept aus dem Versprechen des Schutzes vor Überfällen, wobei der Ausruf der Figur Betty Dullfeet „Gott schütz uns vor dem Schützer!“ (ebd., 118) zeigt, dass es sich dabei um einen zweifachen Schutz handelt: sowohl durch als auch vor der Gangstergruppierung selbst. Obwohl immer wieder deutlich wird, dass Arturo und seine Gangster selbst der Ursprung aller kriminellen Machenschaften sind, rücken diese in der gesamten Handlung nicht vom Täuschungskonzept des Schützers ab.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Zielsetzung ein, gesellschaftliche Vorgänge mittels Brechts Theaterstück ins Bewusstsein zu rufen und die Parallelen zwischen dem Nationalsozialismus und dem amerikanischen Gangstermilieu aufzuzeigen.

2. Zur detektivischen Rolle des Rezipierenden: Das Kapitel erläutert, wie das epische Theater den Rezipierenden in eine kritische Beobachterrolle drängt, in der er ähnlich wie ein Detektiv Widersprüche aufdecken und reflektieren soll.

3. Zum Täuschungskonzepts in Der Aufstieg des Arturo Ui: Hier wird analysiert, wie die Gangster durch ein täuschendes „Schutzkonzept“ ihre Macht durch wirtschaftliche Zwangslagen und Drohungen sichern.

4. Eine exemplarische Untersuchung der Rezeptionssteuerung: Dieses Kapitel untersucht die sprachlichen Mittel, Regieanweisungen und Leerstellen, die dem Rezipierenden helfen, die Täuschungen der Gangsterfiguren zu durchschauen.

5. Zur Faschismuskritik Bertolt Brechts in Der Aufstieg des Arturo Ui: Der Abschnitt befasst sich mit der tieferliegenden Kritik am Faschismus und der Notwendigkeit von historischem Kontextwissen, um das Stück als Warnung und Aufruf zum Handeln zu begreifen.

6. Schlussfolgerungen und Fazit: Das Fazit resümiert die Analyseergebnisse und bestätigt die These, dass die Rezeptionssteuerung im Stück ein Mittel zur antifaschistischen Erkenntnislenkung darstellt.

Schlüsselwörter

Bertolt Brecht, Der Aufstieg des Arturo Ui, Faschismuskritik, Rezeptionssteuerung, Episches Theater, Gangstermilieu, Nationalsozialismus, Täuschungskonzept, Verfremdung, Leerstellen, Politische Bildung, Erkenntnisförderung, Lehrstück, Regieanweisungen, Detektivische Rolle.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht, wie Bertolt Brecht in „Der Aufstieg des Arturo Ui“ durch spezifische dramaturgische Mittel den Zuschauer dazu bringt, faschistische Machtstrukturen zu durchschauen und kritisch zu hinterfragen.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Untersuchung?

Zentral sind die Verbindung von amerikanischem Gangstertum und Nationalsozialismus, die theoretischen Konzepte des epischen Theaters sowie die Analyse der Mittel zur Rezeptionssteuerung.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es zu belegen, dass die strategische Täuschung der Gangster im Stück durch den Rezipierenden „enthüllt“ wird, was als antifaschistische Erkenntnislenkung fungiert.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Autoren nutzen eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbezug von Sekundärliteratur zu Brechts Theaterästhetik und Faschismustheorie.

Welche Aspekte werden im Hauptteil fokussiert?

Im Hauptteil werden vor allem sprachliche Mittel, Regieanweisungen, die Funktion von Leerstellen im Text sowie die historischen Bezüge zur Machtergreifung Hitlers analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Rezeptionssteuerung, Faschismuskritik, Verfremdung und die „detektivische“ Rolle des Zuschauers sind die zentralen Begriffe der Untersuchung.

Warum ist die „detektivische Rolle“ des Rezipierenden so bedeutend?

Diese Rolle aktiviert den Rezipierenden, nicht passiv zu konsumieren, sondern aktiv nach logischen Schlussfolgerungen zu suchen, um die verhüllten kriminellen Machenschaften aufzudecken.

Wie tragen „Leerstellen“ im Stück zur Erkenntnis bei?

Leerstellen zwingen den Rezipierenden, die nicht direkt gezeigten Handlungsabläufe durch logische Schlussfolgerungen zu ergänzen, wodurch er sich die Wahrheit über die Taten der Gangster selbst erschließt.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die (kriminologische) Täuschung in Bertolt Brechts "Der Aufstieg des Arturo Ui"
Untertitel
Eine Untersuchung der Rezeptionssteuerung als Mittel zur antifaschistischen Erkenntnisförderung beim Rezipierenden
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Germanistik)
Veranstaltung
Bertolt Brecht und der Kriminalroman
Note
1,0
Autoren
Annika Hartwig (Autor:in), Mareike Mönnich (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
20
Katalognummer
V378050
ISBN (eBook)
9783668553149
ISBN (Buch)
9783668553156
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aturo Ui Bertolt Brecht Täuschung Rezeptionssteuerung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Annika Hartwig (Autor:in), Mareike Mönnich (Autor:in), 2017, Die (kriminologische) Täuschung in Bertolt Brechts "Der Aufstieg des Arturo Ui", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378050
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  20  Seiten
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