Vergleicht man die Sprachpolitik in den romanischen Ländern miteinander, so fällt auf, dass Frankreich eine besondere Stellung einnimmt. Dort gibt es, wie in keinem anderen Land Europas, ein großes öffentliches Interesse an der Sprache. Vor allem die Franzosen haben ein sehr ausgeprägtes Sprachbewusstsein. Außerdem hat Frankreich eine lange und wirkungsvolle sprachplanerische Tradition.
Bereits die Ordonnance de Villers-Cotterêts legte im Jahr 1539 fest, dass in gerichtlichen Schriftstücken Französisch statt Lateinisch verwendet werden soll. 1793 sollte dies auch für alle öffentlichen Schriftstücke und Urkunden Anwendung finden.
Diese sprachplanerische Tradition setze sich weiter fort und die Académie Française spielte dabei stets eine wichtige Rolle. Seit ihrer Gründung versucht sie durch ihre Sprachpflege, die französische Sprache zu schützen und verleiht ihr somit einen besonderen Wert. Die Akademie zählt heute noch zu den prestigereichsten Institutionen in Frankreich und ist trotz ihres Konservativismus sehr präsent.
Diese Arbeit hat zum Ziel herauszufinden welche Rolle die Académie Française für das Französische, sowohl von damals als auch von heute, spielt, wobei das Hauptaugenmerk auf dem 17. und 20. Jahrhundert liegt. Es wird zunächst die Geschichte der Académie Française präsentiert, um die Entwicklung der Institution nachvollziehen zu können. Außerdem werden ihre Ziele und Aufgaben erläutert, die - vor allem im 17. und 18. Jahrhundert - andere als heute waren. Diese sind für die Wandlung des Ansehens und die gesellschaftliche Wichtigkeit der Akademie bedeutsam. Damit ein Vergleich gezogen werden kann, aber auch, damit ihr Einfluss auf das Französische festgestellt werden kann, wird zum Schluss sowohl die Bedeutung der Académie Française zur Zeit ihrer Gründung analysiert als auch ihre Bedeutung heute.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Geschichte der Académie Française
2.1. Die Gründung
2.2. Die Entstehung des Institut de France
3. Ziele und Aufgaben der Académie Française
3.1. Ziele und Aufgaben damals
3.1.1. Der bon usage
3.1.2. Das Wörterbuch
3.2. Ziele und Aufgaben heute
3.2.1. Das Wörterbuch
4. Die Bedeutung der Académie Française
4.1. Die Bedeutung der Akademie damals
4.2. Die Bedeutung der Akademie heute
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Bedeutung der Académie Française für die französische Sprache, wobei ein Vergleich zwischen der Gründungszeit im 17. Jahrhundert und der heutigen Situation im 20. Jahrhundert im Mittelpunkt steht. Dabei wird analysiert, wie sich die Aufgaben der Institution gewandelt haben und welchen Einfluss sie auf das Sprachbewusstsein sowie die aktuelle Sprachpolitik in Frankreich ausübt.
- Historische Genese der Académie Française und ihre Institutionalisierung
- Entwicklung und Wandel der zentralen Ziele und Sprachpflegeaufgaben
- Die Bedeutung des Akademiewörterbuchs als normgebendes Instrument
- Gesellschaftlicher Einfluss der Akademie und ihr Wirken als sprachpolitische Instanz
- Vergleich der Bedeutung der Institution im 17. Jahrhundert gegenüber der Gegenwart
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Der bon usage
Der Begriff des bon usage wurde von Claude Favre de Vaugelas, einem führenden Mitglied der Académie Française, eingeführt. Was dieser genau mit dem Begriff meint, erklärt er im berühmten Vorwort des ersten Wörterbuchs der Akademie:
„C´est la façons de parler de la plus saine partie de la cour, conformément à la façon d´écrire de la plus saine partie des auteurs du temps. Quand je dis la cour, j´y comprens les femmes comme les hommes, & plusieurs personnes de la ville où le prince reside, qui par la communication qu´elles ont avec les gens de la cour participent à sa politesse“ (http://www.academie francaise.fr/le-dictionnaire-les-neuf-prefaces/preface-de-la-premiere edition-1694, Zugriff: 23.01.2017).
Vaugelas spricht hier vom „idealen Höfling“ (Rodegra 1996, 11), den so genannten honnête homme, der finanziell unabhängig ist. Er beherrscht die perfekten höfischen Umgangsformen und kann sich außerdem zu allen Wissensgebieten äußern. Seine wichtigste Tätigkeit ist die Übung der „gepflegten Konversation“ (ebd.). Das Volk wurde von Vaugelas im Vorwort ausgeschlossen:
„Selon nous le peuple n´est maître que du mauvais usage“ (http:// www.academie-francaise.fr/le-dictionnaire-les-neuf-prefaces/preface-de-la premiere-edition-1694, Zugriff: 23.01.2017).
Die Sprache des Volkes galt als minderwertig und wurde als mauvais usage bezeichnet (vgl. Braselmann 1999, 4). Allgemein lässt sich sagen, dass das Hauptaugenmerk des bon usage auf dem mündlichen Sprachgebrauch lag und nur von wenigen Personen gesprochen wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die besondere sprachpolitische Stellung Frankreichs heraus und führt in die zentrale Fragestellung zur Rolle der Académie Française ein.
2. Die Geschichte der Académie Française: Das Kapitel beschreibt die Entstehung der Akademie aus einem privaten Literatenkreis und ihre Entwicklung zum staatlich anerkannten Institut de France.
3. Ziele und Aufgaben der Académie Française: Hier werden die historischen Sprachpflegeziele, wie der „bon usage“, sowie die modernen Aufgaben der Akademie, inklusive der Internetpräsenz, erläutert.
4. Die Bedeutung der Académie Française: Dieses Kapitel analysiert den gesellschaftlichen und sprachpolitischen Stellenwert der Institution im Wandel der Jahrhunderte.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Akademie trotz institutioneller Veränderungen ihr hohes Prestige bewahrt hat und das französische Sprachbewusstsein nachhaltig prägt.
Schlüsselwörter
Académie Française, Sprachpolitik, Sprachpflege, bon usage, Französisch, Geschichte, Neologismen, Anglizismen, Wörterbuch, Sprachbewusstsein, Sprachwandel, Institution, Normierung, Orthographie, Institut de France
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Entwicklung und der heutigen Bedeutung der Académie Française als zentrale Instanz der französischen Sprachpflege.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Gründungsgeschichte, die sprachplanerischen Aufgaben, die Erstellung des Akademiewörterbuchs sowie den soziokulturellen Einfluss der Akademie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Rolle der Akademie im Wandel von der Zeit ihrer Gründung im 17. Jahrhundert bis zum 20. Jahrhundert vergleichend zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse und die Auswertung historischer sowie aktueller Dokumente, wie etwa Vorworte der Wörterbücher und Statuten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet detailliert die Entstehungsgeschichte, die Entwicklung der Ziele (früher versus heute), die Bedeutung des Wörterbuchs und den Einfluss der Institution auf die Sprachnorm.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind unter anderem Académie Française, Sprachpolitik, bon usage, Sprachpflege, Neologismen und der Einfluss der Akademie auf das französische Sprachbewusstsein.
Was genau versteht man unter dem Begriff "bon usage" im Kontext der Akademie?
Der "bon usage" bezieht sich auf den korrekten, gepflegten Sprachgebrauch der gesellschaftlichen Elite und des Hofes, der als Maßstab für eine "reine" Sprache diente.
Wie geht die Akademie heute mit der Herausforderung durch Anglizismen um?
Die Akademie setzt auf "geplante Kunstprodukte" (néologie dirigée), um durch die Etablierung offizieller französischer Neologismen englische Begriffe im Sprachgebrauch zu verdrängen.
- Arbeit zitieren
- Sabina Basic (Autor:in), 2017, Die Bedeutung und der Einfluss der Académie Francaise. Sprachpolitik damals und heute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378115