Der Hunnenkönig Attila. Die Darstellung in den antiken Quellen und der germanischen Heldenliteratur des Mittelalters


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurzbiographie

3. Quellenlage
3.1 Fragmente des Priskos
3.2 Die Getica des Jordanes
3.3 Das Nibelungenlied
3.4 Das ältere Atlilied

4. Darstellung Attilas
4.1 Darstellung bei Priskos
4.2 Darstellung bei Jordanes
4.3 Darstellung im Nibelungenlied
4.4 Darstellung im älteren Atlilied

5. Vergleichende Betrachtung

6. Fazit

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das vierte Jahrhundert nach Christus1 gilt als Beginn von Wanderungsbewegungen europäischer Völkergruppen, wie beispielsweise den West- und den Ostgoten sowie den Vandalen. Dieser Prozess, der als V ö lkerwanderung bezeichnet wird, wurde durch den Einfluss von Reiternomaden aus dem zentralasiatischen Raum ausgelöst und gilt als eine der zentralen Ursachen für den Untergang des Weströmischen Reichs im Jahr 476.2

Als wohl bekannteste reiternomadische Völkergruppe, gelten die Hunnen, welche nach ihrem Vorrücken nach Europa, ausgehend von ihrer Machtbasis in der ungarischen Tiefebene ihren Einflussbereich bis ins fünfte Jahrhundert so weit ausdehnten, dass sich nahezu das gesamte spätere Ostmitteleuropa unter ihrer Kontrolle befand. Als zentrale Figur bei der Ausdehnung des hunnischen Machtbereichs wird Attila gesehen, dessen Herrschaftsphase als Höhepunkt der hunnischen Macht gilt. Dabei konnte er durch geschickte Machtpolitik und kriegerische Auseinandersetzungen mehrere Völker unter seine Kontrolle bringen und schließlich gar das West- und das Oströmische Reich bedrängen.3

Obwohl das Hunnenreich selbst durch Attilas Tod im Jahr 453 auseinanderbrechen und damit enorm an Bedeutung verlieren sollte, blieb die Person Attila in Erinnerung und wurde in der Antike, im Mittelalter oder noch heute - zu nennen sind hierbei die Behandlung durch Filme wie Attila - der Hunne aus dem Jahr 2001 oder durch die Ausstellung Attila und die Hunnen im Historischen Museum Speyer 2007 - thematisiert. Dabei sind diese Erinnerungen - neben dem Interesse an dem hunnischen Volk allgemein - vor allem auf die Persönlichkeit Attilas bezogen und versuchen, durch dessen Charakterisierung, den Erfolg und den Niedergang der Herrschaft zu erklären.4

In dieser Hausarbeit sollen antike und mittelalterliche Quellen betrachtet werden, um zu untersuchen wie Attila in diesen dargestellt wird. Auf dieser Basis wird anschließend die Frage beantwortet, inwiefern Unterschiede und Gemeinsamkeiten innerhalb der Darstellungen des Hunnenkönigs existieren.

Hierzu werden zunächst, nachdem das Leben Attilas kurz skizziert wurde, die zur Untersuchung verwendeten Quellen charakterisiert. Anschließend soll die Darstellung der Person Attila in den jeweiligen Quellen im Fokus stehen. Dabei werden die Fragmente des Priskos von Panion und Jordanes‘ Getica als antike sowie das Nibelungenlied und das Ä ltere Atlilied 5 als mittelalterliche Quellen betrachtet, um diese abschließend vergleichend gegenüberstellen zu können.

2. Kurzbiographie

Bevor die Darstellung Attilas in den Quellen der Antike und des Mittelalters erörtert werden kann, muss zunächst das Leben Attilas skizziert werden, da dadurch der Kontext der Darstellungen deutlich wird und eine Einordnung erfolgen kann. Davon ausgehend kann im Laufe der Arbeit auch eine Einschätzung zur Glaubwürdigkeit und Authentizität der Darstellungen getroffen sowie eventuelle abweichende Aspekte kritisch hinterfragt werden.

Attila wurde zwischen 395 und 406 als Sohn des Mundzuc, dem Bruder des späteren Hunnenherrschers Rua, geboren. Seine Jugend verbrachte er an einem römischen Hof, an welchem er mit den Gepflogenheiten und Annehmlichkeiten der sesshaften römischen Zivilisation vertraut gemacht wurde. Nachdem Rua ohne männliche Nachkommen 434 verstarb, ging die Macht auf Attila und seinen älteren Bruder Bleda über, wobei jedem der Brüder bestimmte Volksgruppen unterstanden - Bleda beherrschte den westlichen Teil des Reiches, Attila hingegen die östlichen Gebiete. Trotz dieser Teilung traten die Brüder dennoch meist gemeinsam auf und verfolgten eine ähnliche Politik, um ihre Macht erhalten und ausbauen zu können, indem günstige Beziehungen zu Ost- und Westrom beibehalten, weitere Stämme angegliedert und bestehende Verbindungen zu germanischen Untertanen intensiviert werden sollten.6

Nach dem Mord an seinem Bruder Bleda, übernahm Attila die alleinige Herrschaft über die hunnische Bevölkerung. Diesen rechtfertigte Attila - wie damals üblich - mit dem Zuvorkommen eines Anschlags Bledas und konnte schlussendlich, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, die Macht übernehmen. Die Ermordung wird etwa um 445 datiert, wobei dieses ebenso umstritten ist, wie die Gründe die zur Tötung des Bruders führten. Als denkbare Gründe hierfür werden der Machttrieb Attilas, Uneinigkeit über außen- und innenpolitische Aspekte, die mögliche Meinung Bledas, dass das Hunnenreich saturiert sei, aber auch die Beliebtheit des Bruders gesehen. Nachdem er die Völker, die seinem Bruder unterstanden, gezwungen hatte sich ihm anzuschließen, war Attila auf Beruhigung und Machtsicherung bedacht, um seine Herrschaft und das Hunnenreich selbst zu stabilisieren.7

In der Folge versuchte Attila zu Ost- und Westrom zunächst ein friedliches Verhältnis aufrecht zu erhalten und profitierte von den bereits vor seiner Herrschaft existierenden römischen Tributzahlungen sowie durch Handel an einem gemeinsamen Markt. Dennoch sollte er 447 - nach 441 zum zweiten Mal - in Thrakien einmarschieren und damit zahlreiche Gebiete und Städte erobern und zerstören. Wie beim ersten Überfall erzielte Attila nicht nur Beute durch die Kriegszüge, sondern konnte auch durch den ausgehandelten Friedensvertrag die Tributzahlungen enorm erhöhen, die sich bis zur Einstellung 450 auf einen jährlichen Betrag von 2100 Pfund Gold belaufen sollten.8

In diesem Zeitraum - wohl 449 - kamen auch Gesandte an den Hof Attilas, worunter sich auch der oströmische Geschichtsschreiber Priskos von Panion befand. Dieser liefert in seinem, nur in Fragmenten erhaltenen, Werk einen umfassenden Einblick über das Leben am Hofe Attilas, hunnische Bräuche und Feste, sowie innen- und außenpolitische Aspekte der Herrschaft. Die Darstellung Attilas bei Priskos sowie die Charakterisierung des Werkes soll im weiteren Verlauf dieser Arbeit erörtert werden.9

In Folge der Einstellung der Tributzahlungen sah Attila keinen Grund mehr, den Frieden mit den römischen Teilreichen aufrecht zu erhalten und überlegte, ob er zunächst Ost- oder Westrom angreifen solle. Nachdem er sich dazu entschieden hatte, den vermeintlich stärksten Gegner - das weströmische Reich - zuerst anzugreifen, schickte er im Winter 450/51 Boten zu verbündeten Stämmen, damit diese sich für einen Feldzug nach Gallien bereitmachten. Außerdem versuchte er ein Doppelspiel mit Westrom und deren westgotischen Verbündeten zu treiben, indem er dem weströmischen Reich Frieden und Hilfe gegen die Westgoten versprach, die Westgoten jedoch aufforderte das Bündnis mit den Weströmern aufzukündigen, was schließlich erfolglos blieb.10

Dennoch schreckte Attila nicht zurück und zog mit einem etwa 50.000 Mann starkem Heer gemeinsam mit seinen Verbündeten nach Gallien, überquerte den Rhein und eroberte zunächst vermeintlich einfach einzunehmende Ziele, darunter Metz und Trier. Beim Versuch Orleans einzunehmen, wurde das hunnische Heer jedoch vertrieben, worauf diese sich nach Troyes zurückzogen. Allerdings sah sich Attila gezwungen eine Entscheidungsschlacht herbeiführen, um den Erfolg des Kriegszuges nicht zu gefährden und die Loyalität der Verbündeten aufrecht zu erhalten.11

Für diese Entscheidungsschlacht wählte Attila die Katalaunischen Felder, welche vorteilhaft für die hunnischen Reitern waren. Diese Schlacht wird unter anderen in der Getica12 durch Jordanes thematisiert, welche im Laufe dieser Arbeit noch in Bezug auf die Darstellung Attilas untersucht werden wird. In Folge hoher Verluste auf beiden Seiten wurden die Kämpfe beendet und die Beteiligten zogen sich zurück. Attila begab jedoch nicht in hunnisches Gebiet, sondern fiel in Oberitalien ein und verzeichnete dort große Erfolge ohne nennenswerte Gegenwehr. Rom verschonte er jedoch, da er abergläubische Angst hatte, ähnlich wie der Westgotenherrscher Alarich, nach der Einnahme der Stadt zu sterben. Schließlich machte er sich auf den Weg zurück in hunnisches Gebiet, um einen Feldzug gegen Ostrom zu planen.13

Dass es zu diesem nicht mehr kommen sollte, lag daran, dass Attila in der Nacht der Hochzeitsfeier mit der Germanin Ildico 453 starb, nachdem er einen Blutsturz erlitt und daran erstickte. Dennoch wurden Gerüchte verbreitet, die über eine Beteiligung des weströmischen Heermeisters Aëtius oder Attilas Gemahlin mutmaßten. In Folge des Todes des Herrschers, unter dem die Macht der Hunnen seinen Höhepunkt erreicht hatte, zerfiel das Reich, da Verbündete abfielen und Kämpfe gegen diese verloren gingen.14

3. Quellenlage

Nachdem die wichtigsten Etappen des Lebens Attilas skizziert wurden, sollen zunächst die zur Analyse der Darstellung verwendeten Quellen analysiert werden. Dabei liegt der Fokus auf die Art, die Entstehungszeit und die Inhalte der jeweiligen Texte. Dies bildet die Basis, um in der Folge die Darstellungen in den jeweiligen Quellen analysieren und bewerten zu können.

3.1 Fragmente des Priskos

Priskos von Panion war ein oströmischer Historiker, der im fünften Jahrhundert lebte. Der philosophisch und rhetorisch gebildete Geschichtsschreiber, stand im Dienste des oströmischen Kaisers, für den er an einigen diplomatischen Missionen teilnahm - davon unter anderem 449 an der Gesandtschaft an den Hof Attilas.15

Sein Werk bestand wohl aus 8 Büchern, die jedoch nicht mehr als Gesamtwerk, sondern nur in Fragmenten erhalten sind. Der Titel selbst ist jedoch ebeden Anfang des Werkes bildet und die Beschreibung bis ins Jahr 471 reicht. Auch der Anlass und die Zeit zur Erstellung des Werks sind unbekannt.16

Im Fokus der Berichte stehen die Hunnen sowie deren Beziehungen zum römischen Reich. Hierbei werden sowohl der Aufstieg des Hunnenreichs, das Alltagsleben und die Kultur, kriegerische Auseinandersetzungen sowie Friedensverhandlungen und der Zerfall des Hunnenreichs beschrieben, wobei er den Einfluss der Tyche betont und diese für die Erklärung der Macht und Kurzlebigkeit des Hunnenreichs verantwortlich sieht. Seine Berichte stellt er mit großer Genauigkeit, Sachkenntnis und in einem schönen Stil dar, der sich durch eine schlichte und anschauliche Erzählweise sowie rhetorische Einlagen im Stile des Herodot auszeichnet.17

Damit bilden diese eine zuverlässige Quelle der Spätantike sowie eine der wichtigsten für die Geschichte der Hunnen, da Priskos selbst Zeit- und Augenzeuge der jeweiligen Geschehnisse war und die Darstellung damit authentisch und glaubwürdig wirkt. Zwar ist die Darstellung natürlich in gewissem Maße durch seine Herkunft beeinflusst18, dennoch ist anzunehmen, dass die Berichte Prikos‘ zuverlässig die bestehenden Verhältnisse beschreiben, da seine Sachkenntnis und Kompetenz die Darstellung plausibel macht. Trotzdem ist das Werk auch durch das Wissen zum Untergangs des Hunnenreichs beeinflusst.19

3.2 Die Getica des Jordanes

Auch in der Getica des gotischen Geschichtsschreibers Jordanes werden Einblicke zur hunnischen Geschichte gegeben. Zwar wird speziell über die Geschichte der Goten als eine Zusammenfassung des verlorengegangenen, gleichnamigen Werkes Cassiodors berichtet, dennoch wird die Person Attila charakterisiert sowie dessen Einfall in Gallien, die Schlacht bei den Katalaunischen Feldern und dessen Tod beschrieben. Hierbei muss jedoch beachtet werden, dass diese Berichte von einem gotischen Standpunkt getätigt werden und daher den Goten beispielsweise die entscheidende Rolle bei der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern zugeschrieben wird.20

Das Werk selbst wurde wohl um 550/51 fertiggestellt und gilt als Auftragswerk eines nicht genauer benannten Casalius.

[...]


1 Um eine besser Lesbarkeit zu gewährleisten soll bei den folgenden Jahreszahlen die Angabe „nach Christus“ weggelassen werden.

2 Vgl. Hardt 2009, S.19.

3 Vgl. ebd

4 Vgl. ebd.

5 Im altnordischen auch als Atlakvi ð a bezeichnet.

6 Vgl. Externbrink 2007, 50; Rosen 2016, 106; Wirth 1999, 52f.; Seeck 1896, 2241f. 2

7 Vgl. Rosen 2016, 123f.; Wirth 1999, 65-68.

8 Vgl. Rosen 2016, 133f., 138; Externbrink 2007, 51.

9 Vgl. Externbrink 2007, 51f.

10 Vgl. Rosen 2016, 202-204.

11 Vgl. ebd. 204f., 206f., 211.

12 Abkürzung des Originaltitels de origine actibusque Getarum.

13 Vgl. Rosen 2016, 211, 214, 217, 225; Seeck 1896, 2247.

14 Vgl. Rosen 2016, 226f., 229f., 232.

15 Vgl. Häuptli 2007, 1082f.

16 Vgl. ebd., 1083.

17 Vgl Brodka 2008, 227; Häuptli 2007, 1083.

18 Hierbei ist jedoch davon auszugehen, dass dieser Einfluss nicht allzu groß sein dürfte, da er in seinem Werk Kritik am römischen Staat übte, welche er in Gesprächen verpackte, Vgl. Brodka 2008, 232.

19 Vgl. Häuptli 2007, 1083; Brodka 2008, 228.

20 Vgl. Schmidt 1998, 1085f.; Brodka 2008, 237, Tönnies 1989, 9. 5

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Hunnenkönig Attila. Die Darstellung in den antiken Quellen und der germanischen Heldenliteratur des Mittelalters
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
20
Katalognummer
V378144
ISBN (eBook)
9783668554153
ISBN (Buch)
9783668554160
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Attila, Quellen
Arbeit zitieren
Florian Fischer (Autor), 2017, Der Hunnenkönig Attila. Die Darstellung in den antiken Quellen und der germanischen Heldenliteratur des Mittelalters, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378144

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