Comics im Geschichtsunterricht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017

15 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Comics im Allgemeinen
2.1 Definition
2.2 Aufbau und Funktion der einzelnen Teile
2.3 Historische Entwicklung

3 Comics im Geschichtsunterricht
3.1 Didaktische Kategorisierung der Geschichtscomics
3.2 Geschichtsdidaktisches Potential von Comics
3.2.1 Geschichts-Fantasiecomics
3.2.2 Quellencomics
3.2.3 Geschichts-Sachcomics
3.2.4 Erfahrungsdimensionen
3.3 Einsatz von Geschichtscomics im Unterricht

4 Fazit

5 Quellen- und Literaturverzeichnis
5.1 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„ L ’ histoire c ’ est aussi l ’ aventure “ 1 - dieser Untertitel eines französischen Comic-Magazins möchte herausstellen, dass Geschichte immer auch ein Abenteuer ist, das mit dem Medium Comic alles andere als trocken erzählt wird. Doch sind Comics tatsächlich in der Lage, Schülern Geschichte in geeigneter Form zu vermitteln? Ist es mehr als eine Kunstform, die von „einigen wenigen Freaks“2 gelesen wird? Existieren überhaupt geschichtsdidaktisch relevante Comics neben den bekannten Geschichten von Asterix oder Lucky Luke?

Bezüglich der thematisch relevanten Quellen muss gesagt werden, dass die geschichtsdidaktische Auseinandersetzung mit Comics bis heute überschaubar bleibt und anderen Medien, wie Filmen oder „Neuen Medien“, mehr Interesse zuteilwird.3 Dennoch sind Geschichtscomics Gegenstand einiger Handbücher der Geschichtsdidaktik, beispielsweise mit einem Beitrag von Hans-Jürgen Pandel im Handbuch „Medien im Geschichtsunterricht“4. Zwei Dissertationen, die das Lernpotential von Geschichtscomics untersuchen, stammen von Gerald Munier5 und dem Germanisten und Historiker René Mounajed6. Die Monografie von Christine Gundermann7, die konkrete Vorschläge für den Einsatz von Geschichtscomics im Unterricht gibt, ist ebenso eine wertvolle Quelle für diese Hausarbeit.

Um die Frage nach dem Stellenwert des Comics im Geschichtsunterricht umfassend diskutieren zu können, muss zunächst allgemein geklärt werden, wie ein Comic definiert und aufgebaut ist und wie er historisch entstanden ist. Der Hauptteil dieser Hausarbeit befasst sich mit dem Comic im Geschichtsunterricht. Dabei werden die einzelnen Typen der Geschichtscomics kategorisiert und die Möglichkeiten und Herausforderungen im Unterricht diskutiert. Das Fazit greift die Kernfrage dieser Hausarbeit, ob Comics Geschichte vermitteln können, erneut auf.

2 Comics im Allgemeinen

2.1 Definition

Bevor eine Auseinandersetzung mit dem Thema „Comics im Geschichtsunterricht“ erfolgen kann, muss zunächst geklärt werden, was man unter dem Begriff „Comic“ versteht. Die Tatsache, dass sich das Medium während seiner über 100 Jahre alten Geschichte immer weiterentwickelt und neu erfunden hat, bedingt, dass es keine allgemeingültige Definition gibt8, die sowohl bei Comiczeichnern, -forschern und Pädagogen anerkannt ist. Im Ursprung weist das Wort „comic“ auf einen komischen Inhalt hin, wie er in den humoristischen Zeitungsstreifen in Amerika zu finden war.9 Mit zunehmender Verbreitung wurde diese Darstellungsform als eigenständiges Medium wahrgenommen und nach seinem damaligen lustigen Inhalt als „Comic“ bezeichnet.10 Mittlerweile reicht die Bandbreite der Genres vom Fantasiecomic über den Westerncomic hin zum Superhelden- oder Liebescomic, so dass die Eigenschaft „comic“ das Medium nicht mehr zutreffend beschreibt.

Die Definition von Scott McCloud wird am häufigsten in der Literatur zitiert und charakterisiert Comics als „ zu r ä umlichen Sequenzen angeordnete, bildliche oder andere Zeichen, die Informationen vermitteln und/ oder eine ä sthetische Wirkung beim Betrachter erzeugen sollen. “ 11 Diese allgemein gehaltene Beschreibung wird der Kombination aus Elementen der Kunst und der Literatur im Comic gerecht und schließt keinerlei Genres, Stile oder Techniken aus. Gleichzeitig grenzt die Definition den Comic als besondere Form der Bildgeschichte von dem Allgemeinbegriff ab.12

Im Nachfolgenden wird ausschließlich auf die Geschichtscomics, häufig auch als „historische“ oder „historisierende“ Comics bezeichnet13, eingegangen. Sie stellen ein Subgenre aus dem Bestand an Comics dar, weil sich ihre Handlung in eine historische Epoche einordnen lässt.14 Geschichtscomics nehmen keine eigene Gattung in der Comicforschung ein, dennoch ist die gesonderte Betrachtung aus geschichtsdidaktischer Sicht sinnvoll.15

2.2 Aufbau und Funktion der einzelnen Teile

Abgeleitet von den deutschen Begriffen „Bilderstreifen“ und „Bildergeschichten“, wird im Comic eine Geschichte mit mehreren Bildern dargestellt.16 Eine nachvollziehbare Erzählung (Narration) wird in der Regel nicht nur durch Bilder, sondern durch eine Kombination von Bild und Text erreicht. Daher sind Geschichtscomics als „visuelle Geschichtserzählungen“17 einzuordnen. Um den Wirkungsmechanismus eines Comics zu verstehen, ist das theoretische Wissen über die Bestandteile und Funktionen bei Pädagogen und Schülern nötig.18

Die Einzelbilder („Panels“) sind als umrandete Bildflächen die Grundeinheit und gleichzeitig das zentrale Element des Comics. Vergleichbar mit einem Satz in einer Erzählung, sichern sie die Sequentialität von Comics und vermitteln in der Aufeinanderfolge die Handlung.19 Dabei kann der grafische Stil des Künstlers, z.B. die Farbe der Zeichnungen, den gesamten narrativen Gehalt des Comics verändern.20 Der Raum zwischen den Panels, der „Hiatus“21, stellt einen Zeitsprung dar. Dies unterstützt das subjektive Zeitempfinden des Lesers, der die Zeit mittels seiner eigenen Imagination und Erfahrungen überbrückt.22 Diese sogenannte Induktion, das Erkennen des Ganzen bei Wahrnehmung eines Teils, ist laut Gundermann die „wichtigste Operation beim Comiclesen“.23 Der Panelrahmen („Habitus“) kann abweichend von der rechteckigen Form dargestellt werden und so die Ebenen der erzählten Zeit regulieren.24 Das System von Panel, Sequenz, Hiatus und Habitus erfüllt die Voraussetzung für historisches Erzählen und macht die Narrativität des Comics aus.

Drei verschiedene Formen der Sprache ergänzen das historisch-erzählende Medium, ohne dabei jedoch narrativ zu wirken: Sprech- und Gedankenblasen25, Blocktexte26 und „Soundwords“27.

Symbole, als Zeichen für eine Person, einen Ort, eine Sache oder eine Idee, sind ein konstituierendes Element des Comics.28 Diese können auch Authentizitätsbeteuerungen, wie historische Orte, Namen oder Fotos sein, die den Wahrheitscharakter des Geschichtscomics belegen sollen.29 Oftmals kommt es zum Einsatz von Stereotypen, Symbolismen in Figuren und Gegenständen, die ein bestimmtes Klischee erfüllen. Diese helfen der schnellen Orientierung, rufen aber auch Emotionen hervor. Diese Gefühlsbeteiligung kann auch durch die Sprache, Farben oder den Hiatus stimuliert werden.30 Auch Perspektivenwechsel innerhalb des Comics sorgen dafür, dass der Leser mitfühlt und zusätzliche Informationen zu den Hintergründen bekommt.31

Comics regen also zunächst nur den optischen Sinn an, aber bei der Verarbeitung werden mehrere Sinne angesprochen. Durch die Symbole und Stile wird die Interpretation des Lesers unbewusst gelenkt. McCloud bezeichnet diese Beeinflussung des Lesers als Synästhesie durch das Zusammenspiel von Zeichenstil und erzählte Geschichte.32

Die nachfolgende Sequenz aus „Asterix der Gallier, 1968“ (Abb. 2)33 zeigt beispielhaft die grundlegenden Bestandteile des Comics:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Vgl. Gerald Munier: Geschichte im Comic: können ernsthafte historische Themen auch in Form von Bildergeschichten behandelt werden. In: Traverse: Zeitschrift für Geschichte= revue d’histoire 11 (2004), H. 2, S. 113. 1985 wird das Comic-Magazin Vécu (sinnesgemäß: das in der Vergangenheit erlebte) mit diesem Untertitel gegründet, was ein wachsendes Interesse an historisierenden Comics in Frankreich auslöst.

2 Christine Gundermann: Geschichtskultur in Sprechblasen: Comics in der politisch-historischen Bildung. In: APuZ (2014), H. 33-34, S. 24.

3 Vgl. René Mounajed: Geschichte in Sequenzen. Über den Einsatz von Geschichtscomics im Geschichtsunterricht. Frankfurt am Main 2009, S. 82.

4 Vgl. Hans-Jürgen Pandel: Comics. Gezeichnete Narrativität und gedeutete Geschichte. In: Pandel, Hans- Jürgen/ Schneider, Gerhard (Hrsg.): Handbuch Medien im Geschichtsunterricht. 6. Aufl. Schwalbach/Ts. 2011, S. 349-374.

5 Vgl. Munier 2004.

6 Vgl. Mounajed 2009.

7 Vgl. Christine Gundermann: Jenseits von Asterix. Comics im Geschichtsunterricht. Schwalbach/Ts. 2007.

8 Vgl. Gundermann 2007, S. 8.

9 Vgl. Pandel 2011, S. 350. Häufig handelt es sich dabei um sehr derben Humor.

10 Vgl. Oliver Näpel: Auschwitz im Comic- Die Abbildung unvorstellbarer Zeitgeschichte. In: Wolfgang Jacobmeyer (Hrsg.): Zeitgeschichte-Zeitverständnis. 4.Aufl. Münster 1998, S. 8.

11 Scott McCloud: Comics richtig lesen. 3. Aufl. Hamburg 1995, S. 8.

12 Vgl. Pandel 2011, S. 349.

13 Munier spricht von „historisierenden“ Comics, Gundermann von „Geschichtscomics“ und Dohm von „historischen“ Comics. Vgl. Munier 2004, S. 32. Vgl. Gundermann 2007, S. 87. Vgl. Annekatrin Dohm: Historisches Lernen am Comic - untersucht an Art Spiegelmanns Maus. Oldenburg 1999, S. 15.

14 Vgl. Mounajed 2009, S. 46.

15 Vgl. Pandel 2011, S. 349.

16 Vgl. Näpel 1998, S. 8f. So grenzt es sich auch deutlich vom Cartoon ab, der immer nur aus einem Bild besteht. Das Übergewicht an Bildern gegenüber Texten macht den Comic z.B. bei Migrationshintergründen interessant.

17 Michael Sauer: Bilder im Geschichtsunterricht. Seelze/Velber 2002, S. 135.

18 Vgl. Gundermann 2007, S. 87. Vgl. Mounajed 2009, S. 150.

19 Vgl. Pandel 2011, S. 352.

20 Vgl. Gundermann 2007, S. 61. Quellenbasierte Comics entstehen häufig als Schwarz-Weiß-Zeichnung, Bleistiftzeichnungen können einen „was-wäre-wenn“-Charakter vermitteln.

21 Pandel 2011, S. 353. Hiatus heißt übersetzt Lücke, wird auch umgangssprachlich als „Rinnstein“ bezeichnet.

22 Vgl. McCloud 1995, S. 76.

23 Gundermann 2007, S. 68. McCloud hat die die möglichen Induktionsquantitäten 6 Formen zugeordnet. Vgl. McCloud 1995, S. 74.

24 Vgl. Näpel 1998, S. 12. Unregelmäßige Vierecke erzeugen z.B. Spannung und Unruhe.

25 Vgl. Pandel 2011, S. 354f. Die wörtliche Rede ist die wichtigste Form im Comic, jedoch nur sehr selten quellenmäßig überliefert, daher historisch uninteressant. Es dient vielmehr der Emotionalisierung.

26 Vgl. ebd., S. 356. Es sind Stellungnahmen des Erzählers, die z.B. eine Situationsbeschreibung liefern.

27 Vgl. Näpel 1998, S. 12. Beispiele für Lautmalerei sind Explosionen, Telefonklingeln oder Schritte.

28 Vgl. Gundermann 2007, S. 63f.

29 Vgl. Pandel 2011, S. 356.

30 Vgl. Gundermann 2007, S. 71. Vgl. McCloud 1995, S. 197f.

31 Vgl. Pandel 2011, S. 364. Mit Hilfe des Perspektivenwechsels sind nicht nur Heldenfiguren dargestellt, sondern auch tragische Figuren und „kaputte Typen“. So bekommen auch die sonst Namenlosen einen Platz.

32 Vgl. Munier 2004., S. 131.

33 Vgl. Christine Gundermann: 50 Jahre Widerstand: Das Phänomen Asterix. In: Zeithistorische Forschungen/ Studies in Contemporary History 6 (2009), H. 1, S. 122.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Comics im Geschichtsunterricht
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V378149
ISBN (eBook)
9783668556409
ISBN (Buch)
9783668556416
Dateigröße
689 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
comics, geschichtsunterricht
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Comics im Geschichtsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378149

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