"L’histoire c’est aussi l’aventure", dieser Untertitel eines französischen Comic-Magazins möchte herausstellen, dass Geschichte immer auch ein Abenteuer ist, das mit dem Medium Comic alles andere als trocken erzählt wird. Doch sind Comics tatsächlich in der Lage, Schülern Geschichte in geeigneter Form zu vermitteln? Ist es mehr als eine Kunstform, die von "einigen wenigen Freaks" gelesen wird? Existieren überhaupt geschichtsdidaktisch relevante Comics neben den bekannten Geschichten von Asterix oder Lucky Luke?
Bezüglich der thematisch relevanten Quellen muss gesagt werden, dass die geschichtsdidaktische Auseinandersetzung mit Comics bis heute überschaubar bleibt und anderen Medien, wie Filmen oder "Neuen Medien", mehr Interesse zuteilwird. Dennoch sind Geschichtscomics Gegenstand einiger Handbücher der Geschichtsdidaktik, beispielsweise mit einem Beitrag von Hans-Jürgen Pandel im Handbuch "Medien im Geschichtsunterricht".
Zwei Dissertationen, die das Lernpotential von Geschichtscomics untersuchen, stammen von Gerald Munier und dem Germanisten und Historiker René Mounajed . Die Monografie von Christine Gundermann, die konkrete Vorschläge für den Einsatz von Geschichtscomics im Unterricht gibt, ist ebenso eine wertvolle Quelle für diese Hausarbeit.
Um die Frage nach dem Stellenwert des Comics im Geschichtsunterricht umfassend diskutieren zu können, muss zunächst allgemein geklärt werden, wie ein Comic definiert und aufgebaut ist und wie er historisch entstanden ist. Der Hauptteil dieser Hausarbeit befasst sich mit dem Comic im Geschichtsunterricht. Dabei werden die einzelnen Typen der Geschichtscomics kategorisiert und die Möglichkeiten und Herausforderungen im Unterricht diskutiert. Das Fazit greift die Kernfrage dieser Hausarbeit, ob Comics Geschichte vermitteln können, erneut auf.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Comics im Allgemeinen
2.1 Definition
2.2 Aufbau und Funktion der einzelnen Teile
2.3 Historische Entwicklung
3 Comics im Geschichtsunterricht
3.1 Didaktische Kategorisierung der Geschichtscomics
3.2 Geschichtsdidaktisches Potential von Comics
3.2.1 Geschichts-Fantasiecomics
3.2.2 Quellencomics
3.2.3 Geschichts-Sachcomics
3.2.4 Erfahrungsdimensionen
3.3 Einsatz von Geschichtscomics im Unterricht
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das pädagogische Potenzial von Comics im Geschichtsunterricht. Ziel ist es zu analysieren, ob und wie das Medium Comic zur Vermittlung historischer Inhalte beitragen kann, welche Herausforderungen dabei bestehen und welche methodischen Ansätze für eine erfolgreiche Integration in den Unterricht notwendig sind.
- Grundlegende Definition und Historie des Mediums Comic
- Kategorisierung von Geschichtscomics in didaktische Gruppen
- Analyse des geschichtsdidaktischen Potenzials (z. B. durch Erfahrungsdimensionen)
- Methoden für den Einsatz von Comics (Dekonstruktion und Konstruktion)
- Reflexion über Chancen und Hürden im schulischen Kontext
Auszug aus dem Buch
2.2 Aufbau und Funktion der einzelnen Teile
Abgeleitet von den deutschen Begriffen „Bilderstreifen“ und „Bildergeschichten“, wird im Comic eine Geschichte mit mehreren Bildern dargestellt. Eine nachvollziehbare Erzählung (Narration) wird in der Regel nicht nur durch Bilder, sondern durch eine Kombination von Bild und Text erreicht. Daher sind Geschichtscomics als „visuelle Geschichtserzählungen“ einzuordnen. Um den Wirkungsmechanismus eines Comics zu verstehen, ist das theoretische Wissen über die Bestandteile und Funktionen bei Pädagogen und Schülern nötig.
Die Einzelbilder („Panels“) sind als umrandete Bildflächen die Grundeinheit und gleichzeitig das zentrale Element des Comics. Vergleichbar mit einem Satz in einer Erzählung, sichern sie die Sequentialität von Comics und vermitteln in der Aufeinanderfolge die Handlung. Dabei kann der grafische Stil des Künstlers, z.B. die Farbe der Zeichnungen, den gesamten narrativen Gehalt des Comics verändern. Der Raum zwischen den Panels, der „Hiatus“, stellt einen Zeitsprung dar. Dies unterstützt das subjektive Zeitempfinden des Lesers, der die Zeit mittels seiner eigenen Imagination und Erfahrungen überbrückt. Diese sogenannte Induktion, das Erkennen des Ganzen bei Wahrnehmung eines Teils, ist laut Gundermann die „wichtigste Operation beim Comiclesen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz des Mediums Comic für den Geschichtsunterricht und skizziert den Forschungsstand sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2 Comics im Allgemeinen: Dieses Kapitel definiert den Comic als Medium, erläutert dessen Aufbau und Funktion sowie die historische Entwicklung hin zu einer eigenständigen Kunstform.
3 Comics im Geschichtsunterricht: Der Hauptteil kategorisiert Geschichtscomics didaktisch, bewertet ihr Potenzial anhand von Erfahrungsdimensionen und reflektiert Methoden für den praktischen Einsatz im Unterricht.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Comics ein wertvolles, motivierendes Medium für den Geschichtsunterricht sind, jedoch eine fundierte methodische Vorbereitung und Aufklärung erfordern.
Schlüsselwörter
Geschichtsunterricht, Comic, Geschichtsdidaktik, Quellenarbeit, Bildinterpretation, historische Narrativität, Geschichts-Fantasiecomics, Quellencomics, Geschichts-Sachcomics, didaktisches Potenzial, Medienkompetenz, Historisches Lernen, Sinnbildung, Emotionalisierung, Schulpraxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Potenzial von Comics als Medium zur Vermittlung von Geschichte im schulischen Unterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Definition und Geschichte des Comics, die didaktische Kategorisierung von Geschichtscomics sowie deren methodische Einbindung in den Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist zu klären, ob Comics eine sinnvolle Alternative oder Ergänzung zu traditionellen Lehrmedien darstellen und wie sie fachdidaktisch genutzt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Analyse von Fachliteratur, didaktischen Handbüchern und empirischen Untersuchungen zur Comicforschung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Comics in Kategorien wie Fantasiecomics, Quellencomics und Sachcomics unterteilt und deren jeweilige Stärken und Herausforderungen für den Unterricht diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Geschichtsdidaktik, didaktisches Potenzial, visuelle Geschichtserzählungen, Quellenarbeit und Methodenkompetenz.
Was ist unter dem "Hiatus" in Comics zu verstehen?
Der Hiatus bezeichnet den leeren Raum zwischen zwei Panels, der im Kopf des Lesers als Zeitsprung oder Handlungslücke gefüllt wird.
Warum ist die Arbeit mit "Quellencomics" für den Unterricht anspruchsvoll?
Quellencomics erfordern eine sorgfältige Quellenprüfung durch die Lehrkraft, da sie historische Authentizität vermitteln sollen, aber dennoch immer künstlerisch gestaltet und somit teils fiktiv sind.
Was bedeutet der Begriff "piktorale Lesefähigkeit"?
Damit ist die spezifische Kompetenz gemeint, Texte und Bilder in einem Comic simultan zu lesen, zu interpretieren und in einen Gesamtzusammenhang zu bringen.
Warum werden Comics im Fazit als "entschleunigendes" Medium gelobt?
Im Gegensatz zu vielen modernen Filmen, die den Schüler durch eine hohe Frequenz an Eindrücken überfordern können, ermöglicht der Comic eine eigenständige, reflektiertere Wahrnehmung durch den Leser.
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- Anonym (Author), 2017, Comics im Geschichtsunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378149