Die Belagerung der Stadt Konstantinopel im Jahre 1453


Hausarbeit, 2014
13 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Überblick über den Fall Konstantinopels

3. Vorstellung der Quellen von Kritobulos von Imbros
a) Osmanische Expansion: Gesetz der Geschichte
b) Transformation durch die Belagerung

4. Ansätze aus der Forschung: Vergleich mit Kritobulos

5. Abschließende Bemerkungen

Literatur

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit hat die Untersuchung der Frage wie die Belagerung der Stadt Konstantinopel im Jahre 1453 ablief zum Ziel. Die Belagerung der Stadt Konstantinopels durch die Osmanen begann am 02. April und endete am 29. Mai 1453. Dieses Ereignis gehörte zu den wichtigsten Ereignissen des Spätmittelalters, da die Christen mit dem Fall dieser Stadt den Hauptsitz und das Zentrum in Asien und Europa verloren.

Als Quellengrundlage dient hierzu "Mehmet II erobert Konstantinopel. Das Geschichtswerk des Kritobulos von Imbros übersetzt, eingeleitet und erklärt" von Diether Roderich Reinsch. Meine vorliegende Quelleninterpretation beschäftigt sich mit dem Beginn der Belagerung der Stadt, sowie mit den Veränderungen, die mit der vollendeten Belagerung der Osmanen eintraten. Durch die Untersuchung der Veränderungen werde ich einen Verlauf kennzeichnen, wie sich die Dinge der Stadt für den Autor meiner vorliegenden Quelle verändern. Diese Veränderungen sind auch der Grund dafür, warum ich mich für dieses Thema entschieden habe. Durch die sehr bildhafte Beschreibung des Ereignisses erhält man einen sehr nahen und direkten Bezug zu der Belagerung der Stadt und wie sich die Dinge verändern. Dabei werde ich die Ereignisse der Stadt mit anderen Werken aus der Forschung vergleichen und erläutern.

Als Grundlage dieser Arbeit dienten mir neben der Quelle von Kritobulos von Imbros, Literatur wie "Sultan Mehmet II.: Eroberer Konstantinopels" von Neslihan Asutay-Effenberger, "Der Fall von Konstantinopel und der lateinische Westen" von Erich Meuthen, "Die byzantinische Literatur: vom 6. Jahrhundert bis zum Fall Konstantinopels" von Jan Olof Rosenqvist und "Türkenfrage und öffentliche Meinung. Zeitgenössische Zeugnisse nach dem Fall von Konstantinopel" von Matthias Thumser.

Im Hauptteil der vorliegenden Arbeit werde ich zunächst die für die

Fragestellung relevanten historischen Rahmenbedingungen skizzieren und dabei den Beginn der Belagerung ereignisgeschichtlich zusammenfassen. Anschließend werde ich die Quelle von Kritobulos von Imbros interpretieren und sie mit den Sichten aus der Forschung vergleichen.

2. Überblick über den Fall Konstantinopels

"Wir müssen in Kürze angreifen und Krieg führen und diese Stadt zerstören, indem wir mit aller Bereitschaft und vollem Einsatz den Krieg auf uns nehmen, oder wir dürfen nicht einmal mehr auf unser eigenes Reich Anspruch erheben und seine Güter als unseren Besitz betrachten und auch nicht glauben, daß sie uns in Zukunft sicher sind."[1]

Dies war die große Rede, die Sultan Mehmet II. im Kriegsrat vor Beginn des Krieges hielt, woraufhin der Kriegsbeschluss erteilt wurde.

Mehmet II. wurde im Jahre 1451 zum Sultan, nachdem sein Vater Sultan Murad II. starb, welcher maßgeblich für den Sieg bei der Schlacht bei Warna im Jahre 1444 verantwortlich war. Murad II. nahm des weiteren Serbien und Albanien ein und stabilisierte somit das Osmanische Reich.

Mehmet II. begann am 02. April 1453 mit der Belagerung Konstantinopels. Die Größe seiner Armee ist umstritten. Sie wurde auf ca. 150000 bis 200000 Soldaten geschätzt, darunter Reiter und Janitscharen. Dabei erreichte der Sultan mit 140 Schiffen am 12. April den Bosporus und blockierte die Stadt vom Meer aus.

Der Gegenspieler Kaiser Konstantin, der im Jahre 1448 zum Kaiser ernannt wurde, war der letzte byzantinische Kaiser. Ihm stand ein Heer von ca. 7000 Männern zur Verfügung, darunter auch das Heer des Fürsten Guistiniani Giovanni von Genua.

Ab dem 12. April bombardierten osmanische Kanonen die Stadtmauern Konstantinopels, sodass Mehmet II. am 18. April den ersten Angriff auf die Stadt ausführen konnte. Zunächst konnten die Byzantiner sowohl die Angriffe der Osmanen an Land, als auch auf Wasser abwehren. Am 21. April befahl Mehmet II. einer größeren Zahl von Schiffen vom Bosporus über das Land ins Goldene Horn ziehen. Nun musste Kaiser Konstantin seine Stadt an drei Fronten verteidigen. Mehmet II. unternahm einige Versuche die Stadt zu stürmen, wurde allerings zurückgeschlagen, sodass sich auch seine Verluste bemerkbar machten. Schließlich gelang es Mehmet II. am 29. Mai 1453 die Stadt durch das Kerkoporta Tor zu stürmen. Mehmets Elitetruppen, die Janitscharen konnten dieses Tor stürmen, da es nicht von den Byzantinern verteidigt wurde, da sich die Byzantiner auf das Romanos Tor konzentrierten. Die Byzantiner verließen ihre Stellung und gerieten in Panik. Die Stadt wurde eingenommen, wurde zum neuen Hauptsitz Mehmets II. und wurde im Jahre 1910 in Istanbul umbenannt.

3. Vorstellung der Quellen von Kritobulos von Imbros

Auf dieser Grundlage möchte ich nun das Augenmerk auf die Quellen und Schriften des Chronisten Kritobulos von Imbros eingehen. Dabei ist zu erwähnen, dass die Schriften von Imbros aus dem griechischen ins deutsche von Diether Roderich Reinsch übersetzt wurden. Kritobulos von Imbros war demnach ein griechisch schreibender Historiker, welcher vermutlich von 1410 bis 1470 gelebt hatte. Diether Roderich Reinsch wurde am 11.02.1940 in Breslau geboren und ist ein deutscher Byzantinist. Die originalen Schriften des Kritobulos von Imbros stammen in etwa aus der Zeit von 1451 bis 1467 und sind in fünf Büchern eingeteilt. Sein Augenmerk lag auf der Zerstörung des Byzantinischen Reiches durch die Osmanen.

Das für meine Arbeit zugrundeliegende Werk wurde von Reinsch im Jahre 1986 veröffentlicht und dient mir daher als Sekundärliteratur, da es sich um eine Veröffentlichung handelt, die Jahre nach den Ereignissen stattfand.

Im folgenden stelle ich den Stil Kritobulos von Imros heraus und werde dabei auf seine Beobachtungen, die er während des Falls von Konstantinopel im Jahre 1453 machte, eingehen.

Kritobulos schien ein großes Vorwissen über die Stadt Konstantinopel zu haben, indem er sagt, dass auch diese unglückliche Stadt "schon in früherer Zeit erobert worden, und zwar von den westlichen Völkern, und sie wurde sechzig Jahre hindurch von Usurpatoren beherrscht."[2]

Er sagt jedoch auch, dass den Bewohnern, Kindern und Frauen in diesen Zeiten der Usurpationen nichts geschehen ist. Nachdem die Zeit der Usurpationen vorbei war, kam die Stadt wieder zu ihren früheren Zustand und wurde die Residenz des Kaisers. Konstantinopel bildete somit das Zentrum für viele Völker in Asien und Europa und war laut Kritobulos "Führerin und Vorbild in allem Schönen, war Heimstatt geistiger Kultur und jedweder Bildung, Weisheit und Vollkommenheit und all dessen zugleich, was zum Schönen gehört."[3]

Kritobulos von Imbros beschreibt eine vollkommene und perfekte Stadt, die ihm selber sehr nahe schien, sonst würde er diese Stadt nicht derart loben. Seine Verbundenheit dieser Stadt wird ebenfalls deutlich, indem er Konstantinopel mit anderen Städten vergleicht. Er sagt, dass andere Städte ebenso mit Reichtum und Ruhm gesegnet waren und dass Unglück durch Usurpationen über diese Städte hineinbrach. Allerdings setzt er diese Katastrophen "in kein Verhältnis zu den gegenwärtigen Schrecken."[4]

Mit dem gegenwärtigen Schrecken meint Kritobulos den Fall Konstantinopels 1453. Das heisst, dass das Unglück auch ein Unglück für ihn persönlich bedeutet, da er das Ereignis am eigenen Leibe erfahren hat, im Gegensatz zu den anderen Usurpationen – der Verlust und die Katastrophe dieser Stadt scheint ihn selber in Schrecken zu versetzen.

a) Osmanische Expansion: Gesetz der Geschichte

Einen weiteren Aspekt, den Diether Roderich Reinsch nennt, ist Kritobulos Theorie, dass Mehmet II. der legitime Nachfolger Kaiser Konstantins sei und dass die Eroberung eigentllich ein unvermeidbares Ereignis darstellte.[5]

Es "wollten die Gesetze der Geschichte"[6], dass der Sultan der natürliche Nachfolger wird. Laut Kritobulos ist der Beginn der osmanischen Expansion eine natürliche Entwicklung, die an die Zeit der römischen Expansion anschließt. Es waren am Anfang "die Assyrer-Babylonier, dann kamen die Ägypter, die Meder, die Perser, die Griechen und die Römer, und nun [...] die Reihe an den osmanischen Türken."[7]

Jan Olof Rosenqvist, ein schwedischer Byzantinist sagt in seinem Buch "Die byzantinische Literatur", dass der Fall Konstantinopels "nicht einen Bruch der historischen Kontinuität bezeichnet, sondern vielmehr eine Wiedergeburt des Gedankens eines großen Mittelmeerreiches, dessen Zentrum am Bosporos liegt."[8] Er sieht den Aufstieg der Osmanen also auch als eine Art neue Ära an.

Untersucht man nun Reinschs Werk "Mehmet II erobert Konstantinopel" lassen sich insbesondere im Hinblick auf Mehmets Gründe für den Krieg, einige Übereinstimmungen mit Kritobulos Theorie feststellen.

In Kapitel 13 beschreibt Kritobulos Mehmets Vorstellungen über die Eroberungen Konstantinopels. Mehmet hatte schon seit längerer Zeit den Plan gehabt Konstantinopel anzugreifen und einzunehmen. Er wollte nun nicht mehr zögern, er wollte seine Pläne in die Tat umsetzen. Der Angriff auf Konstantinopel wäre laut Mehmet nur der Anfang, er wollte von Konstantinopel "ausgehend wie von einer Art Akropolis des gesamten Gebietes in kurzer Zeit auch alles übrige zu überrennen und in seine Gewalt zu bringen."[9]

Diesen Gedanken der weiteren Expansion bestätigte auch Erich Meuthen, deutscher Historiker, der am 31. Mai 1929 geboren wurde. Er sagte, dass es eine "Allgemeine Befürchtung war, daß Mehmet nun den ganzen Westen unterjochen werde. Als nächstes schienen die Ungarn an der Reihe."[10]

Diese Siegessicherheit wurde wohl durch die "göttliche Zeichen, außerdem Orakel, Vogelzeichen, Weissagungen"[11] bestärkt. Aufgrund dieser Siegessicherheit scheint Kritobulos ebenfalls seine Theorie aufgebaut zu haben, dass die Osmanische Expansion ein Gesetz der Geschichte war.

b) Transformation durch die Belagerung

Betrachtet man nun die Zeit nach der Eroberung Konstantinopels, so fallen neben der Verwüstung der Stadt, die großen Veränderungen auf, die Mehmet II. bereits am 29. Mai 1453 veranlasste. Sein Ziel war es, aus der christlichen Hauptstadt, eine islamische Hauptstadt zu machen, in der er selber leben würde.

Die Stadt wurde komplett geplündert und war nach der Belagerung nicht mehr bewohnbar. Da sich Mehmet II. als Nachfolger Kaiser Konstantins sah, beschloss er die Stadt wieder aufzubauen und bewohnbar zu machen. Eine weitere Maßnahme, die Mehmet ankündigte, war die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee.

[...]


[1] Dieter Reinsch, Mehmet II erobert Konstantinopel, Köln 1986, vgl. S. 64

[2] Dieter Reinsch, Mehmet II erobert Konstantinopel, Köln 1986, vgl. S. 129

[3] Dieter Reinsch, Mehmet II erobert Konstantinopel, Köln 1986, vgl. S. 130

[4] Dieter Reinsch, Mehmet II erobert Konstantinopel, Köln 1986, vgl. S. 129

[5] Neslihan Asutay-Effenberger, Sultan Mehmet II., Köln 2009, vgl. S. 22

[6] Neslihan Asutay-Effenberger, Sultan Mehmet II., Köln 2009, vgl. S. 17

[7] Neslihan Asutay-Effenberger, Sultan Mehmet II., Köln 2009, vgl. S. 18

[8] Jan Olof Rosenqvist, Die byzantinische Literatur, Berlin 2007, vgl. S. 181

[9] Dieter Reinsch, Mehmet II erobert Konstantinopel, Köln 1986, vgl. S. 56

[10] Erich Meuthen, Der Fall von Konstantinopel und der lateinische Westen, in HZ 237. Berlin 1983, vgl. S. 11

[11] Dieter Reinsch, Mehmet II erobert Konstantinopel, Köln 1986, vgl. S. 56

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Belagerung der Stadt Konstantinopel im Jahre 1453
Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,0
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V378183
ISBN (eBook)
9783668560635
ISBN (Buch)
9783668560642
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kritobulos von Imbros, Fall Konstantinopels, 1453
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Die Belagerung der Stadt Konstantinopel im Jahre 1453, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378183

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