Die Hiob-Erzählung in Goethes „Faust“. Ein Figurenvergleich zwischen dem Prolog im Himmel und der Hiob-Erzählung


Hausarbeit, 2016

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Lebensweg und Werke Goethes

3. Bibelrezeption bei Goethe

4. Der Prolog im Himmel und die Hiob-Erzählung
4.1 Inhalt Buch Hiob
4.2 Inhalt Prolog im Himmel

5. Figurenkonstellationen
5.1 Vergleich Erzengel und Gottessöhne
5.2 Vergleich Gott und der Herr
5.3 Vergleich Satan Mephistopheles und
5.4 Vergleich Hiob und Faust
5.5 Vergleich der Wetten

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einführung

„Ich für meine Person hatte sie [die Bibel] lieb und wert: denn fast ihr allein war ich meine sittliche Bildung schuldig, und die Begebenheiten, die Lehren, die Symbole, die Gleichnisse, alles hatte sich tief bei mir eingedrückt und war auf die eine oder andere Weise wirksam gewesen.“1 Dieses Zitat stammt von Johann Wolfgang von Goethe und zeigt die tiefe Verbundenheit Goethes mit der Bibel, mit der er sich seit seiner Kindheit beschäftigte. Die Inhalte sowie die Kraft der Bilder der Bibel begleiteten Goethe ein Leben lang.

Das 18. Jahrhundert war geprägt durch „die Debatte um das angemessene Verständnis der Heiligen Schrift.“2 Dieses Verständnis „zählt zu den wichtigsten und in ihrer Wirkung nachhaltigsten geistesgeschichtlichen Geschehnisse“3 dieses Jahrhunderts. Die Allgegenwärtigkeit der Bibelexegese zu Goethes Lebzeiten kann gegebenenfalls erklären, weshalb sich in Goethes Werken eine Vielzahl von Bezügen zur Bibel finden.

Goethe selbst sagt: „Die Bibel ist ein ewig wirksames Buch, weil, solange die Welt steht, niemand auftreten und sagen wird: Ich begreife es im Ganzen und verstehe es im Einzelnen. Wir aber sagen bescheiden: Im Ganzen ist es ehrwürdig und im Einzelnen anwendbar.“4 Die Bibel als „ewig wirksames Buch“ findet sich auch an einer Vielzahl von Stellen in Goethes Tragödie Faust. Schon der Prolog im Himmel beginnt mit alttestamentlichem Inhalt. Die Wette um Fausts Seele hat viele Parallelen zu dem Buch Hiob aus dem Alten Testament. Gaier sagt dazu, „die Zahl und Durchgängigkeit der Markierungen […] weist die Beziehung zum Buch Hiob als eine der tragenden im Faust aus.“5 Die Schlüsselszenen, der Anfang und der Schluss, „sind es, an denen Goethe seine Adaption des ‚Faustus‘-Stoffes motivisch auf das Hiobbuch verweisen lässt.“6 Goethe äußerte sich selbst dazu: „Hat daher auch die Exposition meines Faust mit der des Hiob einige Ähnlichkeit, so ist das wiederum ganz recht und ich bin deswegen eher zu loben als zu tadeln.“7

In der vorliegenden Arbeit sollen daher die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Texte herausgearbeitet werden, sowohl in Bezug auf die Figurenkonstellation als auch im Bezug auf den Inhalt. Fraglich ist hierbei vor allem, ob Goethe die eigentliche exegetische Auslegung der Hiobs-Erzählung in den Prolog im Himmel einbringen wollte, oder ob Goethe der Hiob-Erzählung in Faust einen eigenen Sinn geben wollte. Ferner wird Goethes Biographie kurz dargestellt. Anschließend erfolgt eine kurze Darstellung zur Entstehung von Faust, dem Lebenswerk Goethes.8 Es folgt eine Auseinandersetzung mit dem Prolog im Himmel aus Faust sowie der alttestamentlichen Geschichte des Hiob.

Für eine bessere Lesbarkeit werden die Versangaben der Zitate aus der Bibel und aus dem Faust-Text direkt hinter die zitierten Verse geschrieben. Die anderen Quellen werden in Fußnoten zitiert. Die Bibelzitate stammen aus der Lutherbibel der Deutschen Bibelgesellschaft, die Zitate aus Faust stammen aus der Ausgabe des Deutschen Klassiker Verlags.

2. Lebensweg und Werke Goethes

Johann Wolfgang von Goethe wird am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren. Er stammt mütterlicherseits aus einer Gelehrten- und Juristenfamilie. Die Familie des Vaters besteht aus Bauern, Handwerkern und Gastwirten.9 Aufgrund einer Erbschaft ist die Familie wohlhabend. Goethe genießt eine sorgfältige Erziehung durch seinen Vater und wird von Hauslehrern unterrichtet.

Goethe interessiert sich schon früh für das Theater. So beschäftigt er sich in frühester Kindheit mit einer Puppenbühne.10 Später, zur Zeit der französischen Besatzung, besucht Goethe regelmäßig Aufführungen einer französischen Schauspieltruppe. Auch dieses führt dazu, dass Goethe „mit der Welt der Schauspieler in Berührung [kommt].“11

Goethes Leipziger Studienjahre reichen von den Jahren 1765 bis zum August 1768. Das in Leipzig begonnene Studium der Jurisprudenz muss der junge Goethe aufgrund gesundheitlicher Probleme unterbrechen und setzt es 1770 in Straßburg fort. In Straßburg kommt Goethe mit Dichtern des Sturm und Drang, wie Herder und Lenz, in Berührung. Nach seiner Rückkehr nach Frankfurt am Main arbeitet Goethe zunächst als Anwalt, merkt aber früh, dass „er andere Dinge im Sinn [hat], als eine bürgerliche Existenz zu gründen.“12 Er beschäftigt sich mit Shakespeare, der in Deutschland in jenen Jahren noch wenig Beachtung erhält. Bekanntheit über die Landesgrenzen hinaus erfährt Goethe 1774 mit der Veröffentlichung Die Leider des jungen Werther. Dieses Werk „wird zum größten Erfolg der gesamten Sturm-und- Drang-Bewegung.“13 1775 gelangt Goethe nach Weimar, wo er 1776 als Geheimer Legationsrat in den Weimarer Staatsdienst tritt.14 Es folgt seine erste Italienreise und eine Vielzahl anderer Reisen, auf die aufgrund der Begrenztheit dieser Arbeit nicht näher eingegangen werden kann. Goethe stirbt am 22. März 1832 im Alter von 82 Jahren in Weimar.

Im Folgenden wird kurz auf die Entstehung zu Goethes Lebenswerk Faust eingegangen. Bereits im Jahr 1770 beginnt Goethe den Urfaust zu schreiben. Die Hinrichtung der Kindsmörderin Susanne Margarete Brandt im Jahr 1772 ist der Anlass für die Aufnahme der Gretchenfrage in Faust. Goethe nimmt dieses Ereignis und schafft „eine Tragödie einer jungen Frau aus kleinbürgerlichem Stand.“15 In Italien schreibt Goethe weitere Szenen, merkt aber, dass das begonnene Stück kein Ende findet. Die fertiggestellten Teile werden als das Faust-Fragment 1789 gedruckt.16 Erst 1797 setzt Goethe, auf Drängen seines Freundes Schillers, die Arbeiten an Faust fort. Es entsteht der Prolog, wodurch „das irdische Drama einen transzendenten Rahmen [erhält].“17 1808 wird Faust. Eine Tragödie gedruckt.

Goethe prägte und prägt seit Generationen die Gesellschaft, wobei Faust das wohl bekannteste und oft rezipierte Werk Goethes ist. Sowohl die Nationalsozialisten, als auch die Funktionäre der DDR missbrauchten das Werk für ihre Ideologien. Ferner findet Faust auch in neuere Literatur immer wieder Anklang, man beachte nur Thomas Manns Doktor Faustus oder Lea Singers Roman Mandelkern. Die Aktualität des Inhalts dieses Werkes ist auch in der modernen Zeit hochaktuell. Goethes Faust lässt sich „als Parabel lesen auf die globalisierte und beschleunigte Welt, in der die Umwelt ausgebeutet wird, die Menschen ihr ganzes Glück im Konsum suchen […].“18

3. Bibelrezeption bei Goethe

Goethe beschäftigt sich bereits in Kindertagen mit der Bibel. Er genießt eine „intensive religiöse Erziehung“19, zu der regelmäßige Gottesdienstbesuche ebenso zählen wie „das tägliche Lesen der Bibel, des Alten und Neuen Testaments“.20 Besonders das Alte Testament prägt ihn. Er versteht das Alte Testament „als Sammlung hebräischer Poesie von höchstem ästhetischen Wert.“21 Obwohl Goethe sich später von der Kirche und dem Christentum distanziert, bekennt er sich noch im hohen Alter zu der Bibel, der er „einen großen Teil seiner geistigen Bildung verdanke.“22

In zahlreichen literarischen Werken, Briefen, Tagebucheintragungen und Gesprächen findet man Bezüge Goethes zu der Bibel.23 Auch in seiner Selbstbiographie Dichtung und Wahrheit wird deutlich, dass er durch die Bibel viel Belehrung erfährt. Zudem ist Goethe „mit religiösen Traditionen ebenso vertraut wie mit den theologischen Problemen und den religiösen Diskursen seiner Zeit.“24

Für Goethe hatte die Bibel eine große Bedeutung, nicht ausschließlich als „Buch der Offenbarung“25, sondern vielmehr als ein Werk mit einen „nach Belieben zu gebrauchenden Wort- und Bilderschatzes.“26 In dieser Aussage wird deutlich, dass Goethe die Erzählungen aus der Bibel für seine eigenen Werke verwendete, nicht nur, um diese exegetisch zu verarbeiten, sondern, um seine eigenen Gedanken zu der Bibel wiederzugeben. Linder hält hierzu fest, dass Goethe „bis in das hohe Alter […] eine klare Gegenposition zu der herkömmlichen exegetischen Buchstabengläubigkeit [bezieht].“27

Prädestiniert für Goethes Bibelrezeption ist sein Lebenswerk Faust. Bereits in den ersten Kapiteln finden sich zahlreiche Bibelanspielungen. Beispielsweise findet sich im Vers 1224 „im Anfang war das Wort“ (Vers 1224), ein klarer Bezug zu dem Johannesprolog (Joh 1, 1-18). Der Fokus dieser Arbeit soll sich aber bereits auf eine frühere Szene aus Goethes Faust beziehen, dem Prolog im Himmel. Im Folgenden wird der Prolog im Himmel genauer analysiert und mit der Hiob-Erzählung aus dem Alten Testament verglichen.

4. Der Prolog im Himmel und die Hiob-Erzählung

Goethe stellt seinem Lebenswerk drei Prologe voran, so die Zueignung, das Vorspiel auf dem Theater und den Prolog im Himmel. Auf letzteren wird im Folgenden genauer eingegangen. Der Prolog im Himmel stellt dabei „das irdische Spiel in einen metaphysischen Rahmen [dar].“28 Betrachtet man die Figurenkonstellation im Prolog im Himmel, lassen sich bereits erste Ähnlichkeiten mit der Hiob-Erzählung erkennen. Es erfolgt hier eine kurze Inhaltszusammenfassung beider Texte, um anschließend einen Personenvergleich darzustellen.

[...]


1 Goethe, Werke, 586.

2 Tillmann, Hermeneutik, 5.

3 Ebd.

4 Zit. n. Schmidt, Goethe-Lexikon, 21.

5 Gaier, Kommentar, 214.

6 Heydenreich, Revisionen, 133.

7 Zit. n. Schöne, Kommentare, 171.

8 Vgl. Jäger, Faust, unter: https://www.jpc.de/jpcng/ebooks/detail/-/art/Bernd-J%E4ger-Goethes- Faust-Der-Trag%F6die-erster-Teil-Eine-Analyse-aus-drei-Blickwinkeln/hnum/3041732.

9 Vgl. Boerner, Goethe, 10.

10 Vgl. ebd., 18.

11 Ebd., 18.

12 Boerner, Goethe, 33.

13 Geerdts, Goethe, 91.

14 Ebd., 106.

15 Harenberg Literaturlexikon, 317.

16 Vgl. Boerner, Goethe, 127.

17 Harenberg Literaturlexikon, 317.

18 BR, Faust, unter: http://www.br.de/telekolleg/faecher/deutsch/literatur/goethe-faust-rezeption- 100.html.

19 Boerner, Goethe, 14.

20 Ebd.

21 Linder, Bibelrezeption, 1.

22 Boerner, Goethe, 14.

23 Vgl. Linder, Bibelrezeption, 1.

24 Anderegg, Transformationen, 41.

25 Homann, Goethe, unter: http://www.ursulahomann.de/GoetheUndDasJudentum/kap003.html.

26 Linder, Bibelrezeption, 1.

27 Ebd., 31.

28 Schöne, Kommentare, 162.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Hiob-Erzählung in Goethes „Faust“. Ein Figurenvergleich zwischen dem Prolog im Himmel und der Hiob-Erzählung
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
19
Katalognummer
V378193
ISBN (eBook)
9783668570351
ISBN (Buch)
9783668570368
Dateigröße
583 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hiob Goethe Faust
Arbeit zitieren
Alva Dabisch (Autor), 2016, Die Hiob-Erzählung in Goethes „Faust“. Ein Figurenvergleich zwischen dem Prolog im Himmel und der Hiob-Erzählung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378193

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