Welche Armutsbegriffe gibt es, und wer ist in Deutschland von Armut betroffen?


Seminararbeit, 2002

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definitionen von Armut
2.1 Allgemein
2.2 Die absolute Armut
2.3 Der relative Armutsbegriff
2.3.1 Der Ressourcenansatz
2.3.2 Der Lebenslagenansatz

3. Ursachen und Risikogruppen im Wandel der Zeit
3.1 Ursachen
3.2 Risikogruppen

4. Auswirkungen auf die Betroffenen

5. Hilfe für Menschen in Armut und Wege aus der Armut
5.1 Möglichkeiten der Unterstützung armer Menschen
5.2 Lösungsvorschläge zur Bewältigung des Armutsproblems

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Denkt man heutzutage an „Armut“, so gehen die Gedanken automatisch in Richtung der Dritten Welt. Man denkt an Kinder mit Wasserbäuchen und an unterernährte Menschen mit eingefallenen Gesichtern, die in Blech-, Lehmhütten oder Pappkartons leben oder oft auch gar keine Unterkunft besitzen.

Man denkt jedoch nicht daran, dass auch in unseren Breiten, den sogenannten modernen Industrieländern, Armut ein sehr ernst zu nehmendes Problem ist und immer mehr an Substanz gewinnt.

Man muss nicht weit reisen, um auf Armut zu stoßen. Arme Menschen gibt es auch hier, in Europa und auch in Deutschland. Zwar müssen diese, in unseren Breiten lebenden, armen Menschen nicht jeden Tag Hunger leiden und kämpfen nicht Tag für Tag um ihr physisches Überleben, doch sind es andere, oft politisch und gesellschaftlich festgelegte Maßstäbe, die hier angesetzt werden und die Menschen unter die Armutsschwelle sinken lassen.

Und das ist hier genau die Frage: welche unterschiedlichen Arten von Armut gibt es und wie werden diese definitorisch gefasst? Kann die Form der Armut in den modernen Industrieländern überhaupt mit der Armut der Dritten Welt verglichen werden?

Des weiteren beschäftigt sich diese Arbeit mit den Ursachen, warum jemand – gerade hier im zivilisierten und fortschrittlichen Europa, insbesondere in Deutschland - in Armut gerät, ob es bestimmte Risikogruppen gibt, welche besonders von Armut betroffen sind und welche Auswirkungen es auf einen Betroffenen hat bzw. haben kann, in Armut leben zu müssen.

Abschließend wird dargelegt, welche Mittel und Wege es für die Betroffenen in Deutschland gibt, wieder aus dieser Situation herauszukommen.

2. Definitionen von Armut

2.1 Allgemein

Bereits in der Einleitung ist klar geworden, dass Armut ein sehr weitreichender Begriff ist und nicht alle Menschen, von denen man sagt, dass sie in Armut leben, das selbe Schicksal teilen.

Die Armutsforscher dieser Welt sind sich zumindest in einem Punkt einig: Armut kann nicht objektiv, d.h. eindeutig und für alle gleichermaßen zutreffend mit einer einzigen Definition beschrieben werden. Es gibt erhebliche Unterschiede in der Beurteilung von Lebenssituationen der sich in Armut befindlichen Menschen. „Armut kann nicht ein für allemal definiert werden. Sie bleibt an die materiellen, sozialen und kulturellen Standards eines Landes gebunden“ (Adamy/ Steffen 1998, S. 8). Demnach kann man die Armut der Menschen in der Dritten Welt nicht mit dem Schicksal armer Menschen in den modernen westlichen Industrieländern vergleichen.

Das untenstehende Schaubild gibt einen Überblick über die verschiedenen Arten der Armut, welche im folgenden näher zu erläutern sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(vgl. Alisch/ Dangschat 1998, S 22)

Im Folgenden werden die verschiedenen Armutsbegriffe definiert und näher erläutert. Sie stellen die gängigen Methoden dar, mittels derer die Armut charakterisiert und gemessen wird.

Neben diesen Definitionen taucht in den Ausführungen von Nikolaus Sidler die Unterscheidung zwischen „primärer Armut“ (extreme materielle Armut), „sekundärer Armut“ (subjektive Mangelgefühle der Menschen, die sich beim Vergleich mit anderen einstellen) sowie „tertiärer Armut“ (psychosoziale Mangelzustände) auf (vgl. Sidler 1989, S. 118f).

Diese Einteilung der Armutssituationen findet sich jedoch in der übrigen angewandten Literatur nicht und wird hier lediglich vollständigkeitshalber genannt.

2.2 Die absolute Armut

Der Begriff „absolut“ birgt die Bedeutung bereits in sich. Absolute Armut beschreibt die Situation von Menschen, denen nicht einmal die Mittel zur Sicherung ihres physischen Existenzminimums zur Verfügung stehen. Gemeint sind damit insbesondere die Mittel „zur Ernährung, für Kleidung, Unterkunft und der Gesundheitsfürsorge“ (Huster 1996, S. 22). Die einzige Hilfe, auf die zu hoffen ist, ist meist die Entwicklungshilfe aus den westlichen Ländern. Die Möglichkeit zur Selbsthilfe steht diesen Menschen in der Regel nicht offen.

Von absoluter Armut sind die modernen Industrienationen grundsätzlich nicht (mehr) betroffen. Das Bild der Armut hat sich in diesen Ländern im Laufe der Zeit erheblich gewandelt und ist nicht mehr geprägt vom Kampf und der Sorge um die tägliche Nahrung, genügend Kleidung und ausreichende medizinische Versorgung.

2.3 Der relative Armutsbegriff

Der Bedeutung der relativen Armut ist vielschichtiger als der erstgenannte Begriff der absoluten Armut.

Der relative Armutsbegriff betrachtet neben dem Mangel an materiellen und finanziellen Mitteln ebenso die immateriellen Auswirkungen auf das Leben der sich in Armut befindlichen Menschen (vgl. Alisch/ Dangschat 1998, S. 20).

Wichtig ist neben der Sicherung des täglichen (Über-) Lebens auch die Teilnahme an gesellschaftlichen Aktivitäten, von denen man bei unzureichender wirtschaftlicher Versorgung automatisch ausgeschlossen ist. Hierbei kommt insbesondere der finanziellen Ausstattung eine besondere Rolle zu, da man heutzutage kaum mehr an gesellschaftlichen Aktivitäten teilnehmen kann, ohne entsprechende finanzielle Mittel zur Verfügung zu haben.

Eine entsprechende Definition des EU-Ministerrates lautet: Arme sind Einzel-personen oder Familien, die über so geringe Mittel verfügen, dass sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die in dem Mitgliedsstaat, in dem sie leben, als annehmbares Minimum angesehen wird (vgl. Alisch/ Dangschat 1998, S. 23 und Hradil 2001, S. 242).

2.3.1 Der Ressourcenansatz

Der Ressourcenansatz bezieht sich auf die rein finanzielle Betrachtung von Armut, wobei auch hier noch einmal zwischen zwei Arten der Einteilung unterschieden wird.

Zum einen spricht man von relativer Einkommensarmut, welche anhand des soge-nannten Äquivalenzeinkommens gemessen wird. Die Basis hierfür bildet die Berechnung des durchschnittlichen bedarfsgewichteten Pro-Kopf-Haushalts-einkommens (vgl. Hradil 2001, S. 244). Anhand des so berechneten Betrages ergeben sich drei unterschiedliche Schwellenwerte, welche die jeweilige Armut als Abstand vom Bevölkerungsdurchschnitt festlegen:

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Welche Armutsbegriffe gibt es, und wer ist in Deutschland von Armut betroffen?
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Soziale Randgruppen
Note
2,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
16
Katalognummer
V37822
ISBN (eBook)
9783638370653
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Welche, Armutsbegriffe, Deutschland, Armut, Soziale, Randgruppen
Arbeit zitieren
Tanja Lorenz (Autor), 2002, Welche Armutsbegriffe gibt es, und wer ist in Deutschland von Armut betroffen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37822

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