Denkt man heutzutage an „Armut“, so gehen die Gedanken automatisch in Richtung der Dritten Welt. Man denkt an Kinder mit Wasserbäuchen und an unterernährte Menschen mit eingefallenen Gesichtern, die in Blech-, Lehmhütten oder Pappkartons leben oder oft auch gar keine Unterkunft besitzen. Man denkt jedoch nicht daran, dass auch in unseren Breiten, den sogenannten modernen Industrieländern, Armut ein sehr ernst zu nehmendes Problem ist und immer mehr an Substanz gewinnt. Man muss nicht weit reisen, um auf Armut zu stoßen. Arme Menschen gibt es auch hier, in Europa und auch in Deutschland. Zwar müssen diese, in unseren Breiten lebenden, armen Menschen nicht jeden Tag Hunger leiden und kämpfen nicht Tag für Tag um ihr physisches Überleben, doch sind es andere, oft politisch und gesellschaftlich festgelegte Maßstäbe, die hier angesetzt werden und die Menschen unter die Armutsschwelle sinken lassen. Und das ist hier genau die Frage: welche unterschiedlichen Arten von Armut gibt es und wie werden diese definitorisch gefasst? Kann die Form der Armut in den modernen Industrieländern überhaupt mit der Armut der Dritten Welt verglichen werden? Des weiteren beschäftigt sich diese Arbeit mit den Ursachen, warum jemand – gerade hier im zivilisierten und fortschrittlichen Europa, insbesondere in Deutschland - in Armut gerät, ob es bestimmte Risikogruppen gibt, welche besonders von Armut betroffen sind und welche Auswirkungen es auf einen Betroffenen hat bzw. haben kann, in Armut leben zu müssen. Abschließend wird dargelegt, welche Mittel und Wege es für die Betroffenen in Deutschland gibt, wieder aus dieser Situation herauszukommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen von Armut
2.1 Allgemein
2.2 Die absolute Armut
2.3 Der relative Armutsbegriff
2.3.1 Der Ressourcenansatz
2.3.2 Der Lebenslagenansatz
3. Ursachen und Risikogruppen im Wandel der Zeit
3.1 Ursachen
3.2 Risikogruppen
4. Auswirkungen auf die Betroffenen
5. Hilfe für Menschen in Armut und Wege aus der Armut
5.1 Möglichkeiten der Unterstützung armer Menschen
5.2 Lösungsvorschläge zur Bewältigung des Armutsproblems
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert das komplexe Phänomen der Armut im Kontext moderner Industrienationen, insbesondere in Deutschland. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie Armut definiert werden kann, welche Ursachen und Risikogruppen existieren und welche Auswirkungen die Armutssituation auf die Betroffenen hat sowie welche Lösungsansätze existieren.
- Unterschiedliche theoretische Armutsbegriffe (absolut vs. relativ)
- Wandel von Ursachen und Risikogruppen im Zeitverlauf
- Psychosoziale und materielle Auswirkungen auf Betroffene
- Staatliche Hilfssysteme (Sozialhilfe und Lebenslagen)
- Strategien zur politischen und gesellschaftlichen Armutsbewältigung
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Der Ressourcenansatz
Der Ressourcenansatz bezieht sich auf die rein finanzielle Betrachtung von Armut, wobei auch hier noch einmal zwischen zwei Arten der Einteilung unterschieden wird.
Zum einen spricht man von relativer Einkommensarmut, welche anhand des sogenannten Äquivalenzeinkommens gemessen wird. Die Basis hierfür bildet die Berechnung des durchschnittlichen bedarfsgewichteten Pro-Kopf-Haushalts-einkommens (vgl. Hradil 2001, S. 244). Anhand des so berechneten Betrages ergeben sich drei unterschiedliche Schwellenwerte, welche die jeweilige Armut als Abstand vom Bevölkerungsdurchschnitt festlegen:
• 40%-Grenze: wird als strenge Armut bezeichnet, da diese Menschen lediglich 40% des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens zur Verfügung haben
• 50%-Grenze: mittlere Armutsgrenze - wird als eigentliche Armutsschwelle bezeichnet
• 60%.Grenze: armutsnahe Einkommenssituation - die Menschen mit dieser Einkommensdisposition sind sehr gefährdet, in die Armut abzurutschen. (vgl. Alisch/ Dangschat 1998, S. 22)
Hradil stellt in seinen Ausführungen über Armut heraus, dass man sich die Bedeutung dieser Prozentsätze damit verdeutlichen kann, dass Menschen in Deutschland, die weniger als 50 % des Durchschnittseinkommens besitzen, ein Recht auf Sozialhilfe haben (vgl. Hradil 1997, S. 498).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, dass Armut auch in modernen Industrienationen ein gravierendes Thema ist und nicht nur auf die Dritte Welt beschränkt bleibt.
2. Definitionen von Armut: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Differenzierungen zwischen absoluter und relativer Armut sowie den Ressourcen- und Lebenslagenansatz.
3. Ursachen und Risikogruppen im Wandel der Zeit: Hier werden die historischen Veränderungen der Armutsursachen sowie die Entstehung neuer Risikogruppen im gesellschaftlichen Wandel untersucht.
4. Auswirkungen auf die Betroffenen: Das Kapitel beleuchtet die multidimensionalen Folgen von Armut, von sozialer Isolation bis zum Verlust des Humankapitals.
5. Hilfe für Menschen in Armut und Wege aus der Armut: Diese Sektion stellt das System der Sozialhilfe vor und diskutiert politische Lösungsansätze zur Armutsbekämpfung.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Armut ein komplexes gesellschaftliches Problem ist, das über rein finanzielle Unterstützung hinaus eine Reintegration in die Arbeitswelt erfordert.
Schlüsselwörter
Armut, Soziale Randgruppen, Deutschland, Einkommensarmut, Sozialhilfe, Risikogruppen, Soziale Isolation, Ressourcenansatz, Lebenslagenansatz, Arbeitslosigkeit, Armutsschwelle, Beschäftigungspolitik, Gesellschaftliche Teilhabe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Wesen, die Ursachen und die Auswirkungen von Armut im Kontext der deutschen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Armutsbegriffen, der Identifikation von Risikogruppen und der Analyse staatlicher Unterstützungsleistungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein differenziertes Verständnis für die verschiedenen Ausprägungen von Armut zu schaffen und aufzuzeigen, wie Betroffene aus dieser Situation herausfinden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die auf sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen und Armutsdefinitionen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Definition von Armut, die Analyse von Ursachen und Risikogruppen sowie eine Betrachtung der Folgen für Betroffene.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Armut, Sozialhilfe, soziale Integration, Risikogruppen und der Lebenslagenansatz.
Was versteht man unter dem Begriff der "neuen Armut"?
Damit sind Risikogruppen gemeint, die durch gesellschaftlichen Wandel neu entstanden sind, wie etwa Alleinerziehende oder langzeitarbeitslose Angestellte aus ehemals höheren Schichten.
Warum ist laut der Autorin der soziale Kontakt für arme Menschen so wichtig?
Soziale Isolation ist eine drastische Folge von Armut; der Erhalt von Kontakten ist essenziell, um die Teilhabe an der Gesellschaft und den Zugang zum Arbeitsmarkt nicht zu verlieren.
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- Tanja Lorenz (Author), 2002, Welche Armutsbegriffe gibt es, und wer ist in Deutschland von Armut betroffen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37822