Weltweite Ungleichheit. Eine globale Betrachtung verschiedener Konzepte und Entwicklungen


Seminararbeit, 2016
24 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Weltweite Ungleichheit
2.1 Konzepte der Ungleichheitsmessung
2.2 Indikatoren und Datenquellen
2.3 Ungleichverteilungsmaße

3. Entwicklung der weltweiten Ungleichheit im 20. Jahrhundert

4. Theorien langfristigen Wachstums zur Erklärung von Entwicklungsunterschieden
4.1 Exogenes Wachstumsmodell von SOLOW
4.2 Erweitertes Wachstumsmodell von SOLOW
4.3 Endogene Wachstumsmodelle
4.3.1 Wachstum durch Humankapital
4.3.2 Wachstum durch Innovationen

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Konzepte der Ungleichheitsmessung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Internationale und globale Ungleichheit 1950-2011

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Von Globalisierungsgegnern und in öffentlichen Debatten wird immer wieder behauptet, dass die weltweite Ungleichheit zunimmt. Allerdings sind die Aussagen empirischer Untersuchungen zu dem Thema oftmals widersprüchlich. Zur Beurteilung des Lebensstandards werden hier vor allem ökonomische Eckdaten wie z. B. das Einkommen pro Kopf oder das Wirtschaftswachstum von Nationen oder Regionen beleuchtet. Ungeachtet dessen, welche Position eingenommen wird, ist offensichtlich, dass eine entsprechende Kluft zwischen reichen und armen Ländern liegt. Dass Arme jedoch nicht arm bleiben müssen und ihre Wirtschaften in den letzten Dekaden beträchtliche Wachstumsraten verzeichnen konnten, zeigen neue asiatische Wirtschaftsmächte wie China und Indien. Gleichzeitig haben die Einkommensungleichheiten innerhalb der jeweiligen Landesgrenzen zugenommen, obwohl sich die Abstände zu den europäischen und US-amerikanischen Pro-Kopf-BIP verringert haben.[1] Dagegen fällt das Wirtschaftswachstum in großen Teilen Afrikas seit Jahrzehnten ernüchternd aus. 19 der 20 weltweit ärmsten Nationen befinden sich auf diesem Kontinent – insbesondere südlich der Sahara.[2]

Die folgende Arbeit beschreibt zunächst unterschiedliche Konzepte sowie die Probleme und Methoden bei der Betrachtung der weltweiten Ungleichheiten. Im daran anschließenden Abschnitt werden die Entwicklungen der globalen Einkommensungleichheiten aufgezeigt. Aufgrund der rasanten wirtschaftlichen und technologischen Fortschritte insbesondere im letzten Jahrhundert steht die Betrachtung dieses Zeitabschnitts dabei oftmals im Vordergrund. Einen weiteren Schwerpunkt dieser Arbeit stellen ausgewählte Erklärungsansätze der Wachstumstheorie für die beobachteten Entwicklungen dar. Sie sollen versuchen, die Frage nach den Determinanten eines langfristigen Wirtschaftswachstums zu beantworten bzw. herausstellen, wie diesbezügliche Unterschiede zwischen den Ländern entstehen können.

2. Weltweite Ungleichheit

2.1 Konzepte der Ungleichheitsmessung

Ob die weltweite Ungleichheit zu- oder abnimmt, hängt von der Betrachtungsweise ab. Diesbezüglich geht MILANOVIC von drei unterschiedlichen Konzepten aus (vgl. Tabelle 1). Das Konzept 1 stellt die ungewogene Ungleichheit zwischen den Ländern dar. Dabei spielt die Bevölkerungsanzahl keine Rolle, z. B. werden China und Luxemburg mit ihren jeweiligen Durchschnittseinkommen gleich gewichtet. Im Gegensatz dazu wird bei Konzept 2 die Landespopulation berücksichtigt. Jedoch wird jedem Bewohner das durchschnittliche Einkommen seiner Nation zugeschrieben – Ungleichheiten innerhalb eines Landes werden nicht berücksichtigt. Von MILANOVIC als wahre Ungleichheit beschrieben wird das Konzept 3, das von einer Einkommensverteilung auf individueller Ebene (sog. personelle Einkommensverteilung) ausgeht und Landesgrenzen aufhebt.[3]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Konzepte der Ungleichheitsmessung

Quelle: In Anlehnung an Milanovic (2007), S. 10.

Darüber hinaus kann bei Erweiterung des Konzepts 1 um die Betrachtung von Ungleichheiten innerhalb eines Landes folgende Formel aufgestellt werden: Ungleichheit innerhalb der Länder + gewichtete Ungleichheit zwischen den Ländern = Ungleichheit in der Welt. [4]

Einkommensungleichheiten werden vorwiegend relativ gemessen (vgl. Abschnitt 2.3). Die absolute Spannweite zwischen den weltweiten Einkommensniveaus bleibt dabei unberücksichtigt.[5] Beispielsweise betrug in 2014 das reale Pro-Kopf-BIP Chinas (3.866 US-Dollar) weniger als ein Zehntel des deutschen Äquivalents (39.718 US-Dollar). Um aufzuschließen, müsste die Volksrepublik demnach zehnmal schneller wachsen als Deutschland.[6]

2.2 Indikatoren und Datenquellen

Die Herangehensweise bei der Untersuchung weltweiter Ungleichheiten variiert durchaus je Autor. Ihnen gemein ist, dass sie sich primärer Datenquellen bedienen müssen. Eine der bedeutendsten Datenbanken zur Analyse von Einkommensverteilungen und -ungleichheiten wird von der Weltbank betrieben.[7] Als weitere Datenlieferanten werden u. a. die Penn World Tables (PWT) der Universität von Pennsylvania sowie die Datenbasis des Maddison Project geschätzt.[8] Dabei sind sowohl die Qualität als auch die Vergleichbarkeit der ausgewählten Variablen wichtige Determinanten der Erkenntnisgewinnung.[9] So können die Ergebnisse z. B. danach differieren, ob Informationen aus volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (i. d. R. BIP pro Kopf) oder Haushaltsbefragungen (Einkommen oder Ausgaben) herangezogen werden.[10] Ein wesentlicher Unterschied liegt darin, dass bei der Verwendung des Pro-Kopf-BIP öffentliche Ausgaben (für Gesundheit, Bildung etc.) enthalten sind, die in entwickelten Ländern tendenziell höher ausfallen. Dies lässt ein höheres Maß an Ungleichheit erwarten.[11] Die Repräsentativität der Messergebnisse wird vor allen Dingen beim Konzept 3 vor Herausforderungen gestellt. Während in Industrie- und Schwellenländern die Datenverfügbarkeit weitestgehend gegeben ist, erschweren fehlende Untersuchungen in armen Regionen, insbesondere in Afrika, die Vergleichbarkeit.[12] Die zum Teil gute Abdeckung darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei Analysen ggf. nur eine Messung je Land vorliegt sowie nicht alle Länder der Erde Eingang finden.[13] Um einen Vergleich der weltweiten Lebensstandards vornehmen zu können, ist eine Umrechnung zu Kaufkraftparitäten unerlässlich.[14] Deren Berechnung wird in regelmäßigen Abständen im Rahmen des International Comparison Program (ICP) – ein Gemeinschaftsprojekt der Weltbank, UN, OECD sowie weiteren regionalen Instituten – vorgenommen.[15]

2.3 Ungleichverteilungsmaße

Das populärste Maß zur Darstellung von Ungleichheiten ist der Gini-Koeffizient. Er basiert auf der Lorenzkurve, die die kumulierte Konzentration einer Merkmalssumme auf die Erhebungseinheiten veranschaulicht. Das Ergebnis rangiert zwischen 0 (völlige Gleichverteilung) und 1 (völlige Ungleichverteilung). Ein Nachteil dieses aggregierten Maßes liegt darin, dass ein Wandel in der Verteilung z. B. von oben zur Mitte oder von der Mitte nach unten zur gleichen Ergebnisveränderung führen kann.[16] Diesem sowie dem weiteren Umstand, dass der Gini-Koeffizient nicht additiv zerlegbar ist, wird Rechnung getragen, indem gewöhnlich weitere Indizes zur Untersuchung herangezogen werden.[17] Zu nennen sind hier in erster Linie der Theil-Index sowie die mittlere logarithmierte Abweichung (auch Mean Log Derivation bzw. MLD genannt), deren Ausprägungen analog zum Gini-Koeffizienten zwischen 0 und 1 liegen. FIRBEBAUGH und GOESLING führen zudem als Streuungsmaß den Variationskoeffizienten zum Quadrat (CV2) auf. Sie stellen heraus, dass der Theil-Index und der quadrierte Variationskoeffizient relativ sensitiv gegenüber Veränderungen unter reichen Ländern sind, während dies bei der MLD gegenüber Veränderungen unter großen Nationen am unteren Ende der Verteilung der Fall ist.[18] Gelegentlich wird von Forschern auch das Atkinson-Maß verwendet. Mittels eines Parameters, der als Ungleichheitsaversion verstanden werden kann, wird bspw. Veränderungen am oberen oder unteren Ende der Verteilung mehr Gewicht verliehen.[19] Ein wichtiges Kriterium für relative Ungleichheitsmaße ist die Skaleninvarianz, d. h. eine Multiplikation aller Einkommen mit einem konstanten Faktor größer null beeinflusst nicht die Höhe der Ungleichheit.[20]

3. Entwicklung der weltweiten Ungleichheit im 20. Jahrhundert

Die Entwicklung der weltweiten Disparitäten in der Einkommensverteilung wurde insbesondere um die Jahrtausendwende von mehreren Wissenschaftlern untersucht, die zum Teil unterschiedliche Befunde präsentierten. Im Rahmen der Konvergenz-Divergenz-Debatte (vgl. Abschnitt 4.1) wird oft auf das Konzept 1 Bezug genommen.[21] Laut MILANOVIC war dessen Ungleichheit – gemessen am Gini-Koeffizienten – von 1960 bis 1980 relativ stabil. Weder schlossen die armen Länder zu den reichen auf, noch wuchsen die reichen schneller. Eine Vergrößerung des Abstandes (sog. Divergenz) setzte um 1980 mit Beginn der Globalisierung ein, als reiche Länder im Durchschnitt schneller wuchsen als arme. Dagegen zeichnet sich bei Betrachtung des Konzepts 2 eine zunehmende Konvergenz ab. Einen wesentlichen Beitrag dazu leisten allerdings Chinas hohe Wachstumsraten und auch Indien fällt diesbezüglich zunehmend ins Gewicht. Ohne China würde der Verlauf dem Konzept 1 ähneln.[22] Daten aus Haushaltsbefragungen für die Messung der globalen Ungleichheit (Konzept 3) stehen erst seit den 1980ern zur Verfügung. Nach einem Anstieg bis zum Millennium, konstatiert MILANOVIC zwischen 2002 und 2008 einen leichten Rückgang der globalen Ungleichheit. Abbildung 1 stellt die beschriebenen Entwicklungen grafisch dar. Zur Information: Dem globalen Gini-Koeffizienten von 0,70 liegt zugrunde, dass acht Prozent der Bevölkerung die obere Hälfte und 92 Prozent die untere Hälfte der Einkommensverteilung abdecken.[23]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Internationale und globale Ungleichheit 1950-2011

Quelle: Milanovic (2012), S. 6.

BOURGUIGNON und MORRISSON haben abweichend davon aus dem BIP pro Kopf eine Einkommensverteilung für verschiedene Teile der Welt statistisch geschätzt und so eine langfristige Entwicklung der globalen Ungleichheit seit 1820 dargelegt.[24] Bereits zu diesem Zeitpunkt (Beginn der industriellen Revolution) betrugen der Gini-Koeffizient 0,50 sowie der Theil-Index 0,522 und stiegen im Zeitverlauf kontinuierlich an, bevor in der Mitte des 20. Jahrhunderts eine Stabilisierung einsetzte (1950: Gini-Koeffizient 0,64, Theil-Index 0,805; 1992: Gini-Koeffizient 0,657, Theil-Index 0,855).[25] In einer jüngeren Untersuchung skizziert BOURGUIGNON im Gegensatz zu MILANOVIC bereits in der letzten Dekade des 20. Jahrhunderts einen rückläufigen Trend in der globalen Ungleichheit.[26] Zu diesem Ergebnis kommt auch SALA-I-MARTIN, der ebenfalls auf Daten aus der VGR zwischen 1970 und 1998 zurückgreift.[27]

Um zu eruieren, woraus die weltweite Ungleichheit resultiert, kann auf die o. g. Formel (vgl. Abschnitt 2.1) referenziert werden. BOURGUIGNON und MORRISSON ermittelten, dass 1890 die weltweite Ungleichheit zu zwei Dritteln aus nationalen Disparitäten herrührte. Dieses Verhältnis hat sich 100 Jahre später nahezu umgekehrt (Theil-Index 1992: Ungleichheit innerhalb der Länder 0,342, Ungleichheit zwischen den Ländern 0,513, Ungleichheit weltweit 0,855).[28] Diese Konstellation impliziert, dass das individuelle Einkommen zunehmend vom Durchschnittseinkommen des Landes abhängt, in dem eine Person lebt oder geboren wurde.[29] Allerdings verzeichnet BOURGUIGNON zwischen 1985 und 2005 auch innerhalb von Landesgrenzen eine steigende Ungleichheit. Diese betrifft nicht nur China oder Indien, sondern auch OECD-Länder wie z. B. Deutschland und die USA und lässt damit die Anzahl der Globalisierungsgegner wachsen.[30] Kompensiert wird dieser Trend – hinsichtlich des Verhältnisses der Ungleichheit innerhalb versus zwischen Ländern – durch die regionalen Wachstumsunterschiede von Entwicklungsländern. Wenngleich sie in Summe seit den 1990ern größtenteils schneller gewachsen sind als Länder mit hohen Einkommen, zeichnet sich insbesondere bei den subsaharischen Staaten Afrikas ein differentes Bild ab. Nach einer kurzen Aufholjagd zu Beginn des Jahrtausends, fallen deren Wachstumsraten in der darauf folgenden Zeit wieder merklich schwächer aus.[31]

4. Theorien langfristigen Wachstums zur Erklärung von Entwicklungsunterschieden

Die rasanten wirtschaftlichen Entwicklungen vor allem im 20. Jahrhundert haben das dauerhafte Wachstum zu einer wesentlichen Determinante des Lebensstandards werden lassen.[32] Dabei können bereits geringe Unterschiede langfristig beachtliche Auswirkungen haben. Zum Bespiel ist das BIP eines Landes, das 100 Jahre lang ein Prozent per anno wächst, am Ende dieses Zeitraums nicht um 100, sondern um 170 Prozent höher.[33] Die weltweit beobachteten Disparitäten in den regionalen Wachstumsraten sowie in den Niveaus der Pro-Kopf-Einkommen haben in den 1980ern zu einer Renaissance der neoklassischen Wachstumstheorie geführt.[34] Dabei wurden sowohl grundlegende Arbeiten wiederaufgegriffen als auch neue Ansätze zur Erklärung von Entwicklungsunterschieden hervorgebracht.

4.1 Exogenes Wachstumsmodell von SOLOW

Die Grundlage der neoklassischen Wachstumstheorie bildet das SOLOW-Modell, das die Kapitalakkumulation in den Mittelpunkt stellt.[35] Es geht von folgender, makroökonomischer Produktionsfunktion aus:

(1.1) Y = F(K, AL).

Der Output Y wird durch die Produktionsfaktoren Kapital (K) und Arbeit (L) sowie den technologischen Fortschritt (A) bestimmt. Das Produkt AL repräsentiert die effektive Arbeit und beinhaltet sowohl die Arbeitsmenge als auch die mit der Technologie in Verbindung stehende Arbeitsproduktivität.[36] K und L sind substituierbar und weisen positive, fallende Grenzproduktivitäten auf. Diese streben gegen null, wenn der entsprechende Faktor unendlich groß wird und umgekehrt (sog. Inada-Bedingungen).[37] Darüber hinaus sind der Funktion konstante Skalenerträge inhärent.[38] Das Wachstum des Kapitals resp. des Kapitalstocks ist von den exogen vorgegeben Größen s (konstante Sparquote des Pro-Kopf-Einkommens als Bruttoinvestition)[39], δ (Abschreibungsrate des Kapitals), n (Wachstumsrate der Bevölkerung bzw. L) sowie g (Rate des Technologiewachstums) abhängig. Aufgrund des abnehmenden Grenznutzens findet jedoch im langfristigen Gleichgewicht (sog. steady state) kein Kapitalzuwachs mehr statt (der dazugehörige Wert wird mit k* gekennzeichnet). Die Gleichung (ausgedrückt als Pro-Kopf-Größe)

(1.2) sf(k*) = (n + g + δ)k*

wird erfüllt.[40] Das bedeutet, dass bei Erreichung des Werts k* die Ersparnisse allein Instandhaltungsaufwendungen dienen und somit Kapitalstock und Output nur noch mit der Rate des Bevölkerungs- und Technologiewachstums steigen. Für den Output pro Kopf verbleibt – im Falle technologischen Fortschritts – die Steigerungsrate g. Liegt dieser nicht vor, stagniert das Pro-Kopf-Einkommen.[41] Darüber hinaus kann eine Änderung des Einkommens niveaus aufgrund einer Veränderung der Parameter s, δ oder n erfolgen. Während Investitionen den Kapitalstock erhöhen, wirken Abschreibungen und das Bevölkerungswachstum (Verteilung auf mehr Köpfe) verringernd.[42] Vereinfacht ausgedrückt: Je höher die Sparquote, desto reicher das Land. Je höher das Bevölkerungswachstum, desto ärmer das Land.[43]

Der Verlauf der Übergangsphase vom initialen Kapitalstock k bis zu k* hängt von deren Entfernung zueinander ab. Ein niedriger Kapitalstock führt zu höheren Wachstumsraten (da ein höheres Grenzprodukt zu erzielen ist), derweil ein bereits großer Kapitalstock das Wachstum verlangsamt. Das SOLOW-Modell impliziert, dass unter Ländern mit ähnlichen Parametern und vergleichbaren Produktionsfunktionen ärmere schneller sowie reichere langsamer wachsen. Im Ergebnis kommt es zu einer Angleichung der Pro-Kopf-Einkommen, auch bedingte Konvergenz genannt.[44] Die von SOLOW aufgestellte Konvergenzthese wurde bereits vielfach diskutiert und empirisch überprüft. Unter anderem legte PRITCHETT dar, dass relativ fortgeschrittene OECD-Länder von Ende des 19. bis Ende des 20. Jahrhunderts verhältnismäßig hohe Wachstumsraten verzeichneten. Dabei konnten einerseits die eingangs ärmsten Mitglieder unter ihnen (z. B. Japan) durch höheres Wachstum aufschließen (sog. catching up) – andererseits wiesen die ursprünglich reichsten Länder (z. B. Großbritannien) die geringsten Zuwächse auf.[45] Demzufolge erweist sich das Konzept der bedingten Konvergenz bei homogenen Gruppen als zutreffend. Lässt man dagegen bei der Behauptung, dass arme Volkswirtschaften tendenziell schneller wachsen als reiche, unterschiedliche Länderspezifika außer Acht, wird von absoluter Konvergenz gesprochen.[46] Diese lässt sich, wie z. B. BARRO und SALA-I-MARTIN im Rahmen einer Untersuchung der durchschnittlichen Wachstumsraten von 114 Ländern zwischen 1960 bis 2000 zeigen, nicht bestätigen – es herrscht Divergenz.[47]

[...]


[1] Vgl. Miles et al. (2014), S. 66.

[2] Vgl. Miles et al. (2014), S. 151.

[3] Vgl. Milanovic (2007), S. 7-9.

[4] Vgl. Firebaugh und Goesling (2004), S. 284.

[5] Vgl. Atkinson und Brandolini (2004), S. 3.

[6] Aussage angelehnt an Atkinson und Brandolini (2010), S. 3. Werte aus Mankiw und Taylor (2016), S. 675.

[7] Vgl. Garnreiter (2015), S. 38. Die Datenbank vereinigt wiederum große Sammlungen von Untersuchungen zu Einkommensverteilungen.

[8] Vgl. Berthold und Brunner (2010), S. 7 sowie Milanovic (2006), S. 135.

[9] Vgl. Atkinson und Brandolini (2001), S. 771.

[10] Vgl. Deiniger und Squire (1996), S. 568-571. Im Gegensatz zu Ausgaben exkludieren Einkommen unentgeltliche Leistungen, die insbesondere in ärmeren Regionen eine Rolle spielen. Die Verwendung von Einkommen lässt vermuten, dass das Maß der Ungleichheit höher ausfällt. Vgl. Deiniger und Squire (1996), S. 581.

[11] Vgl. Capéau und Decoster (2004), S. 7.

[12] Vgl. Deininger und Squire (1996), S. 573. Wenngleich sich in Afrika die Abdeckung in der letzten Zeit verbessert hat (von 48 Prozent der Bevölkerung in 1998 auf 75 in 2008). Vgl. Milanovic (2012), S. 11.

[13] Vgl. Berger (2005), S. 474.

[14] Vgl. Deaton (2010), S. 6. Auch purchasing power parity (PPP) genannt.

[15] Vgl. Deaton und Aten (2014), S. 2. Die letzten beiden Runden fanden 2005 und 2010 statt.

[16] Vgl. Coulter (1989), S. 52-58.

[17] Vgl. Berger (2005), S. 473.

[18] Vgl. Firebaugh und Goesling (2004), S. 290.

[19] Vgl. Coulter (1989), S. 122-126. Das Atkinson-Maß wird auch als Maß der sozialen Wohlfahrt bezeichnet.

[20] Vgl. Berger (2005), S. 473.

[21] Vgl. Milanovic (2006), S. 131.

[22] Vgl. Milanovic (2012), S. 5-8.

[23] Vgl. Milanovic (2012), S. 5-8. Für Deutschland beträgt dieses Verhältnis 29 zu 71 Prozent.

[24] Vgl. Bourguignon und Morrisson (2002), S. 729.

[25] Vgl. Bourguignon und Morrisson (2002), S. 728. Zum Vergleich zur Abbildung 1: Milanovic hat nach der Anpassung der Kaufkraftparitäten in 2005 eine Neuberechnung seiner Indizes vorgenommen. Vgl. Milanovic (2010), S. 14, für 1993: Gini old PPP 65,5, Gini new PPP 69,9, Theil old PPP 81,2, Theil new PPP 93,7 (jeweils Angaben in Prozent).

[26] Vgl. Bourguignon (2011), S. 2.

[27] Vgl. Sala-i-Martin (2002), S. 39. Milanovic übt an dieser Vorgehensweise insbesondere bei Sala-i-Martin scharfe Kritik. Des Weiteren bemängelt er dessen geringes und lückenhaftes Datenmaterial. Vgl. Milanovic (2002), S. 18 f.

[28] Vgl. Bourguignon und Morrisson (2002), S. 734.

[29] Vgl. Milanovic (2012), S. 19 f.

[30] Vgl. Bourguignon (2011), S. 11-13.

[31] Vgl. Bourguignon (2011), S. 9.

[32] Vgl. Snowdon und Vane (2005), S. 582.

[33] Vgl. Snowdon und Vane (2005), S. 589 f. Daraus lässt sich die sog. 70er-Regel ableiten: Dividiert man 70/Wachstumsrate eines Landes, erhält man die Anzahl an Jahren, die erforderlich sind, um das BIP zu verdoppeln.

[34] Vgl. Snowdon und Vane (2005), S. 579. Davon abzugrenzen ist die Konjunkturtheorie, die sich mit der Erklärung zyklischer Schwankungen befasst. Vgl. Bretschger (2004), S. 11.

[35] Vgl. Aghion und Howitt (2015), S. 20.

[36] Vgl. Mankiw (1995), S. 276. Es wird auf das modifizierte Modell mit arbeitsvermehrendem technischem Fortschritt abgestellt.

[37] Vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 19 f.

[38] Vgl. Aghion und Howitt (2015), S. 23.

[39] Es wird von einer zusammengesetzten Wirtschaftseinheit ausgegangen (ein Haushalt und Unternehmen), d. h. Erspartes = Investitionen. Vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 17.

[40] Vgl. Mankiw (1995), S. 276. Die Umformungsschritte werden auf dort aufgezeigt.

[41] Vgl. Mankiw (1995), S. 276.

[42] Vgl. Aghion und Howitt (2015), S. 23.

[43] Vgl. Mankiw et al. (1992), S. 407.

[44] Vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 26-31.

[45] Vgl. Pritchett (1997), S. 3.

[46] Vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 26-32.

[47] Vgl. Barro und Sala-i-Martin (2004), S. 45.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Weltweite Ungleichheit. Eine globale Betrachtung verschiedener Konzepte und Entwicklungen
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
24
Katalognummer
V378292
ISBN (eBook)
9783668557987
ISBN (Buch)
9783668557994
Dateigröße
648 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
weltweite, ungleichheit, eine, betrachtung, konzepte, entwicklungen
Arbeit zitieren
Heike Schnarelt (Autor), 2016, Weltweite Ungleichheit. Eine globale Betrachtung verschiedener Konzepte und Entwicklungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378292

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