Der Vergleich von Homonymie und Polysemie. Gibt es Grenzfälle?


Hausarbeit, 2015

15 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Homonymie
2.1 Allgemeine Wortbedeutung und Beispiele
2.2 Homographie und Homophonie mit Beispielen
2.3 Totale und partielle Homonymie mit Beispielen

3 Polysemie: Allgemeine Wortbedeutung und Beispiele

4 Gegenüberstellung Polysemie und Homonymie

5 Fazit

1 Einleitung

Im Rahmen meines Bachelorstudienganges ist verankert, dass wir im Modul Sprachwissenschaft eine Modularbeit verfassen sollen. Ich möchte mich mit einem Thema aus meinem Kurs „Lexikologie“ auseinander setzen.

In der folgenden Modularbeit werde ich einen Vergleich zwischen den zwei sehr eng verwandten Phänomenen der Semantik, der Homonymie und der Polysemie des Deutschen und Französischen vollziehen und mögliche Grenzfälle erörtern. Diese Unterscheidung beider Begriffe ist ein klassisches Problem der Semantik, zu dem mir eine entsprechend umfangreiche Literatur vorliegt. Zunächst werde ich mich dem Begriff der Homonymie und danach dem Begriff der Polysemie widmen. Meistens werden sie getrennt behandelt und dennoch gibt es viele Gemeinsamkeiten, die im Vordergrund stehen. Diese Gemeinsamkeit führt dazu, dass die beiden Formen lexikalischer Mehrdeutigkeit ähnliche Auswirkungen auf die Form, sprich auf die Inhaltsrelation des sprachlichen Zeichens haben. Die große Bedeutung des sprachlichen und schriftlichen Kontextes, in dem die Wörter stehen, ist wichtig, da Homonymie und Polysemie nicht zu Verständigungsproblemen führen sollen.

Anhand von verschiedenen Definitionen und unterschiedlichen Ansätzen werde ich versuchen elementare Problemstellungen näher zu beleuchten, zwischen beiden Begriffen differenzieren und vergleichen und ich werde verschiedene Beispiele vorstellen, um mögliche Herangehensweisen und Lösungsvorschläge zu präsentieren.

Abschließend komme ich zum Fazit und werde zeigen, dass es sehr schwierig ist Polysemie und Homonymie voneinander zu unterscheiden, welches auch die Aussage von dem Linguisten Stephen Ullmann „[que] le mot français est essentiellement polysémique [et que] le français est une langue à homonymes“ vermuten lässt. (Körner 1977: 28) Denn ein homonymes Wort, zumindest im engeren Sinne, ist auch immer irgendwie polysem, da mehrdeutige Begriffe die Fähigkeit des Sprechers voraussetzen, eben diese Begriffe richtig zu verwenden bzw. zu verstehen und somit „bei einer Gestalt mehrere Bedeutungen voneinander zu trennen“. (Körner 1977: 28)

Die Mehrdeutigkeit sprachlicher Zeichen bereitet den Semantikern schon sehr lange Schwierigkeiten. Sie ist ein brisantes Thema und die Diskussion ist noch lange nicht abgeschlossen. Die Semantik bemüht sich schon lange die Homonymie-Polysemie- Probleme zu lösen, doch es gibt noch keine anerkannte Lösung. Es existieren zwar einige Ansätze, doch alle haben neben ihrer zahlreichen Vorteile auch viele Nachteile. Unabgeschlossenheit dieser Diskussion führt in weiterer Hinsicht dazu, dass besonders in der Lexikografie sehr uneinheitlich, subjektiv und teilweise sogar willkürlich Entscheidungen getroffen werden, die auf keiner soliden Theorie begründet sind. In der Lexikografie erkennt man dieses Problem vor allem daran, dass unterschiedliche Wörterbücher zu unterschiedlichen Erkenntnissen kommen. Besonders die Zahl der Bedeutungen eines polysemen oder homonymen Wortes variiert sehr stark, weil es eben kein allgemeines Verfahren zur Erschließung dieser Bedeutungen gibt.

Sebastian Löbner führt auf, dass beide Begriffe ein Phänomen von lexikalische Ambiguität darstellen und bezeichnet das Auftreten von „Ausdrücken mit demselben Laut und/oder Schriftform und mehr als einer lexikalischen Bedeutung“. (Löbner 2003: 58) Ambiguität liegt vor, wenn ein Satz oder ein Wort mehrdeutig ist.

2 Homonymie

Im nachfolgenden Abschnitt werde ich auf die Homonymie mit ihrer Begriffsbedeutung anhand von verschiedenen Quellen – Internetquellen, Duden und von verschiedenen Autoren bzw. Semantikern – erläutern und Beispiele anbringen. Des Weiteren werde ich auf spezifische Formen der Homonymie – Homographie, Homophonie, totale und partielle Homonymie – eingehen und dazu Beispiele aufführen.

2.1 Allgemeine Wortbedeutung und Beispiele

Homonymie kommt aus dem Griechischen und heißt Gleichnamigkeit. Ein Homonym ist ein Lexem, das für verschiedene Begriffe steht, also mehrere unterschiedliche Bedeutungen hat. Des Weiteren bezeichnet man ein Wort als homonym, das genauso klingt wie ein anderes. Dabei kann jenes Wort neben einer anderen Bedeutung auch eine andere Orthografie haben. Sie kann auch dadurch entstehen, dass eine Bezeichnung auf einen neuen Gegenstand übertragen wird, dieser Zusammenhang aber später verloren gegangen ist. Sprich sie kann eine gleiche Orthografie und Aussprache besitzen, aber unterschiedliche Bedeutung haben und bei denen zumeist auch eine unterschiedliche etymologische Herkunft nachgewiesen werden kann (vgl. Bußmann: 1990). Des Weiteren liegt Homonymie vor, bei dem zwei Lexeme in ihrer Form, Grafie oder Lautung übereinstimmen, sich aber in ihrer Bedeutung und in ihrer etymologischen Herkunft unterscheiden. Diese Wörter haben also ein identisches « signifiant » und zwei oder mehrere völlig unterschiedliche « signifiés ». Die verschiedenen Bedeutungen der homonymen Ausdrücke haben nichts miteinander zu tun, es fehlen die gemeinsamen Seme, welches im Gegensatz dazu bei der Polysemie vorkommt. Es handelt sich um unterschiedliche Wörter und nicht um ein Wort mit mehreren Bedeutungen.

Aus dem Deutschen Rechtschreibduden bezeichnet man die Wörter als ein Homonym, „die mit einem andern gleich lautet, den gleichen Wortkörper hat (aber in der Bedeutung [und Herkunft] verschieden ist) und homonym, die „gleichlautend, in der Lautung übereinstimmend, den gleichen Wortkörper habend (aber in der Bedeutung verschieden)“ sind. (Duden, Rechtschreibung 2015, Begriff Homonym und homonym)

Laut Andreas Blank ist es so, dass man bei der Homonymie von zwei unterschiedlichen Lexien ausgeht, die eine identische Wortform, sprich signifiant und Schreibweise, sowie identische grammatische Information, sprich Wortart und Genus, haben (vgl. Blank: 2001).

Peter Wunderli weist darauf hin, dass die Homonymie nicht den sprachlichen Normalfall darstellt, sondern einen Ausnahmecharakter hat. Ein Beispiel für Homonymie liegt bei dem signifiant [sã] vor mit f olgenden Begriffen: « sans » (ohne), « cent » (hundert), le « sang » (Blut), je « sens » (ich fühle) und il « sent » (er fühlt). Nach Wunderli zerfällt das Signifikat in verschiedene Semanteme. Das Semantem ist die inhaltliche semantische Grundeinheit eines Lexikoneintrages, syntaktisch betrachtet ein Lexem. In der Regel fallen Signifikat und Semantem zusammen.

Ein weiteres Beispiele wäre: « Nous avions des avions. » Hier wird das erste « avions » (Präteritum des Verbs haben) identisch geschrieben und ausgesprochen wie dem zweiten « avions » (Flugzeuge).

Stefan Schierholz unterstellt vielen Ansätzen, dass sie häufig von subjektiven Entscheidungen und Institutionen der Untersuchenden beeinflusst sind und ferner bemängelt er, dass eine weitgehende Uneinigkeit zu einer klaren Differenzierung von Polysemie und Homonymie herrscht (vgl. Schierholz 1991: 64). Man will Polysemie und Homonymie über semantische Merkmalszuordnungen differenzieren, so ist bei beiden Begriffen gemein, dass „ein Signifikat als disjunktive Kombination aus zwei oder mehreren Sememen darstellbar ist.“ (Schierholz 1991: 66) Polysemie liegt vor, „wenn die Sememe eines Signifikats untereinander mindestens ein gemeinsames Sem aufweisen“, Homonymie, wenn kein gemeinsames Sem auffindbar ist (Heger 1969: 176 ff.).

2.2 Homographie und Homophonie mit Beispielen

Im weiteren Sinne zählen Homographie und Homophonie zu der Homonymie. Die Ausdrücke besitzen gleiche Laut- und Schreibweisen, die aber dennoch unterschiedliche Bedeutungen haben und diese Lexeme sind mit solchen Eigenschaften getrennt in Wörterbüchern aufgeführt. Das Deutsche hat durch seine Großschreibung eine Möglichkeit, Homophone grafisch zu differenzieren, wodurch völlige Homophonie im Deutschen eher selten vorkommt.

Wenn ursprünglich zwei ungleich lautende Morpheme im Laufe der Zeit zur Gleichform auf der Ausdrucksseite gekommen sind, dann kann es beispielsweise zu gleichlautenden Homophonen, wie Lied (Musikstück) und Lid (Teil vom Auge) oder gleichgeschriebene Homographen Kiefer (spezifische Art der Nadelbäume, menschliche Kiefer) kommen.

Nach Stefan Schierholz ist ein Zusammenfall von Homographie und Homophonie ersichtlich. Bei Homophonie wird ein Lexem gleich ausgesprochen, besitzt aber eine unterschiedliche Orthografie und Bedeutung, wie zum Beispiel Saite (Teil der Gitarre) und Seite (Teil eines Buches) oder die Lärche (Nadelbaumart) und die Lerche (Singvogelart). Weitere homophone Beispiele sind die Wahl (Entscheidung

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Vergleich von Homonymie und Polysemie. Gibt es Grenzfälle?
Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V378296
ISBN (eBook)
9783668572287
ISBN (Buch)
9783668572294
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vergleich, homonymie, polysemie, gibt, grenzfälle
Arbeit zitieren
Christin Curth (Autor), 2015, Der Vergleich von Homonymie und Polysemie. Gibt es Grenzfälle?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378296

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