Der Einfluss des Zen-Buddhismus auf den Alltag und die Gesundheit

Forschungsbericht einer Studie


Forschungsarbeit, 2017
25 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Begründung der Fragestellung

2. Methoden und analytischer Ansatz

3. Feldzugang und Feldbeschreibung

4. Ergebnisse

5. Selbstreflexion und Autoethnografisches

6. Zusammenfassung in Bezug zur Fragestellung

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung und Begründung der Fragestellung

In Deutschland nehmen psychische Erkrankungen wie Depressionen seit Jahren stetig zu. Durch eine Veränderung in der Wahrnehmung vieler Menschen bezüglich Ökologie und Wachstum seit den 60er Jahren ist es zudem zu einer vermehrten Tendenz gekommen, spirituell und religiös in Alternativen zu denken. In diesem Zuge hat sich das Thema der Achtsamkeit immer stärker in der Gesellschaft verankert und viele Menschen sehnen sich nach Ruhe und Entschleunigung, um dem hektischen Alltag zu entgehen oder auch abstrakt gesehen nach Sinn zu suchen. Im spirituellen Sinne haben diese Entwicklungen dazu beigetragen, dass sich im Westen östliche Religionen und Praktiken wie der Zen-Buddhismus verbreiten konnten. Vor diesem Hintergrund ist eine Analyse des Phänomens Zen- Buddhismus soziologisch natürlich sehr interessant. Die Religion, die sich in vielen Belangen von den anderen, wie dem Christentum, unterscheidet, übt eine hohe Attraktivität und Anziehungskraft im Westen aus. Die Philosophie der Achtsamkeit, des Eins-Seins mit seiner Umwelt, der verfeinerten Wahrnehmung und im Endeffekt des Strebens nach Glück sind Anziehungspunkte für viele Menschen, die sich von rein materialistischer Denkweise frei machen wollen. Dass sich der Zen- Buddhismus als nicht-missionarisch ansieht und keiner strikten Dogmatik folgt, wie es andere Religionen tun, macht ihn nicht nur philosophisch, sondern auch soziologisch interessant. So wurde die Idee entwickelt, innerhalb des qualitativen Projektseminars „Soziologie der Achtsamkeit“ an der Universität Konstanz, den Zen-Buddhismus näher unter die Lupe zu nehmen und dessen Relevanz für die Teilnehmer zu analysieren. Es soll also in dieser Forschungsarbeit eine Untersuchung der Spiritualität im Kontext der Praktiken des Zen- Buddhismus vorgenommen werden. Der Zen-Buddhismus ist aus der Strömung des Mahayana - Buddhismus entstanden und breitet sich auf der ganzen Welt immer mehr aus. Fundamental ist dabei, dass es nicht um die Anbetung eines Gottes, wie etwa im Christentum oder im Islam geht, sondern vielmehr um das Finden des eigenen, spirituellen Weges. Eine gewisse innere Leere, Gleichmut und das Überwinden der Ich-Bezogenheit sind zentrale Elemente, die Menschen dabei helfen könnten, mit Ängsten und Sorgen besser umzugehen. Konzentration auf simpel anmutende Dinge, wie etwa den Atem oder das Sitzen an sich sind dabei entscheidend. Man könnte auch sagen, dass der Zen-Buddhismus sich zwischen den Spektren Religion, Spiritualität und Psychotherapie bewegt. Innerhalb dieser Studie sollen unter anderem die Motive der Teilnehmer sowie deren Verhalten vor und seit Beginn der aktiven Mitgliedschaft beleuchtet werden. Insbesondere soll es aber um die Wirkungen der Sitz (Zazen) - und Gehmeditationen (Kinhin) auf den Alltag gehen. Welche grundlegende Struktur ist im Zen zu beobachten? In wie weit kann die Ruhe und achtsame Präsenz aus Meditationen in den Alltag überführt werden? Gibt es einen veränderten Umgang mit Stress, mit Problemen, bei der Arbeit, mit anderen Menschen? Der Bereich des Alltags hängt dann auch zusammen mit der Frage nach den Auswirkungen auf die Gesundheit. In diesem Zuge wurde der Frage nachgegangen, ob die Zen-Meditationen dazu beitragen können, Depressionen oder generell psychische Erkrankungen zu besiegen oder diesbezüglich zumindest präventiv zu wirken. Die Beantwortung dieser beiden Fragen, also der Relevanz des Zen für Alltag und Gesundheit ist dann auch dazu geeignet, eine Tendenz über die Auswirkungen desselben für die Gesellschaft an sich zu zeichnen.

2. Methoden und analytischer Ansatz

Da das Forschungsprojekt innerhalb eines qualitativen Projektseminars (Soziologie der Achtsamkeit, Universität Konstanz) stattfand, wurden auch dementsprechende Methoden genutzt. Beim qualitativen Forschungsprozess geht es darum, im Feld Daten zu generieren und anhand derer im Sinne der zirkulären Logik eine Verdichtung von Hypothesen zu gewinnen. Man geht mit einem zunächst ehe losen theoretischen Rahmen ins Feld, macht Beobachtungen und richtet an diesen den weiteren Forschungsprozess aus. In dieser Studie wurde nun ein Feld definiert und im Anschluss die teilnehmende Beobachtung durchgeführt, um eine Ethnografie des Zen entlang der vorgestellten Fragen zu erzielen. Die sozialwissenschaftliche Methodik der Ethnografie entstand im frühen 20.Jahrhundert und geht in ihrer soziologischen Bedeutung insbesondere auf die Vertreter der „Chicago School“ um Robert Park zurück. (Vgl. Breidenstein 2013, S. 22) In diesem Zuge entwickelte sich die soziale Forschung im praktischen Sinne weiter, insofern, dass man nicht mehr nur mit rein theoretischem Material arbeitete, sondern vermehrt eigene, sozial miterlebende, teilnehmende Wissenschaft vollzog. Eine Ethnografie bietet viele Möglichkeiten und variables Material zur Analyse. Sie „(…) kombiniert Beobachtungen mit Interviews, technischen Mitschnitten und Dokumenten aller Art.“(Breidenstein 2013, S. 34). Bei der Beobachtung ist es für den Forscher sehr wichtig, dass er sich auf den Gegenstand seiner Forschung einlässt, offen ist und versucht die soziale Welt des Feldes teilnehmend mit zu vollziehen und nicht nur als distanzierter Forscher von außen darauf zu schauen. Allerdings sollte man auch nicht seine grundlegende Rolle als Forscher außer Acht lassen und darauf bedacht sein, den Ausstieg aus dem Feld professionell zu schaffen. (Vgl.Breidenstein 2013, S. 42). Teilnehmen und Wahrnehmen sind wichtige Faktoren ethnografischer Forschung. Speziell für Soziologen ist zudem das methodische Befremden des Vertrauten wichtig. Man sollte immer wieder reflektieren und seine Denkmuster kritisch hinterfragen. Im zirkulären Prozess werden Beobachtungen in die jeweils nächste Feldsituation transferiert und stetig neue Daten generiert. Diese Daten wurden nun im Forschungsprojekt zum Zen-Buddhismus in Form von Beobachtungsprotokollen festgehalten. Das Konservieren von Daten in Schriftform ist für die spätere Analyse unabdingbar. Innerhalb der Forschung wurden zudem Perspektivwechsel vorgenommen, so dass es auch zu autoethnografischen Beschreibungen kam. Gerade bei der teilnehmenden Beobachtung im Rahmen von Meditationen ist es für den Forscher jedoch nicht nur interessant, die anderen zu beobachten und zu befragen, sondern auch die eigene Entwicklung im Feld zu reflektieren. Neben den Beobachtungsprotokollen wurden in diesem Projekt auch Leitfadeninterviews geführt, um tiefere und spezifischere Daten zu gewinnen. Gerade die innerlichen Veränderungen, die durch Meditationen ausgelöst werden könnten, sind beobachtend nicht erfahrbar. Hier muss also das Instrument der Interviews eingesetzt werden. Das Interview ist eine wichtige qualitative Methode. Dabei kommt es darauf an, den Gesprächspartner durch Fragen nicht zu sehr festzulegen, also eine Lenkung durch den Forscher zu verhindern. Auf der anderen Seite darf es aber auch nicht zu unspezifisch sein, da man dann unter Umständen unbrauchbares Material erhält. Bei der Vorbereitung des Leitfadens sollte man sich der Erfahrungen aus dem Feld bedienen, das heißt auch, dass Interviews im Forschungsprozess eher später denn früher anzusiedeln sind. Keinesfalls sollte man sich zu streng an den Leitfaden halten, sondern ihn eben nur als grobe Richtschnur zur Orientierung nutzen. Beim qualitativen Interview ist die Offenheit und Flexibilität des Forschers wichtig. Er muss konzentriert und in der Lage sein, punktuell nachzufragen und nicht einem sklavenhaften Schema zu unterliegen. Generell werden in der Sozialforschung, nach Christel Hopf, 4 Dimensionen unterschieden, die für Interviews relevant sind: Reichweite, Spezifität, Tiefe und personeller Kontext. (Vgl.Hopf 1978, S. 99/100) „Das Spektrum der im Interview angeschnittenen Problemstellungen darf nicht zu eng sein.“ (Hopf 1978, S. 99) Bezüglich der Spezifität sollte dem Gesprächspartner möglichst klar sein, worum es geht. Es sollten also keine überladenen oder übermäßig komplizierten Fragen gestellt werden. Der Stimulus, der das Erzählen generiert, sollte klar definiert sein. Wie tief es in die Materie hineingeht, hängt sowohl von den Kenntnissen des Forschers als auch vom Grad des Gesprächspartners ab. So wurden in dieser Studie die Fragen an den erfahrenen Zen-Mönch natürlich anders und in einer anderen Tiefe gestellt als gegenüber Anfängern. Ob es sich beim Gesprächspartner um einen Anfänger oder einen Fortgeschrittenen handelt, macht natürlich einen großen Unterschied und muss sowohl beim Interview als auch bei der Analyse des Transkriptes berücksichtig werden. Anhand dieser Aspekte wurde ein Leitfaden erstellt und 4 Interviews zum Thema Zen-Buddhismus und Auswirkungen auf den Alltag geführt. Im ersten Teil wurden dabei immanente, also sehr offen gehaltene Fragen gestellt, die als Erzählstimulus wirken sollten. (z.B. Erzählen sie mir wie sie überhaupt zum Zen-Buddhismus gekommen sind und wie sie die Mediationen erleben.). Auf das explizite Forschungsinteresse, etwa in Bezug auf Alltag und Gesundheit, wurde dann im Teil der exmanenten Fragen Bezug genommen. Für diese Forschung wurden ein Zen-Mönch, zwei fortgeschrittene Teilnehmer und ein Anfänger befragt. Zur Konservierung der Gespräche wurde ein Olympus Aufnahmegerät des Lehrstuhls für Soziologie an der Universität Konstanz verwendet. Die relevanten Teile der Interviews (Audiodateien) wurden dann transkribiert, also in Schriftform überführt. Die ethnografischen Daten insgesamt mussten dann mit einem analytischen Ansatz betrachtet werden. In diesem Forschungsprojekt wurde dafür die sogenannte Grounded Theory gewählt, welche von den Sozialwissenschaftlern Barney Glaser und Anselm Strauss während einer Studie über Klinikpersonal entwickelt wurde. Der Ansatz findet sich innerhalb der Tradition der Chicagoer Schule und ist insbesondere bestrebt, qualitativ gesehen situatives Verstehen zu generieren und sich dadurch vom quantitativen Spektrum abzugrenzen. Dem liegt die Annahme zu Grunde, dass „Wenn eine Theorie nicht in Daten gründet, sie [folglich] spekulativ und ineffektiv wird.“ (Strauss 2004, S. 429) Dieser Ansatz ist insbesondere für Felder geeignet, in denen verschiedene Datentypen zur Interpretation erhoben werden können. So kann in der zirkulären Forschungslogik sukzessive eine theoretische Verdichtung erzielt werden und eine fundierte, in Daten gegründete Theorie entstehen. Zunächst wird dabei ein „Theoretical Sampling“ vorgenommen, also definiert, welches Feld, welche Gruppe man untersuchen möchte. Dies kann sich im Prozess verändern. Generell sollte man im gesamten Forschungsprozess fortwährend sogenannte „Memos“ schreiben und nach und nach auch relevante Kategorien und Dimensionen bilden, die für die Forschung relevant sind. “Mit dem Kodieren beginnt sich eine konzeptuell dichte Theorie abzuzeichnen, die natürlich noch weitaus dichter wird, sobald weitere Verbindungen gezogen und ausgearbeitet werden.“(Strauss 2004, S. 448) Interessante Sachverhalte und Felderlebnisse werden so festgehalten. Daran richtet man auch stets sein weiteres Vorgehen im Feld aus, also zum Beispiel auf welche Phänomene oder auch Personen noch genauer eingegangen werden sollte, welche Auffälligkeiten bestehen und wo es sich lohnt noch mal nachzuhaken. So ist es auch möglich ähnliche Fälle im Feld zu suchen (Minimale Kontrastierung) oder stark abweichende Fälle (Maximale Kontrastierung). Bildlich gesehen kommt man mit dem Ansatz der Grounded Theory dann in eine zirkuläre, spiralförmige Forschungslogik. Dabei reflektiert man auch immer wieder seine eigene Rolle als Forscher und entwickelt Folgefragen. Den zirkulären Prozess setzt man idealerweise so lange fort, bis sich eine „theoretische Sättigung“ einstellt, also im betrachteten Feld keine relevanten, neuen Erkenntnisse zu erwarten sind.(Vgl.Strauss 2004, S. 447-449) In dieser Forschungsarbeit wurden die Oberkategorien „Alltagsrelevanz“, „Gesundheitliche Relevanz“ und „Motive für Zen“ gebildet. Für jene Kategorien wurden im Datenmaterial verschiedene Dimensionen identifiziert, die zur Interpretation und Hypothesenbildung herangezogen wurden. Eine kleine Schwäche der Grounded Theory im Prozess der teilnehmenden Beobachtung könnte es im Übrigen sein, dass der Blick nur auf einen relativ kleinen Orbit, eben auf ein Feld gerichtet ist. Um diesen Nachteil auszugleichen wurden in dieser Studie 2 Felder untersucht. Die erste teilnehmende Beobachtung erfolgte am 22.11. 2016 in einem Zendo (Zen-Dojo= Meditationsraum) in Süddeutschland. Dort wurde viermal die Woche meditiert. Dienstags (7 Uhr), donnerstags (7 Uhr und 20 Uhr) und sonntags (20 Uhr). Neben der regelmäßigen Teilnahme in diesem Rahmen besuchte ich auch einen universitären Zen-Kurs. So entstanden im Zeitraum vom 22.11.2016 bis 01.12.2016 insgesamt 6 Beobachtungsprotokolle, die für das Projekt ausgewertet wurden. Neben den schriftlich festgehaltenen Protokollen wurde auch fachliche Literatur sowie Material aus dem Feld, wie zum Beispiel die deutsche Übersetzung eines Sutra miteinbezogen. Der jedoch wichtigste Teil der Forschungsarbeit bestand im Führen qualitativer Interviews und deren Transkription. Die Bereiche der inneren Veränderungen und in Bezug zum Alltag sind, wie bereits erwähnt, nur mit Interviews sinnvoll zu erfassen. Das erste Interview wurde am 14.12.2016 mit einem Zen-Mönch geführt. Es folgten insgesamt drei weitere, mit einem Fortgeschrittenen, einer fortgeschrittenen Anfängerin und einem Anfänger.

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Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss des Zen-Buddhismus auf den Alltag und die Gesundheit
Untertitel
Forschungsbericht einer Studie
Hochschule
Universität Konstanz  (Geisteswissenschaftliche Sektion)
Veranstaltung
Soziologie der Achtsamkeit
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
25
Katalognummer
V378358
ISBN (eBook)
9783668570535
ISBN (Buch)
9783668570542
Dateigröße
708 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Achtsamkeit, Meditation, Religion, Psychologie, Präsenz, Gesellschaft
Arbeit zitieren
Johannes Renner (Autor), 2017, Der Einfluss des Zen-Buddhismus auf den Alltag und die Gesundheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378358

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